Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Leben mit psychisch kranker Schwester - es ist oft so schwer

Waldluft

Mitglied
Hallo ihr Lieben,

eigentlich spiele ich schon seit langem einen Gedanken, einen Thread zu eröffnen. Aber bislang habe ich mich irgendwie nie getraut.

Heute ist aber irgendwie so ein Tag, an dem ich mich total komisch fühle, nicht anfangen kann, für eine Prüfung zu lernen, obwohl ich müsste, und meine Gedanken schwirren nur so hin und her.

Ich bin 21 Jahre alt, studiere, wohne noch zuhause bei meiner alleinerziehenden Mutter und meiner 18-jährigen Schwester.

Die Probleme mit meiner Schwester begannen schleichend, vor einigen Jahren. Sie zog sich mehr und mehr zurück, klagte über ständige Kopfschmerzen, war aber nicht wirklich bereit, zu Ärzten zu gehen bzw. deren Tipps umzusetzen. Am Wochenende ging sie oft weg, eine Zeit lang konsumierte sie dabei auch manchmal recht viel Alkohol, was aber nur eine Art Phase gewesen sein dürfte. Freunde hatte sie eigentlich immer.
Leider fing sie in dieser Zeit, als sie so 15 Jahre alt gewesen sein muss, auch an, sich selbst mit einer Rasierklinge zu ritzen.
Uns gegenüber war sie sehr oft launisch und zickig, das Auskommen mit ihr war für mich nicht gerade einfach, aber irgendwie ging es immer.
Irgendwann fing sie auch eine Therapie an und bekam Medikamente verschrieben.

Letztes Jahr war ich zu Beginn des Frühjahrs einige Wochen ziemlich krank und musste mich einer OP unterziehen. Endlich ging es mir besser und ich konnte auch vom Krankenhaus wieder nach Hause. In meiner ersten Nacht daheim übergab meine Schwester sich mehrmals in ihrem Zimmer und behauptete, etwas Schlechtes gegessen zu haben. Erst nach und nach gab sie dann zu, Tabletten geschluckt zu haben, und zwar ziemlich viele (ich denke, es waren 2 Packungen oder so). Die Dosis war zwar nicht tödlich, aber trotzdem konnten meine Mutter und ich ja nicht tatenlos dastehen, also alarmierten wir gegen den Willen meiner Schwester den Notarzt und sie wurde in ein Krankenhaus auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie gebracht. Sie war sehr sauer, insbesondere auf mich, weil ich den Notruf gewählt hatte, kam dann wieder heim, irgendwie ging es nach einer Zeit auch wieder.
Sie hatte dann noch Nachtermine im Krankenhaus bei einer Psychiaterin oder Psychotherapeutin - vieles weiß ich nicht so genau, da sie meist wenig davon erzählt -, begann schließlich auch eine Gesprächstherapie. Diagnostiziert hat man bei ihr damals Depressionen.

Zwischendurch hatte sie immer mal Phasen, in denen es ihr besser ging, aber es gab dann eben auch die ganz, ganz schlechten Phasen. Da begleitete ich sie z.B. einmal in ein Krisenzentrum, als es ihr akut sehr schlecht ging. Sie bekam dort Unterstützung und auch Medis verschrieben.

Meine Schwester hat Medikamente, die ihr verschrieben wurden, leider nie länger genommen. Sie setzte sie immer nach kurzer Zeit selbstständig wieder ab, obwohl ja gerade Antidepressiva brauchen, bis sie zu wirken beginnen...

Es war irgendwie immer ein Auf und Ab. Aber in den letzten Monaten ist bei ihr alles wirklich ganz übel geworden. Sie schluckte zum Beispiel wieder Tabletten. Wir fuhren zweimal mitten in der Nacht mit ihr im Taxi in die Psychiatrie. Beim ersten Mal schickte die Ärztin sie wieder heim und meinte, sie solle am nächsten Tag wiederkommen, obwohl sie sich sehr heftig in der Nähe der Pulsadern geschnitten hatte. Meine Schwester ging am nächsten Tag nicht mehr zu der Ärztin, was ich vorausgesehen hatte. Sie hat diese ganz kurzen Zeitfenster, in denen sie bereit ist, Hilfe anzunehmen, aber schon wenige Stunden später will sie davon nichts mehr wissen 🙁
Beim zweiten Mal nahm man sie stationär auf, aber schon nach kurzer Zeit haute sie ab. Die Ärztin rief uns dann an und meinte, sie sei weg. Meine Schwester kehrte dann nach Hause zurück. Später erzählte sie, die Psychiatrie habe ihr Angst gemacht und die Leute dort hätten alle zugedröhnt von Medis gewirkt.

