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Ich verliere mich gerade selber - was kann ich tun?

miriam03

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier im Forum. Ich habe es eher zufällig gefunden und ein bisschen durch ältere Beiträge gelesen. Manche davon sind schon so alt, dass ich da selbst noch ein Kind war. Irgendwie ist es verrückt, wie lange es diese Community schon gibt vielleicht sind hier noch Menschen unterwegs, die das vielleicht verstehen, was ich gerade durchmache. Zu mir: Ich heiße Miriam, bin 20 Jahre alt und studiere seit letztem Jahr.
Und ehrlich gesagt… ich weiß im Moment nicht mehr, wer ich eigentlich bin.
Früher war ich total ehrgeizig, diszipliniert, motiviert. Ich hatte super Noten, klare Ziele, war positiv eingestellt. Ich war oft die, die anderen geholfen oder zugehört hat, nie die, die selbst über Probleme gesprochen hat. Ich hab immer funktioniert, durchgezogen, alles irgendwie geschafft. Aber in letzter Zeit ist alles anders.
Ich bin müde. Nicht nur körperlich, sondern so komplett leer. Ich habe keine Energie mehr, nicht mal für Dinge, die ich früher gerne gemacht habe. Selbst Kleinigkeiten wie aufräumen, Uni oder mit Leuten schreiben fühlen sich anstrengend an. Ich ziehe mich zurück, sage Treffen ab, obwohl ich gleichzeitig auch nicht allein sein will. Das alles ist total widersprüchlich und macht mich fertig.
Ich habe das Gefühl, als ob mich alles einholt, was ich früher weggeschoben habe.
Meine Kindheit war nicht leicht. Mein Vater ist Alkoholiker, es gab oft Stress, Streit, Unsicherheit aber ich habe das nie jemandem erzählt. Ich hab so getan, als wäre alles okay.
Und jetzt, wo eigentlich alles ruhig sein sollte, kommt dieser ganze alte Mist hoch.
Ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Ich bin ständig traurig, fühle mich allein, und irgendwie so, als würde ich mein eigenes Leben nur beobachten. Als würde ich gar nicht richtig mitmachen.

Ich frage mich oft, ob das jemals besser wird. Ich halte mich irgendwie über Wasser, aber es fühlt sich an, als würde ich feststecken. Ich dachte immer, mit 20 hätte man das Leben zumindest ein bisschen im Griff aber ich hab einfach das Gefühl, dass ich gerade alles verliere, was mich mal ausgemacht hat. Und dabei habe ich nie gelernt, Hilfe zu holen oder offen über sowas zu reden.

Ich hab keine Ahnung, ob das hier der richtige Ort ist. Aber ich hoffe einfach, dass vielleicht jemand mitliest, der sowas kennt oder mir sagen kann, dass das nicht für immer so bleibt. Vielleicht jemand, der älter ist, oder jemand, der ähnliche Phasen durchgemacht hat.

Danke fürs Lesen,
Miriam
 
Hallo Miriam,

ich glaube es gibt hier einige die es kenne oder zumindest ähnliches kennen. da jeder Mensch anders ist, ist auch jedes Problem allerdings etwas einzigartiges und so kann die 100%ige Lösung nur von dir gefunden werden.

Ich habe das ähnlich erlebt wie du, ich habe eine schwere Kindheit mit Gewalt und Mobbing/Ablehnung gehabt und mit 18 war ich nur noch eine emotionalte Leiche die nach außen zwar wirkte als ob sie nett und fröhlich war aber ich habe mich immer mehr abgekapselt gehabt von der Außenwelt. Der einzige Lichtblick zu dieser Zeit war meine Arbeit, weil die mich nahmen wie ich wirklich war (einer der Vorteile im Handwerk 🙂 ) aber davon abgesehen habe ich nie jemanden Vertrauen können.

