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Neues Leben nach den Computerspielen

Himdol

Neues Mitglied
Eine kleine Geschichte über Mediensucht
Gerichtet an die, die sich fragen ob sie süchtig sind, ob man ihnen helfen kann und ob es sich überhaupt lohnt eine Therapie zu machen


Kurz zu mir: Ich bin männlich, 23 und studiere Geschichte und Englisch auf Lehramt.

Ende 2012 habe ich hier im Forum diesen Beitrag gepostet:
http://www.hilferuf.de/forum/studium/161673-krankhafte-blockade-oder-einfach-nur-faul.html

Darin habe ich geschrieben, dass ich es einfach nicht schaffe mein Studium und meine Faulheit in den Griff zu bekommen und keine Ahnung habe was ich ändern soll. Unter anderem habe ich diesen Satz formuliert: "In dieser Zeit (in der 9./10.Klasse) fing es aber mit der Aufschieberitis an, ohne dass ich sagen könnte dass es einen Auslöser gab, wie Sucht, schulischer Misserfolg oder so etwas."
Nun, seitdem hat sich einiges geändert..

Ein paar Monate nach diesem Beitrag hatte ich mehrere Prüfungen am Ende des Semesters vor mir. Wie immer habe ich natürlich nichts gemacht, dieses mal bis zum Ende. Ich habe also den ersten Versuch in mehreren Prüfungen vergeigt. Der zweite Versuch ein paar Wochen später lief aber auch nicht besser. Tatsächlich habe ich am Wochenende vor der Prüfung nur noch gezockt - Videospiele. Obwohl ich genau wusste, dass es jetzt richtig knapp wird habe ich immer länger gespielt und am Ende auch nicht mehr geschlafen. Es war als ob ich komplett fremdgesteuert wäre. Ich habe geheult, nicht weil ich wusste dass ich meine Prüfungen schon wieder nicht schaffen würde, sondern weil ich wahnsinnig verzweifelt darüber war, dass ich mich nicht kontrollieren konnte.

Das war sozusagen mein Schlüsselerlebnis. Erst durch diese Empfindung, dass ich keine Kontrolle mehr habe, dass ich genau weiß wie schlecht das ist was ich tue und es trotzdem nicht verhindern kann, ist mir klargeworden dass ich nicht einfach nur gerne viel Spiele, sondern dass ich ein ernstes Problem habe.

Nach den Prüfungen habe ich mich bei der städtischen Einrichtung für Mediensucht gemeldet und schnell einen ersten Termin bekommen. Zuvor habe ich außerdem alle Spiele von meinem PC gelöscht mit der Absicht nie wieder zu spielen... Im Laufe des Sommers war ich immer wieder in dieser Einrichtung, habe eine stationäre Therapie beantragt - und bis zum Beginn der Therapie erstmal trotzdem weiter gespielt. Das war sozusagen das letzte Aufbäumen, das mir auch das Sommersemester versaut hat, allerdings habe ich mich dieses mal garnicht mehr zu den Prüfungen angemeldet.

Mit der stationären Therapie im Herbst 2013 habe ich dann vielleicht einen meiner wichtigsten Schritte in meinem bisherigen Leben gemacht. Ich habe dort in den acht Wochen sehr viel über meine Vergangenheit, die Sucht und wie man damit umgehen kann und darüber was ich tun muss um glücklich zu werden gelernt.
In meinem alten Beitrag aus dem Forum hier, habe ich geschrieben dass ich ca. ab der 9. Klasse immer mehr Probleme hatte mit der Schule - das ist genau die Zeit in der wir Internet in der Wohnung hatten und ich angefangen habe World of Warcraft zu spielen, neben vielen anderen Online-Spielen. Ich habe schon zu Abi-Zeiten oft darüber nachgedacht ob ich denn nun süchtig bin. Das Spiel (WoW) hat ja den Ruf viele "Suchtis" anzuziehen, war aber dann immer der Meinung ich könnte es kontrollieren. Ich dachte ich wäre schlicht zu faul, hätte andere Interessen etc... heute ist mir klar geworden dass mein Spielverhalten DAS Problem war, das mich jahrelang gehindert hat mich z.B. der Schule zu widmen, weiter Musik zu machen und Selbstbewusstsein zu entwickeln.
Mir wurde in der Therapie auch meine lange vermutete Depression mit Suizidgedanken "bescheinigt", die natürlich mit der Sucht zusammenhängt, die aber vielleicht noch länger ein Problem war wegen einigen familiären Problemen, die dazu geführt haben dass ich mich immer mehr zurückgezogen und Ausgleich im Internet, in Online Spielen und auch in Videos und Facebook etc. gefunden habe.

