Hallo,
ich schreibe mir hier die Sorgen von der Seele, in der Hoffnung, dass mir geholfen wird. Es wird ein längerer Text werden.
Ich bin männlich und im Sommer 21 Jahre alt geworden. Vor drei Jahren habe ich Abitur gemacht (2,3). Bis zur Qualifikationsphase galt ich eigentlich als hochbegabt und sollte sogar auf ein spezielles Internat gehen. Ab der Q-Phase gingen meine Noten etwas herunter. Im Nachhinein ist hierfür als Grund einfach mangelndes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein (v. A. bei der mündlichen Beteiligung in "Laberfächern" wie Deutsch) zu nennen. Das grundlegende Problem war und ist aber, dass ich die Schule in einem geistig komplett unreifen Zustand beendete, weil ich im Nachhinein betrachtet viel zu jung war. Wenn ich als Kannkind mit 7 eingeschult gewesen wäre und G9 gemacht hätte, wäre ich erst letztes Jahr fertig geworden und zwar in einem viel reiferen Zustand. So aber wusste ich gar nichts von der (Arbeits)Welt und hatte mir somit zu meinem, wie ich heute sagen, allertiefsten Bedauern keinen einzigen Gedanken hinsichtlich der Berufswahl gemacht. Warum auch immer. Ich nehme mal an schon allein deshalb bin ich einzigartig.
Selbstverständlich hatte ich mich auch nicht um ein FSJ, FÖJ o. Ä. gekümmert. Da ich Biologie und Chemie als Leistungskurse gehabt hatte, bewarb ich mich einfach mal für Biochemie und Pharmazie, bekam aber in beiden Fällen keinen Platz. Um nicht arbeitslos gemeldet zu sein (Krankenversicherung u. Ä.) schrieb ich mich für Physik ein und lernte somit immerhin das universitäre Leben kennen. Physik war aber wie zu erwarten nichts für mich. Nachdem ich zum darauffolgenden Sommersemester immer noch keinen Platz in Pharmazie bekam, gönnte ich mir eine Auszeit und begann dann zum WiSe 2016 Chemie zu studieren.
Spätestens im dritten Semester verlor ich die Motivation, da ich nie wirklich Chemiker hatte werden wollen. Trotzdem blieb ich auch noch das vierte Semester eingeschrieben und studiere jetzt Chemie und Französisch auf Lehramt, da ich mit der Perspektive Chemielehrer etwas anfangen kann und mich Sprachen auch interessieren. Leider befürchte ich, keine nötige Konzentration aufbringen zu können, was nichtzuletzt an überschwappenden Zweifeln hinsichtlich allem liegt, wie ich im Folgenden erläutern werde.
Spätestens hier sollte sich herauslesen lassen, dass ich lange Zeit einfach ein Penner ohne Perspektive war und womöglich auch noch bin. Erst seit wenigen Wochen ist mir bewusst, was es überhaupt so für Berufe und Werdegänge gibt! Mir war nicht bewusst, dass Abschlüsse das A und O sind, und dass es ohne welchen, wie bei mir, sehr schlecht aussieht. Mir war nicht bewusst, dass kaum jemand so nebenbei ein Studium abbricht, weil sie sich nämlich im Gegensatz zu mir lange Jahre zuvor damit auseinandergesetzt hatten, was sie von Beruf werden wollten. Mir war nicht bewusst, dass man während der Schulzeit Praktika macht, um Berufe kennen zu lernen oder dass Arbeit / Ausbildung oder ein ernstgemeintes (Vollzeit)-Studium mit einem Arbeitsaufwand von vierzig Stunden Woche für Woche verbunden ist.
Mir war nicht bewusst, was Qualifikationen überhaupt sind und dass viele Studiengänge nur den Sinn und Zweck haben, solche zu erwerben, um einem potenziellen Arbeitgeber seine Kompetenz zu beweisen, wohlwissend, dass es danach intellektuell zumeist einfacher werden wird. Mir war nicht bewusst, dass ich selber für mein Leben verantwortlich und dass auch meine Eltern nur Begleiter sind. Mir war nicht bewusst, dass es auch duale Studiengänge gibt für Menschen, die mit der Eigenorganisation an einer staatlichen Universität nicht zurecht kommen. Mir war nicht bewusst, wie direkt Ausbildungsdauer und -anspruch im Verhältnis zum späteren Verdienst stehen. Mir war nicht bewusst, dass ich bisher nur am Chillen war und dass ich womöglich berufslos bleiben werden.
Mir war nicht bewusst, wie tief die seelische Belastung war, zu hören, wer alles schon was erreicht hätte, wie depressiv ich schon war. Mir war nicht bewusst, dass ich schon längst keine Perspektive hatte und auf eine Hartz4-Karriere oder gar Suizid zusteuerte. Mir war nicht bewusst, wie sehr mir wirkliche Arbeit fehlte. Am glücklichsten war ich während des Studiums während der Laborpraktika als ich von morgens bis abends körperlich und auch geistig beschäftigt und ausgelastet war. Wie konnte ich vorher nur so blöd gewesen sein??? Es wurde mir zum Verhängnis, dass meine Eltern mich durchfütterten und ich somit gar nicht gezwungen war, etwas zu leisten. Ich lebte und lebe leider immer noch in einer Scheinwelt. Würden meine Eltern nicht erstens so gut verdienen und zweitens so gnädig mit mir sein, wäre ich schon längst auf der Straße.
