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Meine Schwester beim Jugendamt wegen seelischer Misshandlung ihrer Kinder anzeigen?

I

itzMe

Gast
Hallo erstmal,
ich schreibe hier, weil ich langsam nicht mehr weiter weiß.

Meine ältere Schwester ist alleinerziehende Mutter von 2 Jungs (5 und 8 Jahre).
Nun ist es so, dass ihr gesamter Umgangston mit ihren Kindern dermaßen schroff und herablassend ist, dass man schon von seelischer Misshandlung sprechen muss.
Sie kommuniziert mit den beiden fast nur noch, indem sie sie anschreit. Sie werden nie gelobt oder in den Arm genommen, von spielen oder mit ihnen lernen ganz zu schweigen.

Vor allem der Ältere der beiden macht mir sehr viele Sorgen.
Er ist jetz in der zweiten Klasse und in der Schule nicht gerade der beste, zu Hause üben oder Hausaufgaben macht sie nur selten mit ihm, daher mache ich das jetz immer mit ihm zusammen, wenn ich zu Besuch bin.
Kürzlich wurde bei ihm ADHS diagnostiziert, mir ist aber aufgefallen, dass er seit ca 2 Jahren immer ruhiger wird und beginnt, all seine Probleme und Ängste stumm in sich hinein zu fressen, da ihm ja niemand zuhört. Er ist auch sehr sensibel geworden und sehr nah am Wasser gebaut. Erst kürzlich fand ich in allein weinend in einer Ecke sitzend und er erzählte mir, dass er traurig ist, weil niemand mit ihm spielt...
Er wird auch stark von seiner Umwelt und anderen Kindern isoliert. Nach der Schule geht er nie mit anderen Kindern aus seiner Klasse spielen, weil er nicht allein rausdarf.
Nichtmal die 20m zum Spielplatz darf er alleine gehen, also muss er den ganzen Tag zu Hause sitzen und sich Zeichentrickserien ansehen, damit er ruhig gestellt ist, während sie eine Zigarette nach der anderen raucht.
Dadurch hat er natürlich auch nicht viele Freunde in der Schule, wo er auch gehänselt wird.
Bis zum letzten Sommer konnte er noch nicht einmal Fahrrad fahren und ist deswegen natürlich auch von den anderen Kindern aufgezogen worden. Ich habe mir dann mal einpaar Stunden Zeit genommen und er hat es sogar ziemlich schnell gelernt.
Ab und an sagt er auch Dinge, die mich völlig verblüffen. Als ich ihn zum Beispiel einmal gebeten habe, mir bei etwas zu helfen, antwortete er "Dafür bin ich zu dumm". Irgendwer muss ihm ja so etwas eingeredet haben...
Auf der anderen Seite liebt er seine Mutter aber dennoch sehr und sagt ihr ständig "Ich hab dich lieb,Mama" worauf er als Antwort von ihr aber nur ein genervtes "Hm" zu hören kriegt.

Der Kleinere der beiden ist dagegen das komplette Gegenteil.
Er ist laut, schreit nur herum, wirft Sachen durch die Gegend, tritt und schlägt alle- auch die Erwachsenen- und tanzt einfach jedem auf der Nase herum. Von ihm hört man täglich Sätze wie "Halt deine Klappe","Ich hasse dich" usw. worunter der Große auch sehr zu leiden hat.
Aber auch das wird einfach komplett ignoriert, wie eigentlich alles, was die Kinder angeht.

Meine Schwester ist arbeitslos und sitzt eigentlich den ganzen Tag nur zu Hause rum, obwohl sie ja eigentlich Zeit hätte, mit den Kindern mal etwas zu unternehmen. Meine andere Schwester und ich haben ihr schon mehrmals deutlich zu verstehen gegeben, dass sie mit ihren Kindern nicht so umgehen kann und dass wir das absolut verabscheuen, aber sie tut so als wäre das normal und alle Eltern machen das so. Nach außen hin gibt sie sich immer als fürsorgliche und liebevolle Mutter.
Wahrscheinlich merkt sie selbst wirklich nicht, dass da etwas nicht stimmt. Ihr Verhalten ist eher unterbewusst.

Nun kann ich mir dieses Elend aber doch nicht ewig mit ansehen, die zwei Jungs werden doch psychisch total zerstört durch dieses Verhalten und den Liebesentzug.

Ich habe inzwischen sogar schon ensthaft darüber nachgedacht, sie beim Jugendamt zu melden, weil es ja nichts bringt mit ihr zu reden.
Aber das wäre wohl auch nicht förderlich für das Wohl der Kinder, da sie beide absurderweise total an ihrer Mutter hängen und ich ja nicht will, dass sie von ihr getrennt werden...

Was kann ich denn tun, um ihnen zu helfen?
 
Kinder hängen nicht absurderweise an ihren Eltern, sondern weil die Natur das so eingerichtet hat. Als Nesthocker hätten Menschenkinder andernfalls nicht den Hauch einer Überlebenschance.

Daher können Trennungen, so angebracht sie Außenstehenden manchmal erscheinen, für Kinder traumatische Folgen haben. Traumatischer als das, was zu Hause nicht in Ordnung ist. Das natürlich nicht immer, aber hier erscheint es so.

Was bedeutet, mit Deiner Schwester könne man nicht reden? In Deinem Bericht hast Du keinen Gesprächversuch benannt. Ich finde es gut, dass Du nicht wegschaust und auch, dass Du helfen willst und ja auch hilfst, indem Du mit den Kindern redest und mit dem Großen Hausaufgaben machst.

Damit nimmst Du Deine Rolle als Tante sehr verantwortungsbewusst wahr. Für ein gesundes Aufwachsen (oder auch das Entwickeln von Resilienz, das bedeutet, nicht optimale oder schlimme Ereignisse und Umstände gut kompensieren zu können), sind solche Instanzen in der Familie und Umgebung sehr wichtig.

Gibt es noch jemanden in der Familie, vll. mit Autorität, der mal mit Deiner Schwester sprechen könnte? Wo ist der Kindsvater?

Zum Jugendamt würde ich als Letztes gehen. Es ist ein massiver Eingriff, hat immer den Geschmack von Denunziantentum, die Folgen kannst Du manchmal nicht überblicken, wenn der Stein erst einmal rollt und Dein Verhältnis zu Deiner Schwester könnte für immer zerstört sein, die Kinder könnten ihre Tante verlieren.
 
Hallo itzMe,
das ist eine wirklich schwierige Lage, in der du da bist
und ich möchte nicht mir dir tauschen. Zwar sind Kinder
viel zäher, als man so landläufig glaubt und machen oft
selbst aus sehr miesen Umständen etwas verblüffend
Gutes, stoßen sich am Negativen ab, um ihr eigenes
Leben besser zu gestalten (lernen am schlechten Vorbild),
aber das mitansehen zu müssen, wenn man eingreifen
könnte, ist hart.
Genauso, die eigene Schwester beim Jugendamt zu melden,
vor allem im Wissen, dass da vermutlich nicht viel passiert,
das wirklich hilft.
Mein Tipp wäre, dass du deine eigenen Einflussmöglichkeiten
genau auslotest und sie dann maximal ausnutzt. Also z.B.
selbst mit den Kindern raus zu gehen, ihnen viel Liebe zu
geben und positive Rückmeldungen - und deiner Schwester
in sehr viel klarerer Weise deine Unterstützung anbieten,
damit sie selbst ihr Leben besser in den Griff bekommt.
Was immer du halt tun kannst, auch tun. Ob da die Be-
nachrichtigung beim Jugendamt Sinn macht, weiß ich nicht,
aber dich einmal informieren, wo genau die Grenzen und
Möglichkeiten sind, ist sicher kein Fehler. Du kannst ja
neutral von "einer Bekannten" sprechen und die Zustände
schildern.
Wichtig finde ich halt, dass du durch deine Aktivitäten eure
Beziehung nicht gefährdest und dich den Kindern als Tante
nicht entziehst. Es muss ja nicht immer die eigene Mutter
sein, die das positive Beispiel für die Kinder abgibt 😉

Alles Gute!
Werner

P.S. Wenn dich die Ursache für die Unterschiede in der Art
der Kinder interessiert, findest du hier eine sehr interessante
Webseite bzw. ein Buch dazu: www.dreifarbenwelt.de
 
Ich würde mit meiner Schwester deutlich reden, damit ihr bewusst wird wie sie sich ihren Kindern über benimmt.
Zuvor würde ich mit dem Handy/Kamera lieblose Situationen mitfilmen oder den Ton aufnehmen und ihr vorspielen damit
sie sich selbst einmal hört/sieht. Dann würde ich der Schwester anbieten gemeinsam mit ihr eine Tagesbetreuung für
beide Kinder zu suchen Kindergarten und Ki-Tagesstätte und auch nach finanziellen Hilfen zur Bezahlung dieser suchen.
( Ermässigte Beiträge, Sozialgeld, private Hilfe von der Familie.)
Außerdem würde ich mindestens alle 2 Tage auf einen Kurzbesuch vorbeischauen um über die Lage einigermaßen informiert zu sein.
Gehässige Vorwürfe würde ich vermeiden, stattdessen würde ich meiner Schwester Mut zur Arbeitssuche machen, und ihr sagen,
dass sie dadurch, dass ihre Kinder tagsüber gut versorgt sind ihre innere Ruhe wiederfinden kann und Zeit und Kraft hat
um Lösungen für ihre beruflichen und persönlichen Probleme zu finden.