Ich will dich jetzt nicht mit meiner ganzen Lebensgeschichte langweilen daher kürze ich das erstmal ab und schreibe mehr wenn es dich interessieren sollte aber: ich habe zwar viele Jahre gebraucht bin aber durch das beschäftigen von Psychologie mit mir in Reinen gekommen und mittlerweile auch soweit das ich Menschen wieder vertrauen kann wenn auch nur wenigen und auch ein sehr schönes und angenehmes Leben führe in dem Ich jeden Tag und jeden Moment genießen kann. Ich bin aber mittlerweile auch 33 Jahre und ich habe die ersten Jahre wirklich nur kleine Schritte nach vorne geschafft.

Wenn es bei dir allerdings jetzt nur eine "Phase" ist kann das auch etwas "normales" sein das jeder mal in seinem Leben hat. Trocken betrachtet geht deine Beschreibung etwas in die richtung von Depression, depressiver Phase aber das ist von außen nicht wirklich zu beurteilen und in meinen Augen auch nur bedingt Sinnvoll. Wenn du den Weg daraus suchst musst du dich selbst kennen lernen und aufhören dich zu verstellen und nur zu funktionieren!

Ich hoffe das hilft dir vielleicht!
 
Hallo und herzlich Willkommen hier.

es tut mir leid, dass es Dir schlecht geht. Alte Dinge, traumatische Erinnerungen und schlimme Kindheitserlebnisse gehen meistens nicht von alle weg. Man kann sie auch nicht "in den Griff" kriegen oder mit dem Verstand weganalysieren. Meistens muss man sie sich erst nochmals angucken und bearbeiten, um zu heilen.

Daher würde ich DIr zu einer Therapie raten, wo Du das alles mal aufarbeiten kannst. Vielleicht hast Du auch eine PTBS, aber das kann nur ein Arzt bzw. Psychologe feststellen. Es klingt alles so, als wärest Du depressiv, als wenn alles zuviel wäre. Du hast bisher funktioniert, vielleicht war es auch ein bisschen eine Rolle, aber irgendwann holt einen die Vergangenheit ein.
 
mit 18 war ich nur noch eine emotionalte Leiche die nach außen zwar wirkte als ob sie nett und fröhlich war aber ich habe mich immer mehr abgekapselt gehabt von der Außenwelt. Der einzige Lichtblick zu dieser Zeit war meine Arbeit,

Hey,

erstmal, vielen Dank für deine Nachricht!
Den Satz, den ich von dir zitiert habe, hätte es wirklich nicht besser beschreiben können. Du hast es genau auf den Punkt gebracht. Bei mir hat das ganze auch ca. mit 18 begonnen. Mit 19 wurde es schließlich ganz schlimm und nun bin ich komplett emotionslos. Die einzigen Emotionen die ich verstärkt wahrnehme sind Trauer und Wut, ich könnte ständig in Tränen ausbrechen und es verwirrt mich, weil ich das so garnicht von mir kenne. Wenn man mich so sieht, würde man kaum denken, dass es so in mir aussieht. Deshalb spiele ich für jeden anderen den Therapeuten, statt dass mich ab und zu jemand ehrlich fragt, wie es mir geht. (Wahrscheinlich würde ich lügen und sagen, dass alles okay ist. total widersprüchlich..)
Bei mir ist es zwar nicht die Arbeit, aber das Studium. Auch wenn es öfters mal ein Kampf ist, Aufgaben zu erledigen und regelmäßig zu lernen, weiss ich, dass ich noch einen festen Bestandteil habe. Jedoch ist dies ins negative gerutscht. hätte man mir vor 5 Jahren gesagt, dass ich so "faul" geworden bin, wenn es um schulische Leistungen geht, hätte ich das niemals geglaubt. Alles was mich mal ausgemacht hat, verfliegt und ich weiss einfach nicht wie ich es aufhalten kann, ich habe Angst, dass es nur schlimmer wird und ich mir mein Leben versaue. Ich studiere selber ein Psychologie-lastiges Fach, demnach kenne ich mich da etwas aus und wüsste theoretisch auch, an wen ich mich wenden könnte aber du wirst das sicherlich nachvollziehen können, dass es verdammt schwer ist. Trotzdem war deine Nachricht ein kleiner Lichtblick...es kann besser werden...dankeschön!
Deine Story interessiert mich natürlich auch, sie scheint ja ziemlich ähnlich zu sein! 🙂