Ich hoffe, es ist aus allem herauszuhören, dass ich psychisch extrem leide, was einfach daran liegt, dass ich fürchterlich Angst davor habe, Hilfsarbeiter / Taxifahrer zu sein. Im Grunde bin ich nämlich eigentlich lebensfroh. Des Weiteren zweifle ich wieder an der jetzigen Studienwahl. Ich kann mir gut vorstellen, als Gymnasiallehrer zu arbeiten. Der Weg dahin ist aber, vor dem Hintergrund, dass ich schon in den vergangenen drei Jahren nichts erreicht habe, dermaßen lange (fünf Jahre Studium und zwei Jahre Referendariat), dass ich beinahe bereit bin, diese Berufswahl zugunsten von etwas anderen über Bord zu werfen. Sehr angetan haben es mir duale Studiengänge im öffentlichen Dienst, da Sicherheit (Verbeamtung), alles geregelt, Ausbildung an überschaubaren Hochschulen und nicht chaotischen staatlichen Universitäten und nicht zuletzt die Bezahlung, was mich auf der Stelle von meinen Eltern unabhängig machen würde. Für einige habe ich schon beworben, aber noch keine Rückmeldung bekommen. Beispielsweise würde mir der Rechtspfleger gefallen. Interesse an Jura habe ich auch, wenngleich ich mich nicht an das Studium traute / traue.
Habe ich aber überhaupt noch eine Chance, da etwas zu bekommen, mit meinem "Lebenslauf". Wird man Verständnis haben, dass ich noch gereift bin in den letzten Jahren? Dass ich ein "Spätzünder" bin? Dass ich einfach noch nicht wusste, wie unsere Welt funktioniert? Dass ich bisher noch nicht ans Geld verdienen denken musste, sondern mich mehr oder weniger treiben lassen konnte. Dass ich nicht auf mein Bedürfnis nach einem geregelten Leben gehört habe? Oder habe ich mit 21 Jahren rein auf formaler Ebene (Lebenslauf auf Papier, schwarz auf weiß) schon so verkackt, dass mich kein potenzieller Arbeitgeber haben will?
Ich würde mich freuen, wenn jemand aufmunternde aber auch klare Worte für mich parat hätte.
Grüße
ich schreibe mir hier die Sorgen von der Seele, in der Hoffnung, dass mir geholfen wird. Es wird ein längerer Text werden.
Ich bin männlich und im Sommer 21 Jahre alt geworden. Vor drei Jahren habe ich Abitur gemacht (2,3). Bis zur Qualifikationsphase galt ich eigentlich als hochbegabt und sollte sogar auf ein spezielles Internat gehen. Ab der Q-Phase gingen meine Noten etwas herunter. Im Nachhinein ist hierfür als Grund einfach mangelndes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein (v. A. bei der mündlichen Beteiligung in "Laberfächern" wie Deutsch) zu nennen. Das grundlegende Problem war und ist aber, dass ich die Schule in einem geistig komplett unreifen Zustand beendete, weil ich im Nachhinein betrachtet viel zu jung war. Wenn ich als Kannkind mit 7 eingeschult gewesen wäre und G9 gemacht hätte, wäre ich erst letztes Jahr fertig geworden und zwar in einem viel reiferen Zustand. So aber wusste ich gar nichts von der (Arbeits)Welt und hatte mir somit zu meinem, wie ich heute sagen, allertiefsten Bedauern keinen einzigen Gedanken hinsichtlich der Berufswahl gemacht. Warum auch immer. Ich nehme mal an schon allein deshalb bin ich einzigartig.
Selbstverständlich hatte ich mich auch nicht um ein FSJ, FÖJ o. Ä. gekümmert. Da ich Biologie und Chemie als Leistungskurse gehabt hatte, bewarb ich mich einfach mal für Biochemie und Pharmazie, bekam aber in beiden Fällen keinen Platz. Um nicht arbeitslos gemeldet zu sein (Krankenversicherung u. Ä.) schrieb ich mich für Physik ein und lernte somit immerhin das universitäre Leben kennen. Physik war aber wie zu erwarten nichts für mich. Nachdem ich zum darauffolgenden Sommersemester immer noch keinen Platz in Pharmazie bekam, gönnte ich mir eine Auszeit und begann dann zum WiSe 2016 Chemie zu studieren.
Spätestens im dritten Semester verlor ich die Motivation, da ich nie wirklich Chemiker hatte werden wollen. Trotzdem blieb ich auch noch das vierte Semester eingeschrieben und studiere jetzt Chemie und Französisch auf Lehramt, da ich mit der Perspektive Chemielehrer etwas anfangen kann und mich Sprachen auch interessieren. Leider befürchte ich, keine nötige Konzentration aufbringen zu können, was nichtzuletzt an überschwappenden Zweifeln hinsichtlich allem liegt, wie ich im Folgenden erläutern werde.
