livestrong
Mitglied
Hallo liebe hilferuf.de Community,
ich möchte mich im Voraus für eure Hilfe, Mühe und Aufmerksamkeit bedanken. Ich habe mich vor ungefähr einem Jahr hier im Forum gemeldet und um Rat gebeten.
Den Thread könnt ihr hier finden:
http://www.hilferuf.de/forum/liebe/146937-fuehle-mich-haesslich.html
Um es kurz zusammenzufassen:
Ich bin seit dem ich etwa 9 Jahre alt war wegen meines Aussehens gemobbt worden. Erst wegen meines Übergewichts in der Grundschulzeit und dann wegen meinem „großen“ Kopf auf dem Gymnasium von der 5ten Klasse durchgehend bis zum Abitur im letzten Sommer. Dazu wurde ich regelmäßig in alltäglichen Situationen von Fremden beleidigt und angegriffen.
Die typischen Beleidigungen waren Kanisterkopf, Wasserkopf, ET-Birne, Glühbirnenschädel, Kürbiskopf und noch ne Menge mehr, um ehrlich zu sein waren es so viele, dass ich ein paar mit Sicherheit schon wieder vergessen habe. Damit einher gingen körperliche Gewalt, Hetze im Internet und so eine Art innerschulische soziale Isolation. (bis auf wenige, jedoch sehr gute Freunde)
So kam es zu meinem Selbstbild und zu meinem mittlerweile regelrechten Hass auf mein eigenes Aussehen.
Was sich seit meinen Thread getan hat:
Damals standen die Abi-Prüfungen an. Die hab ich auch gepackt. Abi mit 2,8 ist zwar nicht das, was ich mir vorgestellt habe (hängt wirklich viel mit dem Mobbing zusammen), aber ich musste mich dann eben damit abfinden. Danach standen die Zeugnisverleihung und der Abiball an. Meine Eltern und ich hatten bereits einen Anzug etc. gekauft und den Eintritt bezahlt, als es dann aber so weit war, konnte ich einfach nicht hingehen. Die ganze Wut über das, was diese Stufe mir angetan hatte, brodelte irgendwie in mir hoch. Irgendwie war das wie eine Trotzreaktion eines kleinen Kindes, getreu dem Motto: „Ihr habt mich geärgert, jetzt ärgere ich euch“. Ich habe später erfahren, dass es einen riesen Aufstand gegeben hat und sich alle gefragt haben, was denn mit mir los ist. Mein eigentliches Problem konnte ein Großteil nicht erahnen, weil ich in der Schule meist geschauspielert habe und mir mein kleines Selbstwertgefühl nicht habe anmerken lassen.
Mit dem Abiball endete meine Schulzeit. Danach habe ich mich für etwa 2 Monate komplett abgeschottet. War nur daheim, hab Sport getrieben und mir über mein Studium Gedanken gemacht. Ich habe mich dann bei sehr sehr vielen Universitäten beworben und fast nur Absagen kassiert. Das bringt Selbstzweifel ohne Ende. Positiv war unter Anderem eine Zusage der TU München zum Vorstellungsgespräch für ein Sportstudium. Den Termin in München hab ich sausen lassen (komme aus dem Ruhrgebiet). Mir war einfach klar, dass ich mit meinen ganzen Selbstzweifeln nie im Leben nach München ziehen würde, weg von meiner Familie und den wenigen Freunden die ich hier habe. Das hätte mir total den Boden unter den Füßen weggezogen. Also stand ich Ende September da, ohne Studium, ohne soziale Kontakte(bis auf meinen besten Freund), und mit einem Selbstwertgefühl im freien Fall.
Da habe ich mir dann wirklich eingestanden, dass ich ein riesiges Problem habe, und zwar mit mir selbst. Für meine Eltern war es natürlich die Apokalypse schlecht hin, dass ich in meiner Ausbildung nicht weiter gekommen bin. Meine Mutter hat mir schon öfter gesagt, dass ich mir die ganze „Mobbinggeschichte“ bestimmt nur ausdenke um nicht arbeiten zu müssen und das ich ein fauler Schmarotzer bin. Seitdem streiten wir uns beinahe täglich. Manchmal möchte ich sie so leiden lassen, wie ich gelitten habe, damit sie mal merkt, was sie da eigentlich von sich gibt.
