R
rx-queen
Gast
Hallo zusammen!
Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem Jahr in einem Call-Center in dem ich für eine Auskunfts-Firma gewerbliche Zusatz-Einträge verkaufen muss. Ich bin direkt nach meiner Ausbildung zur Fotografin durch einen Freund an diesen Job gekommen, da ich leider erstmal keine Arbeit in meinem erlernten Beruf gefunden habe. Ich dachte, dass es für den Übergang, also so lange bis ich einen Job in meinem "eigentlichen" Beruf finden würde, wohl ganz ok sei und hab damals wohl nicht damit gerechnet, dass ich da überhaupt länger als maximal ein halbes Jahr bleiben würde.
Schon nach ein paar Wochen durfte ich feststellen, in was für einem Terror-Laden ich da überhaupt gelandet war und dass dort alles andere als seriös gearbeitet wurde.
Wenn man dann auch noch -so wie ich- Pech hat und leider nicht zu den Lieblingen der Vorgesetzten gehört, weil man z.B. -so wie ich- zu wenig oder gar keinen Umsatz einfährt, kann man sich ganz schön warm anziehen.
Eigentlich bin ich jeden Morgen schon mit Bauchschmerzen zur Arbeit gekommen, weil ich nicht wusste, was mich heute wieder für ein Horror erwarten würde. Mit das schlimmste waren eigentlich die Coachings, also wenn sich der Teamleiter bei einem zum "mithören" einklinkt. Normalerweise dauert sowas vielleicht 2-3 Stunden...bei mir wurden es dann schonmal gerne 2-3 Tage Dauerkontrolle! Hier und da vielleicht mal eine Minute kurz abschalten, was trinken, zur Toilette gehen etc. sitzt da nicht drin, sonst muss man Nacharbeiten. Und wenn man dann im Gespräch mit den "Kunden" nachgibt, sie also nicht in irgendein bescheuertes Verkaufsgespräch verwickelt, weil sie vielleicht keine Zeit oder kein Interesse haben oder direkt von Anfang an schon genervt sind, dann muss man sich noch vor dem mithörenden Teamleiter rechtfertigen und sich gefallen lassen wenn einem Sprüche wie "Du musst gefälligst lernen, ein A******* zu sein!" entgegengebellt werden.
Eigentlich könnte ich hier seitenweise von meinen derartigen "Erlebnissen" aufschreiben...Vielleicht seh' ich manches ein bisschen drastisch, aber ich kann einfach abends nicht mit ruhigem Gewissen einschlafen, wenn ich vorher einem armen Dönerbudenbesitzer, der kaum deutsch kann, einen nutzlosen Werbeeintrag für mehrere Tausend Euro auf's Auge gedrückt habe oder ich mich von meiner Vorgesetzten als Spitzel hab benutzen lassen um andere Mitarbeiter auszuhorchen und gegeneinander auszuspielen. Sowas kann ich einfach nicht! Und ich finde es auch gar nicht schlimm, sowas nicht zu können - im Gegenteil. Nur sind die Leute, die in der Firma am beliebtesten und erfolgreichsten sind genau solche gewissenlosen Zombies.
Mittlerweile fühle ich mich sowohl körperlich als auch psychisch wie ein ausgezehrtes Wrack. Ich leide unter Schlafstörungen, Magenschmerzen, Schwindel, Tinnitus und fast täglich habe ich schreckliche Kopf- und Nackenschmerzen. Jede Kleinigkeit bringt mich mittlerweile auf die Palme, so dass ich entweder total ausraste oder einfach nur übelst anfange zu heulen. Ich vernachlässige meine Hobbies und meine Freunde und würde mich am liebsten nur noch verkriechen und schlafen. Gleichzeitig fühle ich mich innerlich aber wie ein Pulverfass. Wenn ich mal am Wochenende versuche ein Stündchen länger zu schlafen oder mich einfach nur mal so entspannen will, habe ich direkt ein schlechtes Gewissen, weil ich in dem Moment nix dafür tu, endlich aus dem Call-Center rauszukommen. Und wenn ich anderen von meinem Job erzähle und davon wie ich quasi jeden Abend auf dem Zahnfleisch nach Hause krieche, heisst es meistens "Warum? Du sitzt doch den ganzen Tag nur rum und telefonierst nett!"...wenn die wüssten! Leider bin ich nicht mit einer allzu großen Portion Selbstbewusstsein gesegnet, so dass ich mir dann schonmal schnell selber einrede, dass ich mich doch wohl nur anstelle und doch eigentlich alles gar nicht so schlimm zu sein scheint.
Mein Freund redete schon seit mehreren Wochen auf mich ein, doch endlich mal zum Arzt zu gehen. Ich habe mich zuerst nicht getraut weil ich mich zu sehr geschämt habe wegen so einer Sache zum Arzt zu gehen. Außerdem hatte ich Angst dort auf Unverständnis zu stoßen und am Ende feststellen zu müssen, dass ich doch nur aus einer Mücke einen Elefanten gemacht habe.
Vor 4 Wochen bin ich dann bei meinem Doc gewesen. Diagnose Z 56.0 & F 48.0 seitdem bin ich krank geschrieben mit der dringenden Empfehlung vom Arzt, mich schnell nach einem neuen Job umzusehen...und aufgrund meiner Beschwerden wäre es auch kein Problem mich die nächste Zeit auch noch längerfristig krankzuschreiben.
Letzte Woche kam dann ein Brief von der Krankenkasse: Ich muss zur Untersuchung beim MDK! Mir ist natürlich direkt das Herz in die Hose gerutscht...schon vorher hatte ich immer ziemlich viele Horror-Geschichten über irgendwelche fragwürdigen MDK-Gutachten gehört. Heute war dann mein Termin dort. Die Ärztin schien nicht wirklich viel Zeit für mich zu haben, nach 5 Minuten war schon alles gelaufen. Dabei konnte ich ihr nicht einmal von meinen wirklichen Beschwerden erzählen. Als ich ihr sagte, dass ich in einem Call-Center arbeite, dort Probleme habe und deswegen krank geschrieben bin, erzählte sie mir nur, wie genervt sie sich selber immer durch Werbeanrufe fühlen würde und meinte, ich soll mir doch von meinem Arzt ein Attest holen und dann direkt da kündigen. Bis Ende Februar hat sie mich dann noch für arbeitsunfähig erklärt.
Jetzt weiss ich irgendwie nicht weiter. Auf keinen Fall will ich nochmal einen Fuß in dieses schreckliche Call-Center setzen! Aber wenn ich selber kündige, riskiere ich doch eine Leistungssperre beim Arbeitsamt oder?! Ich hab gelesen, dass ein Attest da nicht unbedingt immer anerkannt wird. Hat von euch vielleicht jemand Erfahrung mit sowas?
Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem Jahr in einem Call-Center in dem ich für eine Auskunfts-Firma gewerbliche Zusatz-Einträge verkaufen muss. Ich bin direkt nach meiner Ausbildung zur Fotografin durch einen Freund an diesen Job gekommen, da ich leider erstmal keine Arbeit in meinem erlernten Beruf gefunden habe. Ich dachte, dass es für den Übergang, also so lange bis ich einen Job in meinem "eigentlichen" Beruf finden würde, wohl ganz ok sei und hab damals wohl nicht damit gerechnet, dass ich da überhaupt länger als maximal ein halbes Jahr bleiben würde.
Schon nach ein paar Wochen durfte ich feststellen, in was für einem Terror-Laden ich da überhaupt gelandet war und dass dort alles andere als seriös gearbeitet wurde.
Wenn man dann auch noch -so wie ich- Pech hat und leider nicht zu den Lieblingen der Vorgesetzten gehört, weil man z.B. -so wie ich- zu wenig oder gar keinen Umsatz einfährt, kann man sich ganz schön warm anziehen.
Eigentlich bin ich jeden Morgen schon mit Bauchschmerzen zur Arbeit gekommen, weil ich nicht wusste, was mich heute wieder für ein Horror erwarten würde. Mit das schlimmste waren eigentlich die Coachings, also wenn sich der Teamleiter bei einem zum "mithören" einklinkt. Normalerweise dauert sowas vielleicht 2-3 Stunden...bei mir wurden es dann schonmal gerne 2-3 Tage Dauerkontrolle! Hier und da vielleicht mal eine Minute kurz abschalten, was trinken, zur Toilette gehen etc. sitzt da nicht drin, sonst muss man Nacharbeiten. Und wenn man dann im Gespräch mit den "Kunden" nachgibt, sie also nicht in irgendein bescheuertes Verkaufsgespräch verwickelt, weil sie vielleicht keine Zeit oder kein Interesse haben oder direkt von Anfang an schon genervt sind, dann muss man sich noch vor dem mithörenden Teamleiter rechtfertigen und sich gefallen lassen wenn einem Sprüche wie "Du musst gefälligst lernen, ein A******* zu sein!" entgegengebellt werden.
