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Kennt jemand dieses Problem - Veränderungsangst vor allem bei Ortswechsel

  • Starter*in Starter*in Alena
  • Datum Start Datum Start
A

Alena

Gast
Hallo,

ich habe zwar wenig Hoffnung, aber vielleicht teilt jemand mein Problem.
Ich würde gern wissen, was die Ursache sein könnte, weil ich teilweise schwer damit zurechtkomme.

Es geht darum, dass ich seit meiner Kindheit unter einer Veränderungsangst leide. Sie betrifft überwiegend Ortswechsel.
In der Schule musste ich mich zuerst in jedem neuen Schuljahr an den neuen Klassenraum gewöhnen. Manchmal war schon der andere Ausblick für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Doch irgendwann gab mir der Raum ein Gefühl der Sicherheit. Dieses löste sich in nichts auf, wenn wir für gewisse Fächer wie Musik oder Kunst in einen anderen Raum wechselten. Es war ein beklemmendes Gefühl, und ich fühlte mich dort nicht wohl und konnte mich nicht gut konzentrieren. Schlimmer war es noch, wenn wir in die Sporthalle gingen. Das riesige Spielfeld, der eklige Geruch nach den Bällen und der Lärm. Dann war ich so richtig unglücklich!
Dieses fiese Gefühl überfiel mich übrigens auch bei der Ausgabe der neuen Bücher zu Schuljahresbeginn.
Während andere schon neugierig in den Büchern herumblätterten, musste ich mich erst mal daran gewöhnen.

Ich war in meiner Kindheit sehr gern bei meinen Großeltern. Ich liebte ihre Wohnung.
Als sie umzogen, war das schrecklich für mich. Die Wohnung war nicht so schön und das Gefühl der Geborgenheit kam danach nie wieder so bei mir auf wie vorher.

In der Ausbildung saß ich während der ersten paar Monate in einem gemütlichen separaten Büro mit wenigen Kollegen. Es gefiel mir dort sehr.
Für die anderen Abteilungen musste ich dann aber die restliche Zeit in einem Großraumbüro sitzen.
Es war der Horror für mich - das Stimmengewirr, das permanente Telefonklingeln, die vielen Leute...
Ich hatte große Mühe mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und hätte die Ausbildung am liebsten hingeschmissen.

Auch später im Berufsleben habe ich das schon erlebt.
Ich hatte mal einen Job, in dem ich total überfordert war. Da ich aber generell Angst vor Veränderungen habe, bewarb ich mich nicht anderweitg. Ich fühle mich dort nämlich wohl, weil mein Arbeitsbereich mir ein gutes Gefühl gab. Er war total gemütlich mit einem Ausblick auf Felder. Nachdem mir gekündigt worden war und ich einen neuen Arbeitsplatz hatte, trauerte ich dem alten noch lange hinterher.

Wie gesagt habe ich generell eine Angst vor Veränderungen.
Nach der mittleren Reife wollte ich zuerst von der Schule abgehen. Entschied mich dann aber dafür Abitur zu machen, nur um erst mal den gleichen Alltag beibehalten zu können. Denn dass ich nicht studieren würde, wusste ich damals schon.

Kennt das hier jemand?
Woher kommen diese beklemmenden Ängste bei Veränderungen im Alltag?

Liebe Grüße,
Alena
 
Hallo Alena,

ich kenne diese Ängst so oder so ähnlich. Bei mir war der Auslöser (denke ich), dass mir meine Eltern sehr viel Angst gemacht haben. Manchmal z.B. in dem sie mich bei eigentlich ganz normalen Dingen mit großen Augen angeguckt haben und meinten: "Was!!???!!! hast du gemacht?"

Eben meistens dann bei Dingen, die eigentlich ganz normal sind. Immer, wenn ich mich sozusagen 'bewegt' habe. Angenommen, ich hätte eine Freundin kennengelernt und mich mit ihr am nächsten Tag auf dem Spielplatz verabredet. Dann hätte ich so etwas gehört. Das ist jetzt nur ein Beispiel dafür, wie meine Eltern mir Angst gemacht haben. Sie haben das dann in einem Ton gefragt, als hätte ich erzählt, dass ich gerade eine Bank ausgeraubt habe. Oder auch, wenn ich krank wurde. Da gab es auch diese Reaktionen.

Dann gab es noch diese Sätze "Bitte, du wolltest es doch so". So, als gehst du in eine Bäckerei und verlangst ein Brötchen. Dann leert die Verkäuferin einen Korb voller Brötchen über dich aus und sagt "Bitte schön, ich hoffe, das sind ausreichend viele".

Ruhe (keine Angst) hatte ich demnach nur, wenn alles so war 'wie immer'. Nicht krank, nicht müde, nicht lustig, nicht traurig...

Das hat bei mir zu diesen Ängsten geführt. Das mit dem Klassenzimmer kenne ich genau so. Mit der Zeit wusste ich eben, dass mir in diesem Raum, wenn ich an diesem Ort sitze nichts Schlimmes passiert (= nichts falsch gemacht habe). Das habe ich dann mit dem Raum und der Sicht auf den Raum verbunden.

Wenn etwas 'wie immer' war, war es in Ordnung. Dann musste ich keinen Druck befürchten. Ach ja, ich kann auch dein Beispiel nehmen mit dem Klassenzimmer. Also, wenn ich in der Schule beschlossen hätte, ich setze mich um und tausche mit xyz meinen Platz, dann hätte meine Mutter diese "Was!!!?!!! hast du gemacht?" - Frage gestellt. Damals dachte ich eben, es war falsch mich umzusetzen und ziemlich schlimm.

So habe ich mit der Zeit gelernt, mich möglichst nicht zu bewegen, nichts zu machen, nichts zu wollen. Damit ich nicht dieses schlechte Gewissen hatte. Oder auch nicht dieses Gefühl, dass ich nach Hause komme und meine Mutter fällt ob meiner "schlimmen Taten" um.

Vielleicht kannst du damit etwas anfangen 🙂

Lieben Gruß
Fragende
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

ich habe zwar wenig Hoffnung, aber vielleicht teilt jemand mein Problem.
Ich würde gern wissen, was die Ursache sein könnte, weil ich teilweise schwer damit zurechtkomme.

Es geht darum, dass ich seit meiner Kindheit unter einer Veränderungsangst leide. Sie betrifft überwiegend Ortswechsel.

Hallo Alena,

ja kommt mir bekannt vor, was Du schreibst.


In der Schule musste ich mich zuerst in jedem neuen Schuljahr an den neuen Klassenraum gewöhnen. Manchmal war schon der andere Ausblick für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Doch irgendwann gab mir der Raum ein Gefühl der Sicherheit. Dieses löste sich in nichts auf, wenn wir für gewisse Fächer wie Musik oder Kunst in einen anderen Raum wechselten.

Du scheinst mit diesen Räumen gewisse Gewohnheiten und Rituale zu verbinden. Ein gewohnter und bekannter Alltag gibt Dir Sicherheit. Im kleineren Rahmen betrachtet, spiegelt sich das in dem Wunsch wieder, dass es nur einen Raum geben sollte für Dich. Damit Du etwas hast, was sich für Dich sicher anfühlt.


Es war ein beklemmendes Gefühl, und ich fühlte mich dort nicht wohl und konnte mich nicht gut konzentrieren. Schlimmer war es noch, wenn wir in die Sporthalle gingen. Das riesige Spielfeld, der eklige Geruch nach den Bällen und der Lärm. Dann war ich so richtig unglücklich!
Dieses fiese Gefühl überfiel mich übrigens auch bei der Ausgabe der neuen Bücher zu Schuljahresbeginn.
Während andere schon neugierig in den Büchern herumblätterten, musste ich mich erst mal daran gewöhnen.

Du scheinst zu bestimmten Dingen wie Räumen und Büchern eine sehr bodenständige Bindung aufzubauen, welche Du ungern verlassen möchtest.



Ich war in meiner Kindheit sehr gern bei meinen Großeltern. Ich liebte ihre Wohnung.
Als sie umzogen, war das schrecklich für mich. Die Wohnung war nicht so schön und das Gefühl der Geborgenheit kam danach nie wieder so bei mir auf wie vorher.

Da gibt es jetzt wohl die erste Erklärung von Dir für diese Vertrautheit. Die Großeltern sind Deinen Eltern um die Erfahrung der eigenen Kinder voraus. Sie können Dich als Enkelkind viel gelassener sehen; Dir viel mehr Ruhe, Geborgenheit geben, weil sie ( wenn sie schon etwas älter sind) die meisten Klippen des Lebens schon umsegelt haben.

Wenn Du zu Ihnen eine spezielle Verbindung aufgebaut hast, erklärt das gut, dass alles andere aus diesem Gefühl von Dir gesehen wird. Die Wohnung Deiner Großeltern; auch dort verändert sich meistens nur selten etwas. Bei jüngeren Menschen; Deinen Eltern zum Beispiel, kann häufiger ein Umzug, oder eine Veränderung der Möbel stattfinden. Ältere Menschen legen oft weniger Wert um räumliche Veränderungen, oder Veränderungen von Möbeln.

Sie behalten gerne das, was sie kennen. Sie behalten auch gerne den Alltag bei. Können in vielen Fällen auch auswendig sagen, wann sie etwas essen oder trinken; und was sie genau essen oder trinken - der Alltag bleibt überschaubar, kontrolliert- und es gibt selten Überraschungen.


Wenn Deine Großeltern sehr prägend für Deine Erziehung gewesen sind, wundert es kaum, dass Du selber in Deinem Alltag ( als weitaus jüngerer Mensch) auch in vielen kleinen Details etwas bleibendes, und fest stehendes suchst.

Dann ist es logisch, dass Du aktuell in Deinem Alltag häufiger gestresst reagierst, weil Du es in dieser tiefen Ruhe und Beständigkeit von Deinen Großeltern anders kennengelernt hattest.

In der Ausbildung saß ich während der ersten paar Monate in einem gemütlichen separaten Büro mit wenigen Kollegen. Es gefiel mir dort sehr.
Für die anderen Abteilungen musste ich dann aber die restliche Zeit in einem Großraumbüro sitzen.
Es war der Horror für mich - das Stimmengewirr, das permanente Telefonklingeln, die vielen Leute...
Ich hatte große Mühe mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und hätte die Ausbildung am liebsten hingeschmissen.

Ja. Diese persönliche Geschichte der Abgeschiedenheit, Ruhe, und dem bestimmten, überschaubaren Ablauf des Alltags...dieses Muster wiederholt sich nun immer wieder in sämtlichen Bereichen Deines Alltagslebens.

Auch später im Berufsleben habe ich das schon erlebt.
Ich hatte mal einen Job, in dem ich total überfordert war. Da ich aber generell Angst vor Veränderungen habe, bewarb ich mich nicht anderweitg. Ich fühle mich dort nämlich wohl, weil mein Arbeitsbereich mir ein gutes Gefühl gab. Er war total gemütlich mit einem Ausblick auf Felder. Nachdem mir gekündigt worden war und ich einen neuen Arbeitsplatz hatte, trauerte ich dem alten noch lange hinterher.

Ja. Das Muster des Beständigen, der Wunsch an einer Sache festhalten zu wollen. Der Sitz tief in Dir - ich möchte wetten, wenn Du in einer Beziehung wärst, oder jemanden verloren hattest; Dich trennen müsstest - es wäre genauso wie bei der Arbeit oder den Büchern und Räumen - Du hättest Dich an etwas sehr stark gewöhnt ( an einen Menschen/ eine Beziehung/ einen Alltag), von dem Du nur sehr schlecht loslassen könntest.
Wie gesagt habe ich generell eine Angst vor Veränderungen.
Nach der mittleren Reife wollte ich zuerst von der Schule abgehen. Entschied mich dann aber dafür Abitur zu machen, nur um erst mal den gleichen Alltag beibehalten zu können. Denn dass ich nicht studieren würde, wusste ich damals schon.

Kennt das hier jemand?
Woher kommen diese beklemmenden Ängste bei Veränderungen im Alltag?

Liebe Grüße,
Alena

Nun. Die Ängste kommen daher, wie ich schon beschrieben habe ( in Teilen), dass Du in Deiner Kindheit offensichtlich gut behütet aufgewachsen bist. Ein sehr positives Gefühl aus diesem geregelten Alltag mitgenommen hast, so dass Du nun in Deinem Leben nach der Kindheit überall darauf achtest, dass alles sehr genau abläuft; und nach Möglichkeit keine Veränderung auftaucht.

Es ist ein Sicherheitsbewusstsein, dass Dir in vieler, persönlicher Hinsicht ( = der inneren Ordnung, einer bestimmten Sichtweise) sicherlich häufig zugute kommen wird.

Im Umgang des Alltags, und dem Kontakt zu vielen Menschen, und vielen Terminen und wechselnden Räumen kann das Dich ziemlich stressen und verunsichern.

Weil Dein inneres Gefühl sehr stark sich an das gewöhnt hat, was in der Kindheit vorgelebt worden ist.

Von Deinen Eltern sprichst Du jetzt weniger - sie scheinen weniger Einfluss gehabt zu haben.

Entscheidend kann Meditation sein, oder einfach das sich-bewusst-werden, dass alles im Fluss ist.

Ein Tischler fragte mich mal, ob ich einen Witz über Tischler kennen würde.

Nachdem ich verneinte, fragte er mich: "Was ist der Unterschied zwischen dem Holz und einem Tischler?"

Ich wusste es nicht.

"Holz arbeitet immer" - das stimmt. Wenn Du dir einen Stuhl oder Schrank aus Holz in 10 oder 20 Jahren anschaust, oder dann, wenn der Regen wochenlang dürres Holz bearbeitet hatte... - Holz verändert die Form und die Härte und Stabilität.

Aber auch die Jahreszeiten - der Wechsel der Uhrzeiten - der Wechsel von Tag zu Nacht ; Sonnenaufgang - > Sonnenuntergang.

Und die Menschen selber ebenfalls. Die sind in vielen Fällen aktiver bei Sonnenenergie ( wenn es nicht gerade um die Wüsten geht, wo extrem hohe Temperaturen sind), als im Winter.

Allerdings gibt es auch dort Unterschiede. Menschen, die in kalter Umgebung aufwachsen, kennen nur kalte Umgebung..und werden sich auch entsprechend verhalten.

So ist alles den Umständen der Umgebung angepasst. Menschen lernen voneinander.

Und die Bewusstwerdung über die ständige Veränderung in der Welt kann für Dich ein Schlüssel zu mehr Gelassenheit im Alltag werden.

Liebe Grüße

David 🙂
 
Dankeschön für Eure Antworten.

@ Fragende:

Du scheinst es vollkommen richtig erkannt zu haben!
Ich glaube auch, dass es daran liegen könnte, dass ich im Elternhaus viele Ängste entwickelt habe.
Meine Eltern waren sehr streng und ich wurde auch oft so entsetzt gefragt:"WAS hast Du gemacht?" oder "WAS hast Du gesagt?"
Es wurde gleich immer alles so dramatisiert. Auch wenn ich mal irgendwo versehentlich was kaputt gemacht habe oder z.B. ein Handtuch nach dem Schwimmen hatte liegen lassen. ALLES wurde immer extrem aufgebauscht.
Daher habe ich wohl dieses Bedürfnis entwickelt, dass alles gleich bleibt, da nur dann alles sich für mich richtig anfühlte.
Meine Eltern gaben mir keine Sicherheit, und darum baute ich wohl eine enge Bindung zu Büchern und Räumen auf.
Es gab auch einen Teddy, der bis zu meinem 12. Lebensjahr immer an meiner Seite sein musste. Egal, ob nachts zu Hause, wenn ich mal woanders übernachten musste oder im Urlaub. Wenn er nicht dabei war, fühlte es sich für mich an als hätte ich einen Halt verloren.

@ David Banner

Du hast recht. Ich habe nicht nur zu Büchern und Räumen eine Bindung aufgebaut, so dass die Gewohnheit extrem wichtig für mich war.
In Beziehungen und Freundschaften ging es mir genauso. Auch wenn ich nicht glücklich war, hielt ich trotzdem daran fest. Ich würde nicht sagen, dass ich klammerte, aber ich wollte die liebgewonnene Gewohnheit nicht aufgeben.
Ich nenne mal ein Beispiel, weil es mich gestern abend noch beschäftigt hat.
Ich hatte mal ein paar Jahre eine gute Bekannte, mit der ich mich häufig am Samstagabend getroffen habe.
Wir haben dann in ihrer Wohnung gesessen, Pizza bestellt und dann noch stundenlang gequatscht oder uns einen Film angesehen. Ich fand das immer total gemütlich.
Leider ist der Kontakt vor zwei Jahren abgebrochen, weil sie da ihren Freund kennengelernt hat.
Doch ich denke ganz oft an diese Samstagabende, die ich aber weniger mit ihrer Person in Verbindung bringe, sondern mit dem Ablauf, diesem Ritual.

Meine Großeltern haben mich schon teilweise mitgeprägt, weil ich ein herzliches Verhältnis zu ihnen hatte.
Sie gaben mir den Halt und die Geborgenheit, die mir meine Eltern nicht geben konnten.

Liebe Grüße,
Alena
 
Dankeschön für Eure Antworten.

@ Fragende:

Du scheinst es vollkommen richtig erkannt zu haben!
Ich glaube auch, dass es daran liegen könnte, dass ich im Elternhaus viele Ängste entwickelt habe.
Meine Eltern waren sehr streng und ich wurde auch oft so entsetzt gefragt:"WAS hast Du gemacht?" oder "WAS hast Du gesagt?"
Es wurde gleich immer alles so dramatisiert. Auch wenn ich mal irgendwo versehentlich was kaputt gemacht habe oder z.B. ein Handtuch nach dem Schwimmen hatte liegen lassen. ALLES wurde immer extrem aufgebauscht.
Daher habe ich wohl dieses Bedürfnis entwickelt, dass alles gleich bleibt, da nur dann alles sich für mich richtig anfühlte.
Meine Eltern gaben mir keine Sicherheit, und darum baute ich wohl eine enge Bindung zu Büchern und Räumen auf.
Es gab auch einen Teddy, der bis zu meinem 12. Lebensjahr immer an meiner Seite sein musste. Egal, ob nachts zu Hause, wenn ich mal woanders übernachten musste oder im Urlaub. Wenn er nicht dabei war, fühlte es sich für mich an als hätte ich einen Halt verloren.

Ja. Und dadurch, dass Du über die Eltern als Gegenpol zu den Großeltern völlig das Gegenteil von Gewohnheit kennengelernt hattest, also eher negatives gehört hast, kann es gut möglich sein, dass Dein Gefühl für Veränderung Dich immer wieder an die gelernten Veränderungen bei Deinen Eltern erinnert.

Also vereinfacht gesagt: Das Veränderungen = Stress mit den Eltern, wenn etwas kaputt ging etc.. entsprechen.

Und somit Dein Unterbewusstsein zusätzlich sagt, zu der Bestätigung wie wichtig Gewohnheiten sind, dass die Veränderung gefährlich ist, wie Deine Eltern Dir gegenüber ja schon gezeigt haben; Beispiel
:

"Auch wenn ich mal irgendwo versehentlich was kaputt gemacht habe oder z.B. ein Handtuch nach dem Schwimmen hatte liegen lassen.ALLES wurde immer extrem aufgebauscht. "

Dadurch hat sich für Dich noch zusätzlich verstärkt, bloß eine Ordnung beizubehalten. Bei den Großeltern schien alles solide und stabil im Ablauf zu sein; und wenn Du mal bei Deinen Eltern etwas versehentlich vergessen hattest ( also etwas verändert hattest), konntest Du dir danach was anhören. Schon klar, dass es bei Dir nur dazu führen konnte, dass Du extrem ordnungsliebend und ritualliebend wurdest.

@ David Banner

Du hast recht. Ich habe nicht nur zu Büchern und Räumen eine Bindung aufgebaut, so dass die Gewohnheit extrem wichtig für mich war.
In Beziehungen und Freundschaften ging es mir genauso. Auch wenn ich nicht glücklich war, hielt ich trotzdem daran fest. Ich würde nicht sagen, dass ich klammerte, aber ich wollte die liebgewonnene Gewohnheit nicht aufgeben.
Ich nenne mal ein Beispiel, weil es mich gestern abend noch beschäftigt hat.
Ich hatte mal ein paar Jahre eine gute Bekannte, mit der ich mich häufig am Samstagabend getroffen habe.
Wir haben dann in ihrer Wohnung gesessen, Pizza bestellt und dann noch stundenlang gequatscht oder uns einen Film angesehen. Ich fand das immer total gemütlich.

kann ich mir gut vorstellen - klingt total süss 🙂

Leider ist der Kontakt vor zwei Jahren abgebrochen, weil sie da ihren Freund kennengelernt hat.
Doch ich denke ganz oft an diese Samstagabende, die ich aber weniger mit ihrer Person in Verbindung bringe, sondern mit dem Ablauf, diesem Ritual.

Meine Großeltern haben mich schon teilweise mitgeprägt, weil ich ein herzliches Verhältnis zu ihnen hatte.
Sie gaben mir den Halt und die Geborgenheit, die mir meine Eltern nicht geben konnten.

Liebe Grüße,
Alena

Ja. So wie Du das schreibst, so habe ich den Eindruck davon auch - schön, wenn Deine Aussage meinem Eindruck gleicht.

Lieben Gruß,

David
 
Hallo Alena,

Meine Eltern gaben mir keine Sicherheit, und darum baute ich wohl eine enge Bindung zu Büchern und Räumen auf.
Es gab auch einen Teddy, der bis zu meinem 12. Lebensjahr immer an meiner Seite sein musste. Egal, ob nachts zu Hause, wenn ich mal woanders übernachten musste oder im Urlaub. Wenn er nicht dabei war, fühlte es sich für mich an als hätte ich einen Halt verloren.

Es ist gut, dass du dich an deinen Teddy, deine Bücher und Räume gehalten hast. Das gab dir Sicherheit.

Aber weißt, eigentlich hast du für diese Sicherheit, das Durchhalten, das Durchstehen selbst gesorgt 🙂

Das ist ein gutes Kapital. Das heißt, genaugenommen reicht es, wenn du dich selbst bei Veränderungen mitnimmst.

Vielleicht den Teddy, die Bücher oder einen Raum, wenn die Angst vor Veränderung zu groß ist, damit du das Gefühl hast, was Sicheres zu haben.

Es gibt auch diese Schmeichelsteine für die Hosentasche. Vielleicht könntest du so einen Stein immer mitnehmen, um dich (vor allen bei Veränderungen) daran zu erinnern, was du alles schon geschafft hast, wo dein Teddy ist und dass du ihn bald wieder siehst 🙂 (Es wäre vielleicht am Besten, du kaufst deinem Teddy denselben Stein, dann seid ihr über diese Steine immer verbunden 🙂 )

Wichtig finde ich es schon (das muss ich auch immer wieder), dass du dir klar machst, du hast damals nichts wirklich Schlimmes gemacht hast. Nur was ganz Normales.

Für mich war das eigentlich noch das Allerschlimmste. Meine Eltern haben so entsetzt reagiert, wenn ich eben dachte, das wäre okay, nicht schlimm, meine Sache.

Hätte ich eine Bank ausgeraubt, hätte ich deren Reaktion verstanden. So konnte ich das gar nicht verstehen. Das war für mich das Erschreckende. Weil ich es so auch nicht einordnen konnte. Ein anderes Mal konnte es passieren, dass ich heimkam, erzählt habe, was passiert war, dass ich aber nicht mitgemacht habe und meine Eltern haben mir wieder diese entsetzte Frage "Was!!?!! warum hast du denn nicht mitgemacht?" gestellt.

So konnte ich irgendwann nicht mehr wirklich zwischen 'schlimm' 'ganz schlimm' und 'normal' oder 'gut' unterscheiden.

Lieben Gruß
Fragende
 

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