Seitdem bin ich in einer Nachsorgebehandlung und mache eine Verhaltenstherapie, habe fast alle meine alten Prüfungen im letzten Versuch bestanden und bin auf einem guten Weg. Mein Leben kommt in Ordnung. Ich habe das erste mal in meinem Leben richtiges Selbstbewusstsein entwickelt, nachdem ich diese Prüfungen geschafft habe und bin so glücklich wie ich es wohl seit ich ein kleines Kind war nicht mehr gewesen bin. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Es gibt Momente in denen ich an die Spiele zurückdenke, die hat jeder trockene Süchtige, egal was seine Droge war. Aber das Gefühl von Selbstbewusstsein, glücklich sein, etwas im Leben zu schaffen ist so viel mehr Wert als die größten Spielwelten, die seltensten Reittiere, schönsten Grafiken oder interessantesten Spielmechaniken. Kein Video kann echte Erlebnisse mit echten Freunden toppen. Kein high-level-Character ist auch nur ansatzweise so viel Wert wie die lebenslange Arbeit an sich selbst, das glücklich-werden und zu-sich-selbst-finden.

Computerspiele waren damals als ich angefangen habe noch etwas für "Geeks". Heute hat fast jeder eine Konsole oder Spiele auf dem Computer. Videospiele sind Mainstream geworden, es ist nichts ungewöhnliches mehr einen Abend oder ein Wochenende zu verdaddeln. Nicht jeder hat ein Problem mit diesen Spielen, wie ich zum Beispiel auch kein Problem mit Alkohol oder Zigaretten habe. Aber ich glaube, dass es sehr viele Leute gibt die süchtig sind und es genauso wie ich damals nicht wissen, oder nicht wissen wollen.



Seid ehrlich zu euch selbst!
Das geht nicht nur an Spielsüchtige sondern an alle Süchtigen: Seid ehrlich zu euch selbst! Wenn man sich nicht sicher ist ob man süchtig ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man es ist.

Und an alle die unter Depressionen und/oder Suizidgedanken leiden, wie ich sie auch hatte: Das Leben ist lebenswert. Immer.
Glücklich sein ist es wert darauf hin zu arbeiten, auch wenn es schwer fällt alte Gewohnheiten aufzugeben. Es gibt kein besseres Lebensgefühl.

Sucht euch Hilfe! Ihr werdet ernst genommen, ihr könnt nur gewinnen.
 
Lieber Himdol

Wow, dieser Text könnte von mir stammen! Ich freue mich, dass du über die Sucht weggekommen bist.
Ich selber hatte auch jahrelang miese Noten wegen diesen Scheissspielen. Süchtig in dem Sinne war ich aber nur bei ganz bestimmten Games (RPG), weil man dort sich so herrlich verlieren konnte. Zu der Zeit war ich wirklich süchtig und lebte nur noch fürs Spiel; ich wartete jeden Tag an der Uni bis auf den Abend, um endlich spielen zu können. Was in der realen Welt um mich geschah, realisierte ich überhaupt nicht mehr. Es dauerte gut drei Monate, bis ich endlich mit dem Game fertig war. Man könnte sagen, es war Zeitverschwendung (es gingen ca. 80 Stunden meines Lebens drauf); es kommt mir aber nicht mal so vor, ABER nur, weil dies das erste Game war (und hoffentlich auch das Letzte), bei dem ich in eine so wundervolle Welt versinken konnte und während dem Spiel alles vergessen konnte.
Meiner Meinung nach müssten Spiele wie WoW verboten sein, weil das Spiel absichtlich so gemacht ist, dass es süchtig macht. Das ist wie Heroin. Oder es braucht einen Hinweis, dass die Games abhängig machen können (Meine Idee wäre, dass es so ein Bewertungssystem gibt nach Stufe der Suchtgefahr; z.B. grün für geringe, gelb für leichte, orange für mittlere und rot für schwere Suchtgefahr). Dann wird man es sich gut überlegen, ob man ein Game wirklich anfangen will.
Spielst du gar keine Videospiele mehr? Oder nur noch solche, die ich sag mal keinen Inhalt haben (z.B. Wii)? Und hast du ein Hobby für dich gefunden, um die Sucht zu ersetzen?
 

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