• Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Mein Opa ist gestorben... Schlechtes Gewissen, traurig ja, aber ...

Surrender

Sehr aktives Mitglied
Soeben habe ich erfahren, dass mein Opa gestorben ist..
Ich hatte mit ihm schon seit mehreren Jahren, so um die 5-6 Jahre, keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. Grund dafür war seine neue Frau, die ich überhaupt nicht leiden konnte. Meine Mutter wollte schon länger keinen Kontakt mehr mit ihm, weil er ein Säufer war. (Was ich aber nie mitbekommen hatte, da er immer sehr nett zu mir war und in meiner Anwesenheit auch nie getrunken hatte)

All die Jahre war er kein Thema für mich. Man kann sagen ich habe ihn vergessen...
Nun erfahre ich, dass er seit einer Woche Tod ist. Ich trauere, ich trauere gleichzeitig nicht. Sicher bin ich traurig darüber, aber ich weine und heule nicht. Ich denke darüber eher sachlich.
Viel eher habe ich ein sehr schlechtes Gewissen.

Schließlich hat er viel für mich getan, damals... Ich will nicht genauer darauf eingehen (das ist mir zu privat), aber er hat sich damals sehr für mich eingestanden und eine Menge für mich sehr bedeutende Dinge getan, die ich damals, weil ich noch sehr jung war, nicht erfassen konnte. Ich habe ihm niemals dafür richtigen Dank gegolten. Wie gesagt, ich habe nicht darüber nachgedacht und damals es auch gar nicht können.

Jetzt aber kommt mir der Gedanke und ich frage mich, wieso kam dieser nicht früher.
Es waren 5-6 Jahre, in denen ich keinen einzigen Gedanken darüber wirklich verschwendet habe. Ich habe mein Leben gelebt. Warum habe ich das nicht früher erkannt, wo ich noch die Gelegenheit gehabt hätte, mich zu bedanken oder Reue zeigen zu können, dass ich mich solange nicht gemeldet habe... auch wenn er es verstanden hat, dass ich seine neue Frau nicht leiden konnte...

Ich komme mir wie ein Heuchler vor, da er erst sterben musste, das ich das sehe. Auch, weil ich immernoch keine wirkliche Trauer habe... ich bin traurig ja, aber ich weine nicht, wie es meine Mutter getan hat... ich bin erschüttert, aber genauso erschüttert bin ich, wenn ich in den Nachrichten über Todesfälle erfahre...

Ich weiß nicht, ob ich zu seiner Beerdigung gehen soll... Habe ich überhaupt das Recht dazu mit diesen Gefühlen?
Bin ich ein Heuchler? Warum fiel mir es nicht früher ein, wenigstens einmal anzurufen und Danke zu sagen?...
 
Hi

ich verstehe dein unbehagen...manchmal trenen sich zweier menschen wege im leben, ohne das viel vorfällt und plötzlich steht man vor dem unvermeindlichen,wo man nichts mehr ändern kann. ich denke mir dann, alles sollte so sein,sonst hätte das leben einen wieder zusammen geführt.
deine gefühle sind durcheinander ...

zur beerdigung gehen würde ich,so kannst du nochmal in gedanken an ihn , loslassen was du ihm sagen willst...du bist kein heuchler, du hast ihn doch im herzen getragen und mehr war nicht möglich....

liebe grüße🙂
 
Bei mir und meinem Opa war es ein ähnlicher Fall. Keinen Kontakt mehr über mehrere Jahre und schwupps war er nicht mehr da. Er lag im Krankenhaus und hat eine schwere Operation nicht überstanden. Wusste von dieser OP nichts und habe es erst nach seinem Tod erfahren. Ich weiß nicht ob ich ein eiskaltes Schwein bin, aber mich hat es nicht getroffen. Nicht ein bisschen. Konnte noch nichtmal den Rest der Familie trösten, die noch Kontakt mit ihm hatten. Was soll man sagen? Die Zeit hat wohl eine so große Kluft geschaffen, das selbst die vielen positiven Dinge von früher nicht gereicht haben, um sowas wie Trauer auszulösen. Liegt wohl daran, das ich die Schuld vom Kontaktabbruch auch nicht bei mir finde.