Wenn die Situation Deiner Neffen/Nichten sich im Laufe der nächsten 6 Monate nicht bessert, würde ich zu pro familia o.Ä
gehen und die Situation schildern und um Hilfe fragen.
Da ich ausnahmslos negative Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht habe, würde ich mich erst wenn alles andere nicht hilft
an das Jugendamt wenden.
 
Vielen Dank erstmal für eure Antworten.

Natürlich ist das Jugendamt die allerletzte Anlaufstelle, zu der ich gehen würde. Deshalb habe ich ja gefragt, was man denn sonst noch tun könnte. In solchen Dingen kenne ich mich nämlich ehrlich gesagt gar nicht aus... :-/
Ich möchte das Verhältnis zu meiner Schwester natürlich nicht zerstören und ich möchte sie hier auch nicht als liebloses Monster darstellen.
Sicherlich hat sie nicht alles richtig gemacht in ihrem Leben, aber wer macht das schon?
Ich habe sie auch schon des öfteren mal gefragt, ob wir vielleicht abends mal zusammen weggehen wollen - zum einen, damit sie überhaupt mal rauskommt und zum anderen habe ich die Hoffnung gehabt, dass sie so eventuell auch mal jemanden kennenlernt.
Das Problem ist nur, dass sie eben immer nur auf die totalen A********* abfährt.
Wenn sich doch mal ein netter Mann für sie interessiert, der auch auf die Kinder einen guten Einfluss haben könnte, dann ist er ihr zu langweilig und wird als "Weichei" abgestempelt.
Ihre bisherigen Beziehungen waren immer nur mit irgendwelchen Typen, die entweder gerade aus dem Knast kamen oder auf dem Weg dorthin waren...
So auch der Vater der beiden Jungs. Meine Schwester und er waren drei Jahre verheiratet und als sie zum zweiten Mal schwanger war, hat er sie kurz vor der Geburt sitzen lassen. Es gab einen riesigen Streit, er hat unserer Familie dann sogar gedroht unser Haus anzuzünden und solche Sachen...
Inzwischen saß er, soweit ich weiß, nochmal einpaar Monate im Gefängnis und hat inzwischen die nächste Frau geheiratet (das ist dann mit meiner Schwester gerechnet schon die vierte) und das nächste Kind ist auch schon unterwegs.

Was mich auch immer sehr ärgert ist, dass er anscheinend immer so Phasen hat, in denen er Kontakt zu den Kindern will - und dann plötzlich wieder nicht mehr.
Jedesmal wenn der Große einigermaßen drüberweg ist, meldet er sich wieder mal und möchte ihn an jedem zweiten Wochenende zu sich holen (er wohnt übrigens um die 200km entfernt). Das geht dann ein paar Monate lang so und plötzlich wird es ihm wohl zu anstrengend oder so und dann erfindet er irgendwelche Ausreden, warum es diesmal nicht klappt.

Die Kinder verstehen natürlich nicht, warum der Papa sie jetzt auf einmal wieder nicht mehr bei sich haben will... und kurz darauf geht die Sache wieder von vorne los.

Der Tipp mit dem Aufnehmen und ihr danach vorspielen ist eine sehr gute Idee. Das werde ich mal versuchen.

Ich meinte ja nicht, dass man mit meiner Schwester nicht reden könne, es ist nur so, dass sie ihr Verhalten als völlig normal sieht und eben nicht bemerkt, dass sie die Kinder damit verletzt.
Mir kommt es ein bisschen so vor, als würde sie den Kindern die Schuld geben, dass ihr Leben eben so ist wie es ist...
Das sie keinen Mann findet, keine Arbeit, nicht viele Freunde hat und nur zu Hause ist. Und den ganzen Frust darüber lässt sie an den Kindern aus. Zu anderen Menschen ist sie nicht so schroff und gemein.

Jedenfalls werde ich eure Tipps beherzigen und soweit es die Arbeit zulässt noch öfters mal bei ihr vorbeischauen und etwas mit den Kindern unternehmen.
Was den Kindern eben fehlt, ist ein männliches Vorbild. Mein Freund und auch der Freund meiner anderen Schwester versuchen ja schon, diese Rolle wenigstens im Ansatz zu erfüllen und mit den Jungs "Männersachen" ;-) zu machen, aber sie haben ja auch nicht immer Zeit...
Ich würde mir einfach für meine Schwester wünschen, dass sie einen Mann findet, der es mit ihr und den beiden kleinen Nervsägen aufnimmt und auch ein guter Vaterersatz wäre. Aber so ein Mann wäre ihr wohl wieder zu langweilig :-(
 
Ich würde mir einfach für meine Schwester wünschen, dass sie einen Mann findet, der es mit ihr und den beiden kleinen Nervsägen aufnimmt und auch ein guter Vaterersatz wäre. Aber so ein Mann wäre ihr wohl wieder zu langweilig :-(

Vielleicht kannst du auch ihr ein Beispiel geben dafür,
dass ein Leben mit einem "guten Mann" nicht unbedingt
langweilig sein muss 🙂
 

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