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Missbrauch oder nicht?

  • Starter*in Starter*in Wynter
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W

Wynter

Gast
Hallo,

um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was ich für Antworten erwarte. Aber dieses Thema beschäftigt mich momentan sehr und es ist für mich auch sehr schwer.

Ich bin jetzt seit knapp 1,5 in psychotherapeutischer Behandlung. Angefangen habe ich dort mit einer Geschichte, ich sei von meinem Stiefvater vergewaltigt worden, was nicht stimmt.

Ich verletze mich aber schon seit fast 5 Jahren selber und habe auch schon öfter an Selbstmord gedacht. Auch ist es keine Lüge, dass es mir schlecht geht und auch schon lange vorher ging.

Vor einem Jahr dann ungefähr habe ich meiner Therapeutin die Wahrheit gesagt und ihr gestanden, dass ich gar nicht vergewaltigt worden war.

Inzwischen nimmt sie jedoch an, dass meine ursprüngliche Lüge sexuelle Gewalt erlebt zu haben keine Lüge ist, sondern verdrängt Wahrheit. Die Lügengeschichte ist nicht der einzige Grund zu dieser Annahme. Entscheidender ist wohl, dass ich seit jetzt 3 Jahren mit meinem Freund zusammen bin und nun schon über ein Jahr mit ihm zusammenlebe und ich einfach keinen GV mit ihm haben kann. Er drängt mich zum Glück zu nichts und ist sehr verständnisvoll. Ich versuche es auch immer wieder, denn ich liebe ihn über alles, aber den größten "Erfolg" hatten wir an unserem 3-Jährigen. Er drang ein Stück in mich ein und sofort hatte ich totale Angst und eine Panik vor dem Kontrollverlust.

Seit diesem Tag geht es mir wieder viel schlechter und ich kann mich von ihm nur schlecht anfassen lassen. Selbst wenn er mich nur in den Arm nehmen will, stoß ich ihn weg. Meine Therapeutin sagt, dass dies durch Körpererinnerungen geschieht, da das ganze überhaupt nicht über den Verstand abläuft. Auch, dass es mir seit diesem Tag wieder so schlecht geht, sieht sie als Zeichen, da sie denkt, dass unbewusste Gefühle hoch kommen.

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich kann mich an nichts erinnern, was für ein solches Ereignis sprechen würde, aber meine Therapeutin denkt, dass ich das alles verdrängt haben könnte. Einerseits hätte ich gerne Erinnerungen, die mir helfen würden, damit umzugehen, andererseits stimme ich meiner Therapeutin zu, dass es sicherlich seinen Grund hat, dass ich mich nicht erinnern kann.

Was soll ich machen? Meine Therapeutin ist jetzt in den Ferien, ich habe ewig keine Stunde und seit gestern nehme ich Antidepressiva (am Montag vom Psychiater verschrieben bekommen, der auch jetzt im Urlaub ist), wo die Nebenwirkungen besonders in den ersten Wochen sehr heftig sein sollen.

Danke fürs Lesen,

Wynter
 
Hallo Wynter,

ich hatte mal eine Frau in der Beratung, die mit einer schlimmen Missbrauchsgeschichte zu mir kam.

Die Symptome fingen bei ihr an, als sie sich mit immerhin 25 zum ersten Mal für einen Mann interessierte. Vor den Treffen mit ihm saß sie weinend in einer Ecke ihres Zimmers, zitterte am ganzen Körper und fühlte Hände über ihren ganzen Körper streicheln. Das war so traumatisierend, dass sie kotzen musste.

Sie hatte keinerlei Erinnerungen an ihre Kindheit. Aber die Reaktionen waren ja doch sehr deutlich.

Ich habe ihr eine Therapeutin besorgt und sie, beratend in den praktischen Dingen des Lebens, über Jahre begleitet.

Zuerst arbeiteten die beiden an der Missbrauchsgeschichte, aber es fühlte sich für sie immer leer an. Es gab keinen Aha-Effekt und auch keine Besserung ihres Zustandes.

Ich lernte durch Zufall eine Therapeutin kennen, die sehr feinfühlig ist und empfahl meiner Klientin zu ihr zu wechseln.

