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Nervige Themen und Ratschläge der Eltern

alo

Mitglied
Guten Morgen allerseits.

Ich versuche es mal kurz zusammen zu fassen. Meine Elter sind seit gut 15 Jahren in Rente. Sind körperlich und geistig fit, aber "stehen geblieben" in ihrer kleinen Welt. Vor knapp 40 Jahren zogen sie aus einer Metropolen-Großstadt in ein Kaff ca 30km entfernt von der Großstadt aufs Land. Meine Mutter kommt aus dem Ort, mein Vater aus der Großstadt. Als Kind wächst man halt da auf, ich bin auch ein Landmensch, bereue es ein wenig, dass ich es selber nicht geschafft habe, hier weg zu kommen, ich wohne in einem Nachbarort.

Meine Eltern sind sehr konservativ, haben wenig bzw. keine echten Freunde, bisschen Verwandtschaft rings herum wohnt hier. Meine Eltern führen ein in meinen Augen recht einfaches Leben, machen gemeinsam Sport, hocken viel daheim, lesen, PC, Youtube, und Fernsehen.

Für gewöhnlich war ich vor dem ganzen Coronakram 1x die Woche da oder telefonieren. Manchmal auch mehr. Ich halte meine Eltern immer up-to-date, was ich so mache, ich hab manchmal das Gefühl, das ist die einzige "News Quelle" in ihrem Leben, wo man was passiert. Meine Geschwister sind nicht so eng verbunden oder oberflächlicher, die haben selbst ihre Familien mit Kindern, ich habe keine und bin unverheiratet.

Manchmal hab ich so das Gefühl meine Eltern lassen sich halt so ein bisschen an mir aus mit ihren Ideen und Ratschlägen. Das nervt mich zunehmend gewaltig.

Mein Gefühl ist und ich glaube es trügt mich nicht, dass meine Eltern mir ständig irgendwelche gut gemeinten aber sinnfreien Ratschläge geben wollen, immer zu einem Thema, das gerade so passend ist und mich umtreibt. Seit einiger Zeit bin ich unzufrieden mit meinem Job und muss halt sehen wie ich da raus komme. Ständig kommen dann irgendwelche Tipps, was ich in einem Vorstellungsgespräch hatte tun sollen oder was mein Vater jetzt so aus seinem reichlichen Erfahrungsschatz zum Besten gegeben hätte - mein Vater hatte glaub ich vor 50 Jahren ein persönliches Gespräch und im Leben noch keine Bewerbung geschrieben oder einen Lebenslauf - mit anderen Worten ohne es böse zu meinen - er hat keine Ahnung.

Ich kann mit meinen Eltern nahezu über nichts neutral vernünftig sprechen, ohne nicht irgendwelche sinnbefreiten Tipps zu bekommen. Berichte ich zB (weils gerade mein Hauptthema ist) von einem Vorstellungsgespräch, bekomme ich Ratschläge, was man hätte wie machen können und diese Ratschläge sind einfach so derbe unrealistisch veraltet.

Vor allem ist es so, dass meine Eltern oft Ratschläge geben, bei denen ich weiß, dass sie es selbst so nie umgesetzt hätten. Das nervt mich wohl am meisten. "Ich solle flexibel sein und dies und jenes und mal über die Grenzen gehen" und meine Eltern selbst waren dermaßen statisch in ihrem Leben, dass ich mir denke.....was soll ich mit diesen Tipps anfangen.

Es ist schwierig, da ich das meinen Eltern schon mehrfach gesagt habe, aber sie keine eigenen Themen zum "Unterhalten" finden. Vielmehr wird dann erwartet, dass ich irgendwas serviere und dann wird sich daran abgearbeitet. Alle paar Wochen endet das im Krach und ich melde mich halt garnicht mehr, dann läuft es wieder langsam an und irgendwann einige Wochen später kracht es wieder.

