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Ich weiß nicht weiter, Chef fährt Firma gegen die Wand

PeterH

Neues Mitglied
Hallo,

ich möchte mich heute mit einem Problem an euch wenden, welches mich nur indirekt (dazu später mehr) und meinen Chef direkt betrifft.

Ich bin gelernter Kfz-Mechaniker und bin seit 15 Jahren fest in einer kleinen freien Meisterwerkstatt angestellt. Insgesamt sind wir zu fünft im Betrieb. Mein Meister/Chef, zwei weitere Gesellen und die Frau des Chefs als Bürokraft.

Um genau die Frau geht es hier bei meinem Anliegen auch, denn mit ihrem Einstieg in die Firma vor zwei Jahren fingen die Probleme an.

Als der damalige Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet wurde, holte der Chef seine Frau in den Betrieb, die bis dato nie etwas mit Bürotätigkeiten zu tun hatte. Seit diesem Zeitpunkt geht es hier stetig bergab, da sie auch nach zwei Jahren selbst einfachste Tätigkeiten nicht selbstständig erledigen kann und daher den Chef im Büro bindet, obwohl gleichzeitig weiterhin für vier Leute Arbeit angenommen wird.

Wenn sie dann trotzdem einmal ohne die helfende Hand des Meisters tätig wird, dann geht erst recht alles drunter und drüber. Es werden die falschen Teile bestellt, Kunden nicht informiert, Termine vergeben, die nicht haltbar sind oder Teilebestellungen so spät herausgegeben, dass die Fahrzeuge zerlegt und nicht fahrtauglich auf der Bühne stehen und einen Arbeitsplatz blockieren.

Dies bringt natürlich einen erheblichen Mehraufwand für uns in der Werkstatt mit sich. Überstunden sind an der Tagesordnung, weil Teile erst kurz vor Feierabend eintreffen, der Kunde aber am nächsten Morgen sein Fahrzeug benötigt. Oftmals arbeiten wir am Folgetag noch bis Mittag Aufträge vom Vortag ab, ehe wir uns den eigentlichen Arbeiten widmen können.

Zum anderen führt es natürlich zu unzufriedenen Kunden, die nach und nach abwandern. Man muss dazu sagen, dass wir sehr viele Transporter und Klein-LKW reparieren, die übers Wochenende reinkommen und dann montags wieder fahrbereit sein sollen. Da es sich dabei in 95% der Fälle um Firmenkunden handelt, die das Fahrzeug zum Geldverdienen benötigen kann ich deren Unmut nur zu gut nachvollziehen.

Es tut mir sehr leid, wenn ich sehe, wie der Betrieb so nach und nach den Bach runtergeht, den der Chef über all die Jahre mühevoll aufgebaut hat. Da ich mit ihm ein freundschaftliches Verhältnis führe und mir nach der langen Zeit auch einiges erlauben kann habe ich in der Vergangenheit immer wieder das Gespräch gesucht, um ihn auf die Missstände hinzuweisen. Er merkt zwar selber, dass die Firma nicht mehr so läuft wie noch vor einigen Jahren, aber sobald man das Gespräch in Richtung seiner Frau lenkt blockt er komplett ab und die Diskussion ist beendet. Er sieht oder will nicht sehen, was diese Frau seinem Betrieb für einen Schaden zufügt.

Ich weiß an dieser Stelle wirklich nicht, wie ich weiter vorgehen soll. Die anderen Kollegen sind ebenfalls gefrustet und demotiviert, aber keiner weiß so richtig, wie man die Probleme zur Sprache bringt, ohne dass der Chef ausflippt.

Im Grunde könnte mir das Ganze egal sein, da ein Großkunde dabei ist, sich eine firmeneigene Werkstatt aufzubauen und er mir bereits das Angebot gemacht hat, dort als Werkstattleiter einzusteigen.

Ich bin wirklich am Überlegen das Angebot anzunehmen, aber ich möchte dem Chef noch eine letzte Chance geben. Fällt jemandem von euch dazu etwas ein, oder hat jemand etwas ähnliches erlebt und kann mir einen Rat geben?
 
Zuletzt bearbeitet:
Nimm das Angebot an , so lange es noch steht.

Wenn der Chef nicht hören will, dann geht die Werkstatt irgendwann unter. Aber Du musst ja nicht mit untergehen.

Du hast Dein Möglichstes getan, damit hat es sich.
 
Nimm das Angebot an, besser könnte es doch nicht laufen für dich. Als Werkstattleiter wirst du auch besser verdienen 😉
Dein Chef ist selber schuld wenn die Firma kaputt geht. Du kannst ja leider nichts machen.
 
Ich kann auch nur sagen, dass der TE das Angebot annehmen sollte. So hat er die Chance sich weiter zu entwickeln. Sein Chef entwickelt sich zurück. Ist nie gut, wenn Familienangehörige im gleichen Betrieb tätig sind. Sieht man hier wieder, denn dann gibt es falsche Rücksichtnahmen, die dem Betrieb und den Mitarbeitern schaden. Die anderen Mitarbeiter sollten sich auch was anderes suchen. Das ist wie in der Liebe, da darf man auch keine Gefühle kennen, denn dafür ist es ein zu ernstes Geschäft.🙂
 
Im Prinzip hilft da nur die letzte Möglichkeit. Ihm das Messer auf die Brust setzen. Entweder die Frau weg und einen kompetenten Mann ( Frau ) einstellen - oder ich weg. Du kannst das schon riskieren, wenn Du ein Angebot hast. Außerdem daraufhinweisen, daß das Benzin(Diesel)Auto so langsam in den Abwind gerät und Neues kommen wird. Meine kleine Werkstatt hier ( Maestro, mit einem Arbeiter und Ehefrau als Bürokraft.....) hat bereits den einzigen Arbeiter auuf Schulungen zwecks Elektroauto geschickt.
 
Oder alternativ, kommt darauf an, wie alt der Chef ist, in Verhandlungen mit ihm treten und den Laden selbst übernehmen.
 
Besten Dank für die zahlreichen Antworten.

Im Grunde ist mir bewusst, dass ich das Angebot annehmen sollte, aber ich bin innerlich hin- und her gerissen, ob ich den Schritt wirklich gehen soll. Ich verdanke meinem Chef einfach eine ganze Menge. Er war es, der mir damals nach dem Wehrdienst und ohne Berufserfahrung die Chance gegeben hat mich in dem Beruf zu beweisen, während es von allen anderen Absagen wegen mangelnder Berufserfahrung hagelte. Er hat mich über die Jahre immer gefördert und wohl einen hohen fünfstelligen Betrag in meine berufliche Weiterbildung investiert.

Ich verstehe einfach nicht, wie man sehenden Auges so ins Verderben rennen kann. Der Laden existiert jetzt seit 17 Jahren und ich war damals der erste Mitarbeiter, den er eingestellt hat. Ich bin also fast von Beginn an dabei und habe den Betrieb in gewisser Weise auch mitgeprägt, da fällt es mir unheimlich schwer, alles über den Haufen zu werfen.

Dazu kommen dann Zweifel, ob die angebotene Stelle wirklich etwas für mich ist. Der Geschäftsführer dort würde mir die Meisterausbildung bezahlen, gleichzeitig hätte ich aber einen längeren Weg zur Arbeit und die Hauptarbeitszeit würde aufs Wochenende fallen, da in dieser Zeit seine Transporter stehen und dann für die kommende Woche fit gemacht werden müssen. Ich habe einen fünfjährigen Sohn und ich weiß nicht, ob der Mehrverdienst die geringere Freizeit mit ihm und meiner Frau aufwiegt.

Ich habe Mitte September Urlaub geplant und bis dahin sollte ich mir überlegt haben, wie meine Zukunft aussieht, damit ich weitere Details mit der anderen Firma besprechen kann. Bis dahin würde ich schon gerne nochmal das Gespräch suchen um ihn vielleicht doch zur Einsicht zu bringen.

Leider fehlt mir in dieser Beziehung auch der Rückhalt meiner Kollegen, die sich zwar auch bei mir über den Zustand beschweren, aber nicht den Mut aufbringen, dies dem Chef so mitzuteilen. Der eine Kollege war vorher drei Jahre arbeitslos und der andere war mit Mitte 50 froh überhaupt noch einen Job gefunden zu haben. Von dem her kann ich es ihnen nicht mal verübeln, dass sie sich keinen Ärger einhandeln wollen.

Im Endeffekt wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich ihm, wie von mikenull vorgeschlagen das Messer auf die Brust setzen werde. Da der Chef selbst erst 47 Jahre alt ist kommt eine Übernahme nicht in Frage. Ganz zu schweigen, dass ich mir diese mit meinem Wissenstand nicht zutrauen würde.
 

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