Hallo du,
ich kenne deinen ursprünglichen Beitrag nicht, aber vor einigen Jahren war ich in einer ähnlichen Situation wie du. Ich hatte den Kontakt zu meiner Mutter mehrere Jahre und den zu meinem Vater (sie sind geschieden) für fast ein Jahr eingestellt. Meine Kindheit war... sagen wir so, nicht einfach. Ganz und gar nicht einfach. Nicht wegen körperlicher Gewalt sondern psychischer Misshandlung durch meine Mutter. Mein Vater hat es gesehen, aber nichts getan. Er hat einfach zugesehen. Als ich das verstanden hatte, was doch sehr spät passierte, weil ich immer dachte es liegt an mir, dass mich keiner von beiden liebt, habe ich den Kontakt abgebrochen. Zu meiner Mutter früher, zu meinem Vater etwas später. Er war gegen meinen damaligen Freund, heute mein Ehemann. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, das sich meinen heutigen Ehemann aus Trotz geheiratet habe, damit mein Vater einen Grund hat regelmäßig im Boden zu versinken bei dem Gedanken daran wie er sich benommen hat. Ja, vielleicht war das wirklich einer der Gründe für die Hochzeit, wenn ich mir das so recht überlege. Allerdings natürlich nicht der einzige. Ich liebe meinen Mann und dass er sich gemausert hat und plötzlich alle "stolz" auf ihn sind, ist eine gewisse Befriedigung.
Nunja, aber zurück zum Thema.
Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen. Leider. Und man kriegt leider nicht die Eltern die man vielleicht verdient hat. Sie formen uns, gestalten unseren Start ins Leben. Viele, deine wie auch meine zum Beispiel, zerstören diesen Start. Sie glauben sie sind der Nabel der Welt. Sie haben eigene Probleme. Natürlich, jeder hat die. Doch Eltern wie unsere, machen den Fehler, dass sie sie an ihren Kindern auslassen. Meine Mutter hat uns Kinder regelmäßig für die Fehler unseres Vaters bestraft. Liebesentzug, Beschimpfungen, ungerechtfertigte Strafen. Es hat manchmal gereicht, wenn wir nur falsch geschnauft hatten dass sie ausflippte. Sie hatte kein Lieblingskind. Sie hat uns alle drei gleich gehasst. Ja, wirklich gehasst. Mein Vater hatte ein Lieblingskind: Meine ältere Schwester. Auch heute noch ist sie sein Augenstern. Mein Bruder ist das Lieblingskind unserer Großtante und Großonkel, bis heute noch. Nur ich bin irgendwie nicht untergekommen. Ich weiß also wie man sich fühlt wenn man ganz alleine steht, mit allen Problemen, wenn da niemand ist, der sich in die Bresche wirft, wenn man sich fühlt, als würde man am liebsten einfach gar nicht mehr da sein, sich in Luft auflösen, weil man doch eh nur stört aber trotzdem alle ihre Probleme bei dir abladen... Sie erwarten das einfach.
Du wirst weder deine Mutter, noch deinen Vater jemals ändern. Sie sind wie sie sind. Du hast sie nicht als Eltern verdient. Ich hasse den Satz "Aber sie sind doch deine Eltern/ist doch deine Mutter/dein Vater/dein Bruder/Schwester...." oder "Blut ist dicker als Wasser.", pfffh, wenn du mich fragst ist das Müll. Für mich haben die Menschen in meiner Familie keine Sonderstellung mehr. Sie haben sie aufgegeben indem sie mich übersehen haben. Mein Leben lang. Indem sie mich benutzt haben, zu ihrem Vorteil. Jeder. Was bringt da das Blut? Gar nichts. Wenn Menschen sich benehmen wie die Axt im Walde, GERADE wenn sie zur Familie gehören, dann gibt es keinen Grund das zu ertragen. Meine Meinung. Gerade wenn jemand zur Familie gehört, sollte man doch besonders acht geben was man tut, wie man sich verhält, dass man für denjenigen da ist. Pustekuchen. Für die meisten Menschen bedeutet "Familie" Freifahrtschein sich besch... zu benehmen, immerhin ist man ja "Familie". Das habe ich gelernt in meinem Leben bisher. Ich habe Menschen getroffen, Fremde, die Freunde und später meine RICHTIGE Familie wurden, ohne dass wir blutsverwandt waren, ohne dass ich ihnen oder sie mir was schuldig waren. Sie waren einfach da, sie waren das, was meine Familie hätte sein sollen. Sie haben um mich gekämpft, als ich schon aufgegeben hatte, sie haben sich um mich gekümmert als ich am Boden lag, als es meine biologische Familie einen feuchten Kericht interessiert hat.
Meine Familie hat sich entschieden, dass ich ihnen nichts wert bin. Diese "Fremden" haben sich entschieden, dass ich ihnen etwas wert bin. Das macht diese "Fremden" zu meiner Familie, und meine Familie zu Fremden.
Wir können uns unsere Eltern, unsere Familie in die wir hineingeboren werden nicht aussuchen, leider, aber wir können uns aussuchen ob wir vor ihnen weiter kriechen müssen, nur weil wir blutsverwandt sind, oder ob wir aufstehen und über sie hinweggehen.
Ich habe mich für zweiteres entschieden. Niemand hat eine Sonderstellung, nur weil er Mutter, Vater, Famillie ist. Niemand hat das Recht dich schlecht zu behandeln, nur weil man blutsverwandt ist. Niemand.
Wende dich an Menschen die dich schätzen, die dich lieben, denen DU wichtig bist. Schau' dich um, mach' die Augen auf und lass' dich nicht unterkriegen. Du wirst sehen, da gibt es mehr Menschen denen du was bedeutest als du glaubst. Manchmal regt sich dann auch etwas in der Familie, aber hoffe nicht drauf. Gehe deinen Weg. Mit oder ohne sie. Sie entscheiden ob sie ein Teil davon sein wollen, oder eben nicht. Lass' sie links liegen. Sie sind jetzt am Zug ob sie sich ändern und teilhaben wollen, oder nicht. Du kannst sie nicht ändern. Wenn deine Mutter so sehr und devot an deinem Vater hängt, dass sie dich dafür über die Klinge springen lässt, dann hat sie sowieso kein Recht in deinem Leben mitzuwirken. Diese Atmosphäre der Heimlichtuerei, des "Oh bitte sag' nichts." kenne ich zu gut. Und sie vergiftet Herz, Seele und Verstand. Lass' dich darauf nicht mehr ein. Lass' sie links liegen. Bleib diplomatisch aber distanziert wenn sie dich anrufen, sich melden. Wenn du merkst, dir tut das auch nicht gut, dann blockiere den Kontakt komplett.
DU denkst jetzt an dich, denn sonst wird es keiner tun. DU denkst jetzt an dein Kind, dein Leben, dein Glück, nicht das deiner Eltern. Sie haben sich um dein Glück, dein Leben, deine Gefühle nicht gekümmert. Also tu' du es selbst! 🙂 Du wirst viel mehr Stärke in dir finden als du glaubst wenn du den "Ballast" abwirfst und losfliegst!
Wie du das für dein Kind allerdings halten möchtest, mit "Oma und Opa", das musst du selbst entscheiden. Ob du dann, wenn es alt genug ist die beiden kennen zu lernen, dich in der Lage fühlst auf neutralem Stand mit ihnen zu interagieren oder nicht. Es gibt viele glückliche Kinder die ganz ohne Oma und Opa aufwachsen. Allerdings gehören sie für dein Kind zur Familie, das gebe ich zu bedenken. Du hast dich entschieden, sie aus deinem Leben zu werfen, aber dein Kind muss diese Entscheidung für sich selbst treffen. Und das kann es erst viel später tun... vermutlich erst irgendwann wenn du es ihm erzählst was vorgefallen ist, damit es das auch versteht...
Aus dem Nähkästchen geplaudert, macht mein Bruder momentan diesen Fehler: Seine Tochter hängt sehr an ihrem Opa, unserem Vater. Er unterbindet den Kontakt aber, weil er im Klinsch mit meinem Vater und dessen neuer Frau liegt. Das Kind leidet sehr darunter.
Es gibt glaube ich, dafür keine Musterlösung.
Jeder muss für sich selbst entscheiden wie er es anstellt, wenn diese heftige und sicherlich auch schwere Entscheidung ins Haus steht.
Ich hoffe, dass dir meine Erfahrungen vielleicht helfen können! 🙂