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Ich schaffe keine Wende in meinem Leben!

CindyLeuchtfeuer

Neues Mitglied
Liebe Community!

Tolles Forum hier mit vielen Themen.
Erst ein wenig hin und her überlegt, aber ich will einfach mal Euch allen in dieser relativen Anonymität des Netzes mein besch.... Leben vor die Füße stellen. Es könnte ja sein, das ich eine Chance verpasse, das ich hier etwas zu lesen bekomme, was sich positiv auf mich auswirkt.

Bis heute habe ich noch nichts unversucht gelassen, aber mittlwerweile sehe ich fast keinen Ausweg mehr aus meiner "Lage".

Mein Leben ist total eingeschränkt und das seit meiner Jugend an.
Ich hab zwar meine Schule und meine Lehre gemeistert und danach ein paar Jahre gearbeitet, aber ich habe KEIN Leben mehr.

Ich hatte schon als Kind starke Ängste, damals vorrangig wegen dem Tod - dies manifestierte sich so stark, das ich von meinem 14-19 Lebensjahr tag täglich mit diesem Gedanke aufwachte und damit zu Bett ging. Die Panik vor dieser Nichtexistenz, einmal nicht mehr da zu sein und das JETZT aber zu wissen, für immer weg, nie wieder, nie wieder - brachte ich in panische Machtlosigkeit. Es kroch mir siedendheiß den Körper herauf, nichts dagegen tun zu können. Ich wollte schreien, weggrennen - aber was würde es helfen?

Mit 21 begann ich dann meine erste Therapie bei einer Psychologin. Ich kann heute nicht mehr sagen, was es mir gebracht hat, da ich nur die eine Erinnerung habe, das sie sagte, wenn ich jetzt nicht "aufhöre" (hatte Panik während einer Sitzung) dann müsse sie jetzt einen Notarzt holen!

Die Ängste um den Tod relativierten sich ein wenig, wahrscheinlich weil es eben doch keinen Ausweg gibt, aber ich denke sie sind einfach nur verbuddelt. Heute habe ich diese massive Angst darum nicht mehr so sehr, was auch meinem Glauben zu Grunde liegt und die daraus resultierende Hoffung.

Ein Jahr später ging ich mit meinem damaligen Freund ins Ausland, ohne zu wissen was ich da tue und was auf mich zukommt. Er war Trinker, oft unterwegs und hatte schon vor der Abreise gesagt, das er Angst habe, das ich ihm ein Klotz am Bein werden könnte. Und trotzdem ging ich in meiner Abhängigkeit mit. Wie blöd kann man sein, aber ich war einfach zu schwach und hatte Panik vor dem Verlassenwerden.

In diesem Land brach ich das erste mal so richtig zusammen. Ich konnte das Haus nicht mehr verlassen. Ich wurde zum Klotz am Bein. Der Druck war immens hoch, da ich wusste ich konnte meinem Freund nicht gerecht werden und er lies es mich auch spüren. Dort kam ich auch für 4 Monate in eine psychosomatische Klinik und wurde verhaltenstherapeutisch und medikamentös behandelt. Ich spürte aber das es nicht die Lösung für mich ist.

Am Ende schmiss mein Freund mich raus und ich saß in diesem Land und musste schaun wie ich zurück nach Deutschland kam. 4 Wochen lebte ich noch bei einer Bekannten aus der Klinik und setzte mich dann in den Zug und fuhr mit 4 Koffern zurück nach Deutschland.

Dort bekam ich mit Hilfe meiner Oma ein kleines Zimmer in einem Hochhaus und "lebte" dort 7 Jahre vor mich hin.

In dieser Zeit hatte ich weitere 3 Klinikaufenthalte und 2 Lagzeittherapien mit über 80 Stunden.

Dann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und wir heirateten.

Vor 2 Jahren beendete ich dann selbstständig eine 3 -jährige tiefenpsychologische-analytische Therapie, weil ich vollends zusammenbrach. Beim Schreiben bekomme ich sogar schlecht Luft und habe eine unruhige Beklemmung.

