Tja,
Guten Abend allerseits!
Da bin ich. Ich, der sich nun an fremde Menschen im Internet wendet, weil unsere oberflächliche Gesellschaft auch unter „Freunden“ es nicht mehr schafft, Menschen zu zuhören.
Welch Segen, dass es dieses Forum hier gibt. Genau hier setzt es an. Umso wichtiger in unserer heutigen Zeit, die von einsamen und depressiven Menschen zur so wimmelt, ohne das es jemand mitbekommt.
Ich möchte mich zunächst vorstellen. Ich bin Marc, 42 Jahre alt und wohl gerade in der verrücktesten Phase meines Lebens. Man könnte sagen in einer Art „Midlife Crisis“. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich hier anfangen würde, meine ganze Lebensgeschichte bis heute nieder zu schreiben. Allerdings möchte ich gerne über meine jetzige Phase mit euch sprechen und was unmittelbar davor war.
Mein Leben ist eine einzige Enttäuschung, ein taumeln durch die Jahre mit entsetzlich vielen Fehlern die begangen wurden. Es war bestimmt von Verlusten, Trauer, Ängsten und schlimmen Depressionen. Von Entbehrungen, Verzicht und Sorgen. Von Kindheit an. Ich habe mich dann irgendwann vor 15 Jahren ergeben und im tiefsten Koma verbracht. Wie auf Autopilot gingen die Jahre an mir vorüber ohne zu bemerken was ich mir selbst und meinem Körper alles angetan hatte. Gemacht habe ich genau: NICHTS. Depressionen, Einsamkeit und H4 waren meine guten Begleiter. Nichtmal mehr Alkohol oder andere Drogen habe ich konsumiert, dazu war ich einfach schon wieder ZU Krank. Bis vor 3 Wochen. Irgendwas ist dann mit mir passiert. Eine Art „letztes Aufbäumen“ ich weiß es nicht. Vom einen auf den anderen Moment bin ich aufgesprungen nachdem ich ca. 3 Stunden die Wand angestarrt hatte und an nichts gedacht hatte, habe laut geschriehen „WAS MACHST DU?!“
Ich verspürte eine Entschlossenheit die ich so nie zuvor in meinem Leben gespürt hatte. Ich war auf einmal voller Tatendrang mit einem Ziel. Ich werde mein Leben radikal verändern, wie es heftiger eigentlich nicht mehr geht. Gleich am nächsten Morgen habe ich das örtliche Fitnesscenter aufgesucht. Sportmediziner wurde angefordert und Zustand bemessen. Es kam ein desolates Ergebnis zustande, das einfach nur noch erschreckend und traurig zu gleich war. Übergewicht, Diabetis Typ 2, Allergien, Raucherlunge. Einzig mein hübsches Gesicht ist mir noch irgendwie erhalten geblieben und von tiefen Falten verschont worden. Muskelmasse wie ein 17 Jähriger. Nun gut! Das hat mich nicht lange belastet. Ich habe ein Programm angefordert über die KK (Reha
Sport) und ein massives Muskelaufbau und Fettverbrennungs- Plan aufgestellt, mit realistischen aber avancierten Zielen. Doch ich war voller Tatendrang. Bis zum Termin wollte ich nicht einfach herumsitzen. Mensch! dachte ich mir: „
Du könntest dich doch mal im I-net schlau machen ob man deinem Haarausfallproblem nicht mal abhelfen könnte. Vielleicht gibt es jetzt neue Möglichkeiten.“ Und Ja, die gab es. Türkei All inclusive in einer Sitzung zu vollem Haar. Mit Flug, Hotel Transfer und Behandlung. Wie bitte? Nur 1500 EUR? Mit allem drum und drann? Wieder 20 sein? Mein hübsches Gesicht wieder mit meinen braunen Locken schmücken? Wer kann denn dazu nein sagen? Also AUF GEHT´S! Kontakt aufgenommen, bei meiner Familie „Kredit“ besorgt und das Geld geliehen und ABFLUG NACH ISTANBUL! Agentur konnte mir einen Termin per sofort beschaffen.