Die Ferien - bei uns 9 Wochen -waren mit ihr besonders schlimm. Stundenlange Heulkrämpfe sind fast an der Tagesordnung. Sie sitzt in ihrem Zimmer und weint lautstark. In diesen Situationen mit ihr zu sprechen, endet leider immer nur in Tränen und Wutausbrüchen. Niemand würde ihr helfen, ihr gehe es so S****, sie würde lieber sterben und wolle nicht mehr leben etc. Wenn man das aber über Wochen und Monate immer wieder hört, hat man keine Kraft mehr, der Person immer noch zuzureden,wisst ihr, was ich meine? Freundliche Annäherungen an sie enden fast immer damit, dass ich wüst beschimpft werde, ich solle abhauen, mich nciht als Psychiater aufspielen usw. Teilweise sind ihre Worte wirklich sehr verletzend.

Hinzu kamen bei ihr jetzt einige Misserfolge. Sie wollte eine eigene kleine Wohnung ein paar Stunden Fahrt von uns entfernt, eine Zeit lang schien ihr die Aussicht auf den Umzug wirklich gutzutun. Aber kaum in der neuen Wohnung angekommen, meinte sie, alleine halte sie es nicht aus. Meine Mutter vereinbarte mit ihr, dass sie zurückkommen, es aber so nicht weitergehen kann. Und traf diverse Abmachungen, an die meine Schwester sich aber psychisch bedingt wohl nicht halten kann.
Leider hat meine Schwester die Schule abgebrochen. Sie hätte aufgrund einer negativen Nachprüfung Anfang Herbst die Klasse wiederholen müssen, was wohl das Klügste gewesen wäre, denn während des Schuljahres geht es ihr immer besser als in den Ferien. Sie wollte die Klasse aber keinesfalls wiederholen. Derzeit ist sie als arbeitslos gemeldet, weint sehr viel, ist mürrisch und pampig und gibt einem permanent das Gefühl, für ihr Elend verantwortlich zu sein. Zwischendurch hat sie immer wieder mal gute Tage, dann ist es, als spräche man mit einem anderen Menschen, der vernünftige Zukunfstspläne macht, sehr reflektiert denkt, sehr intelligent ist. Abgesehen von diesem einem schlechtem Schulfach war sie auch eine gute bis sehr gute Schülerin. Aber meist ist das Zusammenleben mit ihr eine Katastrophe.

Ich verstehe natürlich, wie schwierig ihre Situation ist. Aber die Sache ist die, sie lässt sich nicht wirklich helfen 🙁 Schlägt man behutsam eine Therapie vor oder so etwas wie Betreutes Wohnen, wird sofort abgeblockt oder man wird beschimpft. Kommt man mit Stellenanzeigen oder ähnlichem, ist sie nie zufrieden mit den Angeboten. Ehrenamtlich engagieren will sie sich auch nicht, im Haushalt rührt sie kaum einen Finger, obwohl sie dann auch eine Aufgabe hätte, auch Besorgungen, Spaziergänge mit dem Hund etc. sind fast immer mein Job.