Naja im Herbst hab ich dann die Notbremse gezogen und mir einen Termin beim Psychotherapeut besorgt. Ich hatte Glück und konnte relativ schnell vorbeikommen. Konnte aufgrund der geringen Entfernung sogar mit dem Rad hinfahren. Eigentlich eine super Ausgangslage. Ich habe ihm dann mein Problem geschildert und er meinte dann gleich in der ersten Sitzung: „Wieso, sie sehen doch gut aus.“ Wir haben dann endlos rumdiskutiert, geholfen hat er mir nicht. In der dritten Sitzung hat er mir dann eröffnet, dass er an Burnout leidet und wir die Behandlung beenden müssen. Also stand ich wieder relativ hilflos da. Täglich konnte ich auf Facebook lesen, an welchen Unis meine Mitschüler nun studieren und wie toll ihr Leben doch ist und wie viel Spaß sie haben. Ich war so wütend. Ich habe in meinem Leben seit der dritten Klasse überhaupt nichts mehr zu lachen. Ich konnte mein Leben kaum noch ertragen.
Dann hörte ich von Sylvia Hamacher, einer jungen Frau in meinem Alter, die in der Schule gemobbt wurde und sogar im gleichen Kreis wie ich wohnt und über ihre Geschichte ein Buch geschrieben hat. (wen es interessiert: „Tatort Schule“; tredition Verlag).
Ich hab das Buch an einem Tag verschlungen und mich so darin wiedergefunden, dass es mich schon erschreckt hat. Sie schreibt, dass ihr ein Selbstwert Coaching geholfen hat und immer noch hilft. Also hab ich mich bei ihrer Mutter, die mittlerweile eine Umschulung gemacht hat und solche Coachings anbietet und der Coachtrainerin von Sylvia Hamacher gemeldet und Termine vereinbart. Beide haben mir nicht wirklich weitergeholfen, mir aber dennoch natürlich versichert, dass ich normal aussehe. Von den Klopfübungen daheim (habe den Namen vergessen , EFT oder so) hatte ich dann irgendwann auch die Nase voll. Das war so Ende November. Aber ich wollte nicht aufgeben.
Also habe ich mich bei einer Psychotherapeutin die wir über Bekannte kennen, gemeldet. Da habe ich dann auch Ende November mit wöchentlichen Sitzungen angefangen. Mit ihr zu sprechen hat mir zwar irgendwie Halt gegeben, aber mich bis heute nicht großartig weiter gebracht. Sie ist der Meinung, dass ich eigentlich ja selber erkenne , dass ich gut aussehe, wenn ich in den Spiegel schaue. So ist das aber wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich habe ihr dann Anfang des Jahres die BBC Dokumentation über Dysmorphophobie geschickt. Sie ist absolut der Überzeugung, dass ich nicht an der Krankheit leide.
Jetzt haben wir März und ich habe gerade die letzte Bewerbungswelle für das Sommersemester hinter mir. Habe mich nur bei Unis beworben die ich von hier erreichen kann und rechne fest damit, dass ich Anfang April keinen Platz haben werde. Wie ich mich fühle, das könnt ihr euch denken. Verarscht vom Schicksal, so doof das auch klingt. Ich habe die Themen der Leute mit ähnlichen Problemen wie ich in den letzten Monaten mitverfolgt. Und wie fast alle Männer mit solchen Problemen werde ich im Sommer 20 und hatte in meinem Leben noch nie eine Beziehung und bin für die meisten Frauen so attraktiv wie ein Mülleimer. Ich fühle mich wirklich allein und sehne mich danach auch mal ne richtig nette Frau kennenlernen zu dürfen. Zu dem Thema könnte ich euch noch ne Menge mehr erzählen, aber ich habe eh schon wieder viel zu viel geschrieben.
Meine Eltern haben mir gerade eben noch gesagt, dass ich mir das bestimmt nur ausdenke damit ich nicht „was tun muss“. Wenn ich nämlich mit meinem Schnitt studieren will, bin ich reif fürs Ausland. Studium in den Niederlanden zum Beispiel. Ich habe keine Ahnung wie ich das machen soll, ich finde ja schon hier als junger Mann nicht statt. Ich gehe kaum weg, nicht einmal in die Stadt Klamotten kaufen, weil ich mich selbst nicht im Spiegel sehen will. Meine Haare wachsen seit über einem halben Jahr unkontrolliert vor sich hin, nur damit ich mit ihnen meinen Kopf (meine hohe Stirn) irgendwie verstecken kann und weil ich Angst habe mich nach einem Friseurbesuch mit kürzeren Haaren noch elendiger zu fühlen. Und vieles, vieles mehr.
Entschuldigt bitte, ich musste mir das von der Seele schreiben.