Ich würde da gern mal einen "Cut" machen, aber ich glaube kaum, dass man Menschen, die auf die 80 zugehen noch nennenswert geändert bekommt.
 
"Ich halte meine Eltern immer up-to-date, was ich so mache, ich hab manchmal das Gefühl, das ist die einzige "News Quelle" in ihrem Leben, wo man was passiert. "

Wieso hälst du sie up to date? Bist du ihr Fernseher, ein Spielzeug, ein sonstiges Werkzeug der Unterhaltung? Oder doch ein Mensch mit eigenen Leben?

Du bist erwachsen und nicht dafür zuständig ihr eigenes verpenntes Sozialleben auszugleichen.
Erzähl ihnen nix mehr und gut ist.
 
Wenn Du einmal 80 sein wirst, wird es Dir bei so manchen Themen ähnlich gehen. Ich kenne keine "Generation", die sich nicht über die Vorgänger lustig gemacht hätte und es selbst nicht besser hin bekommt, wenn der Staffelstab an einen weiter gereicht wird. Du hast natürlich recht, dass ein wenig "Altersstarrsinn" einen nerven kann, aber wie gesagt, mach das erst einmal selbst besser.

Meine Mutter ist 85. Bis vor einigen Jahren gab es zwischen uns auch immer mal wieder Streit, weil ich "zu viel" erzählt habe und mir ihre Antwort dann prompt einen Knüppel zwischen die Beine warf. Eine Zeit lang habe ich dann gewisse Themen "ausgeblendet". Aber unsere Gespräche haben sehr an Tiefe und Sinn verloren, wenn man nur noch über das Wetter quasseln will. Heute halte ich mir immer wieder vor Augen, worum es mir bei diesen Gesprächen mit ihr geht und was daran das Wertvolle ist: ich möchte Zeit mir meiner Mutter verbringen und nicht nur überstehen. Das ist immer wieder eine Herausforderung, aber ich bin und sollte alt genug dafür sein. Geduld und Wertschätzung können solche Klippen liebevoll umschiffen. Auch Du wirst vielleicht eine Zeit erleben, in der Du auf die Geduld und die Wertschätzung anderer angewiesen bist. Das degradiert Dich nicht zum Spielzeug, sondern ist eine bewusste und liebevolle Entscheidung.

Und was die Ratschläge angeht, die man selbst nie so befolgen würde: vielleicht steckt dahinter auch ein wenig die Erkenntnis der eigenen Grenzen und der eigenen Fehler und man wünscht sich, dass es das eigene Kind über diese Grenzen hinweg schafft. Nicht immer stecken Machtgier und Neid hinter allem. Manchmal ist es einfach das eigene Unvermögen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du beschwerst dich, dass du nicht angemessene Tipps von deinen Eltern bekommst.
Du bist in gewisser Art und Weise aber genauso wie deine Eltern.
Du siehst das Leben deiner Eltern kritisch und würdest ihnen auch gern Ratschläge geben.
Deine Eltern leben ihr Leben, lt. deinen Beschreibungen finde ich das gut wie die das in Ihrem Alter machen, so mit PC und so.
Das musst du lernen, so wie sind, zu akzeptieren.
Du musst dich auch stärker lösen von deinen Eltern. Damit meine ich nicht den Kontakt einzuschränken, sondern Themen, wo schon die Gefahr besteht, dass es zu Auseinandersetzungen kommt, auszuklammern oder diese nur oberflächlich zu bereden.
Wenn dir die Meinung oder die Ratschläge deiner Eltern nicht zusagen, dann geh darüber hinweg. Bleib neutral, vertiefe die Meinungsverschiedenheiten nicht.
Deine Eltern ändern sich nicht, müssen sie auch nicht, und du Änderst deine Meinung auch nicht.
Mach dich nicht abhängig von den Ratschlägen deiner Eltern.
Du bist in einem Alter, wo man eloquent darüber hinweggehen kann.
Die Phase der großen Auseinandersetzungen mit den Eltern finden in der Jugend und wenige Jahre danach statt. Ich gehe jetzt davon aus, dass du dieses Alter schon lange hinter dir hast.
 
