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Im (Bank-) Job gefangen und ausgebrannt

  • Starter*in Starter*in Ausgebrannt2014
  • Datum Start Datum Start
A

Ausgebrannt2014

Gast
Hallo,

seit gestern bin ich krank geschieben, weil ich einfach nicht mehr kann, ich bin vollkommen erschöpft und fühle mich hoffnungslos in meiner beruflichen Situation gefangen.
Ich merke, dass ich in meinen derzeitigen Job die nächsten 10 Jahre nicht durchhalten werde, geschweige denn bis zum Rentenalter.


Ich arbeite in einer Bank in der Privatkundenberatung.

Ich habe das Bankgeschäft grundsolide erlernt: Ausbildung zum Bankkaufmann, nebenberufliches Studium, zahlreiche Weiterbildungen, immer mit hervorragenden Ergebnissen. Ich darf mich in meiner Bank, einer Sparkasse, zu den "Leistungsträgern" zählen und führe ein kleines Team.

Leider herrscht in meiner Bank seit einem Führungswechsel ein extrem frostiges Klima:
Hoher Vertriebsdruck, schikanöse “Qualitäts”vorgaben (auch bedingt durch die (z.T. nutzlosen und extrem bürokratischen) gesetzlichen Vorgaben), keine Wertschätzung, Misstrauen….. unzufriedene Mitarbeiter und mittlerweile hohe Fluktuation.

Mein Gehalt ist im Verhältnis zu meinen Leisungen, meiner Arbeitsbelastung und dem Gehalt mancher Kollegen ausserdem ein Schlag ins Gesicht. Ich fühle mich ausgenutzt.

Ich bin eigentlich ein Arbeitstier, aber mein Job fällt mir immer schwerer, denn alles sträubt sich in mir. Lediglich die guten Beziehungen zu meinen Kunden halten mich noch über Wasser und schenken mir Freude.
Aber ich werde zwischen den Interessen meines Arbeitgebers (Provisionen erwirtschaften) und den Interessen meiner Kunden zerrieben. Ich bin ein redlicher Typ und fühle mich meinen Kunden gegenüber verpflichtet. Produkte, die nicht transparent, überteuert und von minderer Qualität sind, lehne ich trotz Vertriebsdruck durch meinen Arbeitgeber ab und weiche auf vorteilhaftere Lösungen aus, die der Bank aber z.T. etwas weniger Ertrag bringen. In dieser Hinsicht werde ich natürlich auch ständig unter Druck gesetzt, was mir persönlich extrem zu schaffen macht.

Ich habe Magenschmerzen, Übelkeit, meine Energie sinkt von Tag zu Tag und ich werde immer unglücklicher.
Nachts kann ich desöfteren nur mit Schlafmittel schlafen.

Ich möchte wieder “Flow” fühlen, wieder voll durchstarten, aus der Leidenschaft für eine sinnvolle Aufgabe neue Energie gewinnen, mit Vorfreude den Tag beginnen und ihn zufrieden beenden.

Seit ca. 1 Jahr versuche ich mich beruflich zu verändern.

Insgesamt sprechen mich aber nur wenige Jobangebote an (die auf mein Profil passen) und hier erhalte ich auch noch Absagen, insbesondere im Private Banking.
Ich frage mich nun woran das liegen könnte ? Ich bin gut qualifiziert, erfahren und charakterlich gefestigt, kann hervorragende Zwischenzeugnisse vorweisen und bin mit Mitte 40 noch relativ jung.
Ich habe wohl lediglich den Fehler gemacht, nie den Arbeitgeber zu wechseln und bin in meiner Ausbildungsbank geblieben, hab mich dort "hochgearbeitet".


Wie soll ich mich verhalten ? Wie schaffe ich eine berufliche Veränderung ? Wo sind meine “blinden Flecken” ?

Ich bin wirklich verunsichert und bekomme langsam Panik, von meinem derzeitigem Arbeitgeber nicht mehr wegzukommen.


Vielleicht ist mein Wahrnehmungsradius auch bzgl. der Jobsuche zu eingeschränkt. Ich suche bisher nur in der Bankbranche und kann kaum einschätzen, ob mein Profil ggf. auch in anderen Branchen gefragt sein könnte, obwohl ich auch offen für Neues bin.
Die Bankbranche stinkt meiner Meinung nach zum Himmel !!! Und ich möchte auch vermeiden, durch einen Jobwechsel vom Regen in die Traufe zu kommen.

Meine Leidenschaften und Stärken:
Ehrliche (!!!!!) Beratung in finanziellen Dingen macht mir Spaß und ich begleite gerne Menschen. Mein Faible für die Kapitalmärkte und Anlagestrategien hat mich Banker werden lassen und ich habe Stärken im konzeptionellen Arbeiten. Zudem fühle ich mich als Teamplayer und bin ein bodenständiger, aber eloquenter Typ, der sich für die letzte Meile nicht zu schade ist.

Meine Schwächen:
Manchmal zu hoher Selbstanspruch, oft zu hart zu mir selbst
Derzeit kaum noch zuversichtlich, doch noch berufliche Zufriedenheit zu finden


Derzeit denke ich auch darüber nach, mich mittels Haftungsdach selbständig zu machen. Dies wäre allerdings nur in einem kleinen Team eine Alternative, um die Nachteile einer “one-man-show” auszugleichen…. .


Was passiert, wenn ich keine Optionen für einen Exit finde ?
Dann wird es mich wohl in absehbarer Zeit komplett umhauen ---> Kündigung durch meinen Arbeitgeber wegen Krankheit oder Minderleistung ---> Arbeitslosengeld ---> sozialer Abstieg ?
Im Worst-Case muß ich mein für den Ruhestand (durch Konsumverzicht sauer) angesparten Reserven aufbrauchen, bevor ich Hartz-4 bekomme.
So will ich nicht enden !!!
Ich habe wirklich Existenzangst !!!



Ich freue mich auf Denkanstöße zu meiner Situation.
Wer hat Ähnliches (vielleicht sogar in der selben Branche) durchlebt ?
 
Hallo Gast,
Deine Situation kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich war vor etlichen Jahren Kreditleiter einer internationalen Bank. Zu meinen Aufgaben gehörte es, auch Kredite zu betreuen, bei denen andere „über den Tisch gezogen“ wurden. Es handelte sich nicht um Fehler, sondern um das bewusste Ausnutzen von „Nicht-Wissen“ Anderer. Ich konnte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und bei Übernahme solcher Kredite forderte von meinen Direktoren die Rückzahlung der „fehlerhaft“ vereinnahmten Provisionen an die betroffenen Kunden. Andernfalls würde ich es ablehnen, diese Kreditgeschäfte zu betreuen. Der Kommentar, den ich erhielt, lautete: „Sie sind kein richtiger Banker.“ Mir war es immer sch..egal, was andere von mir dachten, wenn ich überzeugt war, das Richtige zu tun. Genau das habe ich auch nachhaltig meinen Mitarbeitern „gepredigt“. Kundenbetrügereien waren nicht die einzigen Verhaltensweisen, die mit meiner Einstellung kollidierten. Es ging soweit, dass die Direktoren versuchten, mir ihre Schwindeleien unterzuschieben. Da kamen sie genau an den Richtigen! Mit guter Dokumentation und Kontrollen konnte ich alle solche Angriffe abwehren. Da ich fast immer einen längeren Arbeitstag hatte, stellte sich mir die Frage nach der Selbstständigkeit oder Teil-Selbstständigkeit.

Ich habe mich dann von der Bankbranche gelöst und Versuche im Bereich von Finanzdienstleistungsbranchen gestartet. Aber auch dort gibt es genügend Organisationen, die mit dem „Nicht-Wissen“ der Kunden Schindluder treiben. Dies sind vor allem Organisationen der „Allfinanz“, die sich mit Konkurrenzunternehmen den Markt der Privatkunden teilen. Es zeigte sich: Entweder Du bist Berater, dann ein eher durchschnittlicher Verkäufer – oder Du bist ein Verkäufer, dann aber ein eher mittelmäßiger Berater. Über dem Durchschnitt auf beiden Gebieten tätig zu sein, gelingt nur sehr wenigen. Ich rate von den Allfinanzunternehmen (z.B. DG-AG, Bonnfinanz, OVB etc.) nicht ab, man muss es nur verstehen, sich dort hoch zu kämpfen. Der große Erfolg des Einzelnen hängt davon ab, dass Du selbst ein guter Verkäufer sein musst und dann es wirklich verstehst, andere Menschen zu gewinnen, die für Dich als Verkäufer einsteigen, an deren Umsätzen Du mitverdienst. Und gute Verkäufer, die für Dich arbeiten, sind rar gesät. Oft bildest Du im Laufe eines Jahres z.B. 50 Leute aus, von denen 48 wieder nach wenigen Wochen ausscheiden. Von den 2 ausgebildeten Menschen ist einer durchschnittlich, der andere evt. besser oder sogar gut. Aber dieses Geschäft mit Neuanwerbungen von zukünftigen Mitarbeitern kann schon deshalb auch für Dich lukrativ sein, weil fast alle dieser 50 Mitarbeitern einen Bekanntenkreis haben, in den Du mit Hilfe dieser Angeworbenen eindringst. Das ist nicht verwerflich, aber man sollte es als systembedingt wichtigen Faktor verstehen. Du kannst es ja selbst mal nebenberuflich ausprobieren, um zu schnuppern und um Dir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Evt. liegt es Dir. Unehrlich sollte und muß es dabei nicht zugehen. So kannst Du z.B. den Vertrieb von Produkten, hinter denen Du nicht stehst, problemlos ablehnen. Hinweis: Du lebst nur von Deinen Provisionen bzw. den Provisionen Deiner von Dir angeworbenen Mitarbeitern. Deine Führungsfähigkeiten werden Dir zugute kommen.


Meine sonstigen Empfehlungen:

  1. Du kannst ggf.eine Zusatzausbildung im Bereich Rechnungswesen machen und ins Rechnungswesen eines Unternehmens wechseln. Die Kombination Bank + Rechnungswesen ist gut.
  2. Du kannst (nicht nur bei Allfinanzunternehmen) im Bereich Finanzdienstleistungen die Organisation wechseln. So suchen z.B. Versicherungen (Privatkrankenversicherungen, Bausparkassen) immer auch Quereinsteiger, die von ihnen auch ausgebildet werden. Dein Alter ist dafür gut.
    Problem: Die Versicherungsgesellschaften und Bausparkassen bewegen sich in einem heiß umkämpften Markt. Du musst (wie auch in Allfinanzunternehmen) ein echter Heissblutverkäufer sein, um bestehen zu können. Du verdienst unter Umständen sehr gut, aber mit hohem Provisionsanteil, der abhängig ist von Deinen Verkäufen. Auch gilt immer: Du musst hinter dem Produkt stehen! Andernfalls kannst Du auch gleich in der Bank bleiben. Von solchen Organisationen werden auch schonmal Kundenbestände zur Weiterbetreuung angeboten. Diese sind zu analysieren, weil oft relativ, gering brauchbar bis wertlos. Selbst Kunden finden, ist angesagt! Wenn Du das ins Auge fasst, dann solltest Du ein innovatives Unternehmen suchen. Du bist abhängig von der Innovationskraft z.B. des Versicherers, für und mit dem Du arbeitest. Sind die Produkte veraltet, hast Du es deutlich schwerer als Verkäufer anderer Versicherer, die mit Innovationen aufwarten können.


  3. Ähnlich wie bei b) ist es mit Geldanlagefirmen. Telefonmarketing sollte Dir nichts ausmachen. Heissblutverkäufer haben da ein dickes Fell bzw. eine hohe Frustrationsschwelle.

    Geh immer davon aus, dass Du in der Finanzdienstleistungsbranche eher auf Basis selbstverdienter Provisionen leben musst, als mit Hilfe einer Festanstellung (= festes Gehalt).

    Stell für Dich fest, wo Deine Eignung und Interessen liegen. Bist Du kein Heissblutverkäufer, ist eher Branchenwechsel als Alternative zur Bank angesagt. Das heisst: Finanzielle Reserven nutzen, um das Leben während der Ausbildung finanzieren zu können. Warum nicht eine bisher völlig andere Berufsrichtung ansteuern? Evt. im sozialen Bereich?


    Ich will Dich ermutigen, zu suchen und zu kämpfen. Ich habe es auch geschafft. Dabei hilft mir, dass ich an Gott glaube und Ihm vertraue, dass Er mir eine Türe aufmacht, die ich evt. vorher noch nicht einmal gesehen habe. Evt. kannst Du mit diesem Hinweis etwas anfangen?

    Für Rückfragen: Melde Dich hier fest an – kostet nichts – und schreibe mir bei Bedarf eine PN.

    Alles Gute,
    Nordrheiner
 
Hallo Ausgebrannt2014,

das hört sich nicht wirklich gut an. Man könnte schon fast sagen, dass Sie in naher Zukunft wohlmöglich eine Depression erleiden könnten.

Der extreme Druck bei Ihrer Arbeit ist wirklich nichts, was man mit einen Arm zucken bewerten könnte. Da haben Sie schon den richtigen Gedanken den Betrieb oder ggf. die Branche zu wechseln. Es sollte ihnen allerdings bewusst sein, dass heutzutage in vielen Banken häufig dieser Druck herrschen wird und es praktisch erwartet wird Kunden das "Falsche" anzubieten um eine höhere Provision zu bekommen.

Ihr Vorteil-sehr gut ausgebildet zu sein, ist auch gleichzeitig Ihr Nachteil. Sie waren in keinen anderen Betrieb und wenn man annimmt Sie haben mit Anfang 20 die Ausbildung beendet und seitdem sich dort "hochgearbeitet", dann fragen sich andere Betriebe woher nun dieser Sinneswandel kommt. Da müssen Sie vorsichtig bei den Bewerbungen sein.

Erkundigen Sie sich bei anderen Banken. Ein Anruf schadet nie. Suchen Sie für sich Alternativen, was noch in Betracht käme. Sie haben natürlich Ihren bisherigen Berufsweg in dieser Branche verbracht, aber mit Ihrer Ausbildung und Erfahrung wären Sie auch in anderen Branchen gut aufgehoben. Vielleicht Betriebswirtschaft oder die Versicherungsbranche? Das müssen Sie natürlich für sich selbst beantworten.

Vor allen Dingen machen Sie sich nicht zu sehr Sorgen. Es ist natürlich einfacher gesagt als getan, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es im Leben immer weiter geht. Es gibt viele erfolgreiche Menschen, die auch schon weit über 40 Jahren sich beruflich neu orientiert haben.

Zu meiner Person. Ich war (leider) von Anfang an in der falschen Branche für mich. Diese Tatsache habe ich sehr früh erkannt und rechtzeitig gehandelt. Ab und zu knabbere ich immer noch daran-letztlich ist man auch enttäuscht und Ängste lassen sich schlecht einstellen. Ich habe es in Kauf genommen mich beruflich komplett neu zu orientieren-sprich Ausbildung, Weiterbildung etc. Es war aber für mich die richtige Entscheidung und bin nun rundum glücklich.

Haben Sie schon ein Gespräch mit Ihnen nahe stehende Personen geführt?

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute!
 
Hallo,

seit gestern bin ich krank geschieben, weil ich einfach nicht mehr kann, ich bin vollkommen erschöpft und fühle mich hoffnungslos in meiner beruflichen Situation gefangen.
Ich merke, dass ich in meinen derzeitigen Job die nächsten 10 Jahre nicht durchhalten werde, geschweige denn bis zum Rentenalter.


Ich arbeite in einer Bank in der Privatkundenberatung.

Ich habe das Bankgeschäft grundsolide erlernt: Ausbildung zum Bankkaufmann, nebenberufliches Studium, zahlreiche Weiterbildungen, immer mit hervorragenden Ergebnissen. Ich darf mich in meiner Bank, einer Sparkasse, zu den "Leistungsträgern" zählen und führe ein kleines Team.

Leider herrscht in meiner Bank seit einem Führungswechsel ein extrem frostiges Klima:
Hoher Vertriebsdruck, schikanöse “Qualitäts”vorgaben (auch bedingt durch die (z.T. nutzlosen und extrem bürokratischen) gesetzlichen Vorgaben), keine Wertschätzung, Misstrauen….. unzufriedene Mitarbeiter und mittlerweile hohe Fluktuation.

Mein Gehalt ist im Verhältnis zu meinen Leisungen, meiner Arbeitsbelastung und dem Gehalt mancher Kollegen ausserdem ein Schlag ins Gesicht. Ich fühle mich ausgenutzt.

Ich bin eigentlich ein Arbeitstier, aber mein Job fällt mir immer schwerer, denn alles sträubt sich in mir. Lediglich die guten Beziehungen zu meinen Kunden halten mich noch über Wasser und schenken mir Freude.
Aber ich werde zwischen den Interessen meines Arbeitgebers (Provisionen erwirtschaften) und den Interessen meiner Kunden zerrieben. Ich bin ein redlicher Typ und fühle mich meinen Kunden gegenüber verpflichtet. Produkte, die nicht transparent, überteuert und von minderer Qualität sind, lehne ich trotz Vertriebsdruck durch meinen Arbeitgeber ab und weiche auf vorteilhaftere Lösungen aus, die der Bank aber z.T. etwas weniger Ertrag bringen. In dieser Hinsicht werde ich natürlich auch ständig unter Druck gesetzt, was mir persönlich extrem zu schaffen macht.

Ich habe Magenschmerzen, Übelkeit, meine Energie sinkt von Tag zu Tag und ich werde immer unglücklicher.
Nachts kann ich desöfteren nur mit Schlafmittel schlafen.

Ich möchte wieder “Flow” fühlen, wieder voll durchstarten, aus der Leidenschaft für eine sinnvolle Aufgabe neue Energie gewinnen, mit Vorfreude den Tag beginnen und ihn zufrieden beenden.

Seit ca. 1 Jahr versuche ich mich beruflich zu verändern.

Insgesamt sprechen mich aber nur wenige Jobangebote an (die auf mein Profil passen) und hier erhalte ich auch noch Absagen, insbesondere im Private Banking.
Ich frage mich nun woran das liegen könnte ? Ich bin gut qualifiziert, erfahren und charakterlich gefestigt, kann hervorragende Zwischenzeugnisse vorweisen und bin mit Mitte 40 noch relativ jung.
Ich habe wohl lediglich den Fehler gemacht, nie den Arbeitgeber zu wechseln und bin in meiner Ausbildungsbank geblieben, hab mich dort "hochgearbeitet".


Wie soll ich mich verhalten ? Wie schaffe ich eine berufliche Veränderung ? Wo sind meine “blinden Flecken” ?

Ich bin wirklich verunsichert und bekomme langsam Panik, von meinem derzeitigem Arbeitgeber nicht mehr wegzukommen.


Vielleicht ist mein Wahrnehmungsradius auch bzgl. der Jobsuche zu eingeschränkt. Ich suche bisher nur in der Bankbranche und kann kaum einschätzen, ob mein Profil ggf. auch in anderen Branchen gefragt sein könnte, obwohl ich auch offen für Neues bin.
Die Bankbranche stinkt meiner Meinung nach zum Himmel !!! Und ich möchte auch vermeiden, durch einen Jobwechsel vom Regen in die Traufe zu kommen.

Meine Leidenschaften und Stärken:
Ehrliche (!!!!!) Beratung in finanziellen Dingen macht mir Spaß und ich begleite gerne Menschen. Mein Faible für die Kapitalmärkte und Anlagestrategien hat mich Banker werden lassen und ich habe Stärken im konzeptionellen Arbeiten. Zudem fühle ich mich als Teamplayer und bin ein bodenständiger, aber eloquenter Typ, der sich für die letzte Meile nicht zu schade ist.

Meine Schwächen:
Manchmal zu hoher Selbstanspruch, oft zu hart zu mir selbst
Derzeit kaum noch zuversichtlich, doch noch berufliche Zufriedenheit zu finden


Derzeit denke ich auch darüber nach, mich mittels Haftungsdach selbständig zu machen. Dies wäre allerdings nur in einem kleinen Team eine Alternative, um die Nachteile einer “one-man-show” auszugleichen…. .


Was passiert, wenn ich keine Optionen für einen Exit finde ?
Dann wird es mich wohl in absehbarer Zeit komplett umhauen ---> Kündigung durch meinen Arbeitgeber wegen Krankheit oder Minderleistung ---> Arbeitslosengeld ---> sozialer Abstieg ?
Im Worst-Case muß ich mein für den Ruhestand (durch Konsumverzicht sauer) angesparten Reserven aufbrauchen, bevor ich Hartz-4 bekomme.
So will ich nicht enden !!!
Ich habe wirklich Existenzangst !!!



Ich freue mich auf Denkanstöße zu meiner Situation.
Wer hat Ähnliches (vielleicht sogar in der selben Branche) durchlebt ?

Was von dem von Dir ansatzweise hier beschriebenen Profil ist denn Deins?
Ich meine, was möchtest Du für Dich selber vor Dir und wo auch immer? (Benutze absichtlich in dem Satz nicht das Wort "Vertreten")

LG
Landkaffee
 
Hallo,

seit gestern bin ich krank geschieben, weil ich einfach nicht mehr kann, ich bin vollkommen erschöpft und fühle mich hoffnungslos in meiner beruflichen Situation gefangen.
Ich merke, dass ich in meinen derzeitigen Job die nächsten 10 Jahre nicht durchhalten werde, geschweige denn bis zum Rentenalter.
Ich habe Magenschmerzen, Übelkeit, meine Energie sinkt von Tag zu Tag und ich werde immer unglücklicher.
Nachts kann ich desöfteren nur mit Schlafmittel schlafen.
Ich möchte wieder “Flow” fühlen, wieder voll durchstarten, aus der Leidenschaft für eine sinnvolle Aufgabe neue Energie gewinnen, mit Vorfreude den Tag beginnen und ihn zufrieden beenden.
Seit ca. 1 Jahr versuche ich mich beruflich zu verändern.
Ich bin wirklich verunsichert und bekomme langsam Panik, von meinem derzeitigem Arbeitgeber nicht mehr wegzukommen.

Was passiert, wenn ich keine Optionen für einen Exit finde ?
Dann wird es mich wohl in absehbarer Zeit komplett umhauen ---> Kündigung durch meinen Arbeitgeber wegen Krankheit oder Minderleistung ---> Arbeitslosengeld ---> sozialer Abstieg ?
Im Worst-Case muß ich mein für den Ruhestand (durch Konsumverzicht sauer) angesparten Reserven aufbrauchen, bevor ich Hartz-4 bekomme.
So will ich nicht enden !!!
Ich habe wirklich Existenzangst !!!

Ich freue mich auf Denkanstöße zu meiner Situation.
Wer hat Ähnliches (vielleicht sogar in der selben Branche) durchlebt ?

Hallo Ausgebrannt2014,
bin nicht in der Bankenbranche tätig und war es nicht und kann von daher recht, recht wenig Denkanstöße zur beruflichen
Situation geben.

Kennt der Arzt, der Dich krankgeschrieben hat, Deine berufliche Situation. Ich finde das ganz wichtig, daß er darüber Bescheid weiß.
Ausgebranntsein ist und bleibt irgendwie erstmal ein Ausgebranntsein und läßt sich nicht von heute auf morgen korrigieren
oder wegradieren. Ein Körper, der sich ausgebrannt anfühlt, braucht Ruhephasen. Diese nenne ich recht gerne Oasenzeiten.
Zeiten, in denen die eigene Seele zur Ruhe kommt, um sich wieder zu regenerieren. Mit Ausgebranntsein ist nicht zu Spaßen.
Überschreite nicht weiterhin Deine eigenen Grenzen und such für Dich nach Möglichkeiten, wieder mehr ins Ruhegleichgewicht
zu kommen.
Hast Du bereits über eine Kur nachgedacht? Eine Kur wäre erst mal eine Option, um dem Ausgebranntsein zu begegnen und
zu begreifen, was damit gesundheitlich zusammenhängt und zielgerichtet weitere Optionen zu suchen/sehen, die umgesetzt
werden können.

Bei Kündigung wegen Krankheit oder Minderleistung gibt es die Möglichkeit des Klageweges.
Von einem sozialen Abstieg kann in der heutigen Leistungsgesellschaft schnell jeder arbeitende Mensch betroffen sein.
Und das bedeutet nun mal nach einer evtl. Kündigung die Beziehung des AL I. Findet sich keine Arbeit, bedeutet es AL II.
Und das bedeutet, daß vorher angesparte Reserven bis zu einem bestimmten Mindestbehalt aufgebraucht werden
müssen. Wir leben in einem Land, indem die Zahlung von AL II möglich ist und niemand wegen Arbeitsverlust irgendwann und irgendwo landet.
Wieviel bedeutet Dir Deine eigene finanzielle Sicherheit? Geld alleine macht nicht glücklich.

Unsere Leistungsgesellschaft und das dadurch verdiente Geld schafft, so finde ich, mehr und mehr einen größeren Graben
zwischen denen, die haben und denen, die wohl nicht genügend zur Verfügung haben und die, die von dem Letztgenannten leben müssen/dürfen, werden eher als Randgesellschaft unserer Leistungsgesellschaft angesehen.
Dank des guten finanziellen Daseins war es mir möglich, jahrelang ehrenamtlich tätig zu sein, vor allem für Menschen,
die nicht mehr so am sozialen Leben einer Leistungsgesellschaft teilnehmen konnten/können. Das Ehrenamt hab ich sehr, sehr
gerne gemacht. Leider geht es zur Zeit nicht mehr wegen bestehender Rückenbeschwerden. Auch die eigene Gesundheit
spielt nicht immer mit.

Manchmal erfordert das eigene Leben das Setzen von Prioritäten: erstmal das Kümmern um die eigene Gesundheit oder
das Kümmern um einen beruflichen Wechsel.

alles Liebe
gastin
 
Tipps zum Jobwechsel in der Bankbranche kann ich Dir nicht geben.

Mir ist an Deinem Beitrag aber etwas anderes aufgefallen, mit dem ich Erfahrung habe. Du läßt Dich sehr stark vom Arbeitsklima dominieren. Du entwickelst teilweise irrational starke Existenzängste. Die Wahrscheinlichkeit, daß Dein Arbeitgeber Dich kündigt und Du ins Bodenlose fällst, schätze ich nicht so akut ein. Aber in einer stark angeschlagenen psychischen Verfassung, fällt es oft schwer einen realistischen Blick zu behalten. Mir erscheint es, als fühlest Du Dich hilflos den Vorgesetzten, ihrem Druck und ihren Vorgaben ausgesetzt. Häufig ist das ein Empfinden, daß der Realität so gar nicht standhält, aber sich in der akuten Belastungssituation immer weiter verstärkt. Bis man das Vertrauen in seine Beharrungs- und Widersetzungskräfte und seine besonderen Fähigkeiten verliert.

Ich war vor einigen Jahren in einer ähnlich verzweifelten Situation. Hatte das Gefühl, mir wächst alles über den Kopf und ich passe mit meinen Wertvorstellungen überhaupt nicht mehr in den Betrieb. Ich verspürte nur noch Druck und entwickelte entsetzliche Angst Fehler zu machen und stellte mir die schlimmsten Konsequenzen vor.

Im Rahmen einer Psychotherapie wurde mir klar, daß es aufgrund von Defiziten und Problemen in ganz anderen Bereichen meines Lebens zu einer übermäßigen Fokussierung auf den Arbeitsbereich kam und ich meine Ängste, die ganz woanders ihre Ursache hatten, im Arbeitsbereich quasi auslebte. Das war sehr entlastend. Durch veränderte Sichtweise nahm ich plötzlich den Arbeitsbereich gar nicht mehr als so belastend wahr. Auch wenn es dann in den anderen Lebensbereichen plötzlich einges in Angriff zu nehmen gab...

Zusätzlich bin ich auf der Hierarchie eine Stufe zurückgegangen und gleichzeitig fand glücklicherweise weiter oben in der Hierarchie ein Führungs- und Mentalitätswechsel statt. Und plötzlich drehte sich die Arbeitszufriedenheit wieder um 180 Grad. Heute bin ich heilfroh, daß ich nciht gewechselt bin und arbeite in Frieden und großer Wertschätzung.

Also manchmal macht es auch Sinn zu bleiben und sich stattdessen andere Lebensbereiche anzugucken und die Wertigkeiten wieder in Einklang zu bringen.
Wie ist denn Dein privater Ausgleich? Wie hoch ist der Stellenwert, den Du Deiner Arbeit in Deinem Leben gibst? Ist das angemessen? Stimmt da deine Waagschale? Auch Deine Wortwahl "gefangen" stimmt mich nachdenklich. Ist das so? Empfindest Du Dich als gefangen und eingesperrt? Obwohl das nur einen bestimmten Anteil Deines Lebens und Deiner Person ausmacht? Ist die Absolutheit und Ausweglosigkeit dieses Gefühls angemessen?
 
Lange ging es mir genauso wie dir! Ich hab einfach keinen Blick mehr für die Zukunft gehabt! Die Bank und die Stelle die ich ausfüllte, haben mich förmlich aufgefressen. Zwar war ich immer ein großer Fan der Finanzbranche und wollte auch immer einen Job darin haben, aber so nun auch nicht! Vor kurzem bin ich auf ein Portal gestoßen, dass Teile Europas abdeckt und so bin ich auf einen futuristischen [...bitte per PN] Link gestoßen! Jetzt arbeite ich mit neuster Technologie und treibe die Branche voran! Ich kanns nur empfehlen!
LG Robert
 
Der Beitrag ist von 2014. Wir hoffen doch alle, dass der Betroffene noch lebt, noch nicht an den ausbeuterischen Bedingungen zu Grunde gegangen ist und sich erfolgreich umorientiert hat.
 

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