Ich merke einfach, dass es für mich gerade eine permanente Belastung darstellt, mit ihr zusammenzuleben. Meine Mutter arbeitet den ganzen Tag und ist auch schon oft dem Nervenzusammenbruch nahe, wenn meine Schwester das ganze Wochenende über lautstark weint, aber keinerlei Gesprächsbereitschaft zeigt. In den Ferien ging es ja irgndwie, aber bei mir geht nächste/übernächste Woche die Uni wieder los und ich weiß teilweise einfach nicht, wie ich es schaffen soll, mich auf Vorlesungen, Prüfungstermine, Kurse zu konzentrieren bei der derzeitigen Situation daheim. Außerdem kann ich nicht mal wirklich jemanden zu mir einladen, da ich nie weiß, wie meine Schwester sich dann "benimmt". Meine Mutter und ich fühlen uns zuhause eigentlich nur noch angespannt 🙁 Ich habe zum Glück mehrere Leute zum Reden, darunter auch Menschen, die beruflich mit psychisch Kranken zu tun haben, und eine dieser Frauen sagte zu mir schon des Öfteren mal, man müsse meiner Schwester trotz ihrer Symptomatik auch öfter Grenzen aufzeigen. Ich finde das ja auch irgendwie, da sie mit sehr vielem durchkam bislang. Allein ihr Umgangston uns gegenüber kann doch eigentlich nicht sein, oder dass man ständig stundenlanges Weinen aushalten muss, welches durch die ganze Wohnung hallt. Ich meine, ich muss eben auch mal lernen oder möchte jemanden zu mir einladen.
Meine Mutter findet auch, ewig könne es nicht mehr so weitergehen, wenn es weiter so läuft, müsse meine Schwester irgendwann ausziehen. Einerseits wäre das für uns eine riesige Erleichterung, andererseits natürlich schelcht, wenn es meiner Schwester dann immer noch so schlecht geht. Es ist so schwierig, da man sich einerseits nach Alltag und Ruhe sehnt, andererseits aber auch den Menschen "hinter der Krankheit" liebt.

Wie genau es zu den Problemen meiner Sis kam, ist schwer zu sagen. Wir hatten sicher keine perfekte, aber auch keine "schlimme" Kindheit. Wir waren als Kinder beide sehr schüchtern, ich hatte immer schon einen Hang zur Melancholie und früher auch eine depressive Verstimmung, wobei es mir recht schnell wieder besserging, obwohl ich 2 Therapien abbrach. Aber ich habe irgendwie einen Weg für mich gefunden, durch meinen Hund bin ich z.B. viel draußen unterwegs und ich habe auch sehr gute Freunde, mit denen ehrlich Gespräche möglich sind. Das alles hat mir irgendwie geholfen.

Verhältnis zu den Großeltern mütterlicherseits ist sehr eng, sie wohnen in derselben Stadt und sind auch Ansprechpersonen. Bieten viel praktische Unterstützung an, wir können auch jederzeit zu ihnen kommen. Nur mit psychischen Erkrankungen kennen sie sich altersbedingt weniger gut aus.

Verhältnis zu meiner Mutter ist grundsätzlich sehr gut, klar gibt's mal Reibereien, aber nichts Tragisches, sie ist auch ein sehr lieber Mensch. Und noch recht jung, falls das eine Rolle spielt.

Mein Vater hat sich nie für uns interessiert, Scheidung, als ich noch Volksschülerin war. Ich denke, meine Sis leidet darunter, keinen richtigen Vater gehabt zu haben. Sie hatte halt den Opa, der toll ist, aber anscheinend nimmt sie dieses "Abgelehnt-werden" vom eigenen Vater viel stärker war als ich. Bei dem Mann ist halt Hopfen und Malz verloren, der wird sich leider niemals ändern, das ist etwas, womit man einfach leben muss in dem Fall.
Er war ziemlich jähzornig, suchte die Schuld immer bei anderen. Meine Mutter vermutet heute, er könne ebenfalls psychische Probleme gehabt haben, sodass eine erbliche Komponente nicht ausgeschlossen ist. Aber mein Vater stammt aus einem völlig anderen Kulturkreis und hätte nie darüber gesprochen, dass er sich z.B. depressiv fühlt...

Ach ja, eine On-Off-Beziehung hat meine Schwester schon länger, wobei ihr Freund (er arbeitet) ein sehr lieber und umgänglicher Mensch ist. Und meist sie diejenige, die sich trennt, es aber ohne ihn noch schlechter aushält. Sie verehrt ihn in einem Moment, im nächsten will sie "nichts mehr von ihm wissen". Er ist eigentlich vernünftig, kommt aber auch nie ganz von ihr los. Er hat ihr auch schon oft zugeredet, sich wirklich Hilfe zu suchen etc., aber mit mäßigem Erfolg. Dass er weit weg wohnt, ist für meine Schwester auch ein großes Problem.

Der Verdacht auf Borderline wurde übrigens schon öfters geäußert. Ich glaube, eine offizielle Diagnose steht aber wohl noch aus.

Heute weint sie wieder einmal den ganzen Tag und ja, es ist belastend 🙁 Und ich gestehe, oft fühle ich nur noch Wut und wünschte mir, sie würde nicht mehr hier wohnen. Weil ich es einfach nicht mehr ertragen kann. Und ja auch nicht immer den ganzen Tag draußen rumlaufen kann. Manchmal spiele ich sogar mit dem Gedanken, das Studium abzubrechen, damit ich schnellstmöglich mein eigenes Geld habe und ausziehen kann, aber in Wahrheit ist das ja auch nicht das, was ich möchte.


Ich weiß, wirkliche Tipps könnt ihr mir nicht geben, ich wollte es mir aber mal auch hier von der Seele schreiben. Vielleicht hat jemand ja Ähnliches erlebt und würde sich gerne austauschen.
 
Ich bin selbst Sozialarbeiterin und sehe an deiner Lage drei Tatsachen, die den Sachverhalt erschweren.

1. deine allein erziehende Mutter
2. deine psychisch kranke Schwester
3. der fehlende Vater

Ich bin selbst ebenfalls aufgewachsen und meine Mutter ist bis heute überfordert Job und Familie zu koordinieren.
Bei euch kommt noch hinzu, dass deine Schwester psychisch stark auf die Lage reagiert.
Während du ohne den Vater auszukommen scheinst, ist das bei ihr nicht der Fall.

Ich weiß, dass mitunter schnell gesagt wird, dass es ja nicht alles nur am Vater liegen kann.
Er ist aber ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Was es nicht einfach gestaltet ist die Tatsache, dass deine Schwester 18 ist.
Deine Mutter scheint zu arbeiten und wenn sie nach 8 1/2 Stunden Arbeit nach Hause kommt und dann mit solchen Problemen belastet wird, kann ich verstehen, dass sie in Nervenzusammenbruch ähnliche Zustände gerät.


Ich möchte meine Ratschläge daher stark am jeweiligen Familienmitglied ausrichten.

Dir kann ich nur empfehlen dich abzugrenzen. Kannst du einen Antrag für ein Wohnheim stellen? Oder zu einem Freund ziehen? Wenn dein Studium nicht mehr lange geht, käme vielleicht auch eine eigene Wohnung in Frage.
Ich weiß, das klingt egoistisch. Aber ich sehe ansonsten die Gefahr, dass du mit dem sinkenden Schiff untergehst, wenn du jetzt nicht ins Rettungsboot steigst.

Bezüglich deiner Schwester sehe ich nur die Optionen des stationären Aufenthalts. Ihr Hochrisikoverhalten halte ich für sehr gefährlich und habe meine Zweifel, dass sie mit ihren 18 Jahren gut auf sich allein aufpassen kann.
Ich weiß, dass man in meinem Beruf nicht mit Diagnosen umher werfen sollte, aber es erinnert mich stark an eine Borderline Störung, definitiv an Depressionen (und das ist mir schon eingefallen, bevor ich die Verdachtdiagnose in deinem Thread gelesen habe).
Es gibt auch Wohngruppen für psychisch Kranke. Auf jeden Fall sollte sie wieder eine Therapie aufnehmen. Vielleicht könnt ihr auch über eine Familientherapie nachdenken.

Deine Schwester ist 18 und du bist nicht die Mutter deiner Schwester, genauso wie deine Mutter kein kleines Mädchen mehr hat, sondern 2 erwachsene Töchter.
Irgendwann hat jeder sein eigenes Leben und wenn sie das mit 18 nicht realisieren kann und derartige Stimmungsschwankungen hat, braucht sie therapeutische Hilfe und eine Wohnumgebung, die darauf ausgerichtet ist.

Bitte mach nicht den Fehler und übernimm dafür die Verantwortung. Bei Abhängigen nennt man das Co Abhängigkeit. Ob es das bei anderen psychischen Erkrankungen auch gibt, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall solltest du versuchen dein Leben zu führen.
 
Hallo,

vielen Dank für die sachliche Antwort! Es ist sehr interessant zu lesen, dass du die Lage ähnlich beurteilst wie meine gute Freundin, die ebenfalls in einem Sozialberuf tätig ist.

Leider ist ein Auszug meinerseits kaum möglich. Dafür fehlt einfach das Geld. Meine guten Freunde könnte ich auch nicht bitten, mich bei sich einziehen zu lassen, denn die meisten sind schon etwas älter als ich und stehen voll im Berufsleben. Und mein bester Kumpel wohnt selbst in beengten Wohnverhältnissen.

Ich bin auch erst im 3. Semester und werde bald Beihilfe erhalten, weil es sonst schwierig wäre, das Studium überhaupt zu finanzieren. Leider habe ich nur einen "Mini-Nebenjob", der mir zwar viel Spaß macht, der aber wirklich nur quasi ein kleines "Taschengeld" hergibt.

Wenn es allzu schlimm wird, könnte ich eventuell mehr Zeit bei meinen Großeltern verbringen. Ich könnte zum Beispiel an Wochenenden oder an Tagen, wo ich keine Uni habe, öfters Zeit in ihrer Wohnung verbringen.


Ich sehe auch fast nur noch die Option des stationären Aufenthaltes. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sie, selbst wenn sie einen Job finden sollte, psychisch in der Lage ist, dort jeden Tag hinzugehen und ein Arbeitspensum zu erledigen. Dafür muss man doch einigermaßen belastbar sein.
Für eine Wohngruppe wäre ich ganz stark, auch meine Mutter fand die Idee nicht schlecht. Da hat meine Schwester leider gleich abgeblockt.

Wahrscheinlich wäre es wirklich dringend nötig, eine Art Ultimatum zu stellen: "Du kannst auf unsere Unterstützung zählen, musst dir aber eine Therapie suchen/in eine betreute Wohngruppe ziehen/einen stationären Aufenthalt machen." Meine Mutter spicht von diesem Ultimatum ja schon länger, aber irgendwie habe ich das Gefühl, sie bringt es nicht über sich, das wirklich mal in aller Deutlichkeit zu meiner Schwester zu sagen.
Ich will meiner Mutter natürlich keinen zusätzlichen Druck machen, aber irgendwie wäre es natürlich gut, wenn sie das nicht immer aufschiebt, sondern sich wirklich mal mit meiner Schwester an einen Tisch setzt und ihr das alles sagt. Darauf warte ich schon seit Wochen...
Meine Mutter war auch schon in einer Beratungsstelle, die ihr auch gesagt hat, dass sie versuchen muss, sich innerlich abzugrenzen. Aber ich habe oft das Gefühl, meine Mutter hofft irgendwie immer noch, alles würde von selbst irgendwie besser werden, was bei einer starken Depression und eventuellen Borderline-Störung nur bestimmt nicht so funktionieren wird 🙁

Mir graut schon vor dem bald beginnenden Uni-Semester, um ehrlich zu sein. Ein paar Kraftreserven habe ich noch, aber nicht mehr allzu viele. Sollte sich im Laufe der nächsten Wochen also wirklich nichts ändern, müsste ich darüber nachdenken, ganz zu meinen Großeltern zu ziehen, damit ich mehr Abstand gewinne...
 
Die angeblichen Kopfschmerzen, unter denen sie früher litt, geben mir zu denken. Wurde sie schon mal gründlich auf organische Hirnschäden untersucht? Entweder war das damals psychosomatisch, oder sie hat vielleicht eine organische Schädigung erlitten - Tumor, begrenzter Infarkt, Aneurysma (können auch bei jungen Leuten vereinzelt auftreten!), eine Form von Epilepsie? Sogar ganz exotische Leiden können sich zuweilen in Depressionen auswirken, wie Parasitenbefall (Bandwürmer oder andere Erreger, die sich unerkannt im Hirn einnisten und verkapseln, z. B. Borreliose). Da sollte vielleicht noch mal gründlich nachgesehen werden.
(Sorry, bin definitiv Dr. House-geschädigt 😛)