Danke für die vielen konstruktiven Antworten an Alle.

Das Problem ist tatsächlich, bin ich bei meinen Eltern, schweigen wir uns auch gut und gern mal beim Essen mehrere Stunden an, weil einfach keiner etwas zu sagen hat, weil keiner etwas erlebt, außer mir, da ich im Alltag stehe, mal hier und da mit Freunden, Kollegen usw. Austausch habe und natürlich auch meine Arbeit usw.

Aber dann denk ich mir, wenn ich euch schon besuche, habe ich keine Lust stundenlang da zu hocken und euch zuzusehen, wie ihr TV glotzt oder schweigend in die Zeitung schaut.

Ja, es gibt dann tatsächlich keine Themen, nicht mal oberflächliche "Wie ist das Wetter", damit kann und will ich kein Gespräch führen.

Als Spielzeug betrachtet, nun jedenfalls hab ich keine Lust den Unterhalter zu machen, und ich hab auch keine Lust aus Gewissensgründen Zeit tot zu schlagen, wenn keiner Themen hat, dann ist das so, das mag kalt klingen, aber was habe ich von quantitativer Zeit ohne Inhalt.

Um es mal an einem Beispiel fest zu machen - ich erzähle aktuelles aus dem Büro, dass aufgrund von Corona einige Kollegen sich als Risikopatienten erklärt haben (Übergewicht, Raucher, was weiß ich) und daraufhin beschlossen haben, HomeOffice zu machen, während andere im Büro sind und keinen Schutz haben. Nun dann ist die Antwort "Dem Chef würde ich die Meinung geigen". Ich habe meine Eltern noch nie erlebt, dass sie irgendwem die Meinung gegeigt haben, geschweige denn sich durchgesetzt haben, geschweige denn sich mal bei übelster Grippe krank gemeldet hätten. Also das ist derbe unglaubwürdig, und sowas ist dann inhaltlich stundenlang Thema, dann bekomme ich im Nachgang noch Tipps per Whatsapp, wie man da genau arbeitsrechtlich was zu tun hat, meine Eltern haben sich ihr Leben lang nie gegen Ungerechtigkeiten gewehrt, ich erinnere mich nicht einmal, dass sie gegen einen Bescheid einer Behörde vorgegangen sind, den sie als ungerecht empfunden haben und geben mir Tipps, wie ich was tun soll.....

Das ist nur ein Auszug, ich glaube wenn man nicht direkt betroffen ist, reagiert man etwas gelassener, als wenn man weiß, dass diese Ratschläge von Menschen kommen, die diese selbst nie umgesetzt hätten.
 
Danke für die vielen konstruktiven Antworten an Alle.

Das Problem ist tatsächlich, bin ich bei meinen Eltern, schweigen wir uns auch gut und gern mal beim Essen mehrere Stunden an, weil einfach keiner etwas zu sagen hat, weil keiner etwas erlebt, außer mir, da ich im Alltag stehe, mal hier und da mit Freunden, Kollegen usw. Austausch habe und natürlich auch meine Arbeit usw.

Aber dann denk ich mir, wenn ich euch schon besuche, habe ich keine Lust stundenlang da zu hocken und euch zuzusehen, wie ihr TV glotzt oder schweigend in die Zeitung schaut.

Ja, es gibt dann tatsächlich keine Themen, nicht mal oberflächliche "Wie ist das Wetter", damit kann und will ich kein Gespräch führen.

Als Spielzeug betrachtet, nun jedenfalls hab ich keine Lust den Unterhalter zu machen, und ich hab auch keine Lust aus Gewissensgründen Zeit tot zu schlagen, wenn keiner Themen hat, dann ist das so, das mag kalt klingen, aber was habe ich von quantitativer Zeit ohne Inhalt.