Was ich dort erlebte, war schlichtweg der Wahnsinn. Vor 2 Tagen saß ich noch depressiv auf der Couch und dachte an Suizid und jetzt sitz ich im Flieger in den Orient. Keine 10 Pferde hätten mich da hinbekommen. Türkei? Was soll ich da? Völlig langweilig und belanglos. Von Wegen! Ich habe nie zuvor solch freundliche und Kontaktfreudige Menschen erlebt. Einfach so auf der Straße habe ich Menschen kennengelernt, mich unterhalten. Tolle Frauen sag ich euch, mit ihren „bösen“ orientalischen Blick aber riesigem warmen Herz. Bei der Transplantation hatte ich den Spaß meines Lebens. Gleich 3 wunderschöne Frauen bedienten mich wie einen Pascha und machten mal ganz nebenbei meine Stirnglatze wieder weg. Ein Traum! Ich dachte wirklich nur daran „Kneift mich“. Rührend kümmerte sich die Dolmetscherin um mich, jeder Wunsch wurde erfüllt, bekam alles was ich brauchte (Wasser, Zigaretten, Tee). Im Cafe´lernte ich einen ehemaligen Deutsch-Türken (der Besitzer des Cafe´s ) kennen, der seinen Lebensabend nun in der Heimat verbringt. Gleich schlossen wir Freundschaft und er vermisste Deutschland sehr. (Was ich nicht nachvollziehen konnte). Doch all inklusive schlug zu und ich musste schon am nächsten Morgen wieder abreisen. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt mich im Flieger bei Ankunft unter dem Sitz zu verstecken, damit die mich wieder zurück ins Paradies fliegen. Aber meine Füße waren noch zu sehen.
Nun, da bin ich wieder. Sehe auf dem Kopf aus wie ein zerrupftes Huhn(noch) mein 7.Tag Zuhause und ratet mal: Ich bin wieder am Boden! Deutschland….kalt….grau…oberflächlich….einsam…traurig. Da wurde es mir bewusst. Ist es unsere Gesellschaft bzw. unsere Art des Zusammenlebens, die manche Menschen in die Depression treibt? Ist es diese verdammte Eitelkeit, Arroganz und Ignoranz in einer „Leistungsgesellschaft“? Da fiel mir nebenbei auf, das ich versäumt hatte, der dritten OP Ärztin ein Gastgeschenk zu geben, da ich von 2 Ärzten ausgegangen war. Ich habe dann über Facebook mit der Klinik Kontakt aufgenommen und ganz sachlich und nett gefragt, ob es möglich wäre der dritten Ärztin per Post ebenfalls ein kleines Geschenk zukommen zu lassen, weil mir das irgendwie wichtig ist. Ich habe keine Ahnung wer da mit mir kommuniziert hatte, allerdings habe ich einfach so keine Antwort bekommen. Einfach so! Wie der letzte Penner, der es nicht würdig ist, mit denen zu kommunizieren. Da wurde mir bewusst, das scheint also auch kein auf Deutschland beschränktes Problem. Und nun sitze ich wieder hier und bin von Selbstzweifeln zerfressen. Schmerzen von der OP, aber auch glücklich zumindest diesen Schritt gemacht zu haben. Ich erinnere mich wieder an längst vergangene Tage, an sogenannte „Freunde“ die nie welche waren. Die alle Glücklich sind, denen ich allen zuschauen durfte, wie sie ihr tolles erfolgreiches Leben gestaltet haben. Wie sie Kinder haben, mit einer liebevollen Frau verheiratet sind und einen Status haben. Und ich? Besitze nichts! Nichteinmal eine tolle Gesundheit. Gibt schlimmeres klar, will mich ja nicht beschweren. Aber wie fühlt man sich wenn man nicht einmal einen Kumpel hat, bei dem man sich mal aussprechen kann. Es ist die verdammte Einsamkeit, die mich von innen zerfrisst. Es ist das Single dasein, das mich mittlerweile nur noch ankotzt. Es ist das Bewusstsein, das niemand mit dir was zu tun haben will. Man fühlt sich minderwertig, aber das schlimmste ist, man bekommt so eine Art Wilson Volleyball Syndrom, wie beim Film Cast Away. Muss das sein? 82 Millionen Einwohner in Deutschland und ich muss mit der Wand sprechen?
Hui, das war jetzt ganz schön ausführlich, allerdings geht es mir auch schlecht. Vielleicht hat jemanden mein Post gefallen und möchte mit mir sprechen?
Es wäre schön, es wäre auch schön wenn jemand einen Rat hat, wie derjenige eine solche „Krise“ bewältigen würde.
Als Bald Dankeschön für´s Lesen
Gruß
Guten Abend allerseits!
Da bin ich. Ich, der sich nun an fremde Menschen im Internet wendet, weil unsere oberflächliche Gesellschaft auch unter „Freunden“ es nicht mehr schafft, Menschen zu zuhören.
Welch Segen, dass es dieses Forum hier gibt. Genau hier setzt es an. Umso wichtiger in unserer heutigen Zeit, die von einsamen und depressiven Menschen zur so wimmelt, ohne das es jemand mitbekommt.
Ich möchte mich zunächst vorstellen. Ich bin Marc, 42 Jahre alt und wohl gerade in der verrücktesten Phase meines Lebens. Man könnte sagen in einer Art „Midlife Crisis“. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich hier anfangen würde, meine ganze Lebensgeschichte bis heute nieder zu schreiben. Allerdings möchte ich gerne über meine jetzige Phase mit euch sprechen und was unmittelbar davor war.
Mein Leben ist eine einzige Enttäuschung, ein taumeln durch die Jahre mit entsetzlich vielen Fehlern die begangen wurden. Es war bestimmt von Verlusten, Trauer, Ängsten und schlimmen Depressionen. Von Entbehrungen, Verzicht und Sorgen. Von Kindheit an. Ich habe mich dann irgendwann vor 15 Jahren ergeben und im tiefsten Koma verbracht. Wie auf Autopilot gingen die Jahre an mir vorüber ohne zu bemerken was ich mir selbst und meinem Körper alles angetan hatte. Gemacht habe ich genau: NICHTS. Depressionen, Einsamkeit und H4 waren meine guten Begleiter. Nichtmal mehr Alkohol oder andere Drogen habe ich konsumiert, dazu war ich einfach schon wieder ZU Krank. Bis vor 3 Wochen. Irgendwas ist dann mit mir passiert. Eine Art „letztes Aufbäumen“ ich weiß es nicht. Vom einen auf den anderen Moment bin ich aufgesprungen nachdem ich ca. 3 Stunden die Wand angestarrt hatte und an nichts gedacht hatte, habe laut geschriehen „WAS MACHST DU?!“
Ich verspürte eine Entschlossenheit die ich so nie zuvor in meinem Leben gespürt hatte. Ich war auf einmal voller Tatendrang mit einem Ziel. Ich werde mein Leben radikal verändern, wie es heftiger eigentlich nicht mehr geht. Gleich am nächsten Morgen habe ich das örtliche Fitnesscenter aufgesucht. Sportmediziner wurde angefordert und Zustand bemessen. Es kam ein desolates Ergebnis zustande, das einfach nur noch erschreckend und traurig zu gleich war. Übergewicht, Diabetis Typ 2, Allergien, Raucherlunge. Einzig mein hübsches Gesicht ist mir noch irgendwie erhalten geblieben und von tiefen Falten verschont worden. Muskelmasse wie ein 17 Jähriger. Nun gut! Das hat mich nicht lange belastet. Ich habe ein Programm angefordert über die KK (Reha
Sport) und ein massives Muskelaufbau und Fettverbrennungs- Plan aufgestellt, mit realistischen aber avancierten Zielen. Doch ich war voller Tatendrang. Bis zum Termin wollte ich nicht einfach herumsitzen. Mensch! dachte ich mir: „
Du könntest dich doch mal im I-net schlau machen ob man deinem Haarausfallproblem nicht mal abhelfen könnte. Vielleicht gibt es jetzt neue Möglichkeiten.“ Und Ja, die gab es. Türkei All inclusive in einer Sitzung zu vollem Haar. Mit Flug, Hotel Transfer und Behandlung. Wie bitte? Nur 1500 EUR? Mit allem drum und drann? Wieder 20 sein? Mein hübsches Gesicht wieder mit meinen braunen Locken schmücken? Wer kann denn dazu nein sagen? Also AUF GEHT´S! Kontakt aufgenommen, bei meiner Familie „Kredit“ besorgt und das Geld geliehen und ABFLUG NACH ISTANBUL! Agentur konnte mir einen Termin per sofort beschaffen.
