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Ich fühle mich äußerlich entstellt

Karusellkopf

Mitglied
Guten Tag.
Mir kommen gerade wieder diese unglaublich schrecklichen Gedanken von denen ich nicht los werde. Es geht um nichts anderes als mein Aussehen.

Ich muss dazu sagen, ich schäme mich dafür dies so sehr als Problem wahrzunehmen, aber die Sache ist ganz einfach: ich fühle mich schlichtweg entstellt.


Ich bin männlich und 29 Jahre alt, also eigentlich aus dem Alter raus, in dem man sich ständig Gedanken um sein Aussehen macht. Früher war man da bedrückt wenn man nicht aussieht wie ein Hollywood-Star oder ähnliches, aber das will ich ja gar nicht. Alles, was ich möchte, ist auszusehen wie ein normaler Mensch. Wenn ich genau sagen müsste, was mir an meinem Aussehen nicht gefällt, ich wüsste nicht wo ich anfangen soll. Eine merkwürdige, viel zu lange Kopfform, unreine Haut, etliche, merkwürdig verteilte Muttermale im Gesicht, eine viel zu grosse Nase... kurz gesagt, das Gesamtbild - wenn mich das eine mal weniger stört, finde ich wieder etwas neues und jedes Mal finde ich es unheimlich schwierig, damit klar zu kommen. Ich schaue dann Minuten, manchmal über den Tag verteilt stundenlang in den Spiegel, mache tausende Fotos von mir selbst und so weiter. Wenn ich vom Spiegel etwas weg stehe oder die Selfie Kamera ein Stück von mir weg halte, geht es einigermaßen. Aber wehe, ich gehe zu nah ran mit der Kamera oder an den Spiegel, dann sehe ich all die hässlichen Details, die mich so entstellen. Komischerweise finde ich mich auf Fotos, die andere von mir machen,
meistens normal aussehend, nicht unbedingt hübsch aber halt auch nicht entstellt. Die einzige Ausnahme ist abends im Bus, wenn ich mich im dunklen Fenster spiegel, dann finde ich das ganz ok - dann sieht man ja auch die ganzen Details nicht. Das ganze Problem ist einfach nur mein Gesicht, mit keinem Körperbau bin ich meist zufrieden, für den tu ich aber auch viel - gegen mein Gesicht kann ich nichts machen als tausende an Cremes ausprobieren, die letzendlich nix helfen.

An meinen besseren Tagen kann ich es einfach ignorieren. Dann schaue ich wenn überhaupt nur aus etwas Distanz in den Spiegel oder schaffe es, das was mich stört, zu ignorieren, weil es ja nich sein koenne, dass ich entstellt bin, dass die Fotos auf denen ich gut ausschaue die Wahrheit zeigen und die anderen nicht. Jedenfalls rede ich mir das dann erfolgreich ein. Ich denke dann auch mehr, dass meine Persönlichkeit doch viel mehr zählt und schaffe es automatisch selbstbewusster aufzutreten.

An anderen Tagen hingegen - so wie heute - kann ich das nicht, und darunter leidet dann auch mein Selbstbewusstsein und infolgedessen meine Persönlichkeit. Es ist Freitag Abend, und ich traue mich aufgrund meines Aussehens nicht außer Haus zu gehen. Ich arbeite in einem Beruf in dem ich sehr viel Menschenkontakt habe, da kann ich es nicht brauchen dass mein Selbstbewusstsein dermassen geschädigt ist. Mit meinen Kollegen inkl. Vorgesetzten verstehe ich mich super und habe auch einige sehr gute Freunde, an Tagen wie heute bin ich allerdings überzeugt davon, dass alle doch sicherlich hinter meinem Rücken über mich reden. Ich schaffe es, an solchen Tagen weiterhin meinem Alltag nachzugehen und mich nach außen hin so zu verstellen, dass keiner merkt, dass mich etwas belastet, und wenn doch sage ich meistens, dass ich nur schlecht geschlafen hätte oder müde wäre. Das ist auch nicht ganz gelogen, da ich nachts oft wach liege und sich meine Gedanken um dieses Thema kreisen, sodass ich stundenlang nicht schlafen kann. Darunter leidet mein Zustand dann zusätzlich.