Ansonsten stimmt, daß Du Dich so weit wie möglich abkapseln solltest, Du bist nicht für Ihren Zustand verantwortlich und trägst auch keine Verantwortung dafür, daß sie selber keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen will.
Vor allem solltest sowohl Du als auch Eure Mutter mehr Konsequenz, aber kein Mitleid mehr zeigen.
Wenn sie z. B. stundenlange Heulkrämpfe mimt, dann setzt Euch einfach deutlich sichtbar Ohrenschützer auf, frei nach dem Motto, kein Anschluß unter dieser Nummer.
Oder Ihr unterhaltet Euch mal laut mithörbar, wenn sie wieder besonders zickt, ob sie nicht entmündigt und unter Betreuung durch das Sozialamt gestellt werden sollte, weil Ihr die Belastung nicht mehr mitmachen wollt und werdet. Falls sie dann irgendwas "ihr liebt mich nicht" heulen sollte, dann nur nicht nachgeben und trösten, sondern stattdessen was sagen wie: "wir lieben dich schon, aber du bist einfach eine zu große Belastung mit deinem ganzen Verhalten. Du bist jetzt erwachsen, also mußt du dich also auch benehmen können wie ein Erwachsener, nicht mehr wie ein verwöhntes Kleinkind."
 
Hallo Waldluft,

ich kenne seit Jahren einen ähnlichen Fall inklusive der jahrzehntelangen Vorgeschichte. Das Wichtigste, was ich daraus gelernt habe:

So eine jahrelange Konfrontation mit seiner "kranken" Schwester kann einen kaputt machen. Man sollte sich nicht zu weit in die Sache involvieren. Aber als Schwester steckt man ja irgendwo auch drin (in den Verhältnissen). Man ist Teil des Ganzen.

Deine Schwester scheint entweder psychotherapeutische Hilfe und/oder Medikamente zu benötigen. Die Grenzen zu einer psychischen Erkrankung wie zB der Epilepsie sind fließend. Halbherziges Verhalten scheint jedenfalls in dem mir bekannten Fall zu einer Verfestigung der Situation geführt zu haben. Ein Nachgeben der Mutter ("das arme Kind ...") scheint nicht zielführend zu sein.

In der Tat scheint vor dem Hintergrund des mir bekannten Falles ein Auszug Deiner Schwester das Beste zu sein. Dies wird aber vielleicht nie (!!!) passieren, wenn kein wirklicher und konsequenter Druck aufgebaut wird. Mit jedem Jahr kann es schwerer werden, dass Deine Schwester jemals das Elternhaus verlassen wird. Mit nachgiebigem halbherzigen Verhalten kann man (Deine Mutter wohl vor allem) hier viel kaputt machen.

Meines Erachtens muss daraufhin gearbeitet werden, dass Deine Schwester schnellstmöglich in eine Behandlung kommt. Sollte dies scheitern, ist unbedingt an einem dauerhaften Auszug zu arbeiten. Und Du solltest die Sache nicht zu nah an Dich ran lassen, wenn Du nicht selbst kaputt werden willst. Man kann nicht jedem grenzenlos helfen bei gleichzeitiger Selbstaufgabe.
 
Hallo und vielen, vielen Dank für eure ehrlichen Worte!

Ich habe es heute geschafft, ein längeres Gespräch mit meiner Schwester zu führen. Wie viel wirklich "hängen bleibt" ist bei ihr meist schwer zu sagen, wir hatten schon viele Gespräche, nach denen ich zuversichtlich war, dass nun alles besser wird und im Endeffekt hat das nicht so wirklich geklappt 🙁

Dadurch habe ich aber in Erfahrung gebracht, dass meine Schwester nun schon einmal bei einer neuen Therapeutin war, welche auf Borderline spezialisiert ist. Das möchte sie auch fortsetzen. Allerdings ist es aus finanziellen Gründen nur 2 Mal die Woche möglich, dass sie in Therapie geht, was natürlich deutlich zu wenig ist. Die Krankenkassa übernimmt leider nur einen kleinen Teil der Kosten, obwohl wir wirklich nicht viel Geld haben. Ich weiß nicht wirklich, was man da machen kann, damit meine Schwester vielleicht eine intensivere Betreuung bekommt. Ich glaube, das könnte schon helfen.

Sie meinte auch, dass sie wieder anfangen wird, Medis zu nehmen, wobei natürlich fraglich ist, ob sie das dann auch wirklich durchzieht...

Leider ist sie gegenüber Psychiatrie sehr negativ eingestellt. Das Problem ist, dass man sich ja nicht aussuchen kann, in welche Psychiatrie man kommt, sondern es auf den Wohnort ankommt. Die Psychiatrie, die für sie zuständig ist, hat nicht unbedingt den allerbesten Ruf, aber es ist wohl schwierig, in eine andere psychiatrische Abteilung in einem anderen Krankenhaus hineinzukommen, da "nicht zuständig".