Was ich dort erlebte, war schlichtweg der Wahnsinn. Vor 2 Tagen saß ich noch depressiv auf der Couch und dachte an Suizid und jetzt sitz ich im Flieger in den Orient. Keine 10 Pferde hätten mich da hinbekommen. Türkei? Was soll ich da? Völlig langweilig und belanglos. Von Wegen! Ich habe nie zuvor solch freundliche und Kontaktfreudige Menschen erlebt. Einfach so auf der Straße habe ich Menschen kennengelernt, mich unterhalten. Tolle Frauen sag ich euch, mit ihren „bösen“ orientalischen Blick aber riesigem warmen Herz. Bei der Transplantation hatte ich den Spaß meines Lebens. Gleich 3 wunderschöne Frauen bedienten mich wie einen Pascha und machten mal ganz nebenbei meine Stirnglatze wieder weg. Ein Traum! Ich dachte wirklich nur daran „Kneift mich“. Rührend kümmerte sich die Dolmetscherin um mich, jeder Wunsch wurde erfüllt, bekam alles was ich brauchte (Wasser, Zigaretten, Tee). Im Cafe´lernte ich einen ehemaligen Deutsch-Türken (der Besitzer des Cafe´s ) kennen, der seinen Lebensabend nun in der Heimat verbringt. Gleich schlossen wir Freundschaft und er vermisste Deutschland sehr. (Was ich nicht nachvollziehen konnte). Doch all inklusive schlug zu und ich musste schon am nächsten Morgen wieder abreisen. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt mich im Flieger bei Ankunft unter dem Sitz zu verstecken, damit die mich wieder zurück ins Paradies fliegen. Aber meine Füße waren noch zu sehen.
Nun, da bin ich wieder. Sehe auf dem Kopf aus wie ein zerrupftes Huhn(noch) mein 7.Tag Zuhause und ratet mal: Ich bin wieder am Boden! Deutschland….kalt….grau…oberflächlich….einsam…traurig. Da wurde es mir bewusst. Ist es unsere Gesellschaft bzw. unsere Art des Zusammenlebens, die manche Menschen in die Depression treibt? Ist es diese verdammte Eitelkeit, Arroganz und Ignoranz in einer „Leistungsgesellschaft“? Da fiel mir nebenbei auf, das ich versäumt hatte, der dritten OP Ärztin ein Gastgeschenk zu geben, da ich von 2 Ärzten ausgegangen war. Ich habe dann über Facebook mit der Klinik Kontakt aufgenommen und ganz sachlich und nett gefragt, ob es möglich wäre der dritten Ärztin per Post ebenfalls ein kleines Geschenk zukommen zu lassen, weil mir das irgendwie wichtig ist. Ich habe keine Ahnung wer da mit mir kommuniziert hatte, allerdings habe ich einfach so keine Antwort bekommen. Einfach so! Wie der letzte Penner, der es nicht würdig ist, mit denen zu kommunizieren. Da wurde mir bewusst, das scheint also auch kein auf Deutschland beschränktes Problem. Und nun sitze ich wieder hier und bin von Selbstzweifeln zerfressen. Schmerzen von der OP, aber auch glücklich zumindest diesen Schritt gemacht zu haben. Ich erinnere mich wieder an längst vergangene Tage, an sogenannte „Freunde“ die nie welche waren. Die alle Glücklich sind, denen ich allen zuschauen durfte, wie sie ihr tolles erfolgreiches Leben gestaltet haben. Wie sie Kinder haben, mit einer liebevollen Frau verheiratet sind und einen Status haben. Und ich? Besitze nichts! Nichteinmal eine tolle Gesundheit. Gibt schlimmeres klar, will mich ja nicht beschweren. Aber wie fühlt man sich wenn man nicht einmal einen Kumpel hat, bei dem man sich mal aussprechen kann. Es ist die verdammte Einsamkeit, die mich von innen zerfrisst. Es ist das Single dasein, das mich mittlerweile nur noch ankotzt. Es ist das Bewusstsein, das niemand mit dir was zu tun haben will. Man fühlt sich minderwertig, aber das schlimmste ist, man bekommt so eine Art Wilson Volleyball Syndrom, wie beim Film Cast Away. Muss das sein? 82 Millionen Einwohner in Deutschland und ich muss mit der Wand sprechen?
Hui, das war jetzt ganz schön ausführlich, allerdings geht es mir auch schlecht. Vielleicht hat jemanden mein Post gefallen und möchte mit mir sprechen?
Es wäre schön, es wäre auch schön wenn jemand einen Rat hat, wie derjenige eine solche „Krise“ bewältigen würde.
Als Bald Dankeschön für´s Lesen
Gruß