G
Grünspan
Gast
Jedes Jahr ist es dasselbe - wenn bei uns Saison ist, erledige ich die ganze Arbeit, und meine Kollegin macht so gut wie gar nichts. Jetzt haben wir vor einigen Monaten eine neue Chefin bekommen, durch deren Engagement noch mehr Arbeit bei uns anfällt - wer erledigt sie? Ich. Ich gehe jetzt demnächst für längere Zeit ins Krankenhaus, und dann wird es wohl so sein, dass die Kollegen, die mich vertreten, die Arbeit machen und meine Kollegen wie immer mit den erwachsenen Kindern oder der Mutter telefoniert, privat mailt oder am Handy zockt. Reminder am PC, welche die Chefin uns BEIDEN eingerichtet hat, werden stillschweigend ignoriert. Meine Chefin weiss mittlerweile auch, was Sache ist. Wenn sie der Kollegin konkrete Arbeitsaufträge gibt, werden diese zwar erledigt, aber kaum dass die Chefin zur Tür raus ist, fängt das Gemaule und Gestöhne an. Sie gab vor, für eine Aufgabe, die normalerweise 20-30 min. dauert, eine Stunde zu brauchen, und tröstete sich damit, dass sie für fünf Seminarmappen (die ca. 30 min. dauern) ja den ganzen Tag Zeit zu haben. Gebe ich ihr konkrete Aufträge (ich habe ihr eigentlich nichts zu sagen), geht das meist in die Hose. Sie soll am großen Kopierer etwas drucken und ruft mich an, der Kopierer streike. Ich komm extra runter in den Keller, und es ist kein Papier mehr drin. Sie soll Päckchen packen und sagt erst scherzhaft, das ginge nicht, ihr täten die Hände sooo weh, und als ich ihr sagte, das muss aber trotzdem gemacht werden, weigerte sie sich schlicht, weil sie angeblich Rückenschmerzen habe. Letzten Freitag kündigte sie an, wahrscheinlich Montag zum Arzt zu gehen und die kommende Woche krank geschrieben zu sein, was dann auch wirklich so kam. Ein andermal meldete sie sich morgens bei mir wegen Gliederschmerzen krank und erzählte anderntags der Chefin, sie hätte Migräne gehabt. Sie zog um, und als sie aus dem Urlaub zurückkam, sagte sie gleich, sie werde weder schwer heben noch Pakete packen. Ansonsten macht sie Überstunden nur, wenn sie was zum Abfeiern braucht, sitzt dann um viertel vor vier vor ihrem leeren Tisch und behauptet, ihr sei zwar langweilig, sie müsse aber bis halb fünf noch bleiben. Das heisst, sie sitzt die Zeit einfach ab. Dem Abteilungsleiter kriegt sie immer glaubhaft rübergebracht, sie sei total gestresst und müsse dieses abgeben und jenes abgeben (was dann auch immer zuungunsten der anderen Kollegen klappt). Der Chefin sagt sie, 46, sie sei einfach zu alt, um neues zu lernen, obwohl sie das Neue eigentlich schon seit Jahren kennen müsste. Weil sie so erfolgreich klagen und lügen kann, braucht sie an keiner Besprechung mehr teilzunehmen (hat angeblich zu viel zu tun, hat mir aber schon mehrfach gesagt, sie habe schlicht keinen Bock) und pfeift auch auf andere Teamaktivitäten. Weil sie eh nicht hingeht, meckert sie also entsprechend rum, wenn mal einer Kuchen gebacken hat für alle, das wäre ja Arbeitszeit und müsse abgeschafft werden. Kommt eine Kollegin zum Sammeln, weil einer Geburtstag hat, gibt sie zwar was, meckert aber auch anschließend bei mir, man müsse die Schenkerei abschaffen, das würde ja auch alles Geld kosten. Sie hat mir vor drei Wochen glaubhaft versichert, sich aus finanziellen Gründen abends nicht mehr satt essen zu können, und paar Tage später hat sie sich dann zu ihren vorhandenen noch ein Haustier zugelegt, das aber auch mindestens 40 Euro Schutzgebühr gekostet hat. Ich habe immer gern gearbeitet, aber ich habe mittlerweile schon morgens eine unheimliche Wut im Bauch. Vor meinem längeren Krankenhausaufenthalt möchte ich eigentlich eine anständige Übergabe hinbekommen, aber noch nicht mal dafür habe ich die Zeit, weil ich andauernd für zwei arbeiten muss. Hätte ich nicht jetzt zwei Tage auf Überstunden frei genommen, würden sie schon gar nicht mehr gezählt, da ich das Limit am letzten Dienstag erreicht hatte und ich eigentlich schon länger damit gerechnet habe, dass der Abteilungsleiter mich deswegen in den Hintern tritt, wie es die Betriebsvereinbarung vorsieht. Ich kann mich nicht ausreichend auf die Klinik vorbereiten, habe noch viel zu regeln, und da ich abends total erschöpft bin, sieht es auch in meiner Wohnung entsprechend aus. Und momentan habe ich zwar frei, aber pünktlich einen Tag vor Karneval hat mich noch ein grippaler Infekt erwischt, so dass ich da auch nichts geregelt bekommen habe. Habe bald das jährliche Personalgespräch und werde das Thema auch ansprechen (Chefin sagt auch, sie steht da auf meiner Seite), aber ich verspreche mir nicht viel davon, weil der Teamleiter ihr eben glaubt, dass es ihr so schlecht geht. Ich kann vor lauter Wut nicht mehr klar denken, was soll ich nur tun?