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meine Oma lässt mich nicht erwachsen werden/klammert

November85

Neues Mitglied
Hallo!
Ich habe schon seit längerer Zeit ein großes Problem mit meiner Oma. Dazu muss ich sagen, dass ich bei meinen Großeltern aufgewachsen bin, weil mein Vater keine Zeit für mich hatte. Sie haben mich sofort als ihr Kind angenommen. Heute bin ich 28 Jahre alt, aber werde nach wie vor wie ein kleines Kind behandelt. Meine Oma lässt mich einfach nicht los und bemuttert mich von vorne bis hinten.

z.B steht sie regelmäßig mit frisch gekochtem Essen vor der Tür, weil sie denkt, dass ich sonst verhungere. Sie räumt das Geschirr in meiner Küche von einem Schrank in den anderen, weil das bei ihr auch so ist und somit bei jedem so zu sein hat. Sie kauft Kleidung und Lebensmittel und ist beleidigt, wenn ich es nicht haben will (ich kann mich selbst versorgen!) Wenn ich mal nicht ans Telefon gehe, fragt sie ganz vorwurfsvoll, warum ich nicht zu Hause war -und quasi auf ihren Anruf gewartet habe. Alles was ich mache ist falsch- ich hätte es anders, oder am Besten sie machen lassen sollen.

Ich "muss" 2 mal die Woche zu ihr, an bestimmten Tagen, zu einer bestimmten Zeit und wehe es kommt mal was dazwischen oder es wird später. Dann höre ich Sachen wie: Ich sehe dich ja so selten, du bist ja nie hier. Diese Pflichtbesuche sind für mich wirklich nur noch Pflicht. Ich kann mich nicht darauf freuen, nein, im Grunde habe ich schon einen Tag vorher schlechte Laune, weil ich eigentlich gar keine Lust dazu habe. Wenn es nach ihr ginge, sollte ich jeden Tag hinkommen.
Wirklich peinlich ist es mir, wenn andere Leute, also Bekannte dabei sind. Letztens hat sie mir vor versammelter Mannschaft ein Brötchen aus der Hand genommen und es aufgeschnitten, damit ich mich nicht verletzte. Innerlich fing ich an zu schreien. Wenn sie über mich spricht, bin ich 'das Kind'. Es gibt noch viel viel mehr Sachen, aber ich kann ja hier nicht alles aufschreiben. Hoffentlich reicht es, dass man sich ein Bild machen kann.

Man braucht nicht glauben, dass sie einsam ist oder nichts zu tun hat. Sie hat jeden einzelnen Tag monatelang im Voraus verplant, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter (also meiner Tante) zusammen im Haus.
Ich will und ich muss Abstand gewinnen, sonst drehe ich durch. Ich möchte höchstens nur noch 1 Mal die Woche bei ihr vorbeischauen, doch wenn ich versuche ihr das zu verklickern, redet sie mir das schlechte Gewissen ein, was ich dann auch zwangsläufig habe. immerhin hat sie mich aufgezogen und deswegen hatte ich auch immer das Gefühl, es ihr irgendwie schuldig zu sein. Doch es fehlt mir einfach die Kraft, so weiter zu machen. Ich habe ein eigenes Leben, will mich selbst entwickeln können, ohne mich rechtfertigen zu müssen.
Was kann ich denn nur tun?
 
Was Du tun kannst? Eigentlich ganz einfach: abgrenzen - sprich Grenzen setzen. Deutlich, laut und konsequent.
Entweder Du verschaffst Dir die Kraft Grenzen zu setzen oder Du verschwendest Deine Kraft die Interessen Deiner Oma weiter "durchzuführen".

Weißt Du, es gibt so einen Spruch, den hat mein Vater mir gerne gesagt: Die Pflicht der Kinder ist es, sich von den Eltern zu lösen, zu kämpfen um Selbständigkeit und Unabhängigkeit - die Eltern dagegen versuchen sehr oft, die Kinder festzuhalten, an sich zu binden. Am Ende kommt es drauf an, wer standhafter, mehr Geduld und Ausdauer hat. Hoffentlich halten die Kinder länger durch als die Eltern!!!

