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Ich habe keine Freunde, weil ich anders als die anderen bin!

Pointer

Neues Mitglied
Hallo Leute,

mein Name ist Leon, ich bin 18 Jahre alt und besuche zurzeit die 12. Klasse eines Gymnasiums. Mein Problem ist, dass ich total einsam bin und keine Freunde habe. Ich habe wirklich keinen einzigen Freund und das schon seit ein paar Jahren.

Das liegt daran, dass ich einfach anders bin als andere in meinem Alter. Ich interessiere mich nicht für Partys, Alkohol und Zigaretten und gehe auch nicht gerne feiern. Leider kenne ich wirklich niemanden (!) in meinem Alter, der auf meiner Wellenlänge ist. Alle gehen am Wochenende feiern und trinken so viel, dass sie sich am nächsten Morgen nicht mehr an den Vorabend erinnern können.

Letzte Woche habe ich z.B. mitbekommen, wie sich ein paar Schüler aus meiner Klasse zusammengeschlossen haben, um am Freitag nach dem Unterricht auf den Weihnachtsmarkt in die Stadt zu gehen und sich vollzusaufen. Der eigentliche Weihnachtsmarkt interessiert sie gar nicht. Sie stehen nur stundenlang am Glühweinstand herum, trinken einen Glühwein nach dem anderen in sich hinein und haben "Spaß".

Ich selbst trinke kaum Alkohol, erstens weil er mir nicht sonderlich gut schmeckt und zweitens, weil ich irgendwie nicht den Sinn dahinter sehe, Alkohol zu trinken. Hin und wieder eine Tasse Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ist vollkommen okay, aber nach einer Tasse reicht es mir dann auch schon wieder und andere alkoholische Getränke, wie z.B. Bier mag ich überhaupt nicht. Wenn ich auf einen Weihnachtsmarkt gehe, dann möchte ich auch etwas von den Ständen sehen und mich nicht den ganzen Tag lang nur am Glühweinstand aufhalten.

Obwohl ich erst 18 Jahre alt bin, bin ich lieber unter Erwachsenen. Ich weiß nicht warum, aber mit Gleichaltrigen kann ich irgendwie nicht wirklich umgehen. Spätestens, wenn sie sich über ihre Alkoholexzesse am Wochenende unterhalten, kann ich einfach nicht mitreden. Ich unterhalte mich viel lieber mit Erwachsenen und da fällt es mir komischerweise auch leichter, Gespräche zu führen.

Anders als andere in meinem Alter unternehme ich auch noch gerne etwas mit meinen Eltern, wahrscheinlich weil ich eben sonst niemanden habe. Wenn ich Klamotten kaufen gehe, nehme ich z.B. meine Mutter zur Beratung mit und auch jetzt zur Weihnachtszeit gehe ich mit meinen Eltern auf Weihnachtsmärkte.

Natürlich ist daran nichts verwerflich, allerdings vermisse ich schon irgendetwas in meinem Leben. Immerhin ist es auch schwer, eine Freundin zu finden, wenn man nie in die Disco oder auf Partys geht. Andererseits will ich solche Orte, an denen sich Jugendliche grundlos betrinken, irgendwie meiden. So überheblich das jetzt auch klingt, aber ich will mich mit solchen Leuten nicht abgeben. Klar, kann man auch einfach mitgehen und als einziger nichts trinken, aber so wirklich schön ist es nicht, mit anzusehen, wie sich seine "Freunde" total affig benehmen, grölen, S**** labern und randalieren.

Ich hatte schon überlegt, nach dem Abi weit weg zu ziehen, irgendwohin, wo mich niemand kennt, dort zu studieren und mir ein neues Leben aufzubauen. Das einzige, was mich hier noch halten würde, wären meine Eltern, an denen ich schon sehr hänge und die ich dann nicht mehr jeden Tag sehen würde. Andererseits muss man ja irgendwann auf eigenen Beinen stehen und dank Skype & Co. ist es heutzutage ja auch möglich, sich nicht nur regelmäßig zu hören, sondern auch zu sehen. Auf der anderen Seite habe ich die Befürchtung, dass es dort, wo ich hinziehe, nicht besser werden wird und ich erst recht vereinsame.

