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Master abbrechen und meinen wirklichen Interessen nachgehen?

Ivory

Mitglied
Hallo zusammen,
erstmal eine kurze Info zu mir: Ich bin 23, habe 2013 meinen Bachelor in Architektur gemacht und bin jetzt im 1. Master-Semester. Eines ist mir seit längerem schon klar: Mit Architektur will ich später nichts zu tun haben, weil es mich schlicht und einfach überhaupt nicht interessiert und ich mich durch Studium (auf Drängen meiner Eltern quälen musste wg. dem Familienunternehmen).

Ich habe im Oktober den Master angefangen und muss wirklich sagen, dass mir das ganze noch weniger als vorher gefällt und ich mich wirklich frage wie ich so dumm sein konnte mich dazu nochmal von meinen Eltern überreden zu lassen.
Jetzt über die Weihnachtszeit hat mir das ganze noch viel mehr zu schaffen gemacht. Vor allem habe ich mitbekommen, wie eine gute Freundin alle Zelte abgebrochen hat und von Jura zu Sozialwissenschaften gewechselt hat, weil es sie wirklich interessiert. Die letzten 2 Wochen ging es mir körperlich ziemlich mies, aber ich habe dazwischen keinen Zusammenhang gesehen, bis ich gestern beim Arzt war.

Ich bin zum Arzt, weil mein linker Arm seit Tagen immer wieder taub wurde, ich Kribbeln in den Händen und Füßen hatte, ständig erschöpft war (kurz vorm umkippen) und ich heute morgen nach dem Aufstehen nicht mehr richtig sehen konnte.
Ich dachte das hätte was mit meinem niedrigen Blutdruck usw zu tun. Der Arzt hat mich untersucht und mir gesagt, dass es nicht organisches ist. Er hat mir erklärt, dass er schon Patienten hatte, die umgekippt sind, weil sie zuviel Sauerstoff im Blut hatten und die eigentlich Ursache innere Panik oder Angst war. Seine Erklärung war, dass in meinem Leben irgendwas gerade ganz schief läuft und ich mir das nicht eingestanden habe bzw reagiert habe und mein Körper deswegen so aufmuckt.

Das passt auch alles zeitlich ziemlich gut mit der Erkenntnis zusammen, dass ich den Master nicht fertig machen kann und möchte. Ich hab totale Panik, dass ich später in diesem Beruf arbeiten muss, der mir weder Spaß macht noch gut bezahlt ist..
Nach Alternativen dazu muss ich nicht wirklich lange suchen, weil ich mich schon immer unglaublich für Politik und Geschichte interessiert hab und gerne eine (lebendige) 3. Fremdsprache lernen würde.

Ich weiß, dass die Berufschancen ähnlich schlecht sind wie bei Architektur, aber ich es würde mich wahrscheinlich 100 Mal mehr begeistern. Ich tue mich unheimlich schwer Sachen abzubrechen, das hab ich bisher noch nie gemacht, aber ich hab das Gefühl, dass es besser ist, als weiterzumachen.

Mit meiner Mutter habe ich heute darüber gesprochen und die Reaktion viel wie erwartet aus: So ein Schwachsinn, das hätte mir der Arzt jetzt nur eingeredet, ich hätte doch nur noch 1,5 Jahre und könne danach ja noch einen Master in Wirtschaft o.ä. machen.

Ich kann die Reaktion meiner Mutter schon ein bisschen nachvollziehen und vor allem bin ich am Ende mit Abschluss des 2. Bachelors schon 26 und habe bis auf ein halbes Jahr noch nicht richtig gearbeitet.. Und werde bis dahin auch noch größtenteils von meinen Eltern finanziert werden müssen..

Ist es total bescheuert jetzt nochmal neu anzufangen? Ich tue mich da wirklich schwer, aber ich stell mir meine Zukunft einfach nicht als Angestellte, die den ganzen Tag hinterm PC hockt vor :/ Aber wie erkläre ich sowas später in meinem Lebenslauf? Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun..
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist ja wirklich nicht mehr lang - ich würde den Master noch machen, denn du weißt nie, was noch kommt in der heutigen unsicheren Zeit.

