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Muttertöchterlein
Gast
Hallo an Euch hier!
Wie der Titel meines Beitrags bereits ankündigt, kann ich mich nicht von meiner Mutter lösen. Meine Mutter wollte nie Kinder, doch als bei ihr eines Tages die Verhütung versagte, kam ich dann als Unfall eben doch zustande. Seit dem Tag meiner Geburt wollte sie ihren Unfall nicht mehr loslassen. Sie sagte sogar: "ich habe mir immer gewünscht, aus Petra (name changed) würde eine Person werden, die immer an meinem Rockzipfel hängt." Meine Mutter leidet unter extremen Verlassensängsten und jeder Versuch meinerseits, sie zu einer Therapie zu bewegen, scheiterten.
Mittlerweile habe ich realisiert, dass ich nur dann glücklich werden kann, wenn ich mich selber ändere.
Doch das ist gar nicht so einfach.
Mein Leben lang wurde ich von meiner Mutter entweder auf ein Podest gestellt, oder mit Kritik überhäuft. Mein inzwischen verstorbender Vater war nicht viel anders. Meine Mutter hatte ihn mit ihrem Verhalten komplett infiziert.
Als ich Wirtschaftswissenschaften in den Vereinigten Staaten studierte, gab meine Mutter beim Bäcker, in der Sparkasse und einfach überall mit ihrer "begabten" Tochter an. Doch mir fiel das Studium zusehens schwerer. Zwar schaffte ich den Bachelor, doch mit dem darauf folgenden MBA hatte ich mir zuviel vorgenommen.
Als ich spürte, dass mir der MBA (Master of Business Administration) zu schwer ist und ankündigte aufzugeben, brach meine Mutter in Tränen aus. Sie schrie "man muss kämpfen"...'kämpfen"....KÄMPFEN!
Ich sagte meiner Mutter, dass es in erster Linie ihr Geld sei, was bei meinem "Kampf" drauf geht, doch sie wich von ihrer Meinung nicht zurück. Leider schaffte ich es nicht mich gegen meine Mutter durchzusetzen, kehrte in die USA zurück und scheiterte. All mein Kampf war umsonst.
Nachdem ich wie ein begossener Pudel wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, überschüttete meine Mutter mich mit Kritik. Warum ich bereits damals, auf dem Gymnasium so schlecht gewesen sei. Die Antwort war, dass ich einfach nicht besser sein konnte, doch meine Mutter schafft es nicht meine Durchschnittlichkeit zu akzeptieren. Warum ich überhaupt einen MBA begonnen hätte (das war IHR Wunsch gewesen).
Mir ging es total dreckig, ich fühlte mich wie ein Versager und hätte jemanden gebraucht, der mich aufbaut. Doch meine Mutter machte mich jeden Tag fertig.
Auf vor meiner Tante. Einmal hörte ich, wie sie zu meiner Tante über mich sagte: "Die ist S****!" Ein anderes Mal, als meine Tante ihr sagte, sie solle mich endlich loslassen und nicht mehr so sehr kontrollieren, entgegnete meine Mutter: "aber ich LIEBE die doch gar nicht!"
Ich musste weinen als ich das hörte, obwohl ich schon über 30 war.
Zwar habe ich ein paar Freundinnen, aber keinen Freund. Ob es überhaupt einen Menschen gibt, der mich liebt, weiß ich nicht.
Mein Studium hatte ich nur deshalb begonnen, damit meine Mutter stolz auf mich ist. Meinen wahren Interessen hatte es nie entsprochen. Doch das ist mir erst nach und nach klar geworden.
Momentan bin ich von meiner Mutter weggezogen und arbeite als Sachbearbeiterin. Mein Job ist furchtbar langweilig, schlecht bezahlt und anstrengend. Wenn ich Samstag abends mit Kolleginnen feiern gehe, klingelt mein Handy und meine Mutter ist dran mit den Worten: "bleib nicht zulange weg."
Da meine Mutter unter hohem Blutdruck leidet und ich Angst davor habe, sie zu sehr aufzuregen, kann ich den Abend dann nicht mehr genießen. Ständig denke ich daran, dass ich zurück in meine Wohnung muss, wo ich dann meine Mutter anrufe und ihr Bescheid sage, dass ich zuhause angekommen bin.
Wenn ich das nicht tue, liegt meine Mutter heulend auf der Erde und bringt meine arme, alte klapperige Großmutter, die bei ihr wohnt, zur Verweiflung.
