Hallo,
ich hatte gerade einen, meiner Meinung nach, kleinen Streit mit meinem Freund. Es geht um unsere Urlaubsplanung im Sommer. Er wollte mit seiner Mutter für ein paar Tage weg und ich sollte mit. Nun hatte er nach Flügen und Hotels geschaut und immer nur für 2 Personen danach geschaut.
Scheinbar sollte ich nicht mehr mit. Daraufhin fragte ich ihn, wann er und ich denn nun in den Urlaub wollten und wohin und dass es mir ehrlich gesagt nicht so ganz gefällt einfach aus einer gemeinsam geplanten Aktion ausgebootet zu werden.
Er wurde daraufhin sehr laut, sagte mir, dass er mein Verhalten asozial finden, denn der Urlaub mit seiner Mutter wäre schon seit 2 Jahren geplant und ich wäre nur mitgekommen, wenn die beiden nach London geflogen wären.
Er ist dann für eine halbe Stunde abgehauen, schrieb mir, dass er so wütend ist, dass er mir am liebsten eine Ohrfeige geben würde. Ich dachte echt, ich lese nicht richtig! Ich bin definitiv kein Freund von Gewalt und verneine so ein Verhalten total, auch weil diese kleine Diskussion meiner Meinung nach wirklich kein Drama war, um so durchzudrehen wieder.
Er kam dann irgendwann wieder, ich sagte ihm, dass ich diese Androhung einer Ohrfeige mehr als daneben fand, aber er reagiert nicht wirklich und hat sich erstmal zurückgezogen.
Übertreibe ich damit, dass ich die Aussage so schlimm finde?
Hallo,
hast Du ihm Deine Ansichten (wann er und ich denn nun in den Urlaub wollten und wohin und dass es mir ehrlich gesagt nicht so ganz gefällt einfach aus einer gemeinsam geplanten Aktion ausgebootet zu werden - siehe Dein Beitrag) in Ruhe oder
lauter werdend gesagt?
War das Mitteilen Deiner Ansichten mit ruhigen Worten und recht wenig aufwühlenden Emotionen, so war seine Reaktion darauf
emotional sehr heftig und meiner Ansicht nach eine Überreaktion seiner Emotionen.
Wurdest Du beim Mitteilen Deiner Ansichten lauter und emotional aufgewühlter, so sehe ich seine in Deiner Anwesenheit
aufwühlende emotionale Reaktion eher als eine Gegenreaktion darauf an. So frei nach dem Motto: so, wie es in den Wald schallt, so schallt es wieder hinaus.
Jeder Mensch hat halt im Leben so seine ihm eigenen emotionale Reaktionen/Abwehrreaktionen entwickelt und das läßt sich so schnell nicht abstellen.
Ich finde es völlig in Ordnung, daß Du ihm gegenüber das ausgesprochen hast, was Dich bewegte. Das ist völlig normal. Das
gehört zu einer Beziehung/Freundschaft mit dazu. So manche Reaktionen auf das Ausgesprochene bringt halt auch gewisse
aufwühlende Emotionen mit sich. Und da wird es ganz spannend - anders kann ich das nicht bezeichnen. Ich möchte
aufwühlende Emotionen nicht Negativieren. Wir tragen sie nun mal in uns die Gefühle der Wut, der Traurigkeit genauso wie
die der Freude.
Daß er rausgegangen ist aus der Situation, finde ich auch in Ordnung. Das Rausgehen aus einer Situation, die eh wegen aufwühlender Emotionen nicht so schnell zu klären ist, trägt erst einmal dazu bei, daß es nicht zu weiteren verletzenden
Worten/Äußerungen kommt.
Was er Dir während dieser halbstündigen Abwesenheit schrieb, finde ich überhaupt nicht in Ordnung. Das ist Androhung von
Gewalt! Es ist super, daß Du so ein Verhalten total verneinst und zwar wirklich ganz total.
Und nun "hängst Du drin in dieser wirklich totalen Verneinung".
Als er wiederkam, hast Du ihn sofort auf seine geschriebene Reaktion angesprochen und ihm gesagt daß Du das mehr als daneben findest. Finde ich super von Dir, daß Du ihm sofort Deine Meinung mitgeteilt hast und er nun Bescheid weiß.
Was sehr nachdenklich stimmen sollte und wo ein ungutes Bauchgefühl sich ausbreitet, ist, daß er nicht wirklich reagierte und sich zurückzog. Finde, daß solches nach solch einer Bemerkung, Dir am liebsten eine Ohrfeige zu geben, Dir gegenüber sehr,
sehr respektlos ist. Es kam von ihm noch nicht mal eine Entschuldigung! Es ging hier nicht um Brötchen einkaufen oder
Aufräumen es ging/geht um die schriftliche Androhung von Gewalt!!
Deine Frage, ob Du damit übertreibst, die Aussage so schlimm zu finden, wirkt auf mich wie eine gewisse Unsicherheit.
Sollte ich das hier nicht korrekt wahrnehmen, möchte ich mich dafür entschuldigen.
Versuche für Dich selber herauszufinden, wie es kann, daß Du nun diese Frage stellst. Zweifelst Du an Deiner aufrichtigen
und korrekten sofortigen Reaktion ihm gegenüber?
Ich finde, daß es eine Frage ist, die Du Dir nur selber ehrlich und vertrauensvoll mit Deinem Herzen beantworten kannst.
Und so, wie Deine Antwort für Dich ausfällt, wirst Du Dich ihm gegenüber verhalten, kommt er aus seinem Rückzugsort wieder heraus. Die Beantwortung dieser Frage, wird Dir niemand abnehmen können. Es ist nicht gut, danach im Außen zu
suchen.
Schwankst Du bei der Beantwortung Deiner Frage, ob Du damit übertreibst, daß die Aussage so schlimm war, wende Dich
bitte an eine Beratungsstelle. Das Androhen einer Ohrfeige ist die Androhung einer Gewalt und da gibt es meiner Ansicht nach kein Schönreden.
Es liegt in Deinem persönlichen Ermessensspielraum, welche Konsequenzen Du nun ergreifst. Macht das Ergreifen von Konsequenzen Dir Angst? Neigst Du eher dazu Dein Verhalten als übertrieben anzusehen und auch, daß seine schriftliche Aussage doch gar nicht so schlimm war?
Wie war es bislang in Eurer Beziehung/Freundschaft bei aufwühlenden Emotionsgesprächen und dem damit verbundenem
Verhalten?
Solch eine schriftliche Gewaltandrohung darf man sich nicht reaktionslos gegenüberstellen da braucht es von Deiner Seite
aus eine Reaktion, mit der Du leben kannst und bei der Du Dich wohlfühlst. Welche das ist, kann ich nicht entscheiden.
Solltest Du weiterhin mit ihm zusammenbleiben wollen, wende Dich an eine Beratungsstelle, bevor es dazu kommt, daß
er eine schriftliche Gewaltandrohung in die Tat umsetzt. Es gibt bei der Beratungsstelle der Caritas, Diakonie die
Möglichkeit einer Lebensberatung. Lade ihn auf jeden Fall zu solch einer Beratung ein oder bitte ihn darum, Dich dabei
zu begleiten. Sollte er das ablehnen, werde Dir darüber bewußt, daß er nicht bereit ist, sich um seine schriftliche
Gewaltandrohung zu kümmern.
Seh über solch ein "Verhalten" nicht hinweg, nehm Dich selber ernst und setzt Dich mit den Folgen dieser
Krisensituation auseinander und kehr diese Krisensituation nicht unter den Teppich oder wahre Schweigen darüber.
Es wird wieder hochkommen in Dir, solltest Du die beiden letztgenannten Möglichkeiten mit ihm leben wollen.
alles Liebe
gaestin