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Kontaktaufnahme zum Vater nach über 25 Jahren?

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Gast Tochter

Gast
Hallo Ihr Lieben,

nach einer unschönen Scheidung der Eltern habe ich mit 20 Jahren den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen.

Das ist heute über 25 Jahre her. Er ist inzwischen über 70 Jahre alt.

All die Jahre habe ich die Wunde der Trennung gespürt.

Mit meiner Mutter habe ich guten Kontakt. Vielleicht sogar zu eng. Sie hätte es seinerzeit als Verrat empfungen, wenn ich den Kontakt zu meinem Vater erhalten hätte. Empfände es vielleicht noch immer so. Eine eigene Familie habe ich nie gegründet. Hatte nicht einmal eine ernsthafte Beziehung zu einem Mann.

Ich überlege nach all den Jahren mich wieder bei meinem Vater zu melden. Ich habe einfach das Gefühl, daß uns die Zeit davon läuft, daß er nicht mehr lange lebt. Und dann keine Chance mehr besteht auf ein Wiedersehen und Versöhnung.

Ich wüßte gern, ob es ihm gut geht. Ich wüßte gern, wie er aussieht. Ich kann mich nicht mehr an sein Gesicht erinnern.

Verbindungen zur übrigen väterlichen Familie bestanden vorher schon nicht mehr. Die hatten meine Eltern schon abgebrochen als ich noch zur Grundschule ging. Auch da gäbe es eine Tante, die ich sehr geliebt habe, und die ich gerne noch einmal wiedersehen würde.

Ich habe den Wunsch und die Sehnsucht immer in mir verdrängt. Traue mich das auch jetzt noch nicht richtig zu denken. Ich würde mich daher freuen, wenn ich auf diesem Wege ein bißchen Rückmeldung bekäme, um meine Scheu abzulegen, das für mich Undenkbare denken zu dürfen.

Ich danke Euch.
 
Es ist immer schlimm, wenn die Mutter Kindern unterschwellig verbietet, Kontakt mit dem Vater aufzunehmen. Ich weiß ja nicht, was damals der Grund für diese Scheidung war. Aber Kinder brauchen Mutter und Vater. Deshalb kann ich auch Deinen Wunsch verstehen. Ich würde den Kontakt aufnehmen, was nach 25 Jahren sicher nicht einfach wird. Denn du weißt nicht wie dein Vater reagiert und ob er das noch will.
Aber vielleicht möchte er seine Tochter doch noch mal sehen und mit ihr Kontakt haben. Auch andere Verwandte die dir immer noch nahe stehen, würde ich kontaktieren.
Die Zeit vergeht sehr schnell und einen Versuch ist es allemal wert. Allerdings mußt du auch damit rechnen, dass dies nicht gelingt, weil für deinen Vater/Verwandte die Vergangenheit abgeschlossen ist.
Ich wünsche dir, dass eine Aussprache und somit auch eine Versöhnung gelingt.
 
Hallo du,

ich kann dir auch nur empfehlen, den Kontakt zu deinem Vater wieder aufzunehmen. Noch ist es nicht zu spät und vielleicht gelingt euch ja sogar eine ganz offene, ehrliche Aussprache. Das wünsche ich dir jedenfalls von ganzem Herzen.

Ich denke, deine Mutter hat dir mehr oder weniger unbewusst suggeriert, dass du auf jeden Fall auf ihrer Seite sein musst. Es ist immer traurig, wenn Kinder in unschöne Trennungsgeschichten mit hineingezogen werden.

Dein Wunsch, deinen Vater nochmal "neu" kennenzulernen, ist absolut verständlich. Ich drücke dir die Daumen beim Umsetzen deines Vorhabens in die Tat.
 
Ich würde es nicht direkt tun, sondern über einen gemeinsamen, bekannten "dritten", diesen erst um Rat bitten.
Woher weisst du denn, ob und wo er lebt?
Denk dran angesichts seines Alters: je nachdem, wie er das verarbeitet hat und wie seine Gesundheit ist, kannst du ihn mit einem unerwarteten Anruf oder Besuch...ja, du weisst schon.
Ich würde es nicht wollen, wäre ich der Vater.
 
Ich möchte dir auch raten, dir diesen Wunsch zu erfüllen. Es sind so viele Jahre ins Land gegangen. Deshalb gönne es dir jetzt, deinen Vater wiedersehen zu wollen und versuche es zumindest, auch weil du darüber nachdenkst, dass es sonst zu spät dafür werden kann.

Und ich denke einfach, ganz gleich was kommen wird, dass es dir guttun wird nach deinem Gefühl zu gehen und diesen für dich wichtigen Schritt zu tun.

Wünsche dir alles Liebe!
 
Hallo, "Gasttochter",

tu es so schnell wie möglich! Was hast Du zu verlieren? Du kannst nur gewinnen. Und Du kannst verlieren, wenn er plötzlich stirbt.
 
Vielen lieben Dank für Eure Antworten.

Beim Durchlesen war mein Gefühl erstaunt über das Verständnis, die grundsetzliche Ermutigung und die einfühlsamen Antworten. Danke.

Ich hatte eher mit Reaktionen gerechnet wie: "was soll das denn noch" und "laß die Vergangenheit ruhen" oder "sei froh über die Funkstille". Und hatte auch ein bißchen befürchtet, ausgelacht zu werden, dass ich als gestandene erwachsene Frau nach so vielen Jahren den Wunsch verspüre.

Ich hatte den seinerzeitigen Kontaktabbruch bewußt vorgenommen. Ich war ja kein Kind mehr zum Zeitpunkt der Scheidung, sondern schon 20 Jahre alt. Mein Vater war in dem Zusammenhang meiner Mutter gegenüber gewalttätig geworden und hat versucht sie einzuschüchtern, damit sie auf Ansprüche verzichtet. Was ihm auch gelungen ist. Aus Angst, Unwissenheit und mangelnden Beweisen hat sie sich verkrochen und nichts unternommen, um ihre finanziellen Ansprüche durchzusetzen. Und ich war zu naiv und erschüttert, um mich einzusetzen. Auch verängstigt wegen der plötzlichen Gewaltausbrüche. So kannte ich meinen Vater bisher nicht. Ich wollte ihm nie verzeihen, daß es ihm nicht gelungen ist, die Ehe anständig und fair zu beenden.

Aber ich habe mich auch immer wie abgeschnitten gefühlt. Ich vermute, daß er sein damaliges Verhalten inzwischen auch bedauert. Das war für alle eine emotionale Ausnahmesituation, die sich über 3 Jahre hinzog. Die Wahrheit hat ja nicht immer nur eine Seite. Und wie gesagt, irgendwann ist es zu spät, das zu klären.

Aber ich habe diesen Wunsch all die Jahre so tief in meinem Herzen vergraben, dass ich mich jetzt noch nicht richtig traue, mir das vorzustellen, geschweige denn die entsprechenden Schritte zu gehen.

Wo er wohnt, weiß ich. Er ist in meinem Heimatdorf wohnen geblieben, wo auch die übrigen Familienmitglieder väterlicherseits alle wohnen. Meine Mutter und ich sind vor 25 Jahren weggezogen. Gemeinsame Bekannte im Dorf gibt es nicht mehr. Nur die Familienmitglieder väterlicherseits, zu denen ebenfalls kein Kontakt besteht. Da ich aber eine seiner Schwestern als Kind sehr gemocht habe und auch nach ihr immer eine starke Sehnsucht verspürt habe und diese Tante als ausgleichend und Streit schlichtend in Erinnerung habe, überlege ich nach ihr oder eventuell sogar nach ihrer Tochter also meiner Cousine zunächst die Fühler auszustrecken. Und mal vorzufühlen, wie sich die Lebenswege entwickelt haben und ob mein Wunsch auf Verständnis stieße. Und ja auch, wie die gesundheitliche Situation der älteren Herrschaften ist, ob das verkraftet würde.

Mein Vater hat übrigens nie wieder versucht Kontakt aufzunehmen. Vielleicht weil er über den Kontaktabbruch enttäuscht ist. Vielleicht dachte er mein Haß ist so unversöhnlich, dass ein Versuch aussichtslos ist. vielleicht hat auch er den Wunsch verdrängt. Vielleicht ist der erste Schritt mit zunehmendem Zeitabalauf auch für ihn immer schwerer geworden. Vielleicht ist die Angst vor Zurückweisung zu groß. Vielleicht verspürt er den Wunsch aber auch gar nicht. Vielleicht möchte er nicht erinnert werden. Vielleicht hat er abgeschlossen. Ich weiß es nicht.
 
Mach es, ehe es zu spät ist. Du hast immer getan was deine Mutter von dir erwartet, wahrscheinlich aus der Angst heraus auch sie zu verlieren. Tu jetzt was dir gut tut. Ich hatte auch keine Supermutter, sie schlug mich mit allem was ihr in die Finger kam. Sie starb vor 8 Tagen und ich trauere sehr um sie. Ich wünsche dir gute Gespräche mit deinem Vater. Vielleicht kannst du dann auch eine Partnerschaft eingehen.
 
Hallo,
Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung sagen: Tu es!!!! Wenn es zu spät ist wirst du es bereuen es nicht früher getan zu haben!!
Ich habe meinen Vater das erste Mal nur kurz kennengelernt als ich 18 Jahre alt war. Da war ich jung und für mich war es ein fremder Mensch! 15 Jahre später hab ich ihn gesucht und nicht nur ihn gefunden sondern auch meine Halbschwestern und hab auch so meine neffen und nichten kennengelernt!

Will sagen, nimm Kontakt auf so schnell es geht da machst du nie etwas falsch damit!
Wünsch Dir alles gute!!
 
Danke, danke, danke Euch allen.

Ich will nur kurz rückmelden, wie sich die Dinge manchmal wie von Wunderhand ineinander fügen. Vielleicht stimmt es doch, was man hört, dass sich verwirklicht, worauf man seine Gedanken richtet:

Vor zwei Tagen schrieb ich hier noch, daß es keine Berührungspunkte mehr gibt, zu dem Dorf in dem die Familie väterlicherseits lebt.

Offensichtlich gab es die doch. Gestern war in der Familie meiner Mutter eine Beerdigung und dabei kam ich ins Gespräch mit einer gant entfernten älteren Verwandten mütterlicherseits, die ich kaum kenne und schon jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Diese erzählte mir, daß sie gelegentlich eine alte Freundin in meinem Heimatdorf besucht und dabei auch in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach eben jener Tante väterlicherseits begegnet ist, die mir so am Herzen liegt. Und diese Tante hat sie bei jeder Begegnung angesprochen und sich nach mir erkundigt und sogar gefragt, ob die Verwandte mütterlicherseits vielleicht ein Foto von mir hat. Was aber nicht der Fall war, da ich sie wie gesagt kaum kannte und im Leben vielleicht 5mal gesehen habe...

Aber ist das nicht verblüffend, dass mich die Nachricht, dass diese Tante väterlicherseits mich auch nie vergessen hat, jetzt erreicht, wo ich nach so vielen Jahren zum ersten Mal darüber nachdenke, mich zu melden?

Ich bin jetzt sicher, daß ich es wagen will.
 

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