Eigentlich könnte ich hier seitenweise von meinen derartigen "Erlebnissen" aufschreiben...Vielleicht seh' ich manches ein bisschen drastisch, aber ich kann einfach abends nicht mit ruhigem Gewissen einschlafen, wenn ich vorher einem armen Dönerbudenbesitzer, der kaum deutsch kann, einen nutzlosen Werbeeintrag für mehrere Tausend Euro auf's Auge gedrückt habe oder ich mich von meiner Vorgesetzten als Spitzel hab benutzen lassen um andere Mitarbeiter auszuhorchen und gegeneinander auszuspielen. Sowas kann ich einfach nicht! Und ich finde es auch gar nicht schlimm, sowas nicht zu können - im Gegenteil. Nur sind die Leute, die in der Firma am beliebtesten und erfolgreichsten sind genau solche gewissenlosen Zombies.
Mittlerweile fühle ich mich sowohl körperlich als auch psychisch wie ein ausgezehrtes Wrack. Ich leide unter Schlafstörungen, Magenschmerzen, Schwindel, Tinnitus und fast täglich habe ich schreckliche Kopf- und Nackenschmerzen. Jede Kleinigkeit bringt mich mittlerweile auf die Palme, so dass ich entweder total ausraste oder einfach nur übelst anfange zu heulen. Ich vernachlässige meine Hobbies und meine Freunde und würde mich am liebsten nur noch verkriechen und schlafen. Gleichzeitig fühle ich mich innerlich aber wie ein Pulverfass. Wenn ich mal am Wochenende versuche ein Stündchen länger zu schlafen oder mich einfach nur mal so entspannen will, habe ich direkt ein schlechtes Gewissen, weil ich in dem Moment nix dafür tu, endlich aus dem Call-Center rauszukommen. Und wenn ich anderen von meinem Job erzähle und davon wie ich quasi jeden Abend auf dem Zahnfleisch nach Hause krieche, heisst es meistens "Warum? Du sitzt doch den ganzen Tag nur rum und telefonierst nett!"...wenn die wüssten! Leider bin ich nicht mit einer allzu großen Portion Selbstbewusstsein gesegnet, so dass ich mir dann schonmal schnell selber einrede, dass ich mich doch wohl nur anstelle und doch eigentlich alles gar nicht so schlimm zu sein scheint.
Mein Freund redete schon seit mehreren Wochen auf mich ein, doch endlich mal zum Arzt zu gehen. Ich habe mich zuerst nicht getraut weil ich mich zu sehr geschämt habe wegen so einer Sache zum Arzt zu gehen. Außerdem hatte ich Angst dort auf Unverständnis zu stoßen und am Ende feststellen zu müssen, dass ich doch nur aus einer Mücke einen Elefanten gemacht habe.
Vor 4 Wochen bin ich dann bei meinem Doc gewesen. Diagnose Z 56.0 & F 48.0 seitdem bin ich krank geschrieben mit der dringenden Empfehlung vom Arzt, mich schnell nach einem neuen Job umzusehen...und aufgrund meiner Beschwerden wäre es auch kein Problem mich die nächste Zeit auch noch längerfristig krankzuschreiben.
Letzte Woche kam dann ein Brief von der Krankenkasse: Ich muss zur Untersuchung beim MDK! Mir ist natürlich direkt das Herz in die Hose gerutscht...schon vorher hatte ich immer ziemlich viele Horror-Geschichten über irgendwelche fragwürdigen MDK-Gutachten gehört. Heute war dann mein Termin dort. Die Ärztin schien nicht wirklich viel Zeit für mich zu haben, nach 5 Minuten war schon alles gelaufen. Dabei konnte ich ihr nicht einmal von meinen wirklichen Beschwerden erzählen. Als ich ihr sagte, dass ich in einem Call-Center arbeite, dort Probleme habe und deswegen krank geschrieben bin, erzählte sie mir nur, wie genervt sie sich selber immer durch Werbeanrufe fühlen würde und meinte, ich soll mir doch von meinem Arzt ein Attest holen und dann direkt da kündigen. Bis Ende Februar hat sie mich dann noch für arbeitsunfähig erklärt.
Jetzt weiss ich irgendwie nicht weiter. Auf keinen Fall will ich nochmal einen Fuß in dieses schreckliche Call-Center setzen! Aber wenn ich selber kündige, riskiere ich doch eine Leistungssperre beim Arbeitsamt oder?! Ich hab gelesen, dass ein Attest da nicht unbedingt immer anerkannt wird. Hat von euch vielleicht jemand Erfahrung mit sowas?