Der Durchbruch kam schon in der ersten Stunde. Die Therapeutin stellte fest, dass die Frau hochsensibel ist. Sie nimmt bereits verbale Gewalt als schweren Übergiff wahr. Die beiden arbeiteten an der Geschichte der Klientin und mehr und mehr kristallisierte sich heraus, dass die Eltern wohl übergriffig waren, aber nicht sexuell, sondern durch Worte.

Die Klientin hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ein Stein ins Mosaik eingesetzt worden war, wo er passte und ein Bild dabei heraus kam.

Die Hände, die sie gespürt hatte, waren Ausdruck ihrer Seele, die mitzuteilen versuchte, dass die Menschen übergriffig gewesen waren und dass sie Nähe nicht ertragen konnte. Nicht weil sie körperlichen Missbrauch erfahren hatte, sondern weil sie nicht in der Lage war, ihre Grenzen zu verteidigen. Eine Beziehung wäre zu viel und zu nah gewesen.

Die Therapeutin brachte ihrer Klientin bei sich gegen Übergriffe zu schützen. Heute lebt sie in einer glücklichen Beziehung.


Ich will natürlich nicht sagen, dass es bei dir genauso sein muss. Aber ich denke, du solltest mal darüber nachdenken, ob der Missbrauch wirklich körperlicher Natur gewesen sein muss.

Ich empfehle dir zwei Bücher:

Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann: Amazon.de: Marie-France Hirigoyen, Michael Marx: Bücher


und

Vergiftete Kindheit: Vom Mißbrauch elterlicher Macht und seinen Folgen: Amazon.de: Susan Forward, Annette Charpentier: Bücher


Es wäre möglich, dass du hier Antworten findest.

Das Trauma beginnt übrigens schon bei "kleinen Grenzüberschreitungen". Es reicht, wenn der Vater zum Beispiel keine Rücksicht auf deine Privatsphäre genommen hat und nackt ins Badezimmer kam, als du unter der Dusche stands. Es könnte auch sein, dass du einfach deine Eltern beim Sex erwischt hast, als du noch sehr klein warst. Oder vielleicht hat dich ein Nachbarsjunge beim Doktorspielen unsanft zwischen den Beinen angefasst.

Es gibt sehr viele Arten des Missbrauchs. Oft muss das nicht mal jeder als Missbrauch wahrnehmen. Dem einen Kind verpasst du eine Tracht Prügel, die sich gewaschen hat und es steht auf und schüttelt sich nur. Das andere Kind gehst du mit einem lauten Wort an und es bricht in Tränen aus.

Lote also erst mal dein eigenes Stresslevel aus. Dann findest du eher die dazu passende Tat. Eines ist sicher. Wenn du die Wahrheit findest, wirst du es wissen. Man fühlt es.



Tuesday
 
hallo,

bei mir sind die sogenannten "flashbacks" über 2 jahre nach ende einer psychoanalyse aufgetreten........während der ganzen therapiezeit (fast 6 jahre) kam ich - trotz vermutungen in diese richtung - einfach nicht an das thema heran und dann plötzlich sind diese bilder, gerüche, empfindungen dagewesen.

Ich wusste nur - endlich weiss ich was passiert ist - UND ich hatte recht.

das war wichtig für mich.

kitty 🙂
 
Hallo,

ziemlich traurig was ich lese,
aber... mir ging es nicht anders.
Ich wurde von meinen Vater Missbraucht und Vergewaltigt.
Ich habe meiner Therapeutin auch gesagt das ich selber es wollte.
Das ist so sagte sie eine verkehrte einstellung.
Wir hatte ja keine andere Wahl wir mussten das unseren Körper irgend wann zusagen sonst wären wir kaputt gegangen.
Ich bin mitlerweile 29 und habe meine Eltern letztes Jahr angezeigt.
Ich warte immer noch auf die Verhandlung.
Es ist nicht schön wenn man denknt man ist selber schuld.
Aber seh es mal so.
Hätte er das nicht getan hättest du auch kein Schuld Gefühl.
LG
 

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