Liebe Grüße
 
Liebe Miriam,
nein, mit 20 hat "man" sein Leben nicht im Griff. O.k., manche vielleicht - das mag es geben.
Aber im Allgemeinen, so habe ich es bei mir selber und bei vielen anderen erlebt, ist dieses Alter oft von viel Unsicherheit geprägt. Die Schulzeit ist vorbei, damit fällt die vorgegebene Struktur von Zeitplanung, Anforderungen, Zielen, die man anstrebt und Aufgaben, die man erfüllen muss, weg.
Auch die sozialen Kontakte, die sich dadurch von selbst ergeben haben, lösen sich oft auf - jeder muss jetzt schauen, wo der Weg für ihn hingeht.
Man ist jetzt auch kein Teenie mehr, sondern steuert auf das junge Erwachsensein zu - oft aber ohne genau zu wissen, was man will oder wohin man will.
Wenn man dann noch Dinge erlebt hat, die einen verunsichern, so wie du, dann ist es kein Wunder, dass man in eine Phase kommt, wo das alles hochkommt. Und man sich fragt: wer bin ich überhaupt?
Was will ich, was macht mich aus?
Vorher wurde einem so vieles angetragen, man war eingebunden in Aktivitäten, ohne groß zu hinterfragen, und hat funktioniert. Das hast du geschafft, trotz einer familiären Belastung. Du "kannst" es also, das ist doch gut zu wissen! Jetzt ist eine andere Phase angesagt.
Die Idee, von Binchy erwähnt, dir therapeutische Unterstützung zu holen, ist gut. Ich wünsche dir, dass du sie bald findest.
(Rückblickend hätte ich das auch haben sollen, ich habe auch lange gebraucht, mich nach der Schule zu sortieren ... ).
 
Also wenn du von der Theorie in der Thematik bist weißt du ja selbst das eine Therapie die Optimallösung für so etwas ist. Dafür muss man es aber selbst wollen und auch dem Psychologen/in/Pychotherapeuten/in vertrauen, das war in MEINER Vergangenheit nie Denkbar daher tue ich mich schwer das anderen zu empfelen.

"Deshalb spiele ich für jeden anderen den Therapeuten, statt dass mich ab und zu jemand ehrlich fragt, wie es mir geht. (Wahrscheinlich würde ich lügen und sagen, dass alles okay ist. total widersprüchlich..)"

nehm es mir nicht Böse aber als ich das gelesen habe musste ich schmunzeln weil das glaube sehr sehr Typisch ist für solche Probleme und sich sehr viele Menschen die selbst Probleme haben bei anderen immer gut und gerne helfen.

Dann will ich mal grob meine Lebensweg dir beschreiben:


Kindergarten: Im Kindergarten ging es los das dort jeden Tag auf dem Hof sich meine "Gruppe" mit einer anderen "Gruppe" jeden Tag gerauft, Sand abgeschmissen und geschlagen hat.
Klasse 1-4 Grundschule: Zumeist die gleichen Kinder in der Schulklasse, wir wurden älter, das Schlagen wurde heftiger, regelmäßige Elternabende wegen der Problemklasse, Ausgrenzung aus der Klasse.
Klasse 5-6 Orientierungsstufe: In der Schule spitzt sich die Gewalt immer weiter zu uns es kommen immer wieder Klassenkammeraden nach schweren Verletzungen per Krankenwagen ins Krankenhaus. Um mich zu schützen versammele ich andere Kinder die geschlagen werden um mich und wir haben so einen gewissen Schutz vor schlimmen schäden. Wer allerdings bei einem Lehrer oder Eltern "petzt" wird am folgetag Krankenhaus geprügelt und es wird nicht gestoppt wenn jemand am Boden liegt (das war vorher das normale "Ende" sobald einer am Boden liegt und kaum Atem bekommt. -> Meine Eltern denken ich bin schuld und verlieren das Vertrauen in mich und denken nur noch schlecht von mir so das ich zu Hause auch niemanden mehr habe der mir Wohlgesonnen ist. Das gleiche gilt mehr oder Minder für meine 3 Geschwister. Etwas später trennen sich meine Eltern -> Vater zieht aus -> Mutter Psychisches Wrack die sich nicht mal mehr um sich selbst kümmern kann.
Klasse 7-8 Realschule: Neue Klasse mit komplett anderen Kindern, leider werde ich dort auch recht schnell erstmal ausgegrenzt weil ich nicht die neusten Sachen habe, setzte mich aber mich meinen Dickschädel nach ein paar Wochen durch und finde lose Schuldfreunde. In dieser Zeit fange ich an mich mit Psychologie zu beschäftigen und zu Hause verkrieche ich mich vor allem Online weil mich die Menschen dort "mögen".
Klasse 8 Realschule: Bin sitzen geblieben, neue Klasse: ein teil Klassenkammeraden aus der OS. Mobbing geht sofort los, ich nutze Psychologie das es ihnen schwer fällt etwas gegen mich zu Unternehmen allerdings geht es außerhalb der Schule weiter indem sie bei mir zu Hause nachmittags Autos zerkratzen, Eier an die Fenster schmeißen etc... -> bekomme zu Hause für alles den Ärger.
Klasse 9-10 Realschule: Die Idionten sind zum glück alle sitzen geblieben, ich verstehe mich mit den in meienr Klase sehr gut, verliebe mich zum ersten mal in ein Mädel und bekomm ein Korb 😉 Alles in allem eine recht schöne Zeit in der ich aber schon merke das alle "nähe" zu anderen Menschen mir schwer fällt. Schließe Freundschaft mit einem Klassenkammeraden merke aber das ich auch mit ihm nicht offen über alles reden kann.
Klasse 11 Technik: Neue Klasse, kaum Kontakt zu den anderen da 4 Tage Praktikum ist -> Merke das ich beim Arbeiten Wertschätzung erfahre und es für mich etwas schönes ist (in einer Tischlerei)
3 Lehrjahre Tischler: Ich finde einen Betrieb, breche mein Fachabi ab und fange mit 18 eine Lehre in einer Tischlerei an. Ich arbeite dort oft 70-80 Stunden die Woche (Messebau) aber habe dort Menschen bei den ich mich wohl fühle und die mich so nehmen wie ich bin und mich auch so akzeptieren. Das erste mal lerne ich wie es ist eine Familie zu haben. Dennoch schaffe ich es nicht mich jemanden anzuvertrauen da ich Merke das ich innerlich Leer und wie ein Zombie bin. Sobald ich etwas Privates gefragt werde ist es mir unangenehm und ich versuche schnell das Thema zu wechseln. In dieser Zeit lerne ich aber ein junges Paar online kennen und Freunde mich mit ihnen an.
20-25Jahre: Ich wechsel den Betrieb da mir auf dauer das zuviel Arbeit ist, fange in unterschiedlichen Betrieben an. Werde nicht glücklich und die Probleme bleiben. Ich ziehe mich noch weiter Online zurück und habe nahezu keine Kontakte mehr. Zu alles die versuchen Kontakt aufzubauen breche ich sofort Kontak ab egal ob Freunde oder Familie. Die einzige Ausnahme bilden die beiden Freunde die ich online kennengelernt habe und mit 25 werde ich zu ihrer Hochzeit eingeladen (habe sie zuvor noch nie gesehen gehabt). Ich gehe zur Hochzeit, lerne sie und ihre Familien kennen. Fühle mich sofort geborgen und es fühlt sich wieder wie eine echte Familie an für mich. Alle mögen mich und kommen mit mir aus. Die Freundschaft vertieft sich.
26-29 Jahre: Ich lerne wieder zu Lachen, sich über etwas zu freuen, zumindest auch Teilweise meinen Freunden zu Vertrauen und beschließe das ich mein Leben nun wieder auf "normale" schienen lenken will. Hab nen paar Dates aber klappt alles nix.
30-32 Jahre: Vertraue Online immer mehr Leuten finde dort neue Freunde mit den ich mich auch im echten Leben regelmäßig Treffe und einige Freundschaften sind nun schon über 10 Jahre alt. Ich schöpfe daraus Kraft und Halt und wage mehr. Ich lerne nen Mädel online kennen, die Beziehung wird mit der Zeit allerdings sehr Toxisch von ihrer Seite und ich gehe mit 32 nach 2 Jahren getrennte Wege von ihr. Danach distanziere ich mich sehr von Online-Sachen und nutze sie nur noch ab und zu und vor allem nur noch als Hobby. Mit 32 lerne ich meine erste Partnerin kennen, habe eine schöne Zeit mit ihr, nach einem Jahr trennen wir uns jedoch im guten weil ihre Tochter eine Psychose entwickelt uns sie sich komplett um ihre Tochter kümmern möchte und sie sich schlecht fühlen würde wenn sie der Beziehung nicht "gerecht" werden würde da sie nie Zeit hätte.
33 Jahre: Ich bin glücklich mit meinem Leben und gespannt auf die Zukunft! 🙂

Meine Geschichte ist sicher eine andere als deine aber ich glaube ich kenne das gefühl sehr gut und kann es nachvollziehen wie du dich fühlst. Der Weg der vor dir liegt ist sicher kein leichter aber jeder Schritt wird dich einem glücklichem Leben näher führen.

Ich kann dir leider nur ein offenes Ohr anbieten und meinen Weg zeigen als Hilfe. Wenn es dir hilft kannst du deine Geschichte jemanden erzählen, falls du das Vertrauen aufbringen kannst. Ansonsten habe ich das in meinen jungen Jahren so gemacht das ich meine Sorgen und co Online mit vielen immer nur einen kleinen Teil geteilt habe da ich mir dachte die sind weit weg und können mir nicht schaden. Ist aber leider auch nur eine kleine Hilfe, wirklich geholfen haben mir erst meine Freunde. Wenn du wahre Freunde hast solltest du sie auf jeden Fall versuchen ins Boot zu holen, vielleicht verstehen sie es nicht aber sie lieben dich so wie du bist! Denn das macht Freundschaft aus.
 
Schaffe dir bewusst gute Gefühle, Gedanken, tollen Handlungen, dann kommt das was dich ausmacht leichter wieder von alleine. Beschäftige dich nicht großartig mit der schlechten Vergangenheit, die du eh nicht ändern kannst. Klar kann man mal zurückschauen und sein altes Leben analysieren und nach Gründen für jetzige Probleme versuchen zu suchen, sollte aber nicht ständig deshalb trauern. Guck lieber, was du im Hier und Jetzt tun kannst für dich und ändern kannst. Pass auf deine Gedanken und Handlungen am Tag auf, dann wirst du auch weniger trauern und fühlst dich auch weniger nur als Beobachter. Plane auch Pausen ein und sei aktiv für dich.
 
Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier im Forum. Ich habe es eher zufällig gefunden und ein bisschen durch ältere Beiträge gelesen. Manche davon sind schon so alt, dass ich da selbst noch ein Kind war. Irgendwie ist es verrückt, wie lange es diese Community schon gibt vielleicht sind hier noch Menschen unterwegs, die das vielleicht verstehen, was ich gerade durchmache. Zu mir: Ich heiße Miriam, bin 20 Jahre alt und studiere seit letztem Jahr.
Und ehrlich gesagt… ich weiß im Moment nicht mehr, wer ich eigentlich bin.
Früher war ich total ehrgeizig, diszipliniert, motiviert. Ich hatte super Noten, klare Ziele, war positiv eingestellt. Ich war oft die, die anderen geholfen oder zugehört hat, nie die, die selbst über Probleme gesprochen hat. Ich hab immer funktioniert, durchgezogen, alles irgendwie geschafft. Aber in letzter Zeit ist alles anders.
Ich bin müde. Nicht nur körperlich, sondern so komplett leer. Ich habe keine Energie mehr, nicht mal für Dinge, die ich früher gerne gemacht habe. Selbst Kleinigkeiten wie aufräumen, Uni oder mit Leuten schreiben fühlen sich anstrengend an. Ich ziehe mich zurück, sage Treffen ab, obwohl ich gleichzeitig auch nicht allein sein will. Das alles ist total widersprüchlich und macht mich fertig.
Ich habe das Gefühl, als ob mich alles einholt, was ich früher weggeschoben habe.
Meine Kindheit war nicht leicht. Mein Vater ist Alkoholiker, es gab oft Stress, Streit, Unsicherheit aber ich habe das nie jemandem erzählt. Ich hab so getan, als wäre alles okay.
Und jetzt, wo eigentlich alles ruhig sein sollte, kommt dieser ganze alte Mist hoch.
Ich weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll. Ich bin ständig traurig, fühle mich allein, und irgendwie so, als würde ich mein eigenes Leben nur beobachten. Als würde ich gar nicht richtig mitmachen.

Ich frage mich oft, ob das jemals besser wird. Ich halte mich irgendwie über Wasser, aber es fühlt sich an, als würde ich feststecken. Ich dachte immer, mit 20 hätte man das Leben zumindest ein bisschen im Griff aber ich hab einfach das Gefühl, dass ich gerade alles verliere, was mich mal ausgemacht hat. Und dabei habe ich nie gelernt, Hilfe zu holen oder offen über sowas zu reden.

Ich hab keine Ahnung, ob das hier der richtige Ort ist. Aber ich hoffe einfach, dass vielleicht jemand mitliest, der sowas kennt oder mir sagen kann, dass das nicht für immer so bleibt. Vielleicht jemand, der älter ist, oder jemand, der ähnliche Phasen durchgemacht hat.

Danke fürs Lesen,
Miriam
Hallo,

ich kenne das.

Das klingt für mich nach einer Depression, vielleicht ist es auch nur eine depressive Phase oder ein Burnout (= Erschöpfungsdepression).

Ich würde dir zu einer Psychotherapie raten, falls du das Gefühl hast, dass es länger anhält und du nicht alleine da rauskommst.

Ich bin 41 und habe schon zwei Psychotherapien hinter mir und kann sagen, das tut einfach nur gut. So eine Psychotherapie kann einem bei psychischen Erkrankungen und seelischen Belastungen echt helfen.

Die Suche nach einer Therapeutin kann aber langwierig sein, da die Nachfrage so groß ist. Da muss man Ausdauer haben, bis man einen Platz hat.
 
Einen schönen guten Morgen, zusammen 🙂

Ja, @miriam03 ich kenne das Problem. Solche Momente habe ich teils heute noch, was unter anderem auch an meiner sehr schwierigen Kindheit und Jugend lag.
Mir geht´s heute teilweise noch so und das mit Anfang 40. Ich habe phasenweise Depressionen, Alpträume seit über 35 Jahren (was auch an den Eltern und ihren komischen Erziehungsmethoden lag)
Mir haben Psychologen und Psychiater geholfen.

Aktuell habe ich selbst eine Krise auf der Arbeit (die mich nicht weiter bringt) und ehrlich gesagt, ist es heute schwieriger denn je, überhaupt gute professionelle Hilfe in zu bekommen / bzw. in Anspruch zu nehmen - denn die meisten schließen die Warteliste, wenn es länger als 1 Jahr geht. Bei manchen dauert die Wartezeit sogar 2 Jahre 😕
Von einigen Psychologen /Psychiatern fühle ich mich total hintergangen.
 
Oha Miriam, es klingt nach einer zumindest beginnenden Depression. Ganz bestimmt wird das Studium seinen Teil dazu beigetragen haben, weil es sicherlich auf eine Art sehr fordernd ist, andererseits macht man sich mit 20 eben auch Gedanken über das Danach.

Was wird aus mir? Bin ich gut genug? Reicht es aus, was ich bin?

Vielleicht nicht bewusst, aber unbewusst schon. Und dann bist du vielleicht noch im Übergang zum erwachsenen Menschen. Ich finde nicht, dass man mit 18 erwachsen sein muss. Manchmal dauert es etwas länger. Die Brücke zu deinem jüngeren Ich, vielleicht sogar zu dem kleinen Mädchen Miriam, ist noch stabil und hält dich fest.
 

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