Tja lustig. Ich bin 27 und habe vor fast einem Jahr eine kleine Tochter geboren. Die Geburt war ein regelrechtes Drama, umso mehr war ich dahinter her die Zeit danach voll und ganz auszukosten. Ich bin total gegen Gewalt in der Erziehung. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Als ich dann anfing mich damit zu beschäftigen, wie ich mein Kind gewaltfrei erziehen kann, aber trotzdem Grenzen aufzuzeigen, wo das Kind sich evtl selbst gefährdet, bin ich erstmal darauf gestossen, dass meine Kindheit alles andere als gewaltfrei war.
Dabei ist das was du schreibst eigentlich genau aus meinem Leben erzählt. Mein Vater hat auch von jetzt auf gleich Streit angefangen mit meiner Mutter.
Ich kann mich als kleines Kind (ca zweieinhalb Jahre) daran erinnern, dass ich schreiend auf dem Arm von meiner Mutter sass, weil ich einfach nur wollte, dass sie aufhören, sich so aggressiv zu streiten. Ich habe mich heiser geschrien. Es ging soweit, dass mein Vater meine Mutter, mich und sich in der Wohnung eingeschlossen hat- er wollte nicht, dass sie wegrennt.
Dann hat er damals so ein altes Telefon abgeschlossen, damit sie auch niemanden anrufen konnte.
Meine Mutter weinte. Ich schrie. Ich war wütend. Verwirrt. Das bin ich heute noch.
Seine Körpersprache war immer aggressiv. er ging auf meine Mutter zu bis sie zurückwich. Selbst dann kam er immer noch näher. Das schlimme ist, sobald ich alt genug war, so ca 12 Jahre, stellte er mich und meine Mutter auf eine Stufe.
Das heisst er legte das gleiche VErhalten an den Tag, sobald es ihm nicht passte. Wenn ich nicht seiner Meinung war rannte er mir bis zwei uhr morgens durch das Haus hinterher um mich zu belabern- bis ich das wiederholte was er sagte.
Er hat weder die Privatssphäre meiner Mutter respektiert (Eifersuchtsdramen sobald sie nur mit jemand anderem tanzen wollte auf 'ner harmlosen Feier)- noch meine.
Wenn ich ihm sagte "es reicht" fing er seine "Belaberung" von vorne an.
Wenn ich mich einschliess kam er durch die Tür durch. Also er trat die Tür ein oder schlug solange mit seinem ganzen Körper dagegen bis sie aus den Angeln flog.
Er ist Arzt übrigens. Meiner Schwester (sieen oder acht Jahre damals) und meiner Mutter drohte er mit "Psych-KG", das bedeutet Einweisung in eine geschlossene, quasi U-Haft. Wenn er sich aufregte und wir ihn baten ruhiger zu werden riess er die Fenster auf und schrie alles durch die Nachbarschaft. Wenn ich daran denke, dann berkommt mich heute noch Wut oder Hass und Scham, alles gleichzeitig.
Meine Schwester war rebellischer als ich. Er hielt ihr den Mund zu, sodass sie meinte keine Luft mehr zu bekommen.
Ich hatte als Kind Angst vor IMpfungen. Er wollte mir aber unbedingt die Impfungen selber geben. Er hat mich mit der Spritze über drei Etagen gejagt. Oder sie haben mich mit drei Leuten in seiner Praxis festgehalten. Anstatt mich einfach an einen Kinderarzt zu geben der das vielleicht mit mehr Distanz hätte machen können.
Mein Opa war noch viel kranker und zudem Alkoholiker. Allerdings verträgt mien Vater zum Beispiel kein Gluten oder Schweinefleisch- oder Bier oder Alkohol. Das hat er aber lange nicht akzeptiert. immer wenn er was erwischte mit Gluten oder schweinefleisch oder ein Bier trank oder schlimmer etwas anderes wusste ich, okey, jetzt geht es los.
Ich hatte als Kind immer das Gefühl ich müsste mich einmischen oder beide Eltern so ablenken, dass sie sich nicht streiten könnten. Ich habe als Kind erst ab zwei, drei Uhr nachts geschlafen, damit ich "zur Not" einschreiten konnte. Als Kind meine ich, da war ich so ca sechs oder sieben.
Ab sechs hatte ihc nur noch Allergien, gegen alles. Heute denke ich das war Psychosomatik.
Dann als ich älter wurde und er ausflippte und ich mich zur Wehr setzte sagte er Sachen wie: "Ich habe dir deinen A**** versilbert und sogar VERGOLDEt! Ich gebe dir mein LETZTES Hemd und DU DANKST ES MIR WIE? So?"