Insofern: Deine Oma macht das, was die "Natur" ihr vorgibt - sie versucht Dich zu halten - Deine Pflicht, auch und vor allem Dir selbst gegenüber, ist, Dich eben nicht emotional erpressen zu lassen. Dich nicht breitschlagen lassen.

Warum lässt Du Dir überhaupt ein Brötchen aus der Hand nehmen?? Ich würde meiner Mutter den Vogel zeigen und das Brötchen an mich nehmen und ein paar deutliche Worte verlauten lassen.

Dadurch, dass Du anscheinend alles hinnimmst, sogar 2(!!!!) die Woche zu ihr hinfährst - warum überhaupt, der Grund kann doch beim besten Willen nicht sein, dass Du das machst nur weil sie es will??? Ich würde nicht einmal bereit sein, einmal die Woche hinzufahren, wenn ich nicht will. Ich würde genau DANN hinfahren, wenn ich das Bedürfnis dazu habe.

Eins muss Dir klar sein: Du kannst eine Oma nicht ändern - Du musst Dich ändern und Dein Umgang mit Deiner Oma. Warum sagst Du ihr nicht, dass Du die nächsten 4 Wochen nicht kommst und für Dich erstmal Abstand gewinnst und Dich löst. Und wenn sie dann jammert, dann sage ihr einfach, dass Du erwachsen bist und nicht bereit bist darüber zu diskutieren.

Bedenke: Du bist die einzige Person, die was ändern kann. Deine Oma wird Dich dabei nicht unterstützen, sondern versuchen Dich zu hindern und am alten festzuhalten
 
Tja, der Grund warum das alles mache ist, weil es mir weh tut wenn ich ihr wehtun muss (verständlich?). Ich habe als Jungendliche viel Mist gebaut und einigen Kummer bereitet und damals habe ich mir geschworen, ihr nie mehr wehtun zu wollen. Für mich ist das einfach sehr schwer, wenn ich dann auch noch Vorwürfe z.B von meiner Tante bekomme: "deine Oma hat sich für dich den A**** aufgerissen" usw.
Ich bin wirklich ein sehr schlechter Nein-Sager, und fahre auch nicht so gerne die harte Tour. Mag es lieber wenn ich etwas erklären kann, was dann auch verstanden und akzeptiert wird. Du hast schon recht, wenn ich nicht etwas ändere, wird das so weitergehen bis 50 bin. Ich möchte schon die Karten auf den Tisch legen aber dieses schlechte Gewissen lässt mich die Sache immer weiter aufschieben.
Aber mittlerweile bin ich an dem Punkt wo ich einsehe, dass ich etwas ändern muss, es kostet mich nur Überwindung. Naja zugegebenermaßen hatte ich immer die leise Hoffnung, dass sich das von allein erledigt wenn sie sieht, dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe und für mich selbst sorgen kann. Deswegen ließ ich sie so lange gewähren. Aber dass das nicht passieren wird, sehe ich jetzt auch 🙁
 
Sich hier abzugrenzen wird sicherlich sehr schwer werden.

Hast du schon einmal daran gedacht, dir eine Arbeit weiter weg (mindestens 100 km) zu suchen, so dass du auch wegziehen musst und es dir einfach nicht zuzumuten ist, so häufig zu Besuch zu kommen?
 
November85: Ich hab genau das gleiche Problem mit meiner Familie, nur bist DU schon nen Schritt weiter als ich, denn ich wohne noch daheim und möchte mich von meiner Familie mittlerweile sogar so losreißen dass ich in ein anderes Bundesland ziehen möchte, um endlich Ruhe zu haben. Ich finde die Antwort meines Vorredners supergut, und vonwegen wehtun: Was macht Deine Oma denn, was richtet sie mit ihrem Verhalten bei Dir an? Nimmt SIE Rücksicht auf DICH? Nein? Warum nimmst Du dann so viel auf sie? Ich hab mal genau wie Du gedacht. Diese Fragen halfen mir dabei, davon wegzukommen. Das einzige was ich jetzt noch hinkriegen muss ist, die Möglichkeiten des Wie zu finden, also Wie komme ich am besten hier weg? Weil wenn ich ausziehe, gibts hier Chaos... Meine Oma heult dann und sagt sie will nimmer (sie ist 87 Jahre alt). Was glaubst Du wie die Situation für mich ist und mit welchen Gedanken ich kämpfe? "was passiert mit ihr wenn ich ausziehe? Stirbt sie dann bald weil ich ihr Lebenssinn bin? Bin ich dann schuld daran?"
 
Hast du schon einmal daran gedacht, dir eine Arbeit weiter weg (mindestens 100 km) zu suchen, so dass du auch wegziehen musst und es dir einfach nicht zuzumuten ist, so häufig zu Besuch zu kommen?
Ui. Ja, das habe ich tatsächlich schon mal gemacht. Ich bin gut 700km weit weggezogen. Es war keine Woche vergangen, bis der Anruf kam "Wir kommen dann nächste Woche für einige Zeit zu Besuch". hat also nicht viel gebracht. Für einige Zeit, damit war unbestimmte Zeit gemeint.. sind ja beides Rentner.
Aber das ist ein paar Jahre her und ich bin aus anderen Gründen wieder in meine Heimatstadt gezogen. Um ehrlich zu sein, möchte ich hier auch nicht wieder wegziehen.. mein Leben ist ja nunmal hier aufgebaut.
 
Naja, man auch etwas nett sagen, und trotzdem stahlhart bleiben😉
Letztlich ist es ja irgendwo so: wenn Du eine Art Konsequenz "androhst" und dann nicht durchziehst, weil Deine Oma Deine "roten Knöpfe" kennt, die sie dann eben drückt, um das zu bekommen was sie will - dann wird sie das immer wieder so machen.

Du musst ja nicht böse mit ihr bzw. zu ihr sein: es reicht, wenn Du ihr erklärst, dass bestimmte Dinge nicht gehen und die nicht mehr akzeptieren wirst (dazu gehört eben u.a. auch, dass Du ihr bspw. das Brötchen aus der Hand nimmst und selbst schneidest), genauso wie Du ihr mitteilen kannst, dass Du eben nicht mehr 2 mal die Woche zu bestimmten Zeiten kommst. Wenn Du kommen magst, dann rufst Du vorher an und fragst, ob es passt (so wie ich das bspw. mit meinen Eltern auch mache). Es reicht völlig aus, wenn Du konsequent bleibst und ihr sagst, dass Du sie liebst, aber nun ein - auch dank ihr - ein erwachsener Mensch bist, der eigene Entscheidungen trifft.

Ich verstehe sehr gut, dass Du ihr dankbar bist. Auf der anderen Seite: sie hat es ja auch so gewollt, oder? Es war ihre Entscheidung, Dich großzuziehen. Es war ihre Entscheidung, sich den A... aufzureißen. Nicht Deine. Und da sie selbst auch eigene Kinder hatte, müsste sie eigentlich verstehen, dass es irgendwann soweit ist, dass Kinder sich abnabeln. Es ist nicht Deine Aufgabe, vor lauter Dankbarkeit sich selbst komplett zu verbiegen. Insofern es löblich, dass Du sie nicht verletzten willst - auf der anderen Seite: Abnabeln ist kein schöner Prozess und geht mit Schmerz, Kampf etc. einher. Man kann nur für sich selbst schauen: KONSEQUENT. Das wird ihr weh tun - insofern musst Du Deinen Schwur "brechen" - allerdings war das damals auch eine andere Art von Schwur: Du wolltest nicht noch mal Sch... bauen. Jetzt geht es ums Erwachsen werden. Und das tut beiden weh - Dir und ihr. Aber am Ende wird es irgendwann so kommen, dass Du irgendwann wieder gerne zu ihr hingehst (wenn sie es denn hoffentlich akzeptiert, dass Du erwachsen bist) und ihr gemeinsam wieder Spaß habt.

Alles Gute
 
Guten Abend,

mein Rat an Dich wäre: schreib ihr einen Brief, in dem Du Dich sehr dafür bedankst, dass sie es geschafft hat, Dich zu einem eigenständigen Menschen zu erziehen, obwohl Du ihr eine Zeitlang viel Sorgen gemacht hast. Sichere ihr Dein Verständnis zu, sag aber auch ganz klar und deutlich, dass Du in Deiner derzeitigen Situation nicht mehr die Zeit hast, Dich so intensiv zu melden/vorbeizukommen. Und mach das nicht an einmal die Woche fest. Du hast das Recht, Dich auch nur einmal im Monat zu melden- und selbst da!!!- funktioniert das Telefon in beide Richtungen. Es ist keine Bringschuld von Dir, bitte mach Dir das klar. Ihre Selbstorganisation wird auch funktionieren, wenn Du nicht da bist. Vermutlich hat sie eine Art Perfektionswahn.

Schau mal, dass Deine Tante noch bei ihr wohnt, spricht Bände. Wie alt ist sie? Hat sie es jemals geschafft, flügge zu werden? Tappe nicht in dieselbe Falle! Klar hat Deine Oma sehr viel für Dich geleistet. Du darfst auch dankbar dafür sein. Das heißt aber nicht, dass Du eine Art Kadavergehorsam entwickeln mußt. Das hat Deine Oma nicht gelernt, dass man seine Kinder auch ziehen lassen muß. Sei Dir dessen bewußt, und auch wenn es Tränen gibt, Du mußt Dich da abgrenzen lernen. Sonst wird Dich jeder, der Dir mal was Gutes getan hat, auf die Schiene kriegen.

Deviance
 
Es leuchtet mir alles ein, was ihr sagt. Und ich werde auch sehen, dass ich mit ihr darüber rede und vor Allem, dass ich dann auch konsequent bin. Für mich wirds vielleicht sogar schwerer als für sie? Mal sehen.
Schau mal, dass Deine Tante noch bei ihr wohnt, spricht Bände. Wie alt ist sie? Hat sie es jemals geschafft, flügge zu werden?
Nein, hat sie nicht. Sie ist fast 50. Und wird arg auf die Schnauze fallen, wenn ihre Eltern mal nicht mehr sind, doch das ist nicht mein Problem und so will ich auch nie enden. Für meine Oma ist das alles aber total normal. Sie hat z.B zu meinem Vater deswegen ein ungutes Verhältnis, weil er halt wirklich nur dann vorbei kommt, wenn er Bock drauf hat und das bezeichnet sie als Undankbarkeit.
Aber gut, da müssen wir dann wohl durch. Mir hat das auch schon Mut gemacht, dass ich mal mit Jemandem darüber reden konnte, danke euch! 🙂
 
Hallo,
Ich hatte gleich heute das Gespräch mit meiner Oma. Zuerst nahm sie mich leider nicht sehr ernst. Als ich ihr sagte, dass mir das alles zu viel wird und ich mir die Kraft fehlt kam nur "och du armes Kind".
Ich habe dann aber wirklich erklärt, was ich fühle und wie es mir geht. Es lief eigentlich ganz gut und sie sagt, dass sie mich teilweise verstehen kann. Ob sie das wirklich kann, wird sich dann zeigen.. ich denke eher, dass sie versucht so weiter zu machen wie bisher. Nach dem Gespräch wollte sie mir auch schon wieder Lebensmittel mitgeben, die hab ich dann aber dagelassen.
Auf jeden Fall hab ich ihr angemerkt, dass sie alles andere als begeistert bzw. enttäuscht ist, aber ich hoffe dass sie wenigstens versucht, meine Wünsche zu respektieren.
Allerdings sagte sie (und ich wusste schon vorher, dass dieser Satz fallen wird) dass ich immer mehr wie mein Vater werde, der hält sich ja auch von allem fern. Habe ihr dann gesagt, dass ich nach wie vor zu ihr kommen werde usw. halt nur nicht mehr in diesem Ausmaß. Und dass ich für mich selber Sorgen und Entscheidungen treffen kann und will.
Jetzt hab ich erstmal Luft zum atmen und mal schauen, wie es sich entwickelt.
 

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