Vielen, vielen Dank für eure Mühe.
ich möchte mich im Voraus für eure Hilfe, Mühe und Aufmerksamkeit bedanken. Ich habe mich vor ungefähr einem Jahr hier im Forum gemeldet und um Rat gebeten.
Den Thread könnt ihr hier finden:
http://www.hilferuf.de/forum/liebe/146937-fuehle-mich-haesslich.html
Um es kurz zusammenzufassen:
Ich bin seit dem ich etwa 9 Jahre alt war wegen meines Aussehens gemobbt worden. Erst wegen meines Übergewichts in der Grundschulzeit und dann wegen meinem „großen“ Kopf auf dem Gymnasium von der 5ten Klasse durchgehend bis zum Abitur im letzten Sommer. Dazu wurde ich regelmäßig in alltäglichen Situationen von Fremden beleidigt und angegriffen.
Die typischen Beleidigungen waren Kanisterkopf, Wasserkopf, ET-Birne, Glühbirnenschädel, Kürbiskopf und noch ne Menge mehr, um ehrlich zu sein waren es so viele, dass ich ein paar mit Sicherheit schon wieder vergessen habe. Damit einher gingen körperliche Gewalt, Hetze im Internet und so eine Art innerschulische soziale Isolation. (bis auf wenige, jedoch sehr gute Freunde)
So kam es zu meinem Selbstbild und zu meinem mittlerweile regelrechten Hass auf mein eigenes Aussehen.
Was sich seit meinen Thread getan hat:
Damals standen die Abi-Prüfungen an. Die hab ich auch gepackt. Abi mit 2,8 ist zwar nicht das, was ich mir vorgestellt habe (hängt wirklich viel mit dem Mobbing zusammen), aber ich musste mich dann eben damit abfinden. Danach standen die Zeugnisverleihung und der Abiball an. Meine Eltern und ich hatten bereits einen Anzug etc. gekauft und den Eintritt bezahlt, als es dann aber so weit war, konnte ich einfach nicht hingehen. Die ganze Wut über das, was diese Stufe mir angetan hatte, brodelte irgendwie in mir hoch. Irgendwie war das wie eine Trotzreaktion eines kleinen Kindes, getreu dem Motto: „Ihr habt mich geärgert, jetzt ärgere ich euch“. Ich habe später erfahren, dass es einen riesen Aufstand gegeben hat und sich alle gefragt haben, was denn mit mir los ist. Mein eigentliches Problem konnte ein Großteil nicht erahnen, weil ich in der Schule meist geschauspielert habe und mir mein kleines Selbstwertgefühl nicht habe anmerken lassen.
Mit dem Abiball endete meine Schulzeit. Danach habe ich mich für etwa 2 Monate komplett abgeschottet. War nur daheim, hab Sport getrieben und mir über mein Studium Gedanken gemacht. Ich habe mich dann bei sehr sehr vielen Universitäten beworben und fast nur Absagen kassiert. Das bringt Selbstzweifel ohne Ende. Positiv war unter Anderem eine Zusage der TU München zum Vorstellungsgespräch für ein Sportstudium. Den Termin in München hab ich sausen lassen (komme aus dem Ruhrgebiet). Mir war einfach klar, dass ich mit meinen ganzen Selbstzweifeln nie im Leben nach München ziehen würde, weg von meiner Familie und den wenigen Freunden die ich hier habe. Das hätte mir total den Boden unter den Füßen weggezogen. Also stand ich Ende September da, ohne Studium, ohne soziale Kontakte(bis auf meinen besten Freund), und mit einem Selbstwertgefühl im freien Fall.
Da habe ich mir dann wirklich eingestanden, dass ich ein riesiges Problem habe, und zwar mit mir selbst. Für meine Eltern war es natürlich die Apokalypse schlecht hin, dass ich in meiner Ausbildung nicht weiter gekommen bin. Meine Mutter hat mir schon öfter gesagt, dass ich mir die ganze „Mobbinggeschichte“ bestimmt nur ausdenke um nicht arbeiten zu müssen und das ich ein fauler Schmarotzer bin. Seitdem streiten wir uns beinahe täglich. Manchmal möchte ich sie so leiden lassen, wie ich gelitten habe, damit sie mal merkt, was sie da eigentlich von sich gibt.
Naja im Herbst hab ich dann die Notbremse gezogen und mir einen Termin beim Psychotherapeut besorgt. Ich hatte Glück und konnte relativ schnell vorbeikommen. Konnte aufgrund der geringen Entfernung sogar mit dem Rad hinfahren. Eigentlich eine super Ausgangslage. Ich habe ihm dann mein Problem geschildert und er meinte dann gleich in der ersten Sitzung: „Wieso, sie sehen doch gut aus.“ Wir haben dann endlos rumdiskutiert, geholfen hat er mir nicht. In der dritten Sitzung hat er mir dann eröffnet, dass er an Burnout leidet und wir die Behandlung beenden müssen. Also stand ich wieder relativ hilflos da. Täglich konnte ich auf Facebook lesen, an welchen Unis meine Mitschüler nun studieren und wie toll ihr Leben doch ist und wie viel Spaß sie haben. Ich war so wütend. Ich habe in meinem Leben seit der dritten Klasse überhaupt nichts mehr zu lachen. Ich konnte mein Leben kaum noch ertragen.
Dann hörte ich von Sylvia Hamacher, einer jungen Frau in meinem Alter, die in der Schule gemobbt wurde und sogar im gleichen Kreis wie ich wohnt und über ihre Geschichte ein Buch geschrieben hat. (wen es interessiert: „Tatort Schule“; tredition Verlag).
Ich hab das Buch an einem Tag verschlungen und mich so darin wiedergefunden, dass es mich schon erschreckt hat. Sie schreibt, dass ihr ein Selbstwert Coaching geholfen hat und immer noch hilft. Also hab ich mich bei ihrer Mutter, die mittlerweile eine Umschulung gemacht hat und solche Coachings anbietet und der Coachtrainerin von Sylvia Hamacher gemeldet und Termine vereinbart. Beide haben mir nicht wirklich weitergeholfen, mir aber dennoch natürlich versichert, dass ich normal aussehe. Von den Klopfübungen daheim (habe den Namen vergessen , EFT oder so) hatte ich dann irgendwann auch die Nase voll. Das war so Ende November. Aber ich wollte nicht aufgeben.
Also habe ich mich bei einer Psychotherapeutin die wir über Bekannte kennen, gemeldet. Da habe ich dann auch Ende November mit wöchentlichen Sitzungen angefangen. Mit ihr zu sprechen hat mir zwar irgendwie Halt gegeben, aber mich bis heute nicht großartig weiter gebracht. Sie ist der Meinung, dass ich eigentlich ja selber erkenne , dass ich gut aussehe, wenn ich in den Spiegel schaue. So ist das aber wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich habe ihr dann Anfang des Jahres die BBC Dokumentation über Dysmorphophobie geschickt. Sie ist absolut der Überzeugung, dass ich nicht an der Krankheit leide.
Jetzt haben wir März und ich habe gerade die letzte Bewerbungswelle für das Sommersemester hinter mir. Habe mich nur bei Unis beworben die ich von hier erreichen kann und rechne fest damit, dass ich Anfang April keinen Platz haben werde. Wie ich mich fühle, das könnt ihr euch denken. Verarscht vom Schicksal, so doof das auch klingt. Ich habe die Themen der Leute mit ähnlichen Problemen wie ich in den letzten Monaten mitverfolgt. Und wie fast alle Männer mit solchen Problemen werde ich im Sommer 20 und hatte in meinem Leben noch nie eine Beziehung und bin für die meisten Frauen so attraktiv wie ein Mülleimer. Ich fühle mich wirklich allein und sehne mich danach auch mal ne richtig nette Frau kennenlernen zu dürfen. Zu dem Thema könnte ich euch noch ne Menge mehr erzählen, aber ich habe eh schon wieder viel zu viel geschrieben.
Meine Eltern haben mir gerade eben noch gesagt, dass ich mir das bestimmt nur ausdenke damit ich nicht „was tun muss“. Wenn ich nämlich mit meinem Schnitt studieren will, bin ich reif fürs Ausland. Studium in den Niederlanden zum Beispiel. Ich habe keine Ahnung wie ich das machen soll, ich finde ja schon hier als junger Mann nicht statt. Ich gehe kaum weg, nicht einmal in die Stadt Klamotten kaufen, weil ich mich selbst nicht im Spiegel sehen will. Meine Haare wachsen seit über einem halben Jahr unkontrolliert vor sich hin, nur damit ich mit ihnen meinen Kopf (meine hohe Stirn) irgendwie verstecken kann und weil ich Angst habe mich nach einem Friseurbesuch mit kürzeren Haaren noch elendiger zu fühlen. Und vieles, vieles mehr.
Entschuldigt bitte, ich musste mir das von der Seele schreiben.
Vielen, vielen Dank für eure Mühe.
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