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Meine Behinderung hindert mich am Leben :(

Ju87

Neues Mitglied
Hallo,

vielleicht hat jemand eine Tipp für meine Situation oder auch schon ähnliches miterlebt.
Ich bin Anfang 30 und habe Probleme.
Bin seit meiner Geburt schwerbehindert (Goldenhar Syndrom, optisch sehr schwer deformiert, kann wenig hören und sehr schlecht sprechen) und diese Behinderung schränkt mich in meinem Leben extremst ein, psychisch und physisch.

Ich bin über 30 und wohne noch bei meinen Eltern. Komme wahrscheinlich auch niemals aus meinem Elternhaus heraus, weil es in meiner völlig überteuerten und überbewohnten Stadt um dem Umkreis keine Wohnungen zur Verfügung gibt, die das Amt mir vermitteln könnte und ich mir nicht zutraue, alleine in eine weit entfernte Stadt oder gar ein anderes Bundesland zu ziehen. Auch zu meinem Freund kann ich nicht umziehen, da mir in dem Fall dank "Bedarfsgemeinschaft" die Bezüge gestrichen würden und der in dem Fall für mich alleine aufkommen müsste und er selbst eher wenig verdient.
Ich finde seit Jahren und hunderten bis tausenden Bewerbungen keinen Job, obwohl ich eine gute Schul- und Ausbildung habe. Aber eben kaum Arbeitserfahrung. Und klar, wer will schon jemanden, der nicht richtig reden kann. :nerv:

Für eine Behindertenwerkstätte bin ich in Augen des Jobcenter zu wenig behindert, worüber ich ehrlich gesagt aber auch ganz froh bin, vom dem, was ich davon gehört habe. Für normale Arbeitgeber zu stark behindert. Integrationsfachdienste und Sozialverbände haben mir bisher null weitergeholfen!
Dank meiner Behinderung (und anderweitigen Erkrankungen) hatte ich bereits einige mehr oder wenige große Operationen, die mich immer wieder Wochen bis Monate ins Krankenhaus/Bett fesseln, weitere werden folgen und das macht die Arbeitssuche natürlich noch schwerer.

Für eine Arbeitsunfähigkeitsrente/Erwerbsminderungsrente etc. komme ich leider nicht infrage, da ich laut Bescheid zu wenig behindert bin! 😀😀
Ich stecke also irgendwie in einer Nische fest und weiß einfach nicht weiter! Will mich auch nicht selbst bemitleiden, aber der Gedanke, mit ü30 bei den Eltern zu wohnen und womöglich nie Geld zu verdienen, ist einfach bescheiden.

Kann mir jemand etwas raten? Deutschland gilt ja als soo behindertenfreundlich, aber ich merke davon leider sehr, sehr wenig.

(Ich hoffe, das hier ist das passende Unterforum für meinen Thread)


Viele Grüße,
Ju
 
Hallo,
erst einmal muss ich dir widersprechen - Deutschland ist nicht behindertenfreundlich; da gibt es Nationen, die in dieser Hinsicht sehr viel weiter sind und das als selbstverständlich nehmen. Und ich denke auch, dass du froh sein kannst, nicht in der Schublade "Werkstatt für behinderte Menschen" gelandet zu sein, denn das Konzept und die Entlohnung dort hat meiner Meinung nach nichts mit wertgeschätzer Arbeit zu tun.

Wenn du schreibst, dass Integrationsfachdienste und Sozialverbände dir nicht weiterhelfen konnten, scheinen diese Möglichkeiten ja schon ausgeschöpft zu sein. Ich kann deinen Frust und den Wunsch, selbst für deinen Lebensunterhalt aufkommen zu wollen, zumindest teilweise, absolut nachvollziehen und finde es bemerkenswert, dass du trotz deiner Einschränkungen arbeiten möchtest. Schade, dass deine Bewerbungsbemühungen bisher ins Leere gelaufen sind.

Lese ich es richtig, dass du in einer größeren Stadt lebst? Vielleicht gibt es da ja Integrations- oder Inklusionsbetriebe, an die du dich direkt wenden kannst? Oder du kannst vorerst irgendwo ehrenamtlich anfangen? So wie es klingt, wäre eine Bürotätigkeit für dich machbar, oder? Ich kann mir vorstellen, dass es neben dem finanziellen Aspekt auch ein gutes Gefühl wäre, einer halbwegs sinnvollen Aufgabe nachzugehen bzw. gebraucht zu werden.

Und zuletzt - falls du es nicht schon tust - kann ich dir nur raten, dich mit anderen Menschen mit Behinderungen auszutauschen. Das ist ja auch über's Internet möglich, es gibt ja einige sehr bekannte Online-Aktivisten in der Behindertenbewegung (z.B. Raul Krauthausen, Laura Gehlhaar, Ninia la Grande). Du bist ein sog. "Experte in eigener Sache" und deine Erfahrungen und deine Meinung sind wichtig für Menschen, die Deutschland wirklich "behindertenfreundlich" machen wollen.
Zwar führt der Austausch mit anderen nicht zwingend zu einem Job, aber vielleicht hilft es dir, nicht gänzlich den Mut zu verlieren. 🙂
Viele Grüße.
 
Für jemanden, der kaum hören oder sprechen kann und der auch noch oft bettlägrig ist, bieten sich alle Arten von schreibenden Berufen an, die man notfalls auch vom Bett aus (per Computer/Internet) machen kann. Von Schriftsteller über Webdesigner bis zur Forumsmoderation oder eine andere Art von Tele-Arbeitsplatz. Wenn Du ein wenig künstlerisch veranlagt bist und Geschichten erfinden kannst, kannst Du auch auf Comics machen, dafür braucht man ein Graphik-Tablet. (Googel mal die Werke von Stjepan Sejic, der arbeitet fast nur am Computer.)
Erkundige Dich mal bei Deinem Jobcenter, ob es Ausbildungsmöglichkeiten für Dich speziell in diese Richtungen gibt.
Bei einem Tele-Arbeitsplatz hat ein potentieller Arbeitgeber keine Scherereien, Deinen Arbeitsplatz behindertengerecht auszustatten, weil Du ja zuhause bleibst und die Ergebnisse elektronisch schickst, er kann aber trotzdem seine Behindertenquote dem Staat gegenüber erfüllen. Win-Win-Situation, vorausgesetzt Du findest einen solchen Arbeitgeber.
 
Hallo - einerseits teile ich die Meinung, dass Deutschland nicht wirklich behindertenfreundlich ist, aber hier in der Schweiz ist es noch schlimmer. Nimm zu den vorher genannten Personen direkt Kontakt auf. Die sind gut vernetzt. Ich denke aber auch, dass die an Deinem Wohnort ansässigen Grossunternehmen immer Möglichkeiten bieten. Es geht hier erstmal nicht ums Bewerben sondern ums Berater werden. Frag nach den Behindertenkontaktpersonen bei den lokalen Grossunternehmen und mache einen Termin. Ich denke, da gibt es unzählige Möglichkeiten.
 

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