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Ich will Schluss machen, Freundin ist aber sehr depressiv

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Gast

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Hey!

Ich bin 20 und bin jetzt seit einem halben Jahr in ner Beziehung, will aber Schluss machen obwohl ich noch was für sie empfinde (auch wenn nicht mehr so wie früher). Jedoch sind wir sind zu verschieden... sie ist nicht das was ich immer wollte und ich will/kann sie nicht verändern.

Das Problem:
Sie ist (bzw. war vor mir) extrem depressiv, hatte oder hat immer noch Selbstmordgedanken und hat 0 Selbstbewusstsein. Mittlerweile fühle ich mich wie der große Bruder, der versucht ihr Selbstbewusstsein aufzubauen.
Ich bin ihr erster Freund (sie ist 22) und sie hat kaum Personen (eine gute Freundin und ihre Schwester) an die sie sich wenden kann. Ihre Beziehung zu ihren Eltern ist ziemlich schlecht..

Vor wenigen Wochen meinte sie, sie bringe sich um, denn sie hatte berufliche Probleme... ich konnte zusammen mit ihr aber etwas neues finden. Wenn sie zu dem Zeitpunkt allein (single) gewesen wäre, wär es womöglich vorbei...
Sie vertraut mir und sie liebt mich sehr. Sie hat zum ersten mal im Leben das Gefühl geliebt zu werden und sicher und geborgen zu sein. Ihre Eltern haben das wohl nicht auf die Reihe gebracht...

Ich kann nachvollziehen wie sie sich fühlt, ich hatte selber mal Selbstmordgedanken. Ich konnte mir aber alleine helfen. Ich hab viel Selbstbewusstsein aufgebaut und habe mittlerweile tausende Träume.. Selbst wenn meine Wohnung abbrennt, ich kein Geld mehr habe und auf der Straße schlafen müsste... ich weiß, dass ich trotzdem noch alles im Leben erreichen kann.
Wie bringe ich ihr genau das bei? Immer wenn ich versuche ihr beizubringen an sich selbst zu glauben, kommt ein "Nein, das schaff ich eh nicht" oder ähnliches.


Unsere Beziehung hatte auch mal bessere Phasen, denn sie merkt mir an dass ich nicht mehr will.
So dumm wie ich war hab ich das abgestritten und ich sagte ihr vor kurzem noch mal dass ich sie liebe... aber ich wusste nicht weiter und wollte nichts überstürzen.


Was ich mir überlegt habe:
Entweder ihr das alles so erzählen und noch (Stunden lang) wieder aufbauen und ihr erklären dass das Leben weiter geht,... nur wie soll ich das genau anstellen? Außerdem könnte es ja genau so gut sein dass sie sofort raus rennt...
Oder es noch eine Weile aushalten und ihr nahelegen, dass sie wegen ihren Depressionen mit ihrer Schwester reden soll (auch speziell das Thema Selbstmord ansprechen). Falls sie das ablehnt kann ich noch vorschlagen zum psychologen zu gehen...

Was wenn sie auch das ablehnt? Zwingen kann ich sie ja nicht.. aber "nichts tun" kann ich genauso wenig. Oder wenn, dann könnte ich das Gespräch mit ihrer Schwester/besten Freundin erzwingen.

Mir gehn noch tausend andere Fragen durch den Kopf.. und das ganze belastet mich ziemlich...


Um es klar zu stellen: Sie hat mir (noch) NICHT gedroht, dass sie sich umbringt wenn ich Schluss mache.. aber ich denke das sie sich umbringen KÖNNTE nachdem ich die Beziehung beende.



Was soll ich tun.. 🙁?


Wünsch allen noch eine gute Nacht!
 
Hallo Gast,
ich hoffe, du hast trotz der vielen Gedanken gut schlafen können.
Da ich schon in ähnlicher Lage war wie du (ich bin allerdings mehr
als doppelt so alt wie du inzwischen) kann ich eingermaßen nach-
vollziehen, wie es dir geht.
Als Ehrenamtlicher in der Begleitung Suizidgefährdeter habe ich
u.a. Folgendes gelernt: Jeder Mensch hat sowohl die Möglichkeit
als auch das Recht, sein Leben zu beenden, wenn er das möchte.
Darüber können andere Menschen, auch die sehr Nahestehenden,
nicht bestimmen oder ihn davon abhalten. Wenn deine Freundin
das also machen möchte, wird sie es tun - egal, wie du dich ver-
hältst. Du bist nicht für ihr Leben verantwortlich!
Trotzdem finde ich es natürlich lobenswert, dass du dich so für
sie engagierst und sie unterstützt. Aber Achtung: Du musst diese
Fürsorge nicht automatisch mit einer exklusiven Liebesbeziehung
koppeln! Ihr seid nicht verheiratet und habt euch (vermutlich)
auch nicht gegenseitigen Beistand in guten und schlechten Tagen
versprochen usw. - d.h. ihr seid in der "Verlobungszeit" und die
ist eben dazu da, herauszufinden, ob man zueinander passt und
gemeinsam durchs Leben gegen möchte. Du willst das nicht mehr
und das ist okay und dein Recht. Nur musst du deshalb ja die Be-
ziehung selbst nicht total abbrechen. Es genügt, dass du sie in
ihrer Art veränderst, ihre Exklusivität und ihren Charakter neu
definierst und ihr das dann als Ersatz für eure derzeitige Bezie-
hung anbietest. Sie kann dann entscheiden, ob sie trotzdem noch
mit dir in Kontakt bleiben möchte. Du sagst ja selbst, dass du
noch etwas für sie empfindest und da ist es ja passend, mit ihr
in einem nahen Kontakt zu bleiben. Ich habe auch mal eine gute
Freundin noch so lange "begleitet", bis sie einen Mann fürs Leben
gefunden hatte. Das war zwar nicht ganz einfach, aber am Ende
für uns beide zufriedenstellend und respektvoll. Kurz gesagt also:
Liebe sie weiter, sei weiter für sie da, aber kommuniziere deutlich
deine Grenze, die du aktuell spürst.

Für den Umgang mit ihren Problemen würde ich dir gerne zwei
Bücher empfehlen (eins davon kostenlos auf der Webseite
www.loesungssammlung.de als Download erhältlich): einmal die
"99 Lösungswerkzeuge", darin werden viele gute Tipps und An-
regungen für die Problemlösung vorgestellt. Und dann noch das
E-Book "Ängste, Depressionen und Suizidgedanken müssen oft
nicht sein", das es bei Amazon-Kindle für ein paar Euros gibt.
Du kannst das auch auf dem Rechner lesen, brauchst also kein
Kindle-Lesegerät, nur eine kostenlose App. Darin findest du oder
findet ihr viele praktische und sofort umsetzbare Tipps, wie man
mit den genannten Themenfeldern lösungsorientiert umgehen
kann.

Soviel mal für den Moment, wenn ich noch etwas für dich tun
kann, melde dich bitte. Oder berichte hier einfach, wie es weiter
geht. Manchmal ist es ja gut, mit jemand Neutralem die eigene
Situation reflektieren zu können.

Alles Gute!
Werner
 
wie gut verstehst du dich mit ihrer schwester?

vielelicht könntest du ihr deine situation erklären (wenn du denkst das sie verständnis dafür hätte)
es wäre evtl. etwas unfair das alles auf die schwester abzuwälzen aber eignetlich machst du dadurch es ja nicht schlimmer sondern warnst sie vor ...
 
Vor wenigen Wochen meinte sie, sie bringe sich um, denn sie hatte berufliche Probleme... ich konnte zusammen mit ihr aber etwas neues finden. Wenn sie zu dem Zeitpunkt allein (single) gewesen wäre, wär es womöglich vorbei...
[...]
Falls sie das ablehnt kann ich noch vorschlagen zum psychologen zu gehen...

Wenn sie schon mal Suizidgedanken äußert, dann ist es allerhöchste Zeit für professionelle und auch medikamentöse Hilfe. Du selber kannst da nichts mehr ausrichten sondern dich allenfalls beim Versuch selber kaputtmachen. Sieh zu, dass sie einen Psychiater aufsucht und sich in Therapie begibt - und bleib zumindest noch so lange bei ihr, bis sie halbwegs stabilisiert ist. Mehr kannst Du für sie nicht tun.

digitus
 
Schön, wieviel Gedanken Du Dir um Deine Freundin machst. Aber ich fürchte, so lange sie Dich als eine Art Ersatz-Therapeut klammern kann, wird sie sich keine professionelle Hilfe suchen. Die braucht sie aber ganz offensichtlich.
Auch für Dich ist es wichtig, daß sie sich nicht weiterhin von Dir abhängig macht. Alles Gute.
 
Danke euch allen!

benwilliam meinte:
wie gut verstehst du dich mit ihrer schwester?

Verstehen ganz gut, aber ich kenn sie kaum.

@Werner: Ja, jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich, da hast du Recht. Aber es sollten doch wenigstens jemand aus der Familie bescheid wissen... Nachher geben sie mir die Schuld, dass ich nicht die Polizei gerufen habe oder ihnen etwas gesagt habe.

Ich guck mir mal die Bücher an, danke!

Und wie soll ich denn für sie weiter da sein nachdem ich "Schluss mache"? Wir wären dann doch immer noch "zusammen" nur hätten eine Pause - sozusagen.. bzw. halten ein wenig abstand. Wie soll ich ihr das sagen? Wenn ich ihr die Wahrheit sage, dass sie nicht die richtige ist, dann sieht sie die Schuld bei sich und wird da durch noch depressiver... sie wird denken dass sie nicht gut genug ist (was natürlich nicht so ist, aber sie mit Komplimenten wieder aufbauen wird nicht gehen).


Christine22 meinte:
Auch für Dich ist es wichtig, daß sie sich nicht weiterhin von Dir abhängig macht.

Ja nur wie soll ich ihr sagen dass Schluss ist? Vor allem - was soll ich sagen, aus welchem grund, ..?


Zum Psychiater schicken und so lange bei ihr bleiben bis es wieder einigermaßen geht wird schwer..
1. Bekommt man dort sofort einen Termin? Ich denke das dauert erstmal. Wie ist das mit der Krankenkasse?
2. Das stabil werden kann allgemein ziemlich lange dauern (schätze ich) und sie macht sich dann nur unnötig Hoffnungen, ist das nicht noch viel schlimmer?


Gruß
 
Ja nur wie soll ich ihr sagen dass Schluss ist? Vor allem - was soll ich sagen, aus welchem grund, ..?


Zum Psychiater schicken und so lange bei ihr bleiben bis es wieder einigermaßen geht wird schwer..
1. Bekommt man dort sofort einen Termin? Ich denke das dauert erstmal. Wie ist das mit der Krankenkasse?
2. Das stabil werden kann allgemein ziemlich lange dauern (schätze ich) und sie macht sich dann nur unnötig Hoffnungen, ist das nicht noch viel schlimmer?


Gruß

MUSS denn unbedingt "Schluss" sein? Ich weiß, daß das viele nicht können, aber könntet Ihr nicht freundschaftlich verbunden bleiben?
Wichtig ist m. E., daß sie sich endlich in ärztliche Behandlung gibt. Hausarzt - Überweisung zu einer Therapeutin/einem Therapeut. Zahlt die Krankenkasse. Man bekommt nicht "morgen" gleich einen Termin, aber wenn man dran bleibt, sich darum bemüht, "nächste Woche".
Du schätzt richtig: Es wird länger dauern, bis sie wirklich stabil ist. Ob Du das abwarten kannst und willst, musst Du selbst wissen. Auf alle Fälle wäre ich aber ehrlich zu ihr. Ihr und Dir zuliebe.
 
MUSS denn unbedingt "Schluss" sein? Ich weiß, daß das viele nicht können, aber könntet Ihr nicht freundschaftlich verbunden bleiben?
Hi,
das geht jedenfalls, auch wenn viele das Gegenteil behaupten. Ich bin auch mit meiner Ex befreundet und überhaupt kenne ich mindestens noch 3 andere ihrer Exfreunde die noch in ihren/unseren Freundeskreis vertreten sind. Man sieht sich jetz aber auch nicht ständig.
Das wäre also vielleicht tatsächlich eine Variante weiterhin für sie da zu sein. Trotzdem wird die Zeit nach der Trennung dann nicht einfach sein.
Da du ja nicht so einer bist sie nach der Trennung links liegenzulassen, könnte das funktionieren.
 
@Werner: Ja, jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich, da hast du Recht. Aber es sollten doch wenigstens jemand aus der Familie bescheid wissen... Nachher geben sie mir die Schuld, dass ich nicht die Polizei gerufen habe oder ihnen etwas gesagt habe.

Ich guck mir mal die Bücher an, danke!

Und wie soll ich denn für sie weiter da sein nachdem ich "Schluss mache"? Wir wären dann doch immer noch "zusammen" nur hätten eine Pause - sozusagen.. bzw. halten ein wenig abstand. Wie soll ich ihr das sagen? Wenn ich ihr die Wahrheit sage, dass sie nicht die richtige ist, dann sieht sie die Schuld bei sich und wird da durch noch depressiver... sie wird denken dass sie nicht gut genug ist (was natürlich nicht so ist, aber sie mit Komplimenten wieder aufbauen wird nicht gehen).

Ja nur wie soll ich ihr sagen dass Schluss ist? Vor allem - was soll ich sagen, aus welchem grund, ..?

Es gibt nun mal verschiedene Stufen einer Beziehung und
wenn du nicht mehr die "höchste", exklusive Freundschaft
mit ihr pflegen willst, ist es dein Recht, ihr eine andere
Ebene vorzuschlagen. Ob sie dann darauf eingeht oder "alles
oder nichts" spielt, ist nicht deine Verantwortung.

Es kann übrigens durchaus sein, dass die Lösung von dir für
sie auch eine positive Wirkung hinsichtlich der Depressionen
hat - sei dir mal nicht so 100% sicher, dass du nur einen
positiven Einfluss auf sie hast.

Was den Grund betrifft, sei einfach ehrlich. Sage ihr, wie es
dir geht, was du künftig oder übergangsweise für sie leisten
willst und kannst und was nicht. Du bist nicht ihr Papa und
auch kein Ersatz dafür. Wenn du den Eindruck hast, dass sie
sich selbst oder andere gefährdet, ist es natürlich sinnvoll,
die Polizei oder einen Arzt zu informieren. Aber "verpflichtet"
bist du hier nicht, würde ich sagen. Sie ist ja eine erwachsene
Frau.
 

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