Es ging NICHTS mehr. Ich war teilweise tagelang wach, da ich keinen Schlaf mehr fand, nur um auf die Toilette zu gehen bedeutet für mich furchtbare Anstrengung mit teilweise 150 Puls - manchmal kroch ich ins Bad.
Meine Erschöpfung war so groß, das ich es nicht mal zu einem Arzt schaffte. Meine Ansgt und Panik davor war zu groß.
Einmal versuchte es meine Mutter doch und überredete mich ins Auto.
Ich dachte ich würde sterben. Mein Herz setzte gefühlt aus und ich bin sicher ich hatte eine Blutdruckkrise, so schlecht ging es mir.
Jeder wollte mich UNBEDINGT in eine Klinik bringen und ich bettelte nur um mein Leben wenigstens in meiner gewohnten Umgebung bei meinem Hund bleiben zu dürfen. Ich wusste ich würde es nicht schaffen rausgerissen zu werden und hatte nur den innigen Wunsch, das man mich hierlässt und sich um mich kümmert. Dies konnte aber in diesem Ausmaß in dem ich es gebraucht hätte, keiner verständlicherweiße leisten.

Ich schleppte mich von Tag zu Tag und entwickelte eine Blutdruckmessphobie - wahrscheinlich weil ich was kontrollieren wollte, aber dieser Wert lies sich so gar nicht kontrollieren. Ich erreichte in meiner Panik oft Werte bis zu 200. Langzeitmessung war aber gut. Bis heute kann ich nicht mehr messen, da der Wert durch meine Erwartungshaltung nicht aussagekräftig ist.

Ich bekam alle möglichen körperlichen Symptome. Kribbeln in den Beinen, Schwindel, Speichelfluß, Herzrasen, Verspannnungen im ganzen Körper, Migräne, Übelkeit usw.
Ich entwickelte daraufhin auch eine ganz starke Angst vor Krankheiten. Ich war überzeugt ich habe ALS oder MS. aber auch Krebs und alles was schrecklich ist. Bis heute denke ich das ich was haben muss, da ich mich ja auch nicht aussreichend untersuchen lassen kann, weil ich es nicht schaffe.
Natürlich gab es schon das ein oder andere an Untersuchungen, auch bei einem Kardiologen und Ultraschall und Röntgen hier und Blutbild und EKG da. Die Ärzte haben bis jetzt noch nichts Schlimmes entdeckt - ausser mal ein bisschen hohen Cholesterin, ein Knötchen in der Schilddrüse und erhöhte Harnsäure.
Daraufhin habe ich meine Ernährung auf vegetarisch / vegan umgestellt und mich seitdem nicht mehr getraut die Werte neu bestimme zu lassen - hat mir aber auch keiner angeraten, da ja nichts weltbewegendes. Wird aber auch nicht der Grund für meine Problematik sein:leer:

Nun ja- aus dem ganz schlimmen Zusammenbruch konnte ich mich wieder hochrabbeln, aber mein Leben ist kein Leben.

Es gibt einige wenige gute Tage, an denen mehr möglich ist, aber im großen und ganzen sieht mein Leben so aus:

Ich bin zuhause, schlafe schlecht (aktuell schon wieder ganz schlecht), bin sehr schlapp und habe bei Anstrengung gleich einen ziemlich hohen Puls. Ich muss aber sagen das ich keinen Sport mache oder machen kann und durch meine Geschichte eigentlich ständig nur liege und zuhause bin.
-> Ein kleines Biespiel:
Ich trage Werbung aus - ganz wenig Häuser, sogar direkt vor meiner Haustüre. Da es mir aktuell gar nicht gut geht, läuft das wie folgt ab.
Ich schnappe mir meine Hund und sortiere draußen die Werbung - schon nach dem 5. Sortiervorgang muss ich mich mal hinsetzen, mein Herz rast so. Ich versuche meine Gedanken zu koordinieren. Sortiere weiter. Ich schnappe mir ein paar Werbungen und beginne auszutragen - 1. Haus geschafft, 2. Haus geschafft - mir wird schwummerig - das nächste Haus ist gerade noch 20 Schritte weiter - komm geh dahin - mir zieht es de nBoden unter den Füßen weg und denke nur an ein. wie komme ich mit dieser Attacke und Schwindel mit meinem Hund die 100 Meter iweder zurück zum Haus? Also das dritte Haus schon nicht mehr gschafft - umgedreht. Schwanke nach Hause.
Setze mich in die Garage und sortiere weiter. Packe alles in mein Auto mit Hund und fahre nach 5 Minuten gut zureden los. Das Eck wo ich 6 Sachen auf einmal verteilen kann meide ich. Schaffe es nicht. Verteile ein paar einzelne Häuser um dann zu spüren das ich einfach nicht mehr kann - ich kann nicht mehr! Ich habe 140 Puls. Fahre nach Hause und es beliben 10 Häuser unbearbeitet. Gehe mit meinem Hund in den Garten. Bekomme einen Anflug von Trauer und dann Panik. Bis jetzt habe ich die restliche Werbung nicht verteilt - bitte huete Abend meinen Mann.
DAS IST DOCH NICHT MEHR NORMAL, nach all dieser Therapie, dem Schmerz, die Kliniken, den Gesprächen und Übungen, Medikamenten, Tränen usw.
Ihr könnt euch vorstellen, was es für mich bedeutet mur in einen Arztpraxis zu gehen - da muss ich wirklich auf einen guten Tag warten.
Was ist nur los mit mir - warum komm ich nicht raus aus meiner Angst, meinen Krankheitssorgen, meiner chronischen Körperbeobachtungen, meinen wöchtentlich wechselnden Symptomen?
Ich will Leben, ich will ein Stück Normalität.
In den Therapien habe ich immer gesagt, das es nichts bringt in die Situation zu gehen und dort zu bleiben bis die Angst angeblich vorüberghet - diese typsiche Verhaltenstherapie - ich hab das schon immer gefühlt, ich kann nicht erklären warum, aber es hat nichts gebracht, es hat es nur verschlimmert.
An guten Tagen kann ich auch mal in eine Restaurant oder einkaufen mitfahren, so ist es ja nicht, aber was passiert nur in mir. Niemand kann und konnte es mir sagen, hier vermutlich auch keiner, aber vielleicht musste ioch es einfach mal schreiben!
Wer mir antworten möchte dem bin ich dankbar!
Liebe Grüße
Cindy
 
[FONT=&quot]Hallo Cindy,[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]musste erstmal tief durchatmen, als ich das gelesen habe. Deine ganze Schwere kommt beim Lesen deines Textes sehr deutlich rüber.[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]Was ich herauslese ist eine gewisse Neigung Fehlentscheidungen zu treffen, in dem was du tust, obwohl du es eigentlich besser weißt …( die Sache mit dem Freund ins Ausland zu gehen, Therapien noch und nöcher)[/FONT]
[FONT=&quot]Andere haben scheinbar einen sehr starken Einfluss auf dich.. Du hast öfters Entscheidungen anderen überlassen, besonders wenn diese in ihrer Hilflosigkeit natürlich sofort "Therapie" geschrien haben. [/FONT]
[FONT=&quot]Alles scheint sich gegenseitig zu behindern.[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]In dir scheint eine gewisse Weigerung zu sein, deinen eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen (du wusstest z.B., dass es ein Fehler ist, mit diesem Freund zu gehen und stoppst dich nicht) Um das Gefühl des Ausgeliefertsein zu bestätigen, fokussierst du dich geradezu auf Angst, auf Krankheit, auf alles Negative.[/FONT]
[FONT=&quot]Du bestehst förmlich darauf und wenn du dann in einer Therapie bist, lässt du keine Heilansätze zu. Vielleicht weil sie einfach nicht dein Ding sind, vielleicht aber auch, weil du dann etwas in dir selbst verändern müsstest? Deine Ausrichtung, deine Art, die Dinge wahrnehmen zu wollen ist konsequent auf Katastrophe in allen möglichen Varianten fokussiert.[/FONT]
[FONT=&quot]Dieses Wollen ist glaube ich ein bisschen der Knackpunkt bei dir. Um es mal provokativ zu formulieren: Du tust vor dir selbst so, als seist du den inneren Vorgängen ausgeliefert und übersiehst dabei, dass du selbst die entsprechenden Themen ausgewählt hast.[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]Was hast du selbst unternommen, um dir eine andere Richtung zu geben?[/FONT]
[FONT=&quot]Deine Gewohnheiten in Katastrophendenken jeden Tag zu verbringen, muss dich panisch machen und eigentlich sagt dir dein Körper: Bitte Stopp! Bitte mal eine andere Richtung einschlagen. Du greifst dich mit diesem Denken so massiv an, dass du schon körperliche Symptome entwickelt hast.[/FONT]
[FONT=&quot]Ich könnte mir vorstellen, wenn du die Verantwortung für dein Denken und deine Sichtweisen übernehmen würdest, könntest du einiges zumindest entschärfen und deinem Leben einen lebenswerteren Sinn geben.[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]Was war das eigentlich damals mit der Angst vor dem Tod? Wodurch wurde es ausgelöst? Was war geschehen? Oder war es ein Film, eine Geschichte, die dich in Angst versetzte? Oder eine Bemerkung von irgendwem?[/FONT]
[FONT=&quot]Etwas, das dich offenbar nie mehr losgelassen hat und das du selbst in vielen Varianten weiter durchspielst. Es wirkt wie eine Art Besessenheit die du stoppen könntest, wenn du der Ursache auf den Grund gehst, bzw., wenn du dem Negativen etwas entgegensetzt das dich stärkt, das dein Denken in eine andere Richtung lenkt.[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot]Was trägt dich? Was stützt dich? Was tut dir gut? Wann fühlst du dich sicher? Was brauchst du, was gibt dir Kraft? [/FONT]
[FONT=&quot]
LG
[/FONT]
 
Hallo Stürmischer Tag!

Ich muss sagen, das mich Deine offenen Worte sehr berührt haben. Ich hab mich trotz der Konfrontation mit der Du mich beschreibst, keineswegs angegriffen gefühlt - meistens ist das ja so wenn man auf etwas hingewiesen wird. Also ich denke du verstehst was ich meine!
Irgendwas stimmt an der Sache die Du da schreibst, zumindest fühlt es sich so an.
Möchte jetzt auf Deine Fragen eingehen.
Du fragst was damals mit meiner Angst vor dem Tod war und ob es eine Geschichte oder Auslöser gab.
Also ich würde sagen eher nicht aber ich erzähle dir wie ich das Gefühl das erste mal empfand.
Ich war 6 oder 7 Jahre alt und verbrachte meine ganze Zeit in einem Reitstall - meien Eltern auch - unser damaliges Leben und Hobby.
Dort hatte ich eine Freundin die auch in meinen Alter war. Mit ihr saß ich wie immer nachmittag ein bisschen im Clubzimmer und schauten durch die Fenster unseren Eltern beim Reiten zu.
Sie erzählte mir dann, das ihre Oma gestorben sei. Und ich fragte sie: Wie gestorben? was ist das?
Du wirst jetzt den Kopf schütteln, aber ich war 7 und wusste nicht das Menschen sozusagen sterben und weg sind. Natürlich wusste ich irgendwie das Tiere sterben aber ich wurde auf einmal damit konfrontiert, das ein Mensch starb. Ich weiß noch das meine kleine Freundin damals lachte und für sie das völlig schon klar war - aber für mich nicht.
Es knallte in mein kleines Leben und als ich sie dann fragte ob auch wir sterben müssen, sagte sie, das wir alle mal sterben müssen.
Ich weiß nicht wie es mir direkt danach ging und wie genau der Verlauf war, aber ich weiß noch, das ich mir in meiner kindlichen Phantasie damals etwas überlegt, um den Tod zu überlisten.
Ich dachte mir, wenn man merkt das man stirbt muss man einfach ganz schnell weiteratemn und ich hoffte inständig das ich es nicht vergessen würde, wenn es mal soweit wäre. Wollte es mir aufschreiben und immer bei mir tragen.
Und ich dachte mir, wenn ich einfach von der Erde wegkäme, weiter hoch, dann könnte es auch klappen nicht zu sterben.
Irgendwie fast herzerreissend zu lesen, was ich als Kind dachte und was ich mir schon überlegte um da raus zu kommen - das beruhigte mich ein wenig. Ich musste einfach was finden.
Aber es hielt natürlich nicht und die Realität kam in mein Leben.
Darüber mit anderen zu sprechen hab ich nie wirklich getan, auch in Therapien nur ganz wenig, weil ich wusste, JEDER der mir gegenüber sitzt muss sterben, also was will er mir bitte sagen?
NIEMAND kann mir eine Lösung geben - einfach niemand - egal welche Therapie und was ich auch tue, ich kann es nicht ändern!
Die besagte Machtlosigkeit - ein wirklich zerfressendes Gefühl!

Die weiteren Fragen die Du mir gestellt hast, sind für mich schon immer sehr schwer zu beantworten gewesen:
"Was trägt dich? Was stützt dich? Was tut dir gut? Wann fühlst du dich sicher? Was brauchst du, was gibt dir Kraft?"
Warum? Weil in mir der Gedanke der Sinnlosigkeit so mächtig ist. Für was?
Was hat es für einen Sinn wenn mir was guttut, wenn ich doch in 100 Jahren nicht mehr da bin? Nichts - weg?
Sicherfühlen? Nirgends - leider - auch bei niemanden - wieso, wenn doch alles vergänglich ist.

Das einzige das mich ein wenig trägt ist mein Glaube, aber selbst da finde ich keinen kompletten Halt, obwohl ich es mri so wünschen würde, weil ich denke, das wäre für mich unglaublich wichtig.

Danke für Deine Mühe und Deine Worte, ich finde es total spannend was du schreibst.

 
Liebe Cindy,

sorry, dass ich erst jetzt wieder hier bin, um auf deine Antwort reagieren zu können.

Deine Beschreibung, wie du zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert wurdest ist in der Tat berührend. Auch die Tatsache, dass du bis dahin irgendwie sehr behütet gelebt haben musst, wenn dir der Tod erst so spät bewusst begegnet ist. Die Legende von Buddha ist mir direkt eingefallen, der wurde auch so sehr behütet von seinem Elternhaus, dass alles von ihm fern gehalten wurde, was mit den normalen menschlichen Leiden zu tun hatte, Krankheit, Alter und Tod. Und als er diesen Gegebenheiten schließlich doch begegnete bei einem Ausflug aus dem königlichen Palast, war er so betroffen, so entsetzt, dass er loszog um herauszufinden, wie man dem entkommen kann. Viele Jahre, viele Wege, eine einzige große Suche, bis er seinen Weg gefunden hatte und diesen Weg schließlich lehrte.
Vielleicht besagt das, dass man keine Lösungen von anderen bekommen kann, vielleicht muss man sie selbst finden und... man kann sie finden, wenn man dran bleibt.
Demnach wäre eine Wende für dich vielleicht, dass du nicht mehr bei anderen DIE Antwort suchst, sondern dich selbst auf die Suche machst. Vielleicht ist es ja auch sinnvoller nach dem Lebendigsein zu suchen und nicht nach dem Weg, wie man dem Tod irgendwie entkommen kann. Wobei es ja ohnehin so ist, dass wir eigentlich nichts über ihn wissen außer, dass das Körperliche endet. Und die 100 Jahre, die du angesprochen hast ... es soll Leute geben, die sind froh, wenn sie den Körper hinter sich lassen können, weil er einfach nicht mehr sehr dienlich ist, eher hinderlich mit all seinen Zipperlein etc.
Im Grunde kommt es mir aber so vor, als seist du auf eine gute Art unzufrieden, weil deine Art der Unzufriedenheit doch wie eine Einladung ist weiter zu gehen, tiefer zu gehen, nicht oberflächlich zufrieden zu sein.
Deine Angst vor dem Tod ist dabei eher das Zugpferd und gar nicht die Bedrohung als die du sie wahrnimmst.

Das ist, als wärst du dabei, deinen eigenen, spannenden Abenteuer-Roman zu schreiben. Und jeder spannende Roman lebt von der Reise an sich, von den Begebenheiten und nicht davon, dass der Held/die Heldin das Ziel schon erreicht hat.
Also könntest du dir doch den Druck nehmen und dich auf die Reise einlassen, anstatt gegen etwas anzukämpfen das du als groß, wabernd und undurchschaubar empfindest.
Wenn du es schaffst, deine Gedanken nicht mehr entmutigend einzusetzen (wozu das alles etc) sondern wenn du deine Unzufriedenheit einsetzt, um etwas heraus zu finden, dann wird dir das Leben sinnvoller erscheinen können. Zu irgendwas muss es ja schließlich gut sein, sonst wärst du nicht da!
Und selbst wenn du nicht mehr selbst davon profitieren solltest, dann sind es vielleicht die, die nach dir kommen.
Ein griechisches Sprichwort besagt:
Eine Gesellschaft gedeiht, wenn alte Menschen Bäume pflanzen obwohl sie wissen, sie werden niemals in ihrem Schatten sitzen.

Manche Dinge tut man nicht für sich selbst und vielleicht sind sie gerade deshalb gut und wichtig.
Entmutige dich nicht mit Gedanken, die dich nur in die Falle der Wertlosigkeit treiben.
Tu das, was dir sinnvoll vorkommt, was dich stärkt, was dir ein Lächeln zaubert, egal wie klein es ist oder dir vorkommt.
Um im Bild der alten Griechen zu bleiben:
Wer weiß schon, wer mal im Schatten der Bäume sitzt, die du pflanzen wirst. Also mach einfach!
🙂
LG
 

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