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Ich will ausbrechen! Frei sein...

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Gast

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Ich bin 22 Jahre alt und arbeite im Einzelhandel. Hole gerade mein Abitur durch eine Fernschule nach. Würde nach dem Abitur noch gerne studieren. Ich hasse meinen Job aus tiefstem Herzen. Ich habe dort meine Ausbildung gemacht und arbeite jetzt dort als Vollzeikraft. Ich bin seit 3 Jahren ausgelernt aber werde immer noch wie ein Azubi behandelt. Aber das ist gar nicht das schlimmste. Mich kotzt diese Atmosphäre, die Mentalität einfach an. Diese Schnäppchenjäger und Rabattsammler sind einfach furchtbar. Diese Geiz-ist-Geil Mentalität. Diese Ich-will-alles-kostenlos Kultur ist zum Schreien. Die meisten Menschen sind unfreundlich und schlecht gelaunt. Worte wie „Hallo“, „Danke“ und „Bitte“ kennen die wenigsten. Die meisten Kunden haben irgendwelche Luxusprobleme und wollen Dinge von mir wissen, die unwichtig sind wie der Sack Reis in China. Man muss dem Kunden irgendwelche Treuepunkte verkaufen, die ich selber aus tiefstem Herzen ablehne. Unter den Kollegen lästert jeder über jeden. Natürlich nur wenn die Person über die gelästert wird nicht da ist. Und wenn sie wiederkommen wird ihnen schön ins Gesicht gelächelt.

Ich könnte eine ewig lange Liste erstellen, aber darum geht es nicht. Ich habe mich wahnsinnig in eine Frau verliebt aber die will nichts von mir wissen. Ich sehe sie 3-4 mal im Monat und bekomme jedesmal weiche Knie. Meine Gedanken kreisen fast nur um sie. In der Schule früher wurde ich immer gemobbt und ausgeschlossen, genauso in der Berufsschule. Habe nie wirklich gelernt Kontakte zu Menschen aufzubauen, Freunde habe ich daher also auch eigentlich keine. Bin auch extrem schüchtern, so Dinge wie in Vereine zu gehen, kosten extrem viel Überwindung.

Jeden Tag also das gleiche Programm: Morgens aufstehen, arbeiten gehen, nach Hause gehen und nichts mehr zu tun. Genauso wie am Wochenende. Ich fühle mich wie in einem Hamsterrad.

Ich würde am liebsten jetzt sofort, in den Zug steigen, zum Flughafen fahren und einfach in den nächstbesten Flieger und weg von hier. Am liebsten Kanada. Einfach frei sein. Irgendwas aufregendes erleben. Einen Berg besteigen, einen Canyon durchwandern, die Verbundenheit zurück zur Natur finden. Ich habe knapp 12.000 Euro auf einem Sparkonto, für eine kleine Odysee würde es wohl reichen.

Stattdessen geht man Tage, Wochen, Monate, Jahre seinen gleichen Weg. Tagein, Tagaus immer das gleiche. Ich stehe jetzt schon kurz davor wahnsinnig zu werden und das ganze soll so 40 oder 50 Jahre bis zur Rente gehen? Niemals. Leider nimmt mir die Arbeit jeden Antrieb mal irgendwas zu verändern. Die Schüchternheit tut ihr übrigens. Bis zum Abitur habe ich noch knapp 3 Jahre. Ich kann mir nicht vorstellen das ich den Job so lange noch machen kann. Aber alternativen gibt es leider keine und ich brauche den Job ja um die Fernschule zu finanzieren, Lebenhaltungskosten usw. Das ist alles so frustrierend.

Meine Frage lautet also: Gibt es Leute den es ähnlich geht? Was kann man in solchen Fällen machen? Und was macht ihr wenn ihr mal so richtig die Schnauze voll habt, oder Abwechslung wollt. Habt ihr irgendwelche Tipps für mich?

Das soll kein Jammer-Thread sein, ich frage nur nach ein paar Tipps 😉
 
Dieses Hamsterrad-Leben, die Schüchternheit und dieses Gefühl, gefangen zu sein, kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Denn mir geht es genauso, du bist also nicht alleine damit. Auch das ausgegrenzt werden und das Problem mit dem Kontakte knüpfen kenne ich gut!

Was du machen kannst? Gute Frage, auf die ich leider selbst noch keine richtige Antwort habe.
Ich weiß nur, dass wir aktiv werden müssen, denn kein anderer wird uns aufheben und zum Ziel tragen. Wir kommen also nicht drum herum...

Vielleicht ist es keine schlechte Idee, einfach abends alleine wegzugehen und irgendwie den Mut zu finden, Leute anzusprechen. Mir graut es schon beim Gedanken daran, aber irgendwie müssen wir über unseren Schatten springen und einen ersten Schritt machen. Wir brauche einfach positive Erfahrungen, die uns motivieren weiter "auszubrechen".

Vielleicht gibt es hier ja noch andere Menschen, die bessere Tipps haben.
 
Finde ich vollkommen nachvollziehbar. Nach meiner Ausbildung habe ich gearbeitet, aber sehr schnell ein Studium angefangen, um aus dem "Hamsterrad" rauszukommen. Erstmal wieder durchatmen, mehr Zeit haben und trotzdem was sinnvolles machen.

Meine Vorschläge:

1) Mach das Abi fertig. 3 Jahre sind lang, aber es ist es bestimmt wert. Und dann? Verschwindest du. Reist um die Welt und tust und lässt was du willst. Wenn du wieder hier bist, wird dir bestimmt vieles leichter fallen, vor allem das Kennenlernen von Menschen.

2) Erkundige dich nach allen Möglichkeiten. Freunde von mir haben ihr Abi in 2 Jahre nachgeholt, war aber auch eine "Vollzeitschule". Wie du das finanzieren sollst? So, wie du dein Studium nach dem Abi finanziert hättest, da ist nämlich auch nichts mehr mit Vollzeit-Arbeiten. Minijob, Ersparnisse (12.000 sind nicht wenig!), staatliche Förderung (vielleicht bekommst du elternunabhängiges Bafög, das gibts nämlich u.a. "Für den Erwerb der allg. Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg"), etc.. Ich bin mir sicher, dass es da viele Möglichkeiten gibt. Wenns nicht anders geht, kannst du auch noch einen Bildungskredit aufnehmen.
Ja, anstrengend wirds, aber es ist eine neue/andere Art von Anstrengung. Und du lässt dich offensichtlich nicht leicht unterbuttern. Und ich verstehe auch, dass dir die Finanzen Sorgen machen. Über Geld macht sich jeder Sorgen. Aber das ist selten das, woran es letztendlich wirklich scheitert.

3) Hab Ziele! Du willst nach Kanada? Super! Nutze die Zeit, dich darauf vorzubereiten, mental und physisch. Überleg dir, was du dort machen willst. Wandern, Roadtrip, mit dem Zug von Stadt zu Stadt, in der Wildnis campen, in Hostels mir anderen Pilgern übernachten oder gemütlich im Hotel schlafen? Und überleg dir, was du für Ausrüstung dann brauchst. Stell sie dir zusammen, Stück für Stück. Neues Zelt? Cool, gleichmal ein Wochenende in die Berge und es testen! Sowas hat den netten Nebeneffekt, dass es auch von Liebeskummer ablenkt (finde ich zumindest).

4) In Bezug zu Nautilus (und zu meinem 3. Punkt).: Aktiv werden. Ich muss mich selbst ständig zu etwas aufraffen, und manchmal schaff ich es nicht. Aber nicht so schlimm, das wird mit der Zeit einfacher. Schnapp dir dein Rad und fahr, bis du nicht mehr kannst. Oder lauf, wander, verreis mal übers Wochenende. Machs alleine oder such dir Leute die mitkommen. Bestimmt findest du Facebook Gruppen, mit Gleichgesinnten. Da kannst du sagen, was du vorhast oder gerne machen würdest.


Ach, am Rande: das Geld reicht nicht für eine kleine Odyssee...stellst dus richtig an, sind das Jahre!
 
Meine Frage lautet also: Gibt es Leute den es ähnlich geht? Was kann man in solchen Fällen machen? Und was macht ihr wenn ihr mal so richtig die Schnauze voll habt, oder Abwechslung wollt.

Oh ja!

Ich hab Abi gemacht (weil ich nach der mittleren Reife keine wirkliche Idee hatte, was ich mit meinem Leben beruflich anfangen möchte), danach eine Ausbildung. Die erste Zeit des Berufslebens war schön, ich hab immer gern gearbeitet. Aber nach der Insolvenz meines geliebten ersten Arbeitgebers kamen andere Firmen, und mittlerweile hatte sich im Berufsleben einiges geändert: Konkurrenz, Zeitdruck, Leistungsdruck, Überstunden ohne Ende, mickrige Gehälter... Es war nicht mehr schön. Irgendwann hab ich dann gekündigt und mich im Bereich Wellness selbständig gemacht und einen Teilzeitjob angenommen, der mir den Anfang ein wenig überbrückt. Siehe da: ich arbeite viel, ich arbeite gern, ich habe mich mein Arbeitsleben so gestalten können, wie es zu MIR paßt. Und privat umgebe ich mich mit Menschen, die mir gut tun.
 
Ich kann Dich gut verstehen.

Ich finde alle Ideen von kaminblau super.

Gib Deine Träume nicht auf. Mach Dein Abitur und dann erst mal ne große lange Pause zum Erleben und Selbstfinden.

Und die Zeit bis dahin kannst Du weiter nutzen zum Sparen und Vobereiten.

Ich bin jetzt 47. Ich werde auch noch mal Pause machen. In 2 Jahren werde ich 30 Jahre gearbeitet haben. Dann gönne ich mir ein Sabathjahr und werde ein Jahr reisen. Die Zeit bis dahin fliegt schon dahin für Pläne und Vorbereitung.

Du sollst mal sehen, wie gut Du die unbefriedigende Arbeitssituation verpackst, wenn Dir bewußt ist, daß es nur darum geht Geld für die Zeit nach dem Abitur zu erwirtschaften. Ganz nebenbei wirst Du ne Menge zu erzählen haben und einige Leute positiv überraschen, daß Du so zielstrebig Deine Träume verwirklichst.

Fang schon mal an mit Entrümpeln, Sprachen lernen, einen Reiseblog aufbauen, Infos sammeln, trainieren (wandern, radfahren, klettern). Schau mal nach Möglichkeiten online Geld zu verdienen, das ist sehr praktisch für unterwegs. Google mal digitale nomades, schau Dir Reiseblogs an.

Und bis es soweit ist, macht auch Wandern in Deutschland total viel Spaß. Kauf Dir einen guten Wanderführer und dann gehts am Wochenende raus in die Natur. Das wirkt Wunder - wie ein kleiner Kurzurlaub so ein Wandertag in der Natur. Dann läßt sich die Arbeitswoche wieder etwas gelassener ertragen.

Also glaub nicht, Du müßtest Dich 40 oder 50 Jahre mit dem "Unvermeidlichen" abfinden. Mach Dein Abitur, nutz die Zeit bis dahin, und dann laß Dir den Wind um die Nase wehen, dann Studium, vielleicht ein Auslandsjahr und dann suchst Du Dir eine Arbeit, die Sinn und Freude macht. Und wenn Du noch mal ne Pause brauchst, dann gibt es dafür immer wieder mal im Leben Möglichkeiten.

Es ist Dein Leben - mach was draus! Viel Freude wünsche ich Dir.
 

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