Danach ist ein Wechsel immer noch möglich und früh genug.
 
Hallo Ivory,

dein Körper rebelliert bereits gegen den Druck und den Stress, den du wegen deiner Eltern aushalten musst. Wenn du so weiter machst, wirst du ernsthaft krank.

Verschwende nicht länger deine Zeit mit etwas, was du nicht willst und geh deinen eigenen Weg. Tu und lerne etwas, wofür du dich begeisterst. Alles andere ist verschwendete Lebenszeit. Was deine Eltern wollen, ist egal - DU musst nach dem Abschluss in dem Beruf arbeiten, und das fast noch 40 Jahre lang.

Glaub mir, ich weiß, wie das ist, wenn man in einem Beruf arbeitet, der einem nicht gefällt. Ich litt jahrelang Höllenqualen. Von Depressionen, über Ohnmacht bis Tinnitus und Haarausfall war alles dabei. Jetzt gehe ich meinen eigenen Weg, zwar mit Hindernissen und Einschränkungen, aber es lohnt jede Mühe! Wenn deine Eltern dich nicht unterstützen wollen, weil du ihren Vorstellungen nicht genügst, dann suche dir einen Nebenjob. Das ist zwar anstrengender, als von den Eltern ausgehalten zu werden, aber es vermittelt dir auch ein Gefühl von Stolz.

Geh deinen Weg und lass dich nicht aufhalten!

LG Gubie
 
Tief einatmen und ausatmen. Wenn du kein Architekt aus Leidenschaft bist, kannst es relativ schnell vergessen. Fantasielose Entwürfe kann niemand brauchen. Außerdem sind die Jobchancen auch nicht die Besten, teilweise habe ich irgendwo in Karriere Zeitschriften gelesen, dass es Architekten gibt, die 2-3 Jahre lang nur WCs designen. Die schlechten Jobchancen spiegeln sich im Gehalt von Bauingenieuren und Architekten wieder, wenn man sie mit anderen Ingenieuren vergleicht.

Aber ein Bachelor in Architektur ist schon mal ziemlich nützlich, wenn du soäter mal ein Haus kaufen willst, oder für das Verständnis von Kultur, Baukunst und Baustile.

Zum Abbrechen wäre jetzt der ideale Zeitpunkt. Ich würde ein "Gap Year" machen, d.h. Praktika oder ins Ausland. Anschließend würde ich erstmal einen Master in Richtung Politik suchen, bei dem die Bachelor-Vorbildung keine Rolle spielt. Beispielsweise bietet die diplomatische Akademie in Wien ein Masterprogramm in Umwelttechnik und Internationale Beziehungen an. Solche Masterprogramme zu finden wird schwierig, aber sie existieren.

Als Alternative gäbe es immernoch einen Bachelor in Politik.
 
Vielen Dank für die Antworten!
Ja wie schlecht die Jobchancen für Architekturabsolventen sind, weiß ich leider von anderen Leuten. Teilweise verdient man als ungelernte Kraft bei Lidl mehr.. Und eine Festanstellung zu bekommen ist richtig schwierig. Oft werden nur freie Mitarbeiter angestellt und das ist für einen selber auf Dauer eine Katastrophe. In Berlin gibt es laut meinen Professoren nur Taxifahrer, die Architektur studiert haben..
Die Jobchancen mit Politikwissenschaften sind ähnlich rosig, aber dann würde ich wenigsten nach meinen Interessen gehen. Das mit den Masterstudiengängen ist ein guter Tipp! Ich hab da selber schon nachgesucht, aber bisher nichts gefunden, dann muss ich wohl genauer schauen.
Ich glaube eine Gap Year wäre für mich gerade nicht unbedingt das bester, weil ich mir dann noch unproduktiver und schmarotzender vorkomme als jetzt schon..
Bisher habe ich 3 Studiengänge für Politikwissenschaften gefunden, die im Sommersemester starten, keinen NC haben und sich mit Wirtschaft und Sprachen kombinieren lassen.
Meine Eltern versuchen es mir zwar noch auszureden, aber sie knicken langsam ein und wissen ja selber, dass ich in dem Beruf gnadenlos versagen werde..

Mir geht es im Moment körperlich immer noch mal schlechter mal besser, aber das ist wohl bei so einer einschneidenden Entscheidung normal..
 
Hey, ich würde wohl auch schauen, was so möglich ist. Ich dachte immer, Architekten seien gesuchte Leute (in der Bekanntschaft gibts einen, der lebt ganz ordentlich davon. Aber vielleicht ist das bei uns im südlichen Nachbarland auch ein bisschen anders. 😉
Was bei uns auf jeden Fall möglich ist, ist dass man mit einem abgeschlossenen Bachelor ein zweites Bachelorstudium verkürzen kann. Zumindest bei Fächern wie Politikwissenschaften ist das gut möglich, weil da häufig ein Zweit- oder Nebenfach verlangt wird. Dort kann man sich dann den ersten Studiengang anrechnen und spart dadurch ein Jahr Studium. Ob es für die Jobaussichten sehr viel Sinn macht, wenn du weit weg von Architektur möchtest, ist dann eine andere Frage, aber bei uns ist dieser Weg noch beliebt. Wir haben auch Leute, die das so machen, und trotzdem 3 Jahre studieren, weil sie nebenbei Arbeiten. Das wäre in deiner Situation vielleicht noch eine Überlegung wert, weil du sonst bist 28 mit dem Masterabschluss noch keine Arbeitserfahrung hast. Aber du wirst besser wissen, was du willst - das nur so als Gedanken dazu. 🙂

Und ansonsten würde ich sagen, dass der Arzt bewiesen hat, dass du nicht nur am rumnörgeln, sondern wirklich am komplett falschen Ort bist. Ich glaube, das dümmste, was du machen könntest, wäre jetzt einfach weiterzumachen, weil das in den nächsten Jahren irgendwann voll zurückschlagen wird (ausser es gibt Angebote nach einem Studium der Architektur, die ein bisschen aus diesem Gebiet rausführen, vlt. Raumplanung beim Bund, Fachjournalismus... Aber da habe ich absolut 0 Ahnung😉). Und lieber mit 26 einen richtigen Bachelor als mit 30 oder ein Leben lang unglücklich. 🙂
 
Wenn es realistisch scheint, dass du mit deinem Masterstudium innerhalb der Regelstudienzeit fertig werden könntest, würde ich es an deiner Stelle auch unbedingt zuende bringen. Der Vorteil: Du hättest einen berufsqualifizierenden Abschluss vorzuweisen.
Mit Bachelorabschluss und anschließender Auszeit dürfte es wirklich schwierig werden in dem Berufsfeld außerhalb des Familienbetriebs Fuß zu fassen, solltest du doch jemals zurück wollen. Und da bin ich mir ziemlich sicher.
 
Naja der Bachelorabschluss in Architektur ist schon berufsqualifizierend, nur ist es fast gleichwertig mit einer Bauzeichnerausbildung.
Darum mache ich mir auch nicht so Sorgen, dass ich in diesem Bereich oder einem ähnlichen was finde, habe auch ohne Bachelor schon in Büros gearbeitet. Ich habe zum Glück genug brauchbare Fähigkeiten z.B. ziemlich viele Kenntnisse von Photoshop über Webdesign bis zu Cinema4D (ziemlich schwieriges Visualisierungsprogramm), und dann ja noch meinen Bachelorabschluss. Das Problem ist ja, dass ich später keine Architektur machen möchte und den Master eher als Zeitverschwendung sehe :/
Meinen Abschluss hätte ich in 1.5 Jahren. Das wäre die Hälfte eine 2. Bachelorstudiums.. Ich habe mich auch schon genauer umgeguckt und könnte theoretisch an der Uni Regensburg zum Sommer mit Politik und Wirtschaft anfangen. Sprachangebote gibt es da auch genug. Im Bereich Wirtschaft könnte ich auch den Schwerpunkt Immobilienwirtschaft wählen, der ja dann auch wieder eine Verbindung zu meinem ersten Studium hätte..

Falls ich doch merken sollte (was niemals der Fall sein wird :/ ), dass Architektur doch voll mein Ding ist, kann ich den Master jederzeit wieder anfangen..
 
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