Morgensternchen43
Neues Mitglied
Am Bärenfelsen im Zoologischen Garten Berlin
Dezember 2006, Kuschelweich eine Stupsnase und ganz schneeweiß, zog der Tierpfleger Thomas Dörflein ein 810 Gramm leichtes Eisbärenbaby aus dem Gehege raus, so nahm dein Leben seinen Lauf.
24 Stunden hat der Tag, 24 Stunden hat dein Ziehpapa über dich gewacht, das hatte dir Freude gemacht. Er fütterte dich pflegte dich und sorgte sich um dich. Er hatte sich bemüht dir das Leben zu erleichtern, deine Fans waren davon total begeistert. Seit März 2007 sahen alle voller Freude zu wie du größer wurdest, Knut.
Früh morgens schüchtern und tollpatschig tapptest du hinter deinen Ziehpapa her, wir alle wussten du gäbst ihn nie mehr her. Ihr hattet eure eigene Sprache und das wichtigste war für euch das Vertrauen. Na darauf ließ sich doch dein Leben gut aufbauen.
Dein Ziehpapa hatte dir viel beigebracht, Schwimmen, Anschleichen, Beißen, Kämpfen und das Ausruhen danach. Welch eine Freude hatten die Fans als ihr zwei spieltet im Außengehege. Da ging es manchmal drunter und drüber so ausgelassen war dein Temperament. In Scharen kamen die Fans gelaufen rannten andere fast über den Haufen. Jeder wollte der erste sein, der deinen Anblick erhaschte. Auch Journalisten aus allen Kontinenten haben ganz viel von euch beide berichtet. Millionen Menschen haben dich abgelichtet. Mitte 2007 war damit Schluss, von da an warst du alleine auf der Außenanlage.
Am Abend wenn alle Besucher zu Hause waren, begann dein Ziehpapa dir Lieder vorzusingen. So macht man das mit kleinen Kindern, das soll Kummer verhindern.
Als die Menschen Weihnachten und Silvester feierten warst du nicht allein, dein Ziehpapa wollte bei dir sein.
Ein neugieriger Einsbär warst du allemal, mutig, tapfer und oft brav, kein Wunder weil dein Ziehvater ja immer bei dir war. Wo er war wolltest du auch sein, du klebtest förmlich an seinem Bein. Genuckelt hast du an seiner Hand, ich glaube das war euer unsichtbares Band. Auch die Besucher haben ein unsichtbares Band zu euch zwei geknüpft, sie brachten euch oft Briefe und kleine Geschenke. Zu jedem deiner Geburtstage sind tausende von Besuchern gekommen und haben dir alles Gute gewünscht.
Im April 2007, Dein Ziehpapa hat Urlaub. Das war ein schlimmer Tag in deinem Leben. Du weintest, brülltest und suchtest ihn. Nichts konnte dich ablenken, nichts wollte dir schmecken, du wolltest auch nicht mal deine grüne Schmusedecke du wurdest fast verrückt. Er hörte dein Klagen und kam ganz schnell zurück.
An das allein sein solltest du dich gewönnen, nur ab und zu durftest du noch an seiner Hand nuckeln, aber rein zu dir durfte er nicht, du hattest schon zuviel Gewicht auf dem Buckel. Diese Vorsichtsmaßnahme sollte ein Schutz für euch sein. Blaue Flecken hatte er schon genug von dir, doch jeder von dehnen war nie böse gemeint, das wusste dein Ziehpapa, er vertraute dir. Täglich kam er um dich zu versorgen und du freutest dich dann schon auf den nächsten Morgen. Du konntest ihn schon vom weiten riechen, auch hören aber Dein Ziehpapa ließ sich nicht stören. Er versorgte auch all seine anderen Tiere mit viel Liebe.
Mit der Zeit entwickeltest du dich wie deine Artgenossen, doch der Weg zu ihren Herzen der blieb dir steht’s verschlossen. Du wärst gerne mal bei ihnen geblieben aber du warst keiner von ihnen. Sie waren ganz anders nicht schmusend wie du.
Ganz plötzlich im September 2008 ist dein Ziehpapa gestorben. Er war ein verantwortungsvoller, sanfter und bescheidener Tierpfleger. Er mochte all seine Tiere die er pflegte. Beschwert hat er sich nie, auch wenn seine Freizeit immer weniger wurde. Ihm war es wichtig dich zu beschützen und zu pflegen aber auch dich zu begleiten auf deinen Wegen. Du solltest lernen ein Eisbär zu sein mit Beißen, Kämpfen, Anschleichen und Schreien. Vorbei waren die heimlichen Treffen mit ihm, nur die Erinnerungen sind dir geblieben. Ein Berliner Steinmetz spendierte den Stein für das Grab deines Ziehpapas, ganz aus Marmor mit einer Statue von euch zwei, da war uneigennutz dabei.
Im September 2009 dann, du wiegst schon 250 Kilo, kam die Eisbärendame Gianna für fasst 1 Jahr bei dir ins Gehege rein. Sie war temperamentvoll und selbstbewusst und zeigte dir wer hier was zu sagen hatte. Schüchtern und auch ängstlich bist du ihr ausgewichen, hast dich aber nicht lange Zeit davon geschlichen. Nach einigen Tagen hattest du den Mut, führtest Scheinangriffe gegen sie aus. Das Eis war gebrochen und ihr habt euch berochen. Immer besser habt ihr euch verstanden und dann hatte eine kleine Eisbärenfreundschaft angefangen. Nach ungefähr einem Jahr, musste Gianna wieder zurück das war ja klar.
Nun warst du wieder alleine. Im Herbst 2010 bist du in ein größeres Gehege gezogen. Drei Eisbären Weibchen von über 20 Jahren lebten auch in deinem Gehege. Sie mobbten dich, isolierten dich und unterdrückten dich. Der kleine Felsvorsprung war von nun an dein Zuhause, du hast nicht verstanden warum sie dich hassten. Du warst ganz anders als sie, schüchtern, traurig und auch lieb. Du hast nicht zu ihnen gepasst, was haben die Verantwortlichen da nur gemacht?
Am 19. März 2011 bist du gestorben, warst alleine auf deiner Anlage. Mehrere Hundert Menschen haben es gesehen, was war nur mit dir geschehen?
Die Nachricht von deiner Geburt ging um die ganze Welt, auch die Nachricht von deinem Tode machte diese Runde. Mit Blumen, Plüschtieren und Gedichten in der Hand sind deine Fans in den Zoo gekommen, schockiert, traurig und fragend, einige auch benommen. Deine Fans es sind Millionen Menschen werden immer an dich und deinem Ziehvater denken. Nie werden sie vergessen welch eine Freude ihr zwei ihnen gebracht habt.
Nun habt ihr zwei euch sicher wieder, trennen werdet ihr euch nie wieder.
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