Was ist so schlimm am immer gleichen? Was ist so schlimm an Langeweile? Freilich kann man sagen: Schon wieder Sonnenaufgang. Schon wieder Frühling, Sommer, herbst, Winter. Schon wieder die selben Muster. Schon wieder arbeiten. Schon wieder aufwaschen. Immer wieder pumpt das Herz das Blut durch den Körper. Immer wieder atmen wir ein und aus.
Aber man kann sich einfach auch als das sehen, was ich bin:
In Kreisläufe, sich wiederholende Kreisläufe integriert. Dann kann ich sie annehmen. Dann kann ich sie genießen. Kann mir auch zum 5. mal das selbe Motörhead-Lied anhören. Es genießen, ein- und auszuatmen. Genießen, daß die Sonne wieder aufgeht. genießen, daß wieder das gleiche abgespult wird.
Aus dem Einlassen auf Kreisläufe, Wiederholungen, Langeweile, Stille, Einsamkeit kann dann wieder das Leben viel frischer erkannt werden. Dann bekommt auch das andere wieder etwas frisches, bin ich intensiv mit Freunden auf nen Bier oder nen Whisky zusammen, nervt mich der Krach der Stadt und der Arbeit nicht mehr so,und wenn doch, ists auch in Ordnung, kann ich auch mein leben viel mehr als Prozeß sehen, als etwa kreislaufhaftes sich veränderndes, muß nicht ewigen Frühling haben, sondern Herbst und Winter ist auch in Ordnung.
Nicht alles empfindet man als einfach. Aber gute Zeiten und schlechte Zeiten sind Teil des Lebens. Und oftmals sind die schwereren Zeiten im Nachhinein wertvolle gewesen.
Hier noch ein gedicht von Erich Fried, das mir gerade in den Sinn kam
NUR NICHT
Das Leben wäre vielleicht einfacher
wenn ich dich gar nicht getroffen hätte
Weniger Trauer - jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst - vor der nächsten
und übernächsten Trennung
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet
Das Leben wäre vielleicht einfacher
wenn ich dich nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht mein Leben