Um es mal an einem Beispiel fest zu machen - ich erzähle aktuelles aus dem Büro, dass aufgrund von Corona einige Kollegen sich als Risikopatienten erklärt haben (Übergewicht, Raucher, was weiß ich) und daraufhin beschlossen haben, HomeOffice zu machen, während andere im Büro sind und keinen Schutz haben. Nun dann ist die Antwort "Dem Chef würde ich die Meinung geigen". Ich habe meine Eltern noch nie erlebt, dass sie irgendwem die Meinung gegeigt haben, geschweige denn sich durchgesetzt haben, geschweige denn sich mal bei übelster Grippe krank gemeldet hätten. Also das ist derbe unglaubwürdig, und sowas ist dann inhaltlich stundenlang Thema, dann bekomme ich im Nachgang noch Tipps per Whatsapp, wie man da genau arbeitsrechtlich was zu tun hat, meine Eltern haben sich ihr Leben lang nie gegen Ungerechtigkeiten gewehrt, ich erinnere mich nicht einmal, dass sie gegen einen Bescheid einer Behörde vorgegangen sind, den sie als ungerecht empfunden haben und geben mir Tipps, wie ich was tun soll.....

Das ist nur ein Auszug, ich glaube wenn man nicht direkt betroffen ist, reagiert man etwas gelassener, als wenn man weiß, dass diese Ratschläge von Menschen kommen, die diese selbst nie umgesetzt hätten.

Dann würde ich an deiner Stelle überlegen wie sinnvoll ein weiterer Kontakt ist.
 
Das sehe ich genauso, also ich habe früher oft Kontakt zu Bekannten oder Kollegen gehalten. Nur sind das halt die Eltern, das ist Verwandtschaft, was anderes. Aber im Kern natürlich das Gleiche, wenn es um den Inhalt geht. Es gibt viele Freunde oder Bekannte, denen ich schon lange Vieles nicht mehr erzähle.
 
Was ist daran schlimm über das Wetter zu reden?
Ist meistens ein unverfängliches Thema.
Warum müssen Gespräche immer Tiefgang haben?

Vermeide das Thema Arbeit.

Redet über Pflanzen, die gerade draußen Blühen.
Kein Themen, die von Menschen handeln.
Ich werdet und müsst euch da auch nicht einig sein.
Vermeide einfach solche Themen.
Und wenn du dich noch so viel ärgerst, deine Eltern ändern sich nicht.
Du bist nicht der Erziehungsberechtigte deiner Eltern.
Bleib einfach locker bei Gesprächen mit deinen Eltern, alles andere schafft nur Probleme und ändert gar nichts.
 
Es kann auch gut sein, daß sich Deine Eltern selbst genug sind und gar nicht so erpicht auf einen derart engen Kontakt. Nach dem, was Du erzählt hast, könnte das eine Möglichkeit sein.
Während der Coronakrise gab es in BY über Ostern sehr strikte Ausgangsbeschränkungen. Ein Ehepaar meinte, das wären die entspannendsten und friedvollsten Ostern gewesen, die sie seit langem hatten. Keine Kinder samt Familie sind eingeflogen ins elterliche Nest. Sie konnten endlich einmal die Feiertage in Ruhe verbringen, wie sie es wollten.
 
Ich hatte eine gute Kindheit, fast überbehütet. Ein fast zu enges Verhältnis zu den Eltern, die dazu neigen einen zu vereinnahmen meiner Ansicht nach.

Also Kontaktabbruch wäre ziemlich krass finde ich, aber Einschränken ist möglich. Ich weiß nicht, ich bin nicht der Typ, der sich mehrere Stunden übers Wetter unterhalten will, kann und meine Zeit ist mir da auch zu schade, mich irgendwo hin zu begeben um mich über Trivialitäten zu unterhalten, ich denke da bin ich zu egoistisch veranlagt, wenn mich was partout nicht interessiert, dann meide ich diese Themen.
 

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