Was haltet ihr von meiner Idee? Gibt es hier vielleicht auch jemandem, dem es genauso geht, wie mir?
 
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Hallo Pointer,

schau mal in den anderen Threads zum Thema Freundschaft nach, da findest du viele Anregungen. Hier schreiben viele Menschen, die keine Freunde haben, du bist weiß Gott kein Einzelfall. Ich (50) habe bereits in deinem Alter auch nie zur breiten Masse gehört, und du wirst nicht der einzige junge Erwachsene sein, der Saufgelage bis hin zum Koma, Sexorgien, Rauchen und diese stinkend faule Chill-Mentalität etlicher Jugendlicher und junger Erwachsener verabscheut. Andere sind Herdenmenschen ohne allzu viel Hirn, du eben nicht. Ich war auch immer eher eine Individualistin.

Die Idee, nach dem Abi woanders einen neuen Anfang zu machen, finde ich gut. Irgendwann musst du dich ohnehin von den Eltern abnabeln, das ist der natürliche Lauf der Dinge. Der Kontakt geht dir ja nicht verloren, du kannst sie regelmäßig besuchen, ihr könnt telefonieren, mailen, skypen etc.

Überlegen solltest du, wie du am ehesten Gleichgesinnte in deinem Alter kennen lernen kannst (vielleicht bei einem geistig etwas anspruchsvolleren Hobby wie Schach, Musizieren, einer Foto- oder Theater-AG oder aber einer Sportart etc.). Oder möchtest du dich politisch oder sozial engagieren? Sollte Schüchternheit und Unsicherheit dein Problem sein, könnte auch eine Verhaltenstherapie bei einem Psychologen erwägenswert sein, die weiß Gott nicht jahrelang dauern muss.

Ich gehe aber eher davon aus, dass du einfach reifer (möglicherweise auch intelligenter, begabter?) bist als die meisten anderen in deinem Alter. Du wirst im Laufe deines Lebens noch genügend Gelegenheit haben, Leute zu finden, die deinem Niveau entsprechen. Nur mit Saufen, Qualmen und Herumhängen allein hat nämlich noch niemand ein Studium geschafft! Bei dem einen oder anderen, der jetzt noch nicht so weit ist wie du, handelt es sich außerdem auch nur um eine Phase, die in wenigen Jahren vorbei sein wird.
 
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Vielen Dank für deine Antwort, primavera7.
Ich bin gerade dabei, ein Instrument zu erlernen. Ich möchte mir das Gitarre spielen selbst beibringen. Ein paar einfache Lieder kann ich auch schon spielen. Allerdings wäre es für mich nie denkbar, eine Band zu gründen und vor Leuten aufzutreten. Das würde ich mich niemals trauen, dazu bin ich viel zu unselbstbewusst. Nebenbei gehe ich auch noch einmal in der Woche für etwa eine halbe Stunde joggen, um einfach mal abzuschalten und meine Alltagssorgen zu vergessen.

Ich bin definitiv ein sehr schüchterner Typ, deshalb fällt es mir zusätzlich schwerer, Kontakt zu anderen Personen aufzubauen. Wenn ich jemanden neu kennenlerne, weiß ich anfangs nie, was ich sagen soll. Erst wenn ich denjenigen etwas besser kenne, habe ich nicht mehr so große Hemmungen, mich mit ihm zu unterhalten. Aber so richtig locker wie mit meinen Eltern kann ich mit niemandem sonst umgehen.

Ich habe auch vor vielen Situationen, die für andere Menschen völlig normal sind, Angst. Und ein weiteres Problem ist, dass ich mir immer Gedanken darüber mache, was andere Leute über mich denken. Wenn ich mich in irgendeiner Weise beobachtet fühle, z.B. bei einem Referat, dann fange ich manchmal plötzlich zu zittern an, oder auch beim Gehen, wenn hinter mir jemand läuft, achte ich krampfhaft auf meine Beinbewegungen (seit mir mal jemand gesagt hat, ich hätte einen merkwürdigen Gang). Leider werden mir meine Ängste sicherlich nicht nur im Privatleben, sondern auch im Berufsleben irgendwann zum Verhängnis.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann dir zumindest eines garantieren: an der Uni wird das einfacher. Da wirst du zumindest mehr Leute haben, die auf deiner Wellenlänge liegen. Es sind ja nicht alle Leute, die man im Studium kennen lernt, erst um die 20 herum... Du wirst auch genug Leute kennen lernen, die an 30 oder drüber sind.

Mir ging das in deinem Alter auch nicht besser. Eigentlich bin ich sogar mit 28 wieder an nem Punkt, wo es recht ähnlich ist. Ich habe auch keine großartig vielen Kontakte. Hobbys jede Menge, auch Kontakte, die weiter weg wohnen usw., aber im Umfeld hier habe ich so gut wie gar keinen. (Eltern, Mitbewohnerin, nen Arbeitskollegen und paar Leute vom Hobby - aber außer mit der Mitbewohnerin und mit meinen Eltern mache ich so eigentlich auch nix groß).

Das ist einfach schwierig, wenn man aus der Masse raussticht. 😉

Wobei ich sagen muss, dass ich ja im Kontrast zu dir schon mal ne Zeitlang nen Batzen Kontakte hatte; aber das hat sich überwiegend alles auseinander gelebt, ist abgebrochen worden (nicht bloß von mir) usw.

Wenn du wirklich so krassen Leidensdruck verspürst, wobei ich mir da jetzt nicht 100pro sicher bin, dann würde ich dir halt raten, dir irgendwie n ruhigeres Hobby zu suchen - muss ja nicht gerade Schach sein, so wie bei mir; gibt ja auch noch andere Sachen. Vielleicht auch Hobbies, wo du eher Ältere triffst?
 
Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, dann geh doch zu den Pfadfindern. Dort hast Du Gelegenheit auf Gleichgesinnte zu treffen - und dies international!
Ich war mal auf einem Bundeslager zu Besuch und war sehr angetan von so vielen jungen hellen Gestalten, die parallel zum dummdreisten Mainstream ihres Alltags zusammen kommen ...
 
Ich habe auch vor vielen Situationen, die für andere Menschen völlig normal sind, Angst. Und ein weiteres Problem ist, dass ich mir immer Gedanken darüber mache, was andere Leute über mich denken. Wenn ich mich in irgendeiner Weise beobachtet fühle, z.B. bei einem Referat, dann fange ich manchmal plötzlich zu zittern an, oder auch beim Gehen, wenn hinter mir jemand läuft, achte ich krampfhaft auf meine Beinbewegungen (seit mir mal jemand gesagt hat, ich hätte einen merkwürdigen Gang). Leider werden mir meine Ängste sicherlich nicht nur im Privatleben, sondern auch im Berufsleben irgendwann zum Verhängnis.
Wenn das so ist, dann würde ich dir so bald wie möglich eine Psychotherapie gegen soziale Phobien bei einem darauf spezialisierten Psychologen bzw. einer Psychologin empfehlen. Denn nach dem, was du beschreibst, scheinst du an einer sozialen Phobie zu leiden. Ich weiß, wovon ich rede. Ich war früher auch extrem schüchtern (auch dem anderen Geschlecht gegenüber!) und bin erst ganz allmählich wenigstens etwas mehr aus mir herausgegangen. Noch im juristischen Referendariat (da war ich immerhin schon Ende 20) hatte ich anfangs massive Probleme damit, vor anderen aufzutreten und zu reden. Durch einen Schicksalsschlag (Tod meines Vaters) bedingt habe ich dann aber einen gehörigen Entwicklungsschub gemacht. Natürlich werde ich nie zu den Lauten im Lande und zu denen mit Riesenfreundeskreis gehören. Auch nie die Riesensuperkarriere machen. Aber immerhin hat es gereicht, einen guten, sicheren, adäquaten Posten als Volljuristin im öffentlichen Dienst zu finden und ihn seit fast 20 Jahren kontinuierlich ausüben zu können. Auch Beförderungen hat es trotz meiner zurückhaltenden Art schon gegeben, also ganz so schlimm ist es nicht mit mir gekommen. Ich bin finanziell unabhängig, muss nicht jeden Cent umdrehen. Was will ich mehr?

Heute gibt es noch mehr erfolgreiche Therapiemethoden als zu der Zeit, als ich in deinem Alter war. An deiner Stelle würde ich mich darüber informieren und mich darauf einlassen. Besprich das mit deinen Eltern und ggf. deinem Hausarzt. Die Kosten von Therapien bei Psychologen werden bei medizinischer Notwendigkeit auch von den Krankenkassen übernommen. Verwandten (außer deinen Eltern), Bekannten und Mitschülern würde ich es natürlich nicht auf die Nase binden - die haben dann oft nur blöde Kommentare auf Lager oder stellen dich vor anderen bloß. Dabei gibt es heute soooo viele Menschen, die Psychotherapieerfahrung haben - nur reden die wenigsten darüber, aus Angst vor denselben blöden Sprüchen, die sie früher vielleicht selbst über andere losgelassen haben. Solche Verhaltenstherapien dauern maximal ein bis zwei Jahre, manchmal reichen sogar wenige Sitzungen. Du machst dir den Anfang an der Uni damit wesentlich leichter, denn auch dort wirst du ums Referate-Halten und Präsentieren nicht herumkommen. Und später bei Bewerbungen musst du auch möglichst sicher auftreten können. Je weniger du dir Gedanken darüber machst, wie du auf andere wirkst, und je mehr du dich statt dessen auf den Inhalt dessen konzentrierst, was du sagen willst, und auf das, was dein Gegenüber dir mitteilt, desto besser wird dein Auftritt gelingen. Ich weiß, dass das leichter gesagt ist als getan, aber bis zu einem gewissen Grad kann man auch das lernen, selbst wenn man noch so schüchtern ist.

Bis zum Abschluss eines Studiums und Start ins Berufsleben hast du aber noch ein paar Jahre Zeit und solltest diese Zeit auch dazu nutzen, in kleinen Schritten deine Schüchternheit allmählich abzubauen. Vielleicht traust du dich ja in absehbarer Zeit, mit anderen zusammen rein privat zu musizieren (muss ja nicht gleich der große Auftritt vor anderen sein). Als ich das erste Mal mit meinem Musikinstrument öffentlich (im Trio und im Duo) vorgespielt habe, war ich bereits Mitte 40. 😉

Mit 18 hast du noch jede Menge Möglichkeiten, an deiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten und - am besten mit professioneller Hilfe - deine Schüchternheit auf ein für dich erträgliches Maß zu reduzieren. Man kann sein ganzes Leben über an sich arbeiten. Ich bin 50 und tue es bis heute. 😉🙂
 
Zuletzt bearbeitet:
Hey,
ich kann dir garantieren das es Leute gibt, ja sogar in deiner Klasse vielleicht, die auf deiner Wellenlänge liegen, man findet aber sowas erst heraus, wenn man sich diesen Personen nähert.
Es könnte wirklich sein das du eine soziale Phobie hast: Du wirst nicht gemobbt oder etwas in der Richtung, aber trotzdem stehst du alleine da.
 

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