Der Traum, den ich nun gerne verfolgen würde, ist es Kinderkrankenschwester zu werden. Ich habe schon mehrmals in der Pflege gearbeitet und bin somit nicht total ahnungslos, was in diesem Beruf auf mich zukommen würde. Er wäre mein Traum. Nur weiß ich nicht, wie ich das finanziell bewerkstelligen soll. Bei meiner Mutter wohnen möchte ich auf keinen Fall und mit 34 in ein Krankenpflegeschüler-Wohnheim zu ziehen ist nicht gerade angenehm.
Doch das Schlimmste ist: ich höre ständig die laute, gebieterische Stimme meiner Mutter. Selbst dann, wenn ich sie nicht am Telefon habe. In der Schule wurde ich ständig für meine Faulheit kritisiert (ich KONNTE einfach nicht besser lernen), mein mangelndes Mitgefühl (mit meiner Mutter), mein mangelndes Verständnis für soziale Belange, meine "Grausamkeit" (wenn ich es geschafft hatte, meine Eltern zu einem Trip ins Schwimmbad zu überreden, wozu sie nie Bock hatten), meine Oberflächlichkeit und und und
Da meine Eltern ständig auf mich einredeten, kann ich ihre Stimmen einfach nicht aus meinem Gehirn löschen.
Vor allem nicht die von meiner Mutter.
Wenn ich ins Kino gehe, höre ich sie sagen "Du darfst das nicht." Dasselbe gilt für alle Arten von Spaß. Ich bekomme dabei Schuldgefühle.
Als ich meiner Mutter erzählte, ich denke über eine Krankenpflegeausbildung nach, schimpfte und weinte sie: "DAS ist doch nichts für Dich. Du wärst dort total unglücklich und unterfordert. So ein sozialer Abstieg...Nein, DAS geht doch wirklich nicht."
Jetzt mache ich mir Sorgen, dass mich die Stimme meine Mutter während meiner Ausbildung verfolgen könnte und mir meine Konzentration und meinen Spaß rauben wird.
Wenn da eine Stimme in einem ist, die einem ständig sagt "Du bist schlecht" und "Du darfst das nicht"...wie soll man damit umgehen?
Einen Therapieplatz bekomme ich leider nicht so schnell.
Hättet Ihr vielleicht einen Rat für mich?
Liebe Grüße!
von einer, die sich endlich von ihrer Mutter lösen möchte
Wie der Titel meines Beitrags bereits ankündigt, kann ich mich nicht von meiner Mutter lösen. Meine Mutter wollte nie Kinder, doch als bei ihr eines Tages die Verhütung versagte, kam ich dann als Unfall eben doch zustande. Seit dem Tag meiner Geburt wollte sie ihren Unfall nicht mehr loslassen. Sie sagte sogar: "ich habe mir immer gewünscht, aus Petra (name changed) würde eine Person werden, die immer an meinem Rockzipfel hängt." Meine Mutter leidet unter extremen Verlassensängsten und jeder Versuch meinerseits, sie zu einer Therapie zu bewegen, scheiterten.
Mittlerweile habe ich realisiert, dass ich nur dann glücklich werden kann, wenn ich mich selber ändere.
Doch das ist gar nicht so einfach.
Mein Leben lang wurde ich von meiner Mutter entweder auf ein Podest gestellt, oder mit Kritik überhäuft. Mein inzwischen verstorbender Vater war nicht viel anders. Meine Mutter hatte ihn mit ihrem Verhalten komplett infiziert.
Als ich Wirtschaftswissenschaften in den Vereinigten Staaten studierte, gab meine Mutter beim Bäcker, in der Sparkasse und einfach überall mit ihrer "begabten" Tochter an. Doch mir fiel das Studium zusehens schwerer. Zwar schaffte ich den Bachelor, doch mit dem darauf folgenden MBA hatte ich mir zuviel vorgenommen.
Als ich spürte, dass mir der MBA (Master of Business Administration) zu schwer ist und ankündigte aufzugeben, brach meine Mutter in Tränen aus. Sie schrie "man muss kämpfen"...'kämpfen"....KÄMPFEN!
Ich sagte meiner Mutter, dass es in erster Linie ihr Geld sei, was bei meinem "Kampf" drauf geht, doch sie wich von ihrer Meinung nicht zurück. Leider schaffte ich es nicht mich gegen meine Mutter durchzusetzen, kehrte in die USA zurück und scheiterte. All mein Kampf war umsonst.
Nachdem ich wie ein begossener Pudel wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, überschüttete meine Mutter mich mit Kritik. Warum ich bereits damals, auf dem Gymnasium so schlecht gewesen sei. Die Antwort war, dass ich einfach nicht besser sein konnte, doch meine Mutter schafft es nicht meine Durchschnittlichkeit zu akzeptieren. Warum ich überhaupt einen MBA begonnen hätte (das war IHR Wunsch gewesen).
Mir ging es total dreckig, ich fühlte mich wie ein Versager und hätte jemanden gebraucht, der mich aufbaut. Doch meine Mutter machte mich jeden Tag fertig.
Auf vor meiner Tante. Einmal hörte ich, wie sie zu meiner Tante über mich sagte: "Die ist S****!" Ein anderes Mal, als meine Tante ihr sagte, sie solle mich endlich loslassen und nicht mehr so sehr kontrollieren, entgegnete meine Mutter: "aber ich LIEBE die doch gar nicht!"
Ich musste weinen als ich das hörte, obwohl ich schon über 30 war.
Zwar habe ich ein paar Freundinnen, aber keinen Freund. Ob es überhaupt einen Menschen gibt, der mich liebt, weiß ich nicht.
Mein Studium hatte ich nur deshalb begonnen, damit meine Mutter stolz auf mich ist. Meinen wahren Interessen hatte es nie entsprochen. Doch das ist mir erst nach und nach klar geworden.
Momentan bin ich von meiner Mutter weggezogen und arbeite als Sachbearbeiterin. Mein Job ist furchtbar langweilig, schlecht bezahlt und anstrengend. Wenn ich Samstag abends mit Kolleginnen feiern gehe, klingelt mein Handy und meine Mutter ist dran mit den Worten: "bleib nicht zulange weg."
Da meine Mutter unter hohem Blutdruck leidet und ich Angst davor habe, sie zu sehr aufzuregen, kann ich den Abend dann nicht mehr genießen. Ständig denke ich daran, dass ich zurück in meine Wohnung muss, wo ich dann meine Mutter anrufe und ihr Bescheid sage, dass ich zuhause angekommen bin.
Wenn ich das nicht tue, liegt meine Mutter heulend auf der Erde und bringt meine arme, alte klapperige Großmutter, die bei ihr wohnt, zur Verweiflung.
Der Traum, den ich nun gerne verfolgen würde, ist es Kinderkrankenschwester zu werden. Ich habe schon mehrmals in der Pflege gearbeitet und bin somit nicht total ahnungslos, was in diesem Beruf auf mich zukommen würde. Er wäre mein Traum. Nur weiß ich nicht, wie ich das finanziell bewerkstelligen soll. Bei meiner Mutter wohnen möchte ich auf keinen Fall und mit 34 in ein Krankenpflegeschüler-Wohnheim zu ziehen ist nicht gerade angenehm.
Doch das Schlimmste ist: ich höre ständig die laute, gebieterische Stimme meiner Mutter. Selbst dann, wenn ich sie nicht am Telefon habe. In der Schule wurde ich ständig für meine Faulheit kritisiert (ich KONNTE einfach nicht besser lernen), mein mangelndes Mitgefühl (mit meiner Mutter), mein mangelndes Verständnis für soziale Belange, meine "Grausamkeit" (wenn ich es geschafft hatte, meine Eltern zu einem Trip ins Schwimmbad zu überreden, wozu sie nie Bock hatten), meine Oberflächlichkeit und und und
Da meine Eltern ständig auf mich einredeten, kann ich ihre Stimmen einfach nicht aus meinem Gehirn löschen.
Vor allem nicht die von meiner Mutter.
Wenn ich ins Kino gehe, höre ich sie sagen "Du darfst das nicht." Dasselbe gilt für alle Arten von Spaß. Ich bekomme dabei Schuldgefühle.
Als ich meiner Mutter erzählte, ich denke über eine Krankenpflegeausbildung nach, schimpfte und weinte sie: "DAS ist doch nichts für Dich. Du wärst dort total unglücklich und unterfordert. So ein sozialer Abstieg...Nein, DAS geht doch wirklich nicht."
Jetzt mache ich mir Sorgen, dass mich die Stimme meine Mutter während meiner Ausbildung verfolgen könnte und mir meine Konzentration und meinen Spaß rauben wird.
Wenn da eine Stimme in einem ist, die einem ständig sagt "Du bist schlecht" und "Du darfst das nicht"...wie soll man damit umgehen?
Einen Therapieplatz bekomme ich leider nicht so schnell.
Hättet Ihr vielleicht einen Rat für mich?
Liebe Grüße!
von einer, die sich endlich von ihrer Mutter lösen möchte