Ich vergleiche mich sehr oft mit anderen Menschen und das beinahe zwanghaft. Ich kann keinen Film anschauen, ohne mich gleich mit den Personen am Bildschirm zu vergleichen. Manchmal bin ich dann ganz erleichtert, bei anderen Personen das, was ich bei mir als Makel empfinde, zu entdecken. Nicht, weil ich mich dann besser als diese Personen fühle, sondern weil es mir zeigt, dass es etwas ganz natürliches, also normales ist. Das hilft aber nicht immer.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals jemand einen abfälligen Kommentar über mein Aussehen gemacht hat, tatsächlich hab ich auch schon das ein oder andere Kompliment erhalten, das kann ich allerdings nicht ernst nehmen und halte es nur für leere Freundlichkeit, vielleicht sogar nur aus Mitleid mit meinem entstellten Gesicht.

Ich habe Mal über Dysmorphophobie gelesen und mir Gedanken gemacht, ob ich tatsächlich daran leiden könnte, das würde mir zumindest in dem Sinne Trost verschaffen, dass all diese Gedanken nur aufgrund einer verkorksten Selbstwahrnehmung statt finden und nicht weil ich wirklich aussehe wie eine Karikatur. Auf der anderen Seite kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, eine dermaßen falsche Selbstwahrnehmung zu haben. Zum Psychologen zu gehen traue ich mich nicht, zum einen weil ich mich an Tagen, an denen es mir deswegen richtig schlecht geht, zu sehr für mein Aussehen schäme, zum anderen weil ich mich dafür schäme, so etwas vermeintlich belangloses wie mein Aussehen überhaupt so schwer zu nehmen, dass daraus ernsthafte Depressionen entstehen. Allerdings sollte man ja dann auch ehrlich sein, wenn man über seine Probleme reden.

Tut mir leid, das war jetzt viel. Ich weiß auch nicht ganz genau, was ich mir von dem hier gerade erwarte, ich glaube meine Hauptintention war es mich mal von der Seele zu reden. Auch mit Freunden rede ich nicht über dieses Problem, weil ich mich wie gesagt dafür schäme. Fotos stelle ich nur äußerst ungern rein, zum einen, weil ich gerne anonym bleibe, zum anderen weil ich aus Angst, bestätigt zu werden, sowieso nur die nehmen würde, die ich ok finde.

Vielleicht aber kommt ja dem einen oder anderen von euch etwas aus meiner Geschichte bekannt vor und der oder diejenige hat ein paar Tips fuer mich, wie man besser mit diesen Gedanken klar kommt. Gerade im Moment bin ich echt am Ende...

Vielen Dank dir fürs lesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du musst dir unbedingt psychologische Hilfe suchen. Was du beschreibst, ist tatsächlich eine psychische Erkrankung, Namen weiss ich grad nicht. Lass dich von deinem Hausarzt und/ oder Krankenkasse bzgl Therapie beraten. Es ist eine Erkrankung wie Grippe oder Rheuma, also kein Grund, sich zu schämen.
 
Dysmorphophobie ist die Bezeichnung dieser psychischen Erkrankung, wenn du das meintest. Und ja, daran dachte ich auch sofort und würde auch zu psychologischer Hilfe raten.
 
Hallo, vielen Dank für eure beiden Antworten.
Ich habe versucht meine Gedanken so detailliert wie möglich zu beschreiben um den Kern des Problems finden zu können, daraus ist leider ein ziemlich langer Text geworden.
Ich habe heute ausschlafen können und mir geht es gerade etwas besser, weil ich es einfach schaffe, mir momentan weniger Gedanken darum zu machen.