Spätestens hier sollte sich herauslesen lassen, dass ich lange Zeit einfach ein Penner ohne Perspektive war und womöglich auch noch bin. Erst seit wenigen Wochen ist mir bewusst, was es überhaupt so für Berufe und Werdegänge gibt! Mir war nicht bewusst, dass Abschlüsse das A und O sind, und dass es ohne welchen, wie bei mir, sehr schlecht aussieht. Mir war nicht bewusst, dass kaum jemand so nebenbei ein Studium abbricht, weil sie sich nämlich im Gegensatz zu mir lange Jahre zuvor damit auseinandergesetzt hatten, was sie von Beruf werden wollten. Mir war nicht bewusst, dass man während der Schulzeit Praktika macht, um Berufe kennen zu lernen oder dass Arbeit / Ausbildung oder ein ernstgemeintes (Vollzeit)-Studium mit einem Arbeitsaufwand von vierzig Stunden Woche für Woche verbunden ist.
Mir war nicht bewusst, was Qualifikationen überhaupt sind und dass viele Studiengänge nur den Sinn und Zweck haben, solche zu erwerben, um einem potenziellen Arbeitgeber seine Kompetenz zu beweisen, wohlwissend, dass es danach intellektuell zumeist einfacher werden wird. Mir war nicht bewusst, dass ich selber für mein Leben verantwortlich und dass auch meine Eltern nur Begleiter sind. Mir war nicht bewusst, dass es auch duale Studiengänge gibt für Menschen, die mit der Eigenorganisation an einer staatlichen Universität nicht zurecht kommen. Mir war nicht bewusst, wie direkt Ausbildungsdauer und -anspruch im Verhältnis zum späteren Verdienst stehen. Mir war nicht bewusst, dass ich bisher nur am Chillen war und dass ich womöglich berufslos bleiben werden.
Mir war nicht bewusst, wie tief die seelische Belastung war, zu hören, wer alles schon was erreicht hätte, wie depressiv ich schon war. Mir war nicht bewusst, dass ich schon längst keine Perspektive hatte und auf eine Hartz4-Karriere oder gar Suizid zusteuerte. Mir war nicht bewusst, wie sehr mir wirkliche Arbeit fehlte. Am glücklichsten war ich während des Studiums während der Laborpraktika als ich von morgens bis abends körperlich und auch geistig beschäftigt und ausgelastet war. Wie konnte ich vorher nur so blöd gewesen sein??? Es wurde mir zum Verhängnis, dass meine Eltern mich durchfütterten und ich somit gar nicht gezwungen war, etwas zu leisten. Ich lebte und lebe leider immer noch in einer Scheinwelt. Würden meine Eltern nicht erstens so gut verdienen und zweitens so gnädig mit mir sein, wäre ich schon längst auf der Straße.
Ich hoffe, es ist aus allem herauszuhören, dass ich psychisch extrem leide, was einfach daran liegt, dass ich fürchterlich Angst davor habe, Hilfsarbeiter / Taxifahrer zu sein. Im Grunde bin ich nämlich eigentlich lebensfroh. Des Weiteren zweifle ich wieder an der jetzigen Studienwahl. Ich kann mir gut vorstellen, als Gymnasiallehrer zu arbeiten. Der Weg dahin ist aber, vor dem Hintergrund, dass ich schon in den vergangenen drei Jahren nichts erreicht habe, dermaßen lange (fünf Jahre Studium und zwei Jahre Referendariat), dass ich beinahe bereit bin, diese Berufswahl zugunsten von etwas anderen über Bord zu werfen. Sehr angetan haben es mir duale Studiengänge im öffentlichen Dienst, da Sicherheit (Verbeamtung), alles geregelt, Ausbildung an überschaubaren Hochschulen und nicht chaotischen staatlichen Universitäten und nicht zuletzt die Bezahlung, was mich auf der Stelle von meinen Eltern unabhängig machen würde. Für einige habe ich schon beworben, aber noch keine Rückmeldung bekommen. Beispielsweise würde mir der Rechtspfleger gefallen. Interesse an Jura habe ich auch, wenngleich ich mich nicht an das Studium traute / traue.
Habe ich aber überhaupt noch eine Chance, da etwas zu bekommen, mit meinem "Lebenslauf". Wird man Verständnis haben, dass ich noch gereift bin in den letzten Jahren? Dass ich ein "Spätzünder" bin? Dass ich einfach noch nicht wusste, wie unsere Welt funktioniert? Dass ich bisher noch nicht ans Geld verdienen denken musste, sondern mich mehr oder weniger treiben lassen konnte. Dass ich nicht auf mein Bedürfnis nach einem geregelten Leben gehört habe? Oder habe ich mit 21 Jahren rein auf formaler Ebene (Lebenslauf auf Papier, schwarz auf weiß) schon so verkackt, dass mich kein potenzieller Arbeitgeber haben will?
Ich würde mich freuen, wenn jemand aufmunternde aber auch klare Worte für mich parat hätte.
Grüße