Ich habe ihr jetzt aber noch mal gesagt, dass es sehr (!) wichtig wäre, dass sie was zu tun hat, und ihr einiges gezeigt, wo sie sich z.B. ehrenamtlich engagieren könnte. Außerdem habe ich sie auf Vereine und Selbsthilfegruppen aufmerksam gemacht. Ein Verein bietet auch Betreutes Wohnen in unterschiedlichen Abstufungen an. Das wäre meiner Ansicht nach genau das Richtige für sie, weiß aber nicht, ob sie das "annimmt"...

Ich weiß, das klingt jetzt so, als würde ich mich zu sehr "hineinziehen" lassen, aber ich wollte, nachdem ich den Beitrag hier verfasst hatte, ihr quasi noch eine "letzte Chance" geben. Wenn sie dann wieder nichts umsetzt, werde ich mich definitiv sehr stark zurückziehen und abgrenzen, denn dann sehe ich eine stationären Aufenthalt oder einen Auszug wirklich als die einzige Möglichkeit.

Was organische Schäden/Erkrankungen betrifft, puh, keine Ahnung, ob das möglich sein könnte. Sie hat jetzt anscheinend die Borderline-Diagnose, und mir scheint das sehr passend. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kopfschmerzen einfach psychosomatisch waren. Diagnostiziert wurde damals irgendwann Spannungskopfschmerz.
 
ich gebe dir den tipp - hau ab, solange es noch geht. meine schwester war essgestört, hatte noch einige andere macken und hat mich damit total fertiggemacht. deine eltern sollten sich überlegen, ob sie sie rausschmeissen oder du ausziehst - du gehst am ende daran kaputt und schaffst dann auch dein studium nicht so wie du möchtest.
 
ich gebe dir den tipp - hau ab, solange es noch geht. meine schwester war essgestört, hatte noch einige andere macken und hat mich damit total fertiggemacht. deine eltern sollten sich überlegen, ob sie sie rausschmeissen oder du ausziehst - du gehst am ende daran kaputt und schaffst dann auch dein studium nicht so wie du möchtest.
Meist schaffen es die Eltern, vor allem Mütter, nicht, ihre eigenen Kinder rauszuschmeißen. Egal, wie gestört oder psychisch krank sie sind. Man kann sich als Schwester nur selbst schützen und baldmöglichst ausziehen.
 
Ich kenne deine Situation aus eigenem Erleben sehr gut. Habe jahrelang mit einem psychisch kranken Bruder in der Familie zusammengelebt. Irgendwann kommt der Punkt, wo man daran kaputt zu gehen droht.

Mein Rat ist, zieh aus, nutze alle Möglichkeiten, an ein eigenes Zimmer, einen eigenen Raum, wenn auch evtl. bei deinen Großeltern zu kommen. Das einzige was mir je geholfen hat, war die Möglichkeit, aus der Situation wegzugehen, WOANDERS hinzugehen und fest die Tür hinter mir schließen zu können (und dort natürlich auch bleiben zu können).

Du solltest dich auch nicht mehr so viel in die Situation deiner Schwester vertiefen. Es wurden ihr genug Angebote gemacht. Nun ist es an ihr, sie zu ergreifen oder auch nicht.

Nicht du musst in diesem Punkt die Arbeit tun, sondern sie!

Sie ist erwachsen und letztlich für sich selbst verantwortlich.

Angebote und Ratschläge würde ich ihr jeweils nur einmal geben, dann liegt es an ihr, ob sie sie ergreift oder nicht.

Wenn sie merkt, dass sie ein Stück weit auf sich selbst zurück geworfen ist, wird sie meiner Erfahrung nach eher in Bewegung kommen.

Alles Gute.
 
P.S. Es ist so, wie schon Eugenie schrieb. Du wirst nicht veranlassen können, dass deine Schwester auszieht. Die Wohnung gehört dir ja vermutlich auch nicht. Immerhin ist die Wohnung außerdem ja auch das "Elternhaus" deiner Schwestern.

Du kannst nur über dich selber entscheiden, ob du die Situation noch länger so mitmachst oder eben zum Schutz deiner eigenen Gesundheit ausziehst. Viel Glück.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben