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kriege meine trauer nicht in den griff

SoRealCru

Mitglied
Meine Oma ist vor knapp 6 Jahren, mit 63 Jahren, gestorben.
Sie war starke raucherin, hatte dadurch dann Lungenkrebs bekommen. Mein Opa und sie haben in Mecklenburg-Vorpommern gelebt, wir in der Nähe von Köln. Deswegen waren wir sie besuchen, als sie die Nachricht bekommen hat, haben mit ihr geredet, sie abgelenkt etc....
Dann hat sie mit ihrer Chemo angefangen. Wir konnten sie aufgrund der Distanz nicht besuchen, haben aber jeden Abend mit meinem Opa telefoniert.
Als die Ärzte ihr sagten, dass sie nicht mehr viel zeit hätte, besuchten wir sie um uns zu verabschieden. Sie lag auf der Intensivstation, war geschächt und hat geschlafen. Ich saß auf dem Stuhl neben ihrem Bett und habe mich nicht getraut sie zu berühren - sie sah so verletzlich aus, ihre Haut war wie altes Pergament... MEine Mutter stand am Fenster und hat mit meiner Oma geredet, darüber wie die Fahrt war, das Wetter, was es neues gab, etc. pp.
Zu mir sagte sie dann "Fass sie ruhig an"
Also, nahm ich ihre Hand und fing an zu weinen. Ihre Hand lag schlaff in meiner, aber plötzlich festigte sich ihr Griff, ich sah auf, in ihr Gesicht und genau in dem Moment öffnete sie die augen und sah mich an. Ich wollte ihr nicht zeigen dass ich weine, also lächelte ich sie an und fing an mit ihr zu reden. Sie schloss wieder die Augen und die Ärztin kam rein und meinte sie bräuchte ruhe. Ich gab ihr einen Kuss und ging. Das war das letzte mal dass ich sie sah.
Eine Woche später kam meine Mutter in mein Zimmer und sagte, dass sie gestorben sei. Sie zeigte mir die Traueranzeige, die mein Onkel ihr geschickt hatte. Ich fing an zu heulen wie ein Schloßhund und sie auch. Wir haben über unsere Erinnerungen an sie gesprochen, gegenseitig getröstet und dann ging es auch wieder.
In der Schule war ich total fertig, habe jeden Tag geweint.

zwei Jahre später starb mein Opa, aber ich weiß nicht ... bei ihm waren meine Gefühle nicht so stark... Ich war nicht zwar traurig aber ich habe nicht geweint, habe mcih einfach damit abgefunden... Ich verstand es nicht und habe mich deswegen gehasst. Jetzt geht es wieder...

Wir waren nicht bei den Beerdigungen von ihnen, weil ich nicht schon wieder die Schule ausfallen lassen konnte und meine Mutter (zu der Zeit noch alleinerziehend) musste arbeiten.
Die Geschwister meiner Mutter nahmen das als Zeichen, dass die beiden uns egal waren, es uns nicht interessierte dass sie gestorben waren - sie rissen sich alles unter den Nagel was meine Großeltern besessen hatten, und beschimpften meine Mutter aufs Übelste. Sie hat den Kontakt zu ihnen abgebrochen und jetzt gibt es von unserer Familie nur noch uns zwei (die anderen haben sich unter einander auch zerstritten).

Diese Sommerferien waren wir im urlaub in der Nähe von Meck-pomm und haben dann die Friedhöfe nach ihnen abgesucht, sie zum glück gefunden und alle - halbwegs- verheilten Narben brachen wieder auf. Ich saß geschlagene 2 Stunden vor ihrem Grab hab geweint und konnte mich nicht bewegen. Am liebsten hätte ich mich dahin gelegt und wäre bei ihnen geblieben... Für den Rest meines Lebens.

Früher wie auch heute muss nur irgendein Wort fallen über Krebs, Schwäche oder Tod und ich weine. Ich lese sehr gerne, aber in den Büchern sterben leute und ich fange beim lesen an zu weinen. Dann geht garnichts mehr für ein paar Stunden...

Ist ja doch ein ganzer Roman geworden... 🙄
Wollte mich hier nur mal ausschütten (und nebenbei weiter weinen *sfz*) lg, SoReal
 
Hallo SoRealCru,

mal eine Frage: Hast du dich von deinen Großeltern verabschiedet? Ich meine nicht wie bei einem Menschen, der geht und wiederkommt, sondern zum Beispiel am Grab in Gedanken, im Herzen? Oder einen Abschiedsbrief geschrieben? Oftmals kann das helfen, das Loslassen zu erleichtern, weil du durch das Abschiednehmen bewusster begreifst, dass sie gegangen sind.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

Lg, Schnecke 🙂
 
ich kann dich sehr gut verstehen, mein Papa ist jetzt sechs Wochen tod , er fehlt , sein Platz hier ist leer..

wie gehe ich mit diesen Schmerz um??

ganz ehrlich.. manchmal versuche ich einfach nicht darüber nachzudenken.. ich schiebe es vor mir hin.. lauf davon weg..
und dann .. erinnere mich..an diesen Tag.. er läuft wie ein Film vor meinen Augen ab.. die letzte halbe Stunde die ich hatte mit im.. wo ich mich verabschiedet habe.. mit der Gewissheit , das ich in morgen wieder wohlauf sehe.. Aber es war ein endgültiger Abschied.. ich weine, ich schreie, ich bekomm keine Luft.. wie sehr sehne ich mich nach im.. wie sehr sehne ich mich nach einer Umarmung.. wie sehr sehne ich mich nach einen Gespräch mit im.. Jeden Tag haben wir telefoniert.. wie sehr sehne ich mich dannach das er den Hörer abnimmt.. und sagt ..was er immer sagte..wenn ich sagte Hey.. dann hat er jedesmal gesagt: Rede nicht so saublöd daher.. und wie gehts dir mein Mädel..

ja , genau das waren immer wieder seine Worte.. und dann hat er das Telefon auf Laut geschalten und wir haben uns zu dritt , meine Mama und er und ich..unterhalten..
In diesen tagen bevor er starb.. konnte er nicht mehr telefonieren.. meistens schlief er schon wenn ich Abends anrief..und mich nach im erkundigte..

Er war ein grossartiger Mensch.. mit allen Ecken und Kanten.. ich liebte ihn sehr.. er ist der erste Gedanke..wenn ich aufstehe und der letzte wenn ich zu bett gehe...

was kann man raten.. schreibe deinen Schmerz auf.. lass diesen Schmerz zu.. ändern können wir es nicht.. aber wir können daran wachsen.. und irgendwann..können wir schon gar darüber reden.. ohne Tränen in unseren Augen zu haben.. irgendwann können wir es.. nicht heute , nicht morgen.. aber irgendwann..so hoffe ich es.. wird der Schmerz weniger..

Wenn ich über meinen Dad nachdenke..was er oft gesagt hat.. und darüber nachdenke..was er mir jetzt in meiner Situation raten würde....dann weiss ich die Antwort...

er wird immer in meinen Herzen sein.. egal wo ich bin.. egal was ich gerade mache.. er lebt weiter.. in UNS... in mir..
Manchmal erwische mich... schon gar.. das ich so kleine Dinge.. an mir sehe.. wie er war.. hab viel geerbt.. von im..
zb. bin ich ein totaler Sturkopf.. ich gebe nicht einfach nach.. aber wenn ich falsch liege..dann bin ich bereit.. mich dafür zu entschuldigen.. Genau so war er auch.. Aussen oft hart..mit sich selber.. aber innen ..einen weichen Kern..

wünsch dir viel Kraft.. und weine.. erinnere dich an sie.. nur so können wir damit fertig werden..

fühldichmalgedrückt von mir..

lg tine😉
 
@Weisse_Schnecke: ja,ich habe mich von ihnen verabschiedet... Als wir das letzt mal bei meiner Oma waren.. damals im Krankenhaus. und auch als wir das Grab besucht haben. Ich schreibe viel über sie, schreibe eine kleine Geschichte in der ich alles verarbeite und so. Aber naja.,.. irgendwie.... klappt das nicht so ganz...

@tine: wow das liest sich echt stark. Dein Vater war bestimmt toll. 🙂
danke! das hat mir echt geholfen, besonders dass menschen immer in unseren Herzen bleiben. gedrücktfühl 😀

Auf dem Friedhof, auf dem meine Großeltern begraben sind stehen auch ganz alte Grabsteine, von 1705 und so...
Auch von einer Freifamilie soundso die später dort gelebt haben. Auf dem großen Grabstein habe ich den schönsten Spruch gelesen, den ich wohl nie wieder vergessen werde:


Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt,
der ist nicht tot, der ist nur fern;
tot ist nur, wer vergessen wird.
 

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