Ich kann dir nur raten nach deinem Gefühl zu gehen. Wir wissen doch nicht, ob er von oben herab guckt, wenn er beerdigt wird. Wenn er dich da stehen sieht, dann bitte nur, weil du wirklich trauerst und es nicht als ´´Pflichtveranstaltung´´ siehst. Und lass dir auch von niemanden reinreden. Du musst jetzt dein Herz fragen.

Hoffe du triffst die richtige Entscheidung.
 
Hallo Surrender , mein Beileid zum Tode Deines Opas . Meistens ist es so das man wenn jemand verstorben ist man an ihn denkt . Gerade wenn man Jahre zu dem jeweiligen Verstorbenen keinen Kontakt mehr hatte . Der Tod ruft einen diesen Menschen ins Gedächnis . Du siehst nun das es keine Chance mehr geben kann den Opa zu sprechen oder zu sehen . Man unterliegt dem Klischee das nur der das Recht hat zu Trauer der mit dem Verstorbenen immer in Kontakt war . Darum meinst Du das Du ein Heuchler bist , aber dem ist nicht so . So müßte ich auch eine Heuchlerin sein denn auch mir passiert das ich vom Tod eines Verwandten oder eines Freundes mit dem ich mich aus den Augen verloren habe erfahre . Es ist jedesmal so das ich da trauere und auch weinen muß , vorallem wenn ich dann zu der Beerdigung gehe . Ich sehe den Sarg stehen und da muß einfach weinen . Vielleicht sehe ich dann in diesen Moment den Tod als Abschied ohne Wiederkehr dessen ich mir dann so bewußt werde das ich darüber dann traurig bin . Du mußt auch bedenken auch Dein Opa war erwachsen und hätte den Kontakt zu Dir auch aufrischen können egal ob da seine Frau störend im Weg gestanden wäre , man kann sich ja auf neutralen Boden treffen . Lasse Deine Trauer einfach zu das liegt in der Natur des Menschen so kann man einiges positiv verarbeiten .
 
Er hätte mich nicht aufsuchen können, da ich umgezogen bin... Er hatte weder die neue Telefonr. noch die neue Adresse (steht auch nicht im Telefonbuch oder ähnlichem)... An dem Kontaktabruch bin definitiv ich schuld 🙁
 
Er hätte mich nicht aufsuchen können, da ich umgezogen bin... Er hatte weder die neue Telefonr. noch die neue Adresse (steht auch nicht im Telefonbuch oder ähnlichem)... An dem Kontaktabruch bin definitiv ich schuld 🙁

wenn man will kriegt man auch das raus...😉
einwohnermeldeamt glaub ich.... wer jetzt schuld hat ist auch nicht wichtig ... du kannst nix dran ändern und gut tun deine schuldgefühle keinem. ich glaube nict das er das so wollte...das du dich quälst....
 
Ich denke schon, dass es mein Fehler war...

Schließlich hatte ich seine Nummer und seine Adresse.

Auf jedenfall danke an euch für die Ratschläge und das Trösten... aber ich fühle mich immernoch wie ein Heuchler. Warum jetzt ein schlechtes Gewissen und nicht früher? und warum keine richtige Trauer? Ich weiß ihr habt die Fragen bereits beantwortet und ich weiß auch nicht so wirklich, was ich erwarte... vielleicht ist es auch nur schwer zu akzeptieren... Meine Mutter will nciht zur Beerdigung gehen... aber ich glaube das bin ich ihm schuldig? Dabei glaube oder glaubte bisher ich nichtmal an so etwas wie, dass er es dann mitbekommt, trotzdem habe ich das Gefühl, ihm schuldig zu sein... schon merkwürdig...
 
Vielleicht solltest du erstmal ein paar tage verstreichen lassen , bis du dich entscheidest und wie jemand schon sagte...hör auf dein herz,egal was andere sagen oder machen.🙂
 
Es tut mir sehr leid das dein Opa gestorben ist.

Aber ich bin mir ganz sicher das es deinem Opa überhaupt nicht so wichtig war das du dich bei ihm bedankst sondern vielmehr das er wusste das er dir helfen konnte und das aus dir ein guter Mensch geworden ist.

Und irgendwie hast du deinen Dank ja indirekt gezeigt indem du aus der Hilfe die dir gegeben wurde etwas gemacht hast.
 
Hallo Surrender,

ich kann Deine gemischten Gefühle ganz gut nachvollziehen und denke, daß die Endgültigkeit das ist, was Dir jetzt gerade am meisten zu schaffen macht. Bin in einer ähnlichen, aber doch anders gelagerten Situation.

Ich denke, zu wissen, daß Du jetzt nicht mehr die Möglichkeit hast, ein klärendes Gespräch mit Deinem Opa führen zu können, wühlt Dich so auf. Wenn Du aber wüßtest, daß er jetzt noch am Leben wäre.... würde es dann etwas ändern? Würdest Du dann handeln? Ich denke, es ist wichtig, das auch Dir selbst gegenüber ehrlich zu hinterfragen.

Es geht nicht darum, irgendetwas abzumildern oder zu rechtfertigen. Aber andererseits denke ich, solltest Du Dir auch eingestehen, daß Dich erst sein Tod aufgerüttelt hat. Das Gefühl, etwas nicht mehr klären zu können, hinterläßt ein unangenehmes Gefühl. Was Du Dir aber nicht übel nehmen solltest.

Du hast geschrieben, daß er Dich nicht hätte erreichen können.... das sehe ich etwas anders. Es hätte immer einen Weg gegeben. Er hätte dennoch versuchen können, Dich zu erreichen. Und wenn es über Deine Mutter gewesen wäre, soweit ich das - hoffentlich - richtig verstanden habe.

Manche Dinge kann man zu Lebzeiten nicht klären. Und manchmal ist es auch gut so. Das ändert nichts an dem, was gewesen ist.

Wichtig für Dich ist jetzt, zu versuchen, damit abzuschließen. Vielleicht hilft es Dir, einen Brief an Deinen Opa zu schreiben und das aufzuschreiben, was Du ihm gerne noch gesagt hättest. Das mag Dir jetzt vielleicht surreal erscheinen, aber ich könnte mir vorstellen, daß es trotzdem hilft. Und wenn es für Dich nur darum geht und hilfreich ist, ihn mit differenzierten Augen zu sehen.

Ich wünsch Dir viel Kraft und nimm es Dir selbst nicht übel.

lostsouls

Ich wüsste nicht wirklich, ob ich dann gehandelt hätte.... Schließlich wäre er dann nie ins Gespräch gekommen und ich bezweifel ganz stark, dass dann diese Erinnerungen, was er eigentlich für mich getan hat und was ich dafür getan habe (Kontaktabbruch) jemals wirklich hoch gekommen wäre... Daher fühl ich mich ja wie ein Heuchler... jetzt, wo ichs nicht mehr ändern kann beschäftigt es mich... und schwer hinzukommend: Trauer ist zwar da, aber recht erträglich... nicht so, wie ich es eigentlich beim Verlust eines Menschens erwarten würde 🙁

Von meiner Mutter hatte er auch keine Kontaktdaten, die einzige Person über die er hätte was erreichen können, wäre meine Oma gewesen, also seine Exfrau, die sich meines Wissens absolut nicht mehr leiden können... Schließlich haben sies immer vermieden, gleichzeitig zu erscheinen...Daher wäre fraglich gewesen, ob er dann überhaupt Kontaktdaten bekommen hätte!
Dennoch wird meine Oma mich begleiten, wenn ich zur Beerdigung gehen will...
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
B Mein Vater Trauer 8
G Mein Hund Trauer 32
G Mein Bruder ist tot Trauer 12

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.
      Oben