Über Dysmorphophobie habe ich auch schon gelesen und in die Richtung gedacht, dass dies vorliegen könnte, allerdings bin ich da auf zwei typische Merkmale getroffen, die auf mich eher weniger zutreffen (wenn ich da gerade nicht falsch liege):
Erstens schaffen es Menschen (soweit ich darüber gelesen habe) mit dieser Störung in der Regel kaum, ihren Alltag zu bewältigen, weil diese Störung einfach komplett um sie greift und alles zu beherrschen scheint, also vielleicht auch nur ein Symptom anderer psychischer Erkrankungen wie z. B. schwerer Depressionen sind. Bei mir ist es so, dass ich es durchaus schaffe, meinen Alltag sehr gut zu bewältigen. Ich habe studiert, gehe seit 3 Jahren einem Job nach mit kaum Krankheitstagen und kriege bislang durchweg positives Feedback über meine Arbeitsleistung. Das kommt wohl daher, dass ich es schaffe, während der Arbeit diese Gedanken weitgehend zu verdrängen (nicht immer, aber meistens).
Zweitens haben Personen mit der Dysmorphophobie auch häufig, soweit ich gelesen habe, nur einen einzigen Makel, den sie sich aber entweder komplett einbilden oder als so übertrieben groß wahrnehmen, dass sie sich dadurch völlig entstellt fühlen. Bei mir ist es so, dass ich tausende und abertausende Dinge an meinem Gesicht finde, die völlig deplaziert sind und es werden auch immer mehr - man wird ja mit dem Alter auch nicht unbedingt schöner. Außerdem ist es bei Menschen mit dieser Störung ja auch so, dass nur sie, nicht aber andere diese Makel beobachten können. Wenn ich Fotos von mir mache sind diese Makel nämlich beispielsweise sehr deutlich sichtbar. Da fällt mir auch gerade eine Geschichte dazu ein: Ich hatte auf Facebook mal ne Zeit lang, das war so vor nem Jahr, ein Foto von mir selbst drinne, das ich eigentlich ganz in Ordnung fand. Mich hat ein paar Tage drauf ein Freund angeschrieben und etwas gemeint in die Richtung, ich schaue auf dem Bild echt absolut fertig aus, kurz darauf noch sowas wie "also nur auf dem Bild, nicht in echt". Das Bild hat aber mehr oder weniger das wieder gegeben, was ich jeden Tag im Spiegel sehe, vielleicht sogar etwas schöner wenn ich es dafür gewählt habe, und dieser Freund von mir hat mich zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Monate lang nicht mehr gesehen. Es ist also durchaus so, dass andere meine Mängel sehen können, wenn sie ihnen auch nicht sofort auffallen.


Das war jetzt schon wieder viel mehr Text, als anfangs beabsichtigt. Aber das spricht alles so dagegen, dass ich bei mir nicht an eine Dysphorphophobie denken kann, sondern einfach wirklich sehr grotesk aussehe und einen weg finden muss, damit klar zu kommen, bevor es noch schlimmer wird.


Ich finde es trotzdem interessant, dass ihr beide gleich als die ersten antwortenden an die Dysmorphophobie gedacht habt. Deswegen, habt ihr vielleicht schon Erfahrungen gemacht mit Dysphmorphophobie, entweder selbst welche über die ihr redet würdet oder in eurem Bekanntenkreis? Hatte das tatsächlich Ähnlichkeit mit dem, was ich hier beschrieben habe? Und wenn ja, haben die eine entsprechende Therapie in Anspruch genommen, die auch zu positiven Ergebnissen geführt hat? War die Überwindung sehr groß, sich deswegen Hilfe zu suchen und gab es eine gute Motivationshilfe, es trotzdem zu tun? Das wären alles dann so fragen, die mich interessieren würden.

Ich habe versucht, gerade deswegen so weit wie möglich ins Detail zu gehen, damit derartige Störungen ausgeschlossen oder vielleicht sogar als wahrscheinlich erachtet werden können.

Vielen Dank weiterhin für eure Mühe, mir weiterzuhelfen.
 
Hallo Johnny B.,
danke für deine Antwort. Ich habe auch noch einmal geschrieben, bevor du geantwortet hast, allerdings musste der Post erst von einem Moderator bestätigt werden bevor er erscheint und ist deswegen nach deinem erst erschienen. Wenn du schon Erfahrung mit Dysphmorphophobie-Erkrankten gemacht hast, vielleicht kannst du manche der Fragen beantworten die ich da gestellt habe?

Dankeschön für die Hilfestellung!

Nochmal ne kleine Nachbearbeitung: Weil du auf Foren zum Thema "Dysmorphophobie" zu sprechen gekommen bist, ich habe mich tatsächlich mal in einem angemeldet, dies schien allerdings zu diesem Zeitpunkt schon inaktiv zu sein, jedenfalls wurde meine Registrierung dort nie bestätigt. Kennst du vielleicht eines, das noch aktiv und empfehlenswert ist? Für mich ist wie gesagt die Hemmschwelle da extrem hoch, mit jemandem persönlich darüber zu sprechen und ich würde deswegen gerne die Anonymität des Internets nutzen.
Dennoch bleibe ich gerne in diesem Forum, habe mir jetzt einige Threads durchgelesen und bin sehr froh darüber, wie gut und schnell hier Hilfestellung geboten wird. Bei mir endets mit diesem Thema noch nicht, manchmal fühle ich mich auch ganz ohne benennbaren Grund miserabel, aber das wäre wieder ein anderes Thema...
 
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