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Mein Dad...

  • Starter*in Starter*in waber
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waber

Gast
Mein Vater ist letztes Jahr an Krebs verstorben.
Es war ziemlich heftig.
Rausgekommen ist es auch nur, weil er meine Mutter zum Arzt begleitet hat und er auf Anraten des Artzes auch untersucht werden sollte.
Meiner Mutter geht es soweit gut, ein paar Tage nach den Ergebnissen lag mein Vater dafür im Krankenhaus und sollte operiert werden, da man Krebs festgestellt hatte.
Ich muss dazu sagen, dass meine Eltern in einer anderen Stadt wohnen und wir uns durchschnittlich 2x im Jahr gesehen habe.
Bis ich ein paar Tage von meiner Arbeit freischaufeln konnte, vergingen 2 Wochen ungefähr.
Als ich ankam und meinen Vater im Krankenhaus besucht habe, bin ich fast ohnmächtig geworden. Meine Geschwister, die vorher schon da waren, haben mich auch vorgewarnt. Aber das hatte ich nicht erwartet..
Ich kam ins Stationszimmer und mein Vater lag fixiert in seinem Bett und sein Körper war grün und blau, er war angeschwollen,nicht ansprechbar und an der Beatmungsmaschine.
Es hat sich rausgestellt, dass er Ärzte und Krankenhäuser die ganze Zeit gemieden hatte, weil er schwerst medikamentenabhängig war und laut Aussage der Ärzte "astronomisch hohe Dosierungen" an starken Medikamenten geschluckt hat, die sein Hausarzt ihm verschrieben hat (sie kennen sich seit Jahren, auch persönlich..)
D.h. ich wußte nur von seiner Lungen-op, nicht, dass er einen kalten Entzug noch durchgemacht hat, da die Schmerz- und Betäubungsmittel, die er nach der OP bekommen hat, nicht mehr gewirkt haben.
Er tat mir so leid und meine Mutter.
Wir alle wussten nicht, dass es so schlimm war.
Er war mehrere Monate im Krankenhaus und selbst die Ärzte waren erstaunt über die Kraft, die er trotz allem hatte.
Er hatte in der Zeit einen kalten Entzug durchgemacht, bekam Schlaganfälle, mehrere Lungenlappen wurden wohl entfernt und Fieber etc. hat er überstanden.
Aber es war klar, dass es alles nur eine Zeitfrage war.
Wenn er wach war, wusste er nicht mehr, wer wir sind. Er erkannte nur noch meine Mutter.
Und er hat die ganze Zeit gelitten. Ich habe meinen Vater selten weinen gesehen. Ich fuhr alle paar Wochenenden hin (je nachdem wann ich eben jobmäßig frei hatte). Das eine mal ist er zufällig "wach" geworden, als ich mit meiner Mutter da war und er fing vor Schmerzen an zu weinen. Die Medis haben nicht gewirkt...
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich auf meiner Arbeit mehrere Male zusammengebrochen bin, da ich das nicht ertragen habe. Ich hätte nie von mir gedacht, dass ich "zusammenbrechen" kann, da ich mich selbst für ziemlich "stark" halte und abgeklärt. Aber diese Hilflosigkeit und das Entsetzen über die ganze Situation war schon heftig.
Wir alle hätte ihm so gerne geholfen.
Im Grunde hätte man die ganzen OPs weglassen sollen. So wäre er wahrscheinlich irgendwann völlig stoned eingeschlafen.
Er hatte sogar eine Patientenverfügung verfasst. Darin hieß es, dass man keine lebensrettenden Maßnahmen einleiten soll.
Das Problem war, dass diese Verfügung fast 3 Jahre alt war und sie nicht aktualisiert wurde und damit veraltet.
D.h. die Ärzte taten alles, um ihm zu "helfen".
Meine Schwester konnte kurz vor seinem Tod noch ein Blick in die Patientenakte werfen.
Er wurde in den Monaten, die er in seiner Agonie im Krankenhaus lag, 2x wiederbelebt. Er hatte starke Entzugserscheinungen und die Ärzte haben nach dem 1. epileptischen Anfall, den er da bekam, festgestellt, dass er eine Hirnerweichung (oder so ähnlich) hat. Sie sagten, sein Gehirnstamm ist stark beschädigt. Wenn er überlebt, wird er ein Pflegefall und nicht annähernd so, wie wir ihn kannten.
Mein Vater wollte das nicht! Er hat es sogar notariell festhalten lassen.
Aber die Verfügung war zu alt.
Und jedes Mal stand ich bei ihm heulenderweise am Bett und wollte die Kabel der Beatmungsmaschine rausziehen...
Jetzt sind fast 7 Monate seid seinem Tod vergangen und fast ein Jahr, dass er ins Krankenhaus kam.
Und ich muss oft an ihn denken und daran, wie er gelitten hat.
Es ist hart und irgendwie ungerecht. Oder einfach nur krass. Keine Ahnung.
Innerhalb dieses Jahres, also seid mein Vater ins Krankenhaus kam, habe ich einen neuen job bekommen, meinen Vater verloren, eine langjährige Beziehung verloren und schlussendlich vor kurzem meinen Job verloren.
Ich denke, dass hängt irgendwie alles mit meinem Vater zusammen. Konnte mich aufgrund der Vorfälle nicht wirklich in das neue Team integrieren, mein Expartner war alles andere als eine Unterstützung für mich (so empfand ich es zumindest) und mein befristeter Vertrag wurde nicht verlängert.
Nunja und bald fängt hoffentlich wieder etwas neues an.
Mein Vater ist in Gedanken bei mir und ich bin irgendwie froh, dass ich die Zeit habe und vielleicht jetzt endlich mal "Trauerarbeit" leisten kann.
Ich weiß noch nicht genau wie, aber das wird sich wohl automisch einstellen.

