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Gelöscht 87443
Gast
Ich bin 33 Jahre alt und ich habe lange geahnt, dass mit meinen Eltern etwas nicht stimmt. Die finale Erkenntnis habe ich nach einem der vielen Streits erlangt. Primär ist meine Mutter die narzisstische Person. Ich schreibe aber bewusst von narzisstischen Eltern, da sich mein Vater irgendwann meiner Mutter untergeordnet und ihr Verhalten teilweise übernommen hat. Schon zu Schulzeiten fiel mir auf, dass ich anders erzogen wurde als meine Mitschüler. Ich habe es immer darauf zurück geführt, dass meine Mutter deutlich älter war als die anderen Mütter und ich daher noch von einer anderen Generation erzogen wurde. Sie waren sehr streng und kontrollierend. Als kleines Kind macht man noch alles mit, da man seine Eltern nicht hinter fragt. Als ich in die Pubertät kam, kam es zu den ersten Auseinandersetzungen, die zunehmend eskalierten. Es fing damit an, dass meine Eltern sukzessiv alle meine Freundinnen für schlecht empfunden haben. Sie erteilten Kontaktverbote und schmissen sie sogar aus unserem Haus, bis fast niemand mehr zu Besuch kam. Man muss dazu sagen, dass meine Eltern selbst keine Freunde hatten. Selbst der Kontakt zu Verwandten wurde reglementiert und eingedämmt. Meine Mutter hat es so weit getrieben, dass sie sogar als ich schon Studentin und ausgezogen war, meine Telefonliste kontrolliert hat und ich mich dafür Recht fertigen musste, warum ich zu dieser einen Freundin noch Kontakt habe. Meinen ersten Freund haben sie unter Androhung die Polizei zu rufen aus dem Haus geschmissen, so wie sie jeden weiteren Partner von mir abgelehnt haben. Sogar mit Ende 20 durfte mein Partner zunächst das Haus nicht betreten. Als ich zu Jugendzeiten meinen eigenen Look entdeckt und ausprobiert habe, wurde ich als Nutte beschimpft. Noch heute bekomme ich Kommentare zu unangemessenen Outfits. Generell ist jeder Schritt, den ich gehe und jede Entscheidung, die ich treffe falsch und verantwortungslos. Meine Mutter kommentiert dann alles live, wie und was ich eigentlich jetzt tun müsste und gibt mir Anweisungen. Ich wollte Jura studieren. Das trauten sie mir jedoch nicht zu, stattdessen ist es BWL geworden. Ich bin im Studium schwanger geworden und ich konnte es ihnen nicht sagen. Das ging, da ich im Ausland studiert habe. Ich wusste, wenn sie Bescheid wüssten, hätten sie mir eingebläut, dass ich das Studium nicht schaffe. Ich habe es trotz Baby und fehlendem Zuspruch dennoch geschafft. Über die Schwangerschaft habe ich sie 2 Wochen vor Geburt informiert. An Materiellem hat es mir nie gemangelt, eher im Gegenteil, was mich zunächst zu einem sehr uneigenständigen Menschen gemacht hat. Bis heute habe ich Probleme mit dem Aufräumen, weil es mir immer abgenommen worden ist. Inzwischen bin ich eine eigenständige und finanziell unabhängige Frau mit einem ordentlichen Beruf. Um meinen Sohn kümmere ich mich weitestgehend alleine. Nur in den Ferien und im Krankheitsfall benötige ich die Unterstützung meiner Eltern noch. Aber genau aus dieser Unterstützung nehmen sie sich das Recht weiter über mein Leben bestimmen zu wollen, z. B. wo ich in den Urlaub fahre, wer als Partner zulässig ist, bis hin wo ich mich aufzuhalten habe. Das ist kein Scherz. Ich habe mich all ihren Versuchen mich zu dominieren widersetzt. Ich habe meine Freundinnen noch aus Schultagen behalten, habe die Welt bereist (auch wenn meine Mutter jedes mal erwähnen muss, dass dieser Gewalttrip Schuld an dies und jenem nicht im Zusammenhang stehenden Ereignis ist) und ich habe zu all meinen Partnern gestanden, die ich je hatte. Ich bin ein offener, toleranter und sozialer Mensch. Und trotz der Defizite, die ich davon getragen habe, versuche ich meinen Sohn mit Liebe groß zu ziehen. Als ich nach der Geburt mit meinem Sohn im Bett gekuschelt habe, warf meine Mutter mir eheähnliche Verhältnisse vor. Sie ist homophob und rassistisch. Ich habe eine sehr gute lesbische Freundin und mein letzter Partner kam aus Kamerun. Ich kann ihr Gedankengut und ihr Weltanschauung nicht teilen. Nein, ich lehne sie aus tiefstem Herzen ab. Ich habe so viel Leid erfahren. Ich könnte noch zig Beispiele geben. Aber in einer Sache sind sie auch sehr gut, nämlich Schuldgefühle machen. Ich habe gerade sogar Schuldgefühle, dass ich solche Worte über meine Eltern schreibe. Die Eltern, die so viel Geld in mich investiert und so viel für mich gemacht haben. In mir klafft ein großes Loch, eine tiefe Sehnsucht. Ich möchte einfach nur von ihnen geliebt werden, verstanden werden, für meine Leistung geachtet werden. Ich wünsche mir, dass sie bedingungslos hinter mir stehen und an mich glauben. Ich habe so oft gehört wie sie über mich undankbares Kind hergezogen haben, mich bei anderen schlecht gemacht haben. Vieles habe ich dennoch erreicht, nur eine funktionierende Partnerschaft habe ich noch nicht hinbekommen. Ich wünsche mir sehr eines Tages zu heiraten und eine liebevolle Beziehung basierend auf gegenseitigem Respekt mit meinem Partner zu führen. Doch dieses Loch in mir wird niemand je ersetzen. Wird diese Stimme in mir, die jede meiner Entscheidungen in Frage stellt, je Ruhe geben? Neulich bin ich schwach geworden und habe einen Traumurlaub storniert und hohe Stornokosten in Kauf genommen, aufgrund heftiger Panikattacken wegen Flugangst. Langsam bekomme ich Zweifel, ob meine Psyche mir nicht einen Streich gespielt hat, denn zuvor habe ich mir Gedanken gemacht, dass diese Fernreise meine Eltern nicht begeistern würde. Ich habe über Zeit die diverse Therapien wegen unterschiedlichen psychischen Problemen machen müssen, u. a. Depressionen, Ängsten und einer Körperbildstörung. Ich habe nun entschlossen den Kontakt zu meinen Eltern auf ein Minimum zu reduzieren. Nur mein Sohn darf sie ab und an sehen, weil ich ihm nicht seine Großeltern nehmen will und weil ich nicht so sein will wie meine Mutter, die uns unsere Großeltern vorenthalten hat, weil sie selbst den Kontakt abgebrochen hat. Ich bin trotz fehlendem familiären Rückhalt so weit gekommen. Und trotz der ganzen Probleme im Alltag möchte ich für meinen Sohn und mich eine richtige Familie mit allem was dazugehört schaffen! Und das werde ich auch erreichen, egal wie steinig der Weg!