Dabei hatte ich gar nichts gemacht.
oder "Das steht schon so in der Bibel, dass ihr nur WEIBER seid!" "Blöde Weiber!!!"
Ich bin dann mit 17 quasi zu meinem Freund gezogen und mit 21 bin ich erstmal für ein paar JAhre ins uasland. Ab da war er auf einmal sehr kooperativ, hat aber dann angefangen anders zu manipulieren. Wenn er heute so anfängt blocke ich nur noch ab. Damit beschäfftige ich mich nicht mehr. Das traurige ist, dass ich quasi "liebevoll aber konsequent" mit meinem Vater bin. Genauso geht man auf wütende Kinder zu. Ich habe mit 12 mien erstes depressives Tief gehabt. Kein Wunder, weil ich schon mit sehs das Gefühl hatte meinem Vater mit einer Mutterrolle zu begegnen. Nicht empfehlenswert.
Einmal hat er mich im Ausland besucht. Da habe ich einen Kuchen gebacken ohne, dass ich es von einem Rezept abgelesen hätte. Es war sozusage eine neue Kreation. Darüber hat er sich so aufgeregt, dass er mich fast vom Herd weggezogen hat.
Da habe ich ihn rausgeschmissen. Ich wusste dass er sich abkühlt, weil er die Sprache des LAndes gar nicht kannte und weil er sich in diesem Land mit Englisch nicht verständigen konnte.
ich habe immer zu meiner Mutter gehalten bis ich herausgefunden habe vor ein paar JAhren, dass sich mein Vater und meine Mutter absolut ebenbürtig sind. UNd auch, dass meine Mutter nicht wirklich ohne Aggression ausgekommen ist. Ihre Aggression mir und meiner Schwester gegenüber war viel schlimmer teilweise weil subtiler.
Seitdem ich denken kann ist sie zu mir gekommen und hat sich über meinen Vater ausgeheult. Mir rerzählt was er alles wieder schlimmes gemacht hat. Hat mich richtig aufgehetzt gegen meinen Vater.
Jeden Tag die gleiche Leier und ich habe immer brav zugehört, immer brav gesagt was meine Mutter doch für eine arme arme Frau ist.
Irgendwann habe ich sie angefleht sich von Papa zu trennen und einfach glücklich zu sein.
Mein Opa und seine Frau wollten uns dann abholen. Mein Vater schrie über die komplette Strasse seine Wut heraus. Vor meinen Nachbarn und all den Kindern aus meiner Klasse.
Oder meine Mutter rief an: "Hol deine Schwester von der Schule, ich will nicht, dass Papa sie in die FInger bekommt!"
Ach ja ich könnte endlos weiterschreiben.
Also wie gesagt: Mein Opa war da, wollte uns abholen und sie geht wieder zu meinem Vater zurück und nimmt uns auch noch mit. Ich weiss nicht ob sie besonders stolz darauf ist dies alles aushalten zu können. Ich vermute ja irgendwie eine Sucht bei den beiden dahinter. Also Sucht danach jemanden fertig zu machen und fertig gemacht zu werden. UNd es ist ja tatsächlich so, dass sich das Gehirn verändert wenn man über längere Zeit aggressiv ist und das bedeutet wenn der Aggresionskern einmal so richtig ausgebildet ist im Gehirn, d.h. er ist gewachsen und will auch gebraucht werden.
Da kommt man nur mit richtiger Verhaltenstherapie dran.
also ich habe mich nach der Aktion von meiner Mutter so verarscht gefühlt, dass ich das nächste mal, als sie sich bei mir ausheulen wollte gesagt habe: "Mama, du bist selber Schuld. Du hast dich für Papa entschieden und du willst ihn nicht verlassen aber du zwingst ihn auch nicht sich anders zu verhalten. Du steigst immer wieder neu drauf ein anstatt einfach mal nen Stopp zu setzen um Papa den Wind aus den Segeln zu holen. Ich will das alles nicht mehr- und ich will vor allem nicht mehr seit JAhren jeden Tag das Gleiche gehuele hören. Fidnet euren Weg." Danach bin ich ins Ausland gegangen. Für sie war das nicht schlimm. Sie hat einfach weiter gemacht und sich mangels meiner Anwesenheit an meine Schwester gewandt. Diese hat einen Tinitus mit Hörsturz bekommen. Die PSychosomatik dahinter ist: "Ich kann es nicht mehr hören".
Ende vom Lied. Meine Eltern sind anscheinend glücklich miteinander oder so abhängig voneinander, dass sie sich niemals trennen würden. Vielleicht lieben sie sich ja sogar. Aber der Leidensdruck etwas an ihrer Kommunikation zu verändern besteht offentsichtlich nicht. Ich lebe mit meinem Mann eine konstruktivere Beziehung, in welcher wir anstatt uns runter zu machen uns lieber sagen wie sehr wir uns lieben und dankbar dafür sind miteinander leben zu können. Wir sind dankbar für unsere Tochter die uns jeden Tag neues beibringt und die jeden Tag mit leuchtenden und erwartenden Augen aufwacht und uns ihr Lächeln oder kichern mit ihrer Begeisterung schenkt.
Ich habe vier Jahre dafür gebraucht von meinem Mann überzeut zu werden, dass es Beziehungen zwischen Ehepartnern oder Liebespartnern gibt, die ohne faule Kompromisse auskommt.
Ich habe vier Jahre reden reden reden mit meinem Mann gebraucht um darauf vertrauen zu können, dass es Liebe die ohne Bedingungen auskommt in einer Partnerschaft/ Ehe gibt.
Dass man als Frau nicht nur das Weib aus der Bibel ist, sondern gleichwertiger Partner.
Dass ich ihn nicht ständig auf die PRobe stellen muss und Selbstsabotage betreiben muss weil ich mich schuldig gefühlt habe für das was da so alles passiert ist.
Ende vom Lied: Ich werde die PSychotherapie machen um mit meinen Eltern klar zu kommen. Ich lebe 600 km von ihnen entfernt. Ich liebe meine Eltern. KLar. Ich habe mich entschieden, dass ich versuchen werde ihnen zu vergeben anstatt komplett den Kontakt abzubrechen- was diese gar nicht verstehen würden.
Aber ich werde lernen sie beide auf Abstand zu halten und meine Familie davor schützen, dass ich so manipulativ wie meine Mutter werde um meine Kinder so abhängig von meiner Meinung zu machen, um die volle Kontrolle über deren Liebe zu erhalten.
Wenn ich dir einen Rat geben darf: Konzentrier dich auf dich. Sei egoistisch und lerne dich selber zu lieben ohne Bedingungen zu stellen. Übernimm keine Verantwortung mehr dafür, dass deine Eltern sich anfeinden. Lerne gleichgültig darüber zu sein, dass dein Vater zwei Gesichter hat. Suche und erhalte dir lieber Momente in denen er dir durchaus liebenswürdig erscheint. Nur lass dich nicht zu sehr darauf ein. Eine Psychologin hat mir mal gesagt:" Warum willst du die Leute immer so nah und in allen Details kennenlernen? Manchmal sind sie aus der Ferne viel schöner als von nahem!" Recht hat sie. Mach nen guten Abschluss, guck, dass du ne fitte Ausbildung machst. Mach zuerst ne Lehre die es dir ermöglicht neben einem Studium Geld zu verdienen. Unabhängig zu sein. Schwöre dir, dass du es nicht nötig hast, dass je wieder jemand so respektlos mit dir umgeht. DU bist ein Mensch und deine Würde ist unantastbar. Lass es die Leute auf liebevolle und konsequente Art spüren wie viel du wert bist sollten sie sich mal vertun und dir auf die Füsse treten. Lass dich nicht mehr auf solche Leute ein sondern such dich positive Menschen. Lass das Glück in dein Leben. Du hast es verdient einfach nur zu sein was du bist. Ohne Bedinungen.
Geniesse deine Zwanziger Jahre! UNd wenn du es alleine nicht schaffst dann trau dich dir Hilfe zu holen. Psychotherapie wird von der Krankenkasse bezahlt und ist wirrrrrrklich sinnvoll um Traumatas aufzuarbeiten. Wer sich Hilfe holt ist kein schwächling. Trau dich deine Meinung klar und deutlich zu vertreten.
Erst neulich habe ich meinem Vater erzählt, dass ich eine Gesprächstherapie anfangen werde. Seine Reaktion war: "Das ist eine absolute Modeershceinung!" Ich habe sachlich und ruhig gewantwortet:" Weisst du ich denke gerade du könntest ein paar neue Ansätze seitens proffesioneller Hilfe gebrauchen!" sien Antwort: Ich bin über sechzig und habe noch NIE und werde auch NIE eine PSychotherapie brauchen!"
Tja, dann kann ich ihm leider nicht helfen.
Menschen kann man immer nur helfen wenn sie selber um Hilfe bitten. Oberstes Gesetz: Man kann niemand zu seinem Glück zwingen.
Kopf hoch Mädchen! "Weisst du denn gar nicht wie schön du bist?" (Sahrah Connor "Wie schön du bist")