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Könnt Ihr mir eine Tagesklinik empfehlen?

Kannja

Aktives Mitglied
Hallo!

Ich bin zur Zeit leider in einer so tiefen Lebenskrise, dass mich mein tägliches Leben nicht nur überfordert, sondern ich auch merke wie mir alles entgleitet... so tief bin ich trotz vieler, vieler Probleme und Schwierigkeiten die mein bisheriges leben mir von klein auf geliefert hat noch nie gestürzt. Ich bin eigentlich jemand der sich bisher durch viel Schlimmes dennoch immer wieder selbst an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen und dennoch positiv gedacht hat... Doch nun muss ich mir eingestehen, dass ich an diesem Punkt einfach dringend Hilfe brauche. Daher würde ich - wenn möglich - gern in eine Klinik gehen um das Geschehene aufzuarbeiten. Am liebsten wäre mir eine Tagesklinik, da ich viel Verantwortung tragen muss und mich nur sehr schwer aus meinem Alltags-Leben GANZ verabschieden könnte.

In einem anderen Post habe ich bereits geschrieben was die Ursachen meines "Zustandes" sind. Mein Vater, der für mich der wichtigste Mensch und einzige Halt in meinem Leben war, ist vor kurzem sehr plötzlich gestorben. Das war für mich die größte, schlimmste Katastrophe die ich mir je hätte vorstellen können... und zudem muss ich auch sagen, dass ich eben VORHER schon ein ganzes Leben voller Schmerzen mit mir herum geschleppt habe - es ging mir nie gut, aber ich konnte mir Schwäche einfach nie erlauben und habe trotz allem immer ohne Hilfe weiter funktioniert und nach außen wohl immer versucht die fröhlich lächelnde Maske zu tragen... Das war vielleicht wie ein Kartenhaus und nun durch den "Super-Gau", den Tod meines Vaters, ist eben alles wie durch einen Wind-Stoß zu einem riesen Haufen Scherben zusammengefallen. Ich bin komplett einsam mit allem und völlig verzweifelt. Mein Leben entgleitet mir völlig...

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit Tageskliniken und kann mir evtl. sagen (was und) ob das für mich geeignet sein könnte? Wie ist dort der Ablauf, worauf muss ich achten und wo kann ich vielleicht konkrete Bewertungen für Kliniken in meinem Umfeld finden?

Wäre Euch sehr, sehr dankbar für Eure Tipps & Hilfe!
 
Hallo Kannja,
vielleicht wäre es hilfreich, wenn du die
Stadt dazuschreibst, wo du eine Tages-
klink suchst?

Was meinst du genau mit "verarbeiten"?
Wenn du Abstand und Regeneration
brauchst, wäre vielleicht auch einfach
ein Urlaub in der Sonne nützlich - den
kannst du auch selbst buchen und bist
nicht auf die "Gnade" von Ärzten und
Kassen angewiesen.

Sehr viel Gutes höre ich nicht über die
Tageskliniken ... aber sicher gibt es da
Ausnahmen.

Gruß, Werner
 
Hallo Werner!

Vielen Dank für Deine Antwort! Ja, den Gedanken einfach wegzufliegen um Abstand zu bekommen habe ich ganz intensiv schon die Ganze Zeit... so ein wenig wie ein "Weglauf-Impuls". Im Moment täte mir das sicher gut... aber ich weiß leider auch, dass es damit nicht getan wäre. Ich hab eiggentlich mein Ganzes Leben versucht auf solch eine "normale" Art mit meinen Problemen fertig zu werden und eben einen normalen Alltag zu leben ohne mich fallenzulassen. Doch auf Dauer funktioniert das leider nicht... meine Probleme aus der Vergangenheit reisen ja so-zu-sagen immer weiter mit mir. Hätte ich die nicht, würde ich jetzt ja vielleicht auch etwas "besser" mit dem Tod meines Vaters fertig werden, bzw. ich wäre nicht so einsam und allein damit.

Ich weiß also, dass ich dringend endlich richtig an mir, der Trauer und meiner Vergangenheit arbeiten muss, bzw. dass ich vor allem Hilfe und Beistand dazu brauche. Ich ziehe mich in meiner Einsamkeit immer weiter selbst runter... Inzwischen hab ich mein Leben ehrlich gesagt kaum noch im Griff, keine Struktur mehr... meine Wohnung sieht übel aus und ich bin wie gefesselt, völlig lahmgelegt das zu bewältigen. Es ist ein bisschen so als wäre ich im Moment was die Aufgaben des täglichen lebens betrifft nicht mehr ganz zurechnungsfähig... Beispiele: Ich hatte jetzt wegen der Trauer ein Urlaubssemester mit Krankschreibung beantragt - durch eine von mir übersehene und nicht gezahlte Bearbeitungsgebühr hierzu an die Uni bin ich nun exmatrikuliertworden, d.h. Zukunft dahin, Studienkredit zur Rückzahlung fällig, etc... Und weil ich so verpeilt bin, habe ich mir sogar schon total unnötig Ärger mit Behörden etc. (Rechnungen, Mahnungen, Papierkram nicht auf die Reihe gekriegt...) eingehandelt was mich teuer zu stehen gekommen ist und echt in Schwierigkeiten bringt... Das alles ging mir früher nicht so, aber jetzt hab ich einfach das Gefühl komplett in den Abgrund zu rutschen. Selbst wenn ich diese jetzige Phase in der ich ehrlich gesagt nicht mehr weiß wozu ich noch leben soll/will, irgendwie überwinde - habe ich mir bis dahin vielleicht meine ganze Existenz und Zukunft versaut, wenn ich mir jetzt keine Hilfe suche um mich selbst wieder in "geregelte Bahnen" zu lenken.

Ich komme übrigens aus Hannover.
 
Guten Morgen, Kannja,

immerhin bist du ehrlich zu dir selbst und beschönigst
nichts. Meine Erfahrung ist, dass sich praktische Proble-
me nicht dadurch lösen, dass man in der Vergangenheit
nach Lösungen sucht sondern in der Gegenwart - und
damit eine neue Zukunft gestaltet.

Wenn du dich jetzt noch mehr mit dem Tod deines Vaters
etc. beschäftigst, könntest du diese Richtung noch weiter
verstärken ... deshalb würde ich dir raten, beides paral-
lel zu versuchen: also mit Unterstützung, z.B. einer
Freundin, deine praktischen Probleme Stück für Stück an-
zugehen (nicht alles auf einmal, sondern nach Dringlich-
keit) und dann zu schauen, ob du mit einem Psychologen
oder Seelsorger über deine Erlebnisse der letzten Jahre
reden kannst.

Manchmal reicht schon eine Mini-Aktion, um einen Teu-
felskreis zu durchbrechen bzw. zu drehen: Es gibt Ge-
schichten, dass jemand einen Quadratmeter seiner Woh-
nung aufräumt und daraus entwickelt sich eine Dynamik,
die letztlich das ganze Leben wieder in die Reihe bringt.

Wichtig ist, dass du selbst die Initiative und Aktivität
ergreifst und nun den zweiten Schritt machst, nachdem
du hier den ersten getan hast.

Viele Grüße,
Werner

P.S. Falls du dir einen Coach leisten kannst, könnte ich
dir eine Adresse aus Hannover nennen. Es ist eine Frau
mit guter Ausbildung, aber durchaus bezahlbar.
 
Wie kannst Du viel Verantwortung tragen, wenn Du nicht mal mehr in der Lage bist, die kleinsten Dinge des täglichen Lebens zu meistern?

Da wäre eine Krisenintervention in einer psychosomatischen Klinik erstmal vielleicht besser, damit Du erstmal etwas Kraft auftanken kannst für die Aufarbeitung (Aufarbeitung der Vergangenheit kostet auch sehr, sehr viel Kraft - denn man muss da durch den ganzen Schmerz durch, was man bisher überspielt hat). Dann kann man immer noch gucken, wie Du die Aufarbeitung machst (vollstationär, teilstationär, ambulant).

Bei den meisten Kliniken kannst Du auch bei vollstationärer Behandlung mal für paar Stunden nach Hause, später über Nacht oder übers Wochenende usw. Es ist bei seelischen Krankheiten also nicht so, dass Du die Klinik nicht verlassen darfst.
 
Ja, wie KANN ich da die Verantwortung tragen...? Ich MUSS. Das ist auch das Problem wenn ich mich jetzt eigentlich um mich selbst kümmern müsste. Das gehört jetzt eigentlich nicht hierher, sorry, aber nur mal kurz zur Erklärung: Das Problem ist, dass mein Bruder weit weg lebt und wir aber von meinem kürzlich verstorbenen Vater gemeinsam ein großes, altes Haus geerbt haben. Dieses liegt relativ abgelegen... man (also ich) muss sich also, bis es verkauft ist (der Verkauf selbst ist auch ein Akt) durchaus Sorgen machen, dass dort nicht eingebrochen wird (ich versuche mich deshalb so oft es geht dort aufzuhalten), dass alles rund um den Garten etc in Stand gehalten wird etc. Und natürlich gab es nach dem Tod meines Vaters auch erstmal wahnsinnig viel Bürokratie zu erledigen und wir haben jetzt noch einiges vor uns was das Entrümpeln und Ausräumen angeht... letzteres machen wir, wenn mein Bruder im März extra zu diesem Zweck hierher kommt. Für den Monat kann ich mir Therapiemäßig also leider auch nichts vollzeitmäßiges vornehmen. 2. Ich muss aus meiner eigenen Mietwohnung raus, da unglücklicherweise der Vermieter grade jetzt beschlossen hat eine Grundsanierung durchzuführen... normalerweise ist Wohnungssuche sicher etwas banales, für mich aber momentan, zu all dem anderen hinzu, leider nicht. Auch aus finanzieller Sicht, aber ehrlich gesagt überfordert es mich jetzt grade auch so komplett 3. Ich hab normalerweise größtenteils von einem Studienkredit gelebt - durch mein Urlaubssemester welches ich wg des Todes meines Vaters genommen hab, ist dessen Zahlung also ausgesetzt. Anspruch auf Harz IV habe ich aber wg des geerbten Hauses (welches sich ja aber nicht mal eben so von heut auf morgen verkaufen lässt...) nicht. Das heißt ich MUSS derzeit, trotz eigentlicher Krankschreibung, arbeiten um mich finanziell über Wasser zu halten.... Und ich hab eben niemanden der mir jetzt in irgendetwas davon beistehen oder helfen würde...

Deswegen würde sich für mich momentan also eigentlich nur eine ambulante Therapie, bzw. Tagesklinik empfeheln. Zumindest ab April. Wären all diese Umstände anders, würde ich mich sicher nicht gegen einen stationären Aufenthalt sträuben.
 
Wenn das jetzt im Vordergrund steht, dann würden eigentlich alle Therapeuten sagen, dass es bei Dir momentan um "Alltagsbegleitung", sprich Stabilisierung geht.

Die Aufarbeitung von der Vergangenheit muss dann warten, bis Du im Alltag mehr Ruhe hast.

Denn beides parallel geht nicht.

Versuch' doch mal einen ambulanten Therapieplatz zu bekommen. Notfalls bei einer offenen Sprechstunde bei einer Beratungsstelle, das geht ohne Anmeldung.

Tagesklinik nimmt einen nämlich auch fast den ganzen Tag in Anspruch (ich war noch nie selber in einer, aber ich weiß, dass die Tagesklinik hier von 8-16 Uhr 5 Tage die Woche geht).
 

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