-waber
 
und vielleicht jetzt endlich mal "Trauerarbeit" leisten kann.
Ich weiß noch nicht genau wie, aber das wird sich wohl automisch einstellen.

Hallo waber,
das ist wirklich eine ungewöhnliche und traurige Erfahrung, die dein Vater und auch du da machen musstet. Mein Vater ist zwar auch nicht "schön" gestorben, aber wenigstens im Schlaf.

Was ich nicht verstanden habe ist, ob du von uns hier im Forum eine Hilfe suchst oder ob du es einfach erzählen wolltest (was ja auch okay wäre)?

Viel Kraft für die Zukunft wünscht dir
Werner
 
Hallo Werner,

ich wollte mir das zum einen mal von der Seele schreiben.
Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem alles hoch kam.
Zum anderen erhoffe ich mir vielleicht auch ein paar Tipps, wie ich das verarbeiten kann.
Als das alles akut war und er verstarb, hörte ich von Freunden immer nur, dass man Trauerarbeit leisten soll und ich mir die Zeit dafür nehmen soll.
Naja, ich hab mir 2 Tage gegönnt und bin dann wieder arbeiten gegangen. Habe von Leuten gehört, die sich teilweise bis zu 4 Wochen krank gemeldet haben.
Vielleicht hätte ich das auch machen sollen.
Aber gut, jetzt habe ich Zeit und ich merke auch, dass es immer wieder mal hoch kommt.
Wie auch immer. Selbst das darüber schreiben hilft ja auch ein bißchen. 😉
-waber
 
Zum anderen erhoffe ich mir vielleicht auch ein paar Tipps, wie ich das verarbeiten kann.

Hallo Waber,
ich denke, jeder hat so seine Strategien beim Verarbeiten. Mir selbst hat bei den nahegehenden Todesfällen in meiner Umgebung in der Regel geholfen, dass ich dem Erlebten einen Sinn gegeben habe - was unter Umständen Jahre gedauert hat, bis ich einen fand, der "haltbar" oder "belastbar" war.

Falls dich die Bilder und Eindrücke sehr belasten hätte ich dir einen Buchtipp - da habe ich viele nützliche Tipps drin gefunden: "Veränderung des subjektiven Erlebens" von Richard Bandler. Ist zwar z.T. ziemlich amerikanisch aufgemacht, aber man hat was zu lachen und bekommt praktische Anregungen, wie man Gehirninhalte anders bewertet, gruppiert oder neu abspeichert.

Gruß, Werner
 

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