Irgendwie scheint es logisch, dass man mehr vom Leben hat, wenn man "egoistisch" ist. Klar, wer auf seinen eigenen Vorteil schaut, wird doch öfter Vorteile genießen können, als der, der selbstlos zurücksteckt. Das muss man nicht mal begründen oder beweisen. Das ist doch logisch! Oder?
Aber die Erfahrung lehrt uns etwas anderes. Nur leider ist es oft sehr schwer, entgegen dieser vermeintlichen Logik, auf diese Erfahrungen zu vertrauen. Aber wir erleben immer wieder Menschen, die gerade deshalb, weil sie Zeit, Liebe, Verständnis uvm. für andere opfern, glücklich sind. Und die meisten Menschen spüren auch bei sich, dass es sie nicht glücklich macht, wenn sie nur auf sich schauen und versuchen, selber immer das Beste abzukriegen. Aber die Angst, selber zu kurz zu kommen, sitzt oft tief und die oben genannte Logik, bestätigt uns in dieser Angst. Dann sehen wir manchmal auch Menschen (oder erleben das bei uns selber), dass man sich ständig für andere aufopfert, nie einen Dank dafür bekommt und daran kaputt geht. Das bestätigt uns nochmal mehr und wir sehen die Menschen, die glücklich sind, wenn sie für andere da sind, als exotische Ausnahmen an. Wir glauben nicht, dass das bei uns auch so sein könnte. Deshalb kapseln wir uns ab, versuchen uns zu schützen.
Ich glaube aber, dass es einen ganz entscheidenden Unterschied gibt, zwischen den Menschen, die glücklich damit sind, was für andere zu tun und denen, die sich damit kaputt machen. Letztere sind deshalb für andere da, weil sie sich davon Zuneigung, Anerkennung und Liebe erhoffen. Sie wollen so sehr dazugehören und leiden darunter, es nie so zu schaffen, wie sie es sich wünschen. Aber das Gefühl der Zugehörigkeit, Anerkennung und Zuneigung kann man sich nicht erarbeiten. Das ist ein Geschenk, das in einem selbst wächst. Es wächst zwar (auch) durch das, was wir für andere tun, aber paradoxerweise eben nur, wenn wir es nicht deswegen tun, weil wir verzweifelt nach Anerkennung lechzen.
Ich glaube, dass der Wunsch nach Zugehörigkeit und Zuneigung in jedem Menschen tief verankert ist. Wenn du schreibst "wozu brauche ich liebe und Geborgenheit", glaube ich, dass du dir dieses Bedürfnis danach einfach versucht hast, abzugewöhnen, weil es dir nicht (zu wenig) erfüllt wurde. Eine Art Selbstschutz, dieses etwas trotzige: "Ich komm auch so klar!" das aus deinem Beitrag spricht.
Vielleicht gelingt es dir ja, dieses Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit wieder etwas mehr zuzulassen, auch wenn das bedeutet, dass du dich verletzlich und angreifbar machst und dein Schutzschild ablegst.
Ich wünsche dir, dass du dann auf Menschen triffst, die dich spüren lassen, dass du bedingungslos angenommen bist und dass du daraus die Kraft entwickelst, der gute Mensch zu sein, der in dir steckt.