Da möchte ich dir eine kurze Geschichte erzählen. Ein Freund von mir ist schwul und hat das bis zu seinem 19. Lebensjahr auch geheim gehalten. Eines Tages erzählte er es seinen Eltern, sein Vater akzeptierte es sofort, seine Mutter sträubte sich noch etwas dagegen. Es dauerte jedoch nicht lange bis er von seiner Familie komplett als das akzeptiert wurde, was er ist. Ich habe auch erlebt, wie seine Mutter zu ihm gesagt hatte dass sie ihn lieb hat, außerdem habe ich ab und zu mit ihm über die Situation in seiner Familie gesprochen. Alles hat sich normalisiert, tatsächlich aber sogar gebessert.
Ein paar Monate darauf erfuhr ich, als sein Kumpel es auch und auch viele andere Freunde von ihm erfuhren es relativ schnell. Für uns war es kein Grund die Freundschaft zu beenden, im Gegenteil sie Freundschaft wurde viel ehrlicher, dadurch dass er endlich nicht mehr seinem Schauspiel folgen musste konnte er auch mehr aus sich rausgehen. Man merkte es ihm regelrecht an, wie er frischer und glücklicher wurde mit sich selbst und der Welt. Die Gespräche unter uns wurden tatsächlich sogar lockerer und ja, ich mache noch immer Schwulenwitze und nehme keine Rücksicht auf ihn, warum auch? Er ist mein Kumpel und er lacht darüber, da gibt es eben ein paar lustige Späße, die man manchmal über dieses Thema machen kann, wenn sich eine witzige Situation ergibt. Früher hatte ihn das wohl eher getroffen, wurden solche Witze gemacht. Freunde nehmen sich eben mal gegenseitig auf die Schippe und lachen über den anderen, nicht ständig, das wäre gemein aber ab und zu macht das eben Spaß. So wie ich mit Hetero-Freunden rede, so rede ich auch mit ihm darüber wen er am Wochenende so abbekommen hat, ganz normal. Zwar muss ich ehrlich gestehen, dass ich einige Details etwas eklig finde, da ich mir nicht vorstellen könnte mit einem Mann sowas zu machen, jedoch rede ich mit ihm darüber weil es mich interessiert, was er so macht. Im Gegenzug erzähle ich ihm natürlich auch von meinen Erlebnissen.
Dadurch, dass er nun dazu steht wer er ist findet er schnell Freunde, er ist nun in einer Großstadt und kommt mit seiner ehrlichen, lockeren Art sehr gut bei den Menschen an. Dabei hat er natürlich mehr weibliche Freunde, das scheint eben irgendwie so zu sein, er kommt mit vielen Mädels besser aus als mit Kerlen, sie sind ihm wohl zu derb. Auf jeden Fall geht es ihm nun wirklich gut, teilt sich eine WG mit einigen Menschen und fühlt sich wohl in seiner Haut. Ich denke nicht dass er früher unglücklich war, jedoch merkt man den Unterschied nun mehr als deutlich, würde er nicht zu dem stehen was er eben ist, wäre er niemals zufrieden und ich verstehe auch warum. Ich stelle mir dabei einfach vor, wie es für mich wäre, müsste ich mich gezwungenermaßen komplett anders verhalten, als ich bin - das würde mich auch nicht gut tun, ich wäre auch unzufrieden.
Er studiert, bildet sich auch künstlerisch und spielt nun bald zwei Instrumente. Sportlich ist er auch, ein sehr begabter Kerl eigentlich, warum sollte sich ein solcher Mensch nun einschränken lassen, nur weil er dem weiblichen Geschlecht in sexueller Hinsicht nichts abgewinnen kann? Würde er mit einer Frau eine Beziehung eingehen, würde er sich selbst verleugnen. Es macht keinen Sinn mit einem Menschen sein Leben zu verbringen, den man nicht liebt, sexuell gar nicht attraktiv findet und dann nur als Kinderproduktionsmaschine missbraucht. Wenn du tatsächlich möchtest dass du mit einer Person ein Kind hast, mache das mit einem Menschen, den du wirklich liebst, in deinem Falle musst du eben ein Kind adoptieren oder das Kind von einer anderen Person austragen lassen, dadurch ist es dann tatsächlich dein eigen Fleisch und Blut.
Denk doch mal an das Kind. Es ist besser du ziehst ein Kind groß, zusammen mit einem Menschen den du liebst, als wenn du es mit einem Menschen großziehst den du gar nicht lieben kannst, weil du dich selbst komplett belügst, dich Gewissensbisse plagen und du dich selbst täglich verletzt mit diesen Gedanken. Wie fühlt sich das Kind?
Ist das Kind glücklicher bei zwei gleichgeschlechtlichen Eltern die sich ehrlich lieben und für das Kind sorgen weil sie beide das Beste für das Kind wollen, oder ist es besser das Kind wächst bei einer Familie auf die nur dem Zweck dient "normal" auszusehen?
Stell dir diese Frage. Ich überlasse es dir, sie zu beantworten.