Metallaffe
Neues Mitglied
Hallo zusammen,
ich bin neu hier und muss mir einmal ein paar Dinge von der Seele reden.
Ich bin 38 Jahre alt und sehr einsam. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben total leer ist und ich mein Leben verschwendet habe.
Ich habe seit meiner Kindheit keinen großen Freundeskreis gehabt - sondern nur wenige Menschen mit denen ich etwas unternahm. Ich bin recht introvertiert und hatte schon immer etwas nerdigere Hobbies.
Während meines Studiums war ich in einer fremden Stadt und hatte ein paar nette Kontakte. Ich war aber in einem sehr anstrengenden Studienfach mit einer verdammt hohen Männerquote (IT - von fast 400 Erstsemestern war genau 1% weiblich). Während des Studiums habe ich mich viel im Internet herumgetrieben und mich stark auf die Fertigstellung des Studiums konzentriert - ich wollte meinen Eltern nicht zur Last fallen da Studiengebühren eingeführt werden sollten.
Ich habe nach 13 Semestern (nur 1 mehr als die angegebene Regelstudienzeit) einen recht ordentlichen Abschluss gemacht und wollte eigentlich tolle Dinge erfinden und in der Forschung arbeiten. Ich suchte eine Stelle in der Forschung und bekam dann eine Doktorandenstelle an einer anderen Universität. Die war in der Nähe meiner Eltern und ich zog erst einmal bei ihnen wieder ein - da mein Vertrag nur kurze Zeit laufen sollte (natürlich zahle ich miete!). Da wurde auch noch mein Vater arbeitslos und bekam dann später nur eine Stelle am anderen Ende von Deutschland - so dass er immer zum Wochenende zwischen zuhause und dem Arbeitsort pendelte.
Er sagte mir einmal, er sei sehr beruhigt dass ich da wäre - so müsse er sich keine Sorgen um meine Mutter machen.
Die Zeit an der Universität war interessant, hat mich aber in meiner Forschung nicht wirklich vorran gebracht. Trotzdem habe ich angefangen zu promovieren - ich wollte unbedingt ein Doktor werden damit ich im Berufsleben einen Vorteil habe.
Fertig wurde ich an der Universität nicht. Nach knapp 4 Jahren waren die Förderunganträge für Forschungsprojekte so schlecht gelaufen, dass ich keine weitere Verlängerung mehr bekam.
Ich fing an mit der Jobsuche und war sehr ernüchtert. So schnell sollte sich kein Job abzeichnen - teilweise waren die Angebote die ich bekam extrem dreist. So war ich ein gutes Jahr arbeitslos bis ich einen Job als Consultant ergatterte (Glücklicherweise ohne 5 Tage fern von zuhause). Noch bevor ich anfing starb mein Großvater. Ich fing meine Job an und erstmal war alles gut. Dann fing ich aber nach einem dreiviertel Jahr wieder an an meiner Promotion weiter zu werkeln - mitunter ratlos und manchmal nach einem 9 Stunden Arbeitstag noch einmal 6-7 Stunden an der Arbeit gearbeitet. Und dann hatte ich es nach ~2 Jahren endlich soweit - ich habe meine Prüfung abgeschlossen und musste "nur" noch meine Dokotorarbeit verlegen. Das war alles so viel Arbeit, dass ich fast auf dem Zahnfleisch ging - Job und Promotion parallel sind wirklich hart. In dieser Zeit habe ich kaum noch alte Bekannte gesehen und mich wenig mit anderen Menschen getroffen.
Als ich fertig war - war ich froh. Und traurig. Ich hatte ziemlich zugenommen (über 150kg!!!) und ich war sehr traurig dass ich so wenige Menschen dazu auffordern konnte zu meiner Promotionsfeier zu kommen. Das war nichts. Ich hätte am liebsten nur geheult.
Ich hatte einen kleinen quasi Freundeskreis im Rahmen eines Pen & Paper Rollenspiels wieder aufgebaut und ich war froh, dass ich wenigstens diese Freunde hatte.
Ich nahm mir vor, es muss sich etwas ändern. Ich habe innerhalb eines halben Jahres gut 20kg abgenommen und mich mehr in die Arbeit vertieft als gut für mich war. Ich kannte es ja kaum anders - ich musste ja Arbeiten um mich selbst zu bestätigen. Parallel suchte ich nach einem neuen Job und einer eigenen Wohnung. Und ich unternahm mehr mit ein paar alten Freunden.
Anfang 2016 bekam ich eine heftige Gallenblasenentzündung und musste operiert werden. Ich hatte schon immer eine Angst vor Krankenhäusern (meine beiden Großväter sind in Krankenhäusern verstorben). Glücklicherweise ging alles gut (sonst könnte ich ja jetzt auch nicht schreiben 😉). Mein Vater holte mich aus dem Krankenhaus ab. Wir haben noch viel gewitzelt und zuhause habe ich endlich wieder gut schlafen können. Am nächsten morgen sassen wir zusammen beim Frühstück (hatte ja Urlaub) und meine Tante (Schwester meines Vaters) war auch zu besuch. Am Frühstückstisch hatte ich plötzlich an einer Wunde einen starken Sekretausfluss, so dass mein Vater mich erst zum Arzt fuhr - und dann zum Krankenhaus. Man musste am Bauchnabel die Wunde öffnen und Ausspülen - die Haut war oben schneller zusammengewachsen als mein "Speckgürtel" darunter und es hatte sich eine Wundblase gebildet. Mein Vater holte mich auch wieder ab und er war erstaunlich still auf der Fahrt.
Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh von Geräuschen - ich fand meine Vater im Wohnzimmer vor umgeben von Sanitätern. Ihm ging es eigentlich gut und er machte Witze, jedoch erfuhr ich, dass er wohl einen Herzinfarkt hatte und deswegen vor Schmerzen o.ä. nachts am Computer spielen von meiner Mutter gefunden wurde. Man brachte meinen Vater in eine Spezialklinik und er wurde operiert - er bekam einen Stent eingesetzt. Dabei stellte man fest, dass er schon einmal einen Infarkt an der Hinterwand hatte - nachdem alles gut verheilt sei müsste er wohl noch einmal einen Stent bekommen.
Ich konnte und sollte mit meiner offenen Bauchwunde meinen Vater nicht besuchen. Ich konnte nur zwischendurch kurz mit ihm Telefonieren. Ich spielte gerade an meiner Konsole ein Spiel als ich das letzte Mal mit meinem Vater sprach - wir witzelten noch über seine potentiellen Rehamöglichkeiten die er am liebsten in einem Weingebiet verbringen wollte. Drei Tage nachdem er in die Spezialklinik kam, am ersten Tag als er von der Intensivstation auf die normale Station verlegt wurde, hatte er nachts wohl Herzrythmusstörungen und verstarb mit 64 Jahren - zwei Monate nach seinem extra früheren Eintritt in die Renter. Eine Reanimation war nicht erfolgreich. Uns ging es dreckig und ich hatte wirklich Angst um eine Mutter - so schlecht ging es ihr. Und das Jahr hatte gerade erst begonnen....
Im Sommer hatten wir den Keller bei starken Regenfällen überschwemmt - und die Versicherung kam nicht dafür auf. Da bin ich auch hinterher zusammengebrochen - ich konnte einfach nicht mehr. Sowohl seelisch wie auch körperlich. Ich hatte mich voll verausgabt und ich war seelisch ausgelaugt. Es gab in diesem Jahr so viel zu tun... Totenscheine verschicken, Versicherungen umