Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Konflikte mit Tochter nach Diagnose

Marika46

Aktives Mitglied
Guten Abend, liebe Community,

ich muss mich noch mal bei euch ausheulen. Habe im Moment keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Dieses Mal geht es um meine 18-jährige Tochter.

Im vorletzten Jahr habe ich darüber geschrieben, dass sie schon immer ein Sorgenkind war, das Teilleistungsstörungen in den Bereichen Motorik und Mathematik hat und in allem sehr langsam ist. Ich hatte auch immer das Gefühl, das sie kindlicher war als Gleichaltrige und deswegen nicht akzeptiert wurde. Richtig ernst genommen wurde ich beim Arzt nie mit meinen Sorgen. Es hieß meistens lapidar, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln und es eben auch langsame Menschen geben muss.

In einigen Defiziten meiner Tochter erkenne ich meine Schwächen wieder, wenn auch nicht so extrem. Ich habe mich irgendwann damit abgefunden, dass es eben so ist, wie es ist.

Im letzten Sommer beendete meine Tochter die Schule mit der mittleren Reife. Da sie bis dahin nicht wusste, was sie beruflich machen soll, vermittelte ich ihr ein Soziales Jahr in der Verwaltung des Pflegeheims, in dem ich arbeite. Im August fing sie dort an. Schon bald beschwerte sie sich über die Mitarbeiterin dort, die sie für bestimmte Aufgaben einarbeitete. Sie sei oft schlecht gelaunt, habe keine Geduld und würde bei Fehlern hysterisch reagieren. Ich sagte meiner Tochter, dass das Berufsleben nie einfach sei und sie versuchen solle, sich ein dickeres Fell zuzulegen. Leicht gesagt, ich weiß, da ich selbst oft nicht das notwendige dicke Fell habe.

Jedenfalls wurde mir im November von der Einrichtungsleitung gesagt, dass meine Tochter für Büroarbeit ungeeignet sei. Sie mache oft den Eindruck, dass sie überhaupt nicht zuhöre, man müsse ihr alles dreimal erklären. Meine Tochter habe Konzentrationsstörungen und sei sehr vergesslich. Wenn man sie auf Fehler hinweise, reagiere sie oft patzig. Rückmeldungen, die ich auch bei den Elternsprechtagen zu hören bekam. Mir wurde nahegelegt, meine Tochter einem Psychiater oder Neurologen vorzustellen.

Meine Tochter war letztendlich damit einverstanden, dass wir einen Termin bei einem Neurologen machen. Zu einem Psychiater wollte sie auf keinen Fall. Sie brachte das mit "einen an der Waffel haben" in Verbindung und sträubte sich sehr dagegen.

Der Termin beim Neurologen war vor zwei Wochen. Es war ein netter Arzt, der sich die Probleme meiner Tochter in Ruhe anhörte. Ich hatte den Eindruck, dass er ihr unbedingt helfen wollte und nicht gleich alles auf die psychische Schiene schob. Es wurde bei dem Termin ein EEG gemacht, nach dessen Auswertung alles auf eine milde Form von Epilepsie (Absencen) hindeutete. Meine Tochter reagierte sofort rebellisch. Sie sagte, dass sie die Probleme aber doch nur bei niedrigem Blutdruck habe und es daher mit dem Kreislauf zusammenhängen müsse.

Der Arzt zeigte sich daraufhin schon etwas verärgert und wies darauf hin, dass meine Tochter wegen dieser Diagnose auch erst einmal keinen Führerschein machen dürfe. Sie wollte wissen, wann das denn möglich sei. Schließlich wollte sie das bald angehen. Der Arzt sagte, dass sie erst nach einem Jahr Anfallsfreiheit fahren dürfe. Er verschrieb ein Medikament und klärte noch über die möglichen Nebenwirkungen auf.

Als wir aus der Praxis raus waren, fing meine Tochter an zu toben. Sie lasse sich nicht ihr Leben kaputt machen wegen einer Erkrankung, die sie nicht habe. Ich versuchte sie zu beruhigen und sie davon zu überzeugen das Medikament zu nehmen. Sie sagte zu, das Rezept in der Apotheke einzulösen.

Vor einer Woche stellte sich nun heraus, dass sie das Rezept nicht eingelöst hat, weil sie das Medikament nicht nehmen will. Sie habe im Internet von "Horrornebenwirkungen" gelesen und dass die Tabletten auch unfruchtbar machen können. Sie weinte und schrie, dass sie das nicht mitmachen werde.

Ich ließ sie erst einmal in Ruhe und sprach meine Tochter vor ein paar Tagen noch mal darauf an. Ich habe sie gebeten, die Anweisungen des Arztes zu befolgen, da es nur zu ihrem Besten sei. Sie fing wieder an zu toben und warf mir vor, dass ich mich nie richtig um sie gekümmert habe. Die Lehrer haben sie nie richtig ernst genommen und runtergemacht und ich hätte nichts dagegen getan. Wenn sie tatsächlich epileptische Anfälle habe, hätte ich als Mutter das doch merken müssen. Warum ich nicht mehr Druck bei Ärzten gemacht habe?

Sie hat sich da richtig reingesteigert und mir Vorwürfe gemacht, ich hätte mich nach der Trennung von ihrem Vater nur auf unsinnige Männergeschichten konzentriert und ihre Schwester immer vorgezogen. Da bin ich leider unfair geworden und habe ihr gesagt, dass doch wohl nicht alles meine Schuld sein könne, da ihre Schwester ihren Weg geht.

Danach war eisiges Schweigen angesagt und als ich am Freitagabend vom Dienst kam, war meine Tochter nicht zuhause. Irgendwann bekam ich in WhatsApp eine Nachricht, dass sie bei einer Freundin sei. Dort war sie das ganze Wochenende und kam vor einer Stunde nach Hause. Sie verschwand sofort in ihrem Zimmer, zeigte keine Bereitschaft zu einem Gespräch. Gestern habe ich mit meiner älteren Tochter telefoniert. Sie meinte, dass ihre Schwester ganz bestimmt nicht bei einer Freundin sei, sondern seit kurzem einen Freund habe. Für mich auch noch ein Zeichen dafür, dass meine Tochter anscheinend kein Vertrauen zu mir hat.

Ich bin gerade sehr verzweifelt, mache mir auch Vorwürfe und versuche mir andererseits zu sagen, dass ich nicht allein Schuld bei an den Problemen und der Entwicklung meiner Tochter.

Könnt ihr mir einen Rat geben?
Wie kann ich meine Tochter davon zu überzeugen, dass es wichtig für ihre Zukunft ist, sich in Behandlung zu begeben?
Wie kann ich die Situation deeskalieren?

Es grüßt euch

Marika
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie kann ich meine Tochter davon zu überzeugen, dass es wichtig für ihre Zukunft ist, sich in Behandlung zu begeben?
Vielleicht hat sie recht, vielleicht gibt es etwas anderes, das besser ist, als solche Medikamente?

Büroarbeit ist nichts für sie, dann geht halt weiter suchen nach etwas, wo sie sich gut fühlt und am richtigen Platz. Vielleicht brauchts nur das, etwas zu tun, das für sie stimmig ist, so zu sein, wo sie sich okay fühlen kann- das findet sie eventuell leichter, wenn sie sich in aller Ruhe durchschnuppern darf.
 
Die Diagnose erscheint mir sehr schnell und ich würde dringend eine Zweitmeinung einholen

Ich hätte auch schwere Medikamente nehmen müssen nach einer Krise vor zig Jahren, wenn es nach den damaligen Ärzten gegangen wäre.
Das sind auch nur Menschen, die es gut meinen und manchmal haben sie recht, manchmal nicht.

Kennt ihr den Film :""Lorenzos Öl"? Da ging es um einen Jungen mit Krampfanfällen, zuletzt half ein natürliches Mittel, er litt unter einem Mangel.
 
Könnt ihr mir einen Rat geben?
Wie kann ich meine Tochter davon zu überzeugen, dass es wichtig für ihre Zukunft ist, sich in Behandlung zu begeben?
Wie kann ich die Situation deeskalieren?
Das ist ganz schwierig. Sie ist total auf Abwehr programmiert und wird alles abschmettern, was auch immer du sagst. Vielleicht lässt du sie ein paar Tage mit diesem Thema in Ruhe damit sie erstmal runter kommen und die Neuigkeiten verarbeiten kann.

Ich würde mich währenddessen bei einem psychiatrischen oder psychologischen Dienst erkundigen wie du am besten vorgehen könntest, damit sie überhaupt bereit ist zuzuhören.

Denk dich mal in sie hinein. Sie hat vermutlich eh schon Komplexe und jetzt auch noch die Aussicht auf einen Seelenklempner. Das ist wohl einfach zuviel für sie.
 
Immerhin ist deine Tochter volljährig. Und mir scheint, du solltest dich trotz deiner Sorgen ein ganzes Stück von ihr lösen und sie ihren Weg ganz alleine gehen lassen.

Seltsam finde ich, dass du ihr ein Soziales Jahr im Pflegeheim besorgt hast. 🤔
Lass sie selber schauen, was genau sie beruflich machen möchte!
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
N Unfähigkeit, Zeit mit der Familie zu verbringen Familie 21
L Plötzliche Scheidung mit Kind und Haus Familie 203
S Abstimmung mit dem Partner Familie 31

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben