Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Kontaktabbruch zum Vater 2.0

Hallo meine Lieben,

vor mehreren Wochen hatte ich bereits ein Thema zum o.g. Titel erstellt. Mittlerweile ist etwas Gras über die "Sache" gewachsen und ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht. Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ich sowohl zu meinem Vater als auch zu meiner Mutter den Kontakt abbrechen muss um endlich frei zu sein.
Nun brauche ich wieder Euren Rat und ein wenig seelische Unterstützung.
Bin so traurig, aber es geht nicht anders. Ich habe erkannt, dass meine Mutter zu schwach ist um eine Mutter zu sein, zu schwach ist um sich durchzusetzen... zu schwach ist um ihr Kind an erster Stelle zu stellen.
Vor ein paar Tagen habe ich sie gefragt, warum mein Vater nicht wissen darf, dass ich gewisse Dinge über ihn weiß, obwohl es mich kaputt macht. Ihr Antwort war, dass es zu SEINEM Schutz ist. Also, kurz gesagt, er baut Mist, mich macht es fertig, aber er muss geschützt werden und ich habe damit weiter zu leben.
Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich mit dem Schmerz umgehen kann? Ich habe mir mein Leben lang gewünscht, einfach bedingungslos geliebt zu werden, aber sie sind nicht in der Lage. Alles hat seinen Preis... auf meine Kosten.
Ich bin sooo wütend und weiß nicht, wie ich es machen soll.
Ohne Kontakt wird es mir schlecht gehen, aber mit kann ich nicht weiter leben. Ich möchte für mein Kind eine gute Mutter sein, aber mit der Wut im Bauch habe ich Angst, es nicht zu schaffen. Was definitiv nicht heißt, dass ich mein Kind schlagen würde, oder ähnliches!
Ward ihr auch mal in so einer Situation und wie habt ihr es geschafft?Einfach nicht mehr melden?
 
Hey,

mein Vorschlag wäre eine Pause einzulegen mit dem Kontakt. Ob du Später noch Lust und kraft hast wieder Kontakt aufzunehmen liegt an dir und sollte nicht aufgezwungen werden. Bedenke aber, dass deine Eltern ein recht haben auf Kontakt mit ihren Enkelkindern haben und könnten es vielleicht auch auf rechtlichen wegen versuchen zu verklagen.

Du kannst natürlich einen Rahmen vorgeben wie du einen treffen willst.
bzw.: Ich treffe mit euch nur mit der Voraussetzung das es auch offen geredet wird was passiert ist.
Für so einen treffen würde ich in deine Stelle jemand mitnehmen den du vertraust und zu dir hält. Am besten alles aufschreiben was du sagen möchtest oder gleich einen Brief schreiben und nicht Persönlich reden. Dann hat dein Vater Zeit zu Überlegen und muss nicht gleich vor dir Ausrasten.
Auf jeden Fall muss vor weiteren Kontakten alles geklärt werden, sonst wirst du nie Glücklich mit deinen Eltern werden.
 
Einfach akzeptieren und Hacken dran. Mein Vater war auch nie und wird nie der sein, den ich mir gewünscht hab. Besonders was meiner Konflikte mit meiner Mutter anging. Ich hab das überstanden, in dem ich mich an die Menschen gerichtet hab, die wirklich etwas für mich getan haben: Die Schreibcommunity, meinen besten Freund aus Österreich, meinen Verlobten, Gamerkumpel, den Oma meines Verlobten usw.
 
Hallo

Ich habe deinen früheren Beitrag nicht gelesen, aber möchte dir Trost spenden.
Bei mir war es so, dass meine Eltern mich emotional vernachlässigt haben. Mein Vater hat sich generell nicht für seine Kinder interessiert und hat meine Mutter mit der Erziehung der zwei Kinder allein gelassen. Meine Mutter war überfordert mit der unglücklichen Ehe und meinem schwierigen Bruder. Dieser ist seit seiner Geburt ihr Lieblingskind. Ihre ganze Liebe hat sie auf ihn konzentriert. Zu mir war sie distanziert und teilweise kalt. Bis heute (ich bin mittlerweile 38, mein Bruder 35) behandelt sie uns sehr ungleich. Habe ich mal was gesagt, stritt sie alles ab und bestrafe mich mit Liebesentzug. Ich bekam nicht einmal eine Karte zur Hochzeit.

Als ich erwachsen wurde und erkannte, wie die Eltern von Freunden waren, nämlich liebevoll und aufrichtig am Leben ihrer Kinder interessiert, haderte ich lange damit, wie meine Mutter so zu mir sein konnte. Nach einem grossen Streit, in dem ich für einmal nicht nachgab, gestand sie gewisse Fehler ein und entschuldigte sich. Es änderte sich aber nichts Grundsätzliches. Vor zwei Jahren passierte wieder etwas, was mich sehr verletzte. Ich sah ein, dass es immer so weitergehen würde und darauf hatte ich keinen Bock mehr. Ich sagte meiner Mutter am Telefon noch einmal meine Meinung und brach den Kontakt ab. Ich war so unglaublich wütend. Diese Wut kochte noch Wochen wenn nicht Monate. Ich schrieb einen Brief an meine Mutter mit Vorwürfen, schickte ihn aber nicht ab. Gerne hätte ich ihr etliches an den Kopf geworfen, aber dazu hätte ich ja Kontakt aufnehmen müssen. Und gebracht hätte es gar nichts. Heute ist dieses Bedürfnis kaum mehr vorhanden. Ich denke nicht mehr oft an meine Eltern.

Ich hadere immer mal wieder mit der Angst, dass meine Eltern sterben (sie sind schon älter), ohne dass es zu einer Versöhnung kam. Andererseits täte mir der Kontakt nicht gut und wie gesagt glaube ich nicht, dass sich die Ursachen unserer Probleme beseitigen lassen. Mir geht es seit dem Kontaktabbruch gut damit. Ich bin ausgeglichener.

Leider gibt es viele Eltern, die ihren Kindern nicht guttun. Und leider bekommen wir nicht alle gute Eltern. Wir können sie uns nicht aussuchen und sie nicht eintauschen. Aber wir können uns von ihnen trennen. Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen und uns nicht regelmässig nervenaufreibenden Konflikten aussetzen, die wir nicht lösen können. Wir können uns mit Menschen umgeben, die uns nicht ständig verletzen. Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir aus eigenschutz den Kontakt zu den Eltern abbrechen.

Lass deine Wut zu. Sie wird mit der Zeit seltener aufkommen. Befreie dich, wenn deine Eltern dir nicht guttun. Das ist dein gutes Recht. Du wirst darüber hinwegkommen und neue Stärke finden. Konzentriere dich auf dein Kind. Mach es besser als deine Eltern. Du bist jetzt Mutter, nicht mehr Kind. Viel Kraft!
 
Hallo du,


ich kenne deinen ursprünglichen Beitrag nicht, aber vor einigen Jahren war ich in einer ähnlichen Situation wie du. Ich hatte den Kontakt zu meiner Mutter mehrere Jahre und den zu meinem Vater (sie sind geschieden) für fast ein Jahr eingestellt. Meine Kindheit war... sagen wir so, nicht einfach. Ganz und gar nicht einfach. Nicht wegen körperlicher Gewalt sondern psychischer Misshandlung durch meine Mutter. Mein Vater hat es gesehen, aber nichts getan. Er hat einfach zugesehen. Als ich das verstanden hatte, was doch sehr spät passierte, weil ich immer dachte es liegt an mir, dass mich keiner von beiden liebt, habe ich den Kontakt abgebrochen. Zu meiner Mutter früher, zu meinem Vater etwas später. Er war gegen meinen damaligen Freund, heute mein Ehemann. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, das sich meinen heutigen Ehemann aus Trotz geheiratet habe, damit mein Vater einen Grund hat regelmäßig im Boden zu versinken bei dem Gedanken daran wie er sich benommen hat. Ja, vielleicht war das wirklich einer der Gründe für die Hochzeit, wenn ich mir das so recht überlege. Allerdings natürlich nicht der einzige. Ich liebe meinen Mann und dass er sich gemausert hat und plötzlich alle "stolz" auf ihn sind, ist eine gewisse Befriedigung.


Nunja, aber zurück zum Thema.
Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen. Leider. Und man kriegt leider nicht die Eltern die man vielleicht verdient hat. Sie formen uns, gestalten unseren Start ins Leben. Viele, deine wie auch meine zum Beispiel, zerstören diesen Start. Sie glauben sie sind der Nabel der Welt. Sie haben eigene Probleme. Natürlich, jeder hat die. Doch Eltern wie unsere, machen den Fehler, dass sie sie an ihren Kindern auslassen. Meine Mutter hat uns Kinder regelmäßig für die Fehler unseres Vaters bestraft. Liebesentzug, Beschimpfungen, ungerechtfertigte Strafen. Es hat manchmal gereicht, wenn wir nur falsch geschnauft hatten dass sie ausflippte. Sie hatte kein Lieblingskind. Sie hat uns alle drei gleich gehasst. Ja, wirklich gehasst. Mein Vater hatte ein Lieblingskind: Meine ältere Schwester. Auch heute noch ist sie sein Augenstern. Mein Bruder ist das Lieblingskind unserer Großtante und Großonkel, bis heute noch. Nur ich bin irgendwie nicht untergekommen. Ich weiß also wie man sich fühlt wenn man ganz alleine steht, mit allen Problemen, wenn da niemand ist, der sich in die Bresche wirft, wenn man sich fühlt, als würde man am liebsten einfach gar nicht mehr da sein, sich in Luft auflösen, weil man doch eh nur stört aber trotzdem alle ihre Probleme bei dir abladen... Sie erwarten das einfach.
Du wirst weder deine Mutter, noch deinen Vater jemals ändern. Sie sind wie sie sind. Du hast sie nicht als Eltern verdient. Ich hasse den Satz "Aber sie sind doch deine Eltern/ist doch deine Mutter/dein Vater/dein Bruder/Schwester...." oder "Blut ist dicker als Wasser.", pfffh, wenn du mich fragst ist das Müll. Für mich haben die Menschen in meiner Familie keine Sonderstellung mehr. Sie haben sie aufgegeben indem sie mich übersehen haben. Mein Leben lang. Indem sie mich benutzt haben, zu ihrem Vorteil. Jeder. Was bringt da das Blut? Gar nichts. Wenn Menschen sich benehmen wie die Axt im Walde, GERADE wenn sie zur Familie gehören, dann gibt es keinen Grund das zu ertragen. Meine Meinung. Gerade wenn jemand zur Familie gehört, sollte man doch besonders acht geben was man tut, wie man sich verhält, dass man für denjenigen da ist. Pustekuchen. Für die meisten Menschen bedeutet "Familie" Freifahrtschein sich besch... zu benehmen, immerhin ist man ja "Familie". Das habe ich gelernt in meinem Leben bisher. Ich habe Menschen getroffen, Fremde, die Freunde und später meine RICHTIGE Familie wurden, ohne dass wir blutsverwandt waren, ohne dass ich ihnen oder sie mir was schuldig waren. Sie waren einfach da, sie waren das, was meine Familie hätte sein sollen. Sie haben um mich gekämpft, als ich schon aufgegeben hatte, sie haben sich um mich gekümmert als ich am Boden lag, als es meine biologische Familie einen feuchten Kericht interessiert hat.
Meine Familie hat sich entschieden, dass ich ihnen nichts wert bin. Diese "Fremden" haben sich entschieden, dass ich ihnen etwas wert bin. Das macht diese "Fremden" zu meiner Familie, und meine Familie zu Fremden.
Wir können uns unsere Eltern, unsere Familie in die wir hineingeboren werden nicht aussuchen, leider, aber wir können uns aussuchen ob wir vor ihnen weiter kriechen müssen, nur weil wir blutsverwandt sind, oder ob wir aufstehen und über sie hinweggehen.
Ich habe mich für zweiteres entschieden. Niemand hat eine Sonderstellung, nur weil er Mutter, Vater, Famillie ist. Niemand hat das Recht dich schlecht zu behandeln, nur weil man blutsverwandt ist. Niemand.
Wende dich an Menschen die dich schätzen, die dich lieben, denen DU wichtig bist. Schau' dich um, mach' die Augen auf und lass' dich nicht unterkriegen. Du wirst sehen, da gibt es mehr Menschen denen du was bedeutest als du glaubst. Manchmal regt sich dann auch etwas in der Familie, aber hoffe nicht drauf. Gehe deinen Weg. Mit oder ohne sie. Sie entscheiden ob sie ein Teil davon sein wollen, oder eben nicht. Lass' sie links liegen. Sie sind jetzt am Zug ob sie sich ändern und teilhaben wollen, oder nicht. Du kannst sie nicht ändern. Wenn deine Mutter so sehr und devot an deinem Vater hängt, dass sie dich dafür über die Klinge springen lässt, dann hat sie sowieso kein Recht in deinem Leben mitzuwirken. Diese Atmosphäre der Heimlichtuerei, des "Oh bitte sag' nichts." kenne ich zu gut. Und sie vergiftet Herz, Seele und Verstand. Lass' dich darauf nicht mehr ein. Lass' sie links liegen. Bleib diplomatisch aber distanziert wenn sie dich anrufen, sich melden. Wenn du merkst, dir tut das auch nicht gut, dann blockiere den Kontakt komplett.
DU denkst jetzt an dich, denn sonst wird es keiner tun. DU denkst jetzt an dein Kind, dein Leben, dein Glück, nicht das deiner Eltern. Sie haben sich um dein Glück, dein Leben, deine Gefühle nicht gekümmert. Also tu' du es selbst! 🙂 Du wirst viel mehr Stärke in dir finden als du glaubst wenn du den "Ballast" abwirfst und losfliegst!


Wie du das für dein Kind allerdings halten möchtest, mit "Oma und Opa", das musst du selbst entscheiden. Ob du dann, wenn es alt genug ist die beiden kennen zu lernen, dich in der Lage fühlst auf neutralem Stand mit ihnen zu interagieren oder nicht. Es gibt viele glückliche Kinder die ganz ohne Oma und Opa aufwachsen. Allerdings gehören sie für dein Kind zur Familie, das gebe ich zu bedenken. Du hast dich entschieden, sie aus deinem Leben zu werfen, aber dein Kind muss diese Entscheidung für sich selbst treffen. Und das kann es erst viel später tun... vermutlich erst irgendwann wenn du es ihm erzählst was vorgefallen ist, damit es das auch versteht...
Aus dem Nähkästchen geplaudert, macht mein Bruder momentan diesen Fehler: Seine Tochter hängt sehr an ihrem Opa, unserem Vater. Er unterbindet den Kontakt aber, weil er im Klinsch mit meinem Vater und dessen neuer Frau liegt. Das Kind leidet sehr darunter.


Es gibt glaube ich, dafür keine Musterlösung.
Jeder muss für sich selbst entscheiden wie er es anstellt, wenn diese heftige und sicherlich auch schwere Entscheidung ins Haus steht.
Ich hoffe, dass dir meine Erfahrungen vielleicht helfen können! 🙂
 
Hallo, vielen Dank für deine Nachricht. Darf ich fragen, wie dein Verhältnis zu deinen Bruder ist?
Ehrlich gesagt verstehe ich unsere Eltern nicht. Wenn ich meine kind betrachte bin ich voller Lieb und würde alles dafür geben, dass sie glücklich ist, sich sicher und vor allem auch geliebt fühlt. Sorry, aber es ist einfach nur krank.
Ich kann deine Angst sehr gut nachvollziehen, was die Sterblichkeit der Eltern angeht. Das ist einer der größten Gründe, warum ich den letzten Schritt nicht schaffe. Zumindest, was meine Mutter angeht. Sie ist nicht gesund.
Ich habe gestern mit ihr gesprochen und ihr nochmals gesagt, dass ich so nicht weitermachen kann und dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, dass ich gehe... und mich dann auch von ihr abwende.
Sie möchte es nicht, aber schafft es auch nicht mal „auf den Tisch zu hauen“. Sie kennt seine Fehler und setzt ihn keine Grenzen.
Sie hat mich nie beschützt.
Ich habe oft überlegt einen Brief zu schreiben, aber ich weiß, dass er zerrissen im Müll landen würde. Mehrere Versuche mit meinem Vater Inn ruhe über unsere Probleme zu sprechen endeten mit Beleidigungen, Beschimpfungen und Schuldzuweisungen seinerseits und das „Spiel“ ging von vorne los. Er würde nie Fehler zugeben, zumal er mit gegenüber völlig respektlos ist und sich einfach alles erlaubt, was mich und meine Gefühle angeht.
Ich würde so gerne endlich stark genug sein.
Leider verfalle ich immer wieder in die Rolle des kleinen Mädchens, was einfach nur um seiner selbst geliebt werden möchte.
 
Eltern sind leider oft nicht so wie man sie sich wünscht.
Verändern kann man die Eltern auch nicht.

Manche Eltern können keine Liebe geben,wegen ihrer eigenen schwierigen Kindheit, weil sie selber keine Liebe bekamen und sie zu viele eigene Probleme haben.

Oft helfen mit solchen Eltern keine offenen Aussprachen .
Deinem Vater dein Wissen zu sagen wäre vermutlich sinnlos und könnte noch mehr Probleme schaffen.
Vielleicht kannst du mit ihm mal später reden oder später mal den Eltern einen Brief schreiben..

Auf keinem Fall darf man dieser fehlenden Liebe hinter her rennen..damit schadest du dir selber.

Versuche dich emotional unabhängiger zu machen, führe dein eigenes selbständiges und von den Eltern unabhängiges Leben, erwarte von ihnen nix, unterbrich mal den Kontakt zu den Eltern und suche lieber mehr Liebe beim Partner.
 
Ehrlich gesagt verstehe ich unsere Eltern nicht. Wenn ich meine kind betrachte bin ich voller Lieb und würde alles dafür geben, dass sie glücklich ist, sich sicher und vor allem auch geliebt fühlt. Sorry, aber es ist einfach nur krank.

Ich finde es super von dir, dass du deinem Kind so viel Liebe schenkst! Jedes Kind hat erst mal die bedingungslose Liebe seiner Eltern verdient. Wenn es diese nicht bekommt, ist es nicht seine Schuld. Nur leider suchen Kinder die Schuld bei sich und denken, sie seien nicht liebenswert. Sie können noch nicht erkennen, dass das Verhalten der Eltern nichts mit ihnen zu tun hat.
Ich hatte jahrelang Minderwertigkeitskomplexe, die mein Sozialleben beeinträchtigten. Dabei war ich ein pflegeleichtes Kind, während mein Bruder ständig grosse Probleme machte und bis heute macht. Wieso also liebt meine Mutter ihn mehr als mich? Ich habe heute eine ziemlich genaue Vorstellung von den Hintergründen, wie es dazu kommen konnte. Diese haben mit der Geschichte meiner Mutter zu tun und ihrem Verhältnis zu unserem Vater. Und rein gar nichts mit mir oder meinem Bruder. Das zu erkennen, hat mir enorm geholfen. Ich verstehe auch, dass es meine Mutter schwer hatte. Aber das ist nicht meine Schuld, und sie hatte zu keiner Zeit das Recht, ihren Frust an mir abzureagieren.

Du hast es immer wieder mit Reden versucht. Das ist stark von dir. Uns wird oft eingetrichtert, mit Reden könne man alle Probleme lösen. Schön wäre es. Leider braucht es aber auch von beiden Seiten die Bereitschaft und die Fähigkeit, Fehler einzusehen und sie in Zukunft zu vermeiden. Es kann sein, dass deine Eltern nichts ändern wollen. Vielleicht sind sie aber auch nicht in der Lage dazu. Bei meinen Eltern ist es vermutlich Letzteres. Für mich macht das aber letztlich keinen grossen Unterschied, denn so oder so geht es mit ohne Kontakt besser.

Manchmal müssen wir einsehen, dass wir trotz grossem Einsatz nichts ändern können. Das löst ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit, aber oft auch Wut aus. Wieso können sich unsere Eltern nicht wie „normale“, liebende Eltern verhalten?! Wieso nicht?! Nun, die Fähigkeit Kinder zu zeugen bzw. auszutragen macht noch keinen guten Vater/ keine gute Mutter.
Die Einsicht, nichts ändern zu können, kann aber auch erlösen. Wir können die kräfteraubenden Versuche aufgeben, uns die nervenaufreibenden Diskussionen sparen.

Was wir daraus machen, ist uns überlassen. Wir können ein oberflächliches Verhältnis zu den Eltern aufrechterhalten und dabei konfliktträchtige Themen umgehen (sie zu diskutieren bringt eh nichts). Oder eben auf Kontakt verzichten. Für mich hat das erste nicht funktioniert, das zweite bis jetzt aber schon. Vielleicht funktioniert es irgendwann nicht mehr.

Ich will dir hier nicht einreden, du sollst den Kontakt zu deinen Eltern abbrechen. Was für mich richtig war, muss nicht für jeden richtig sein. Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Überlegungen Denkanstösse geben kann. Das Wichtigste ist, dass es DIR gut geht. Du musst für dein Wohl, für deine psychische Gesundheit einstehen, umso mehr, wenn deine Eltern dies nicht getan haben. Meine Eltern haben grosse Probleme. Die kann ich aber nicht für sie lösen, da sie konstruktive Vorschläge nicht annehmen. Also schaue ich halt für mich.

Zu meinem Bruder habe ich seit vielen Jahren keinen Kontakt. Er ist ein cholerischer Alkoholiker, der mit 35 immer noch auf Kosten unserer Eltern lebt. Und die füttern ihn und seine Kinder (ja, leider haben solche Menschen ja dann auch noch Kinder) bereitwillig durch. Übrigens nehme ich es ihm nicht übel, dass er Muttis Liebling ist, denn dafür kann er ja nichts.
 
Hallo Rosy80,

ich finde es so schön Deine Texte zu lesen, denn Du sprichst mir oft aus der Seele.
Ich würde so gerne einen Schalter betätigen und einfach abschließen. mir nicht mehr wehtun lassen, mein inneres Kind endlich erwachsen werden lassen. Es ist sooo schwer.
Ich fühle mich so einsam, alleine, ungeliebt. Ja, ich habe ein kleines Kind und einen tollen Partner, aber dieses Gefühl ist so dominant. eine bedingungslose Liebe habe ich niemals kennengelernt und auch heute würde meine Mutter eher den Kontakt zu mir verlieren, als endlich mal Tacheles zu reden.
Wenn ich deinen Text lese wirkst Du so stark und abgeklärt für mich. Ja, es war bestimmt auch für Dich ein langer und harter Weg, doch ich würde so gerne etwas mehr "von Deinem Denken" haben.
Darf ich fragen, wie Du den Kontaktabbruch durchgezogen hast? Gab es einen Brief, ein Gespräch, einen Streit?
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
F Narzisstischer Vater und Kontaktabbruch Familie 7
S Plötzliche Kontaktabbruch durch Erwachsenen Sohn. Familie 25
M Mutter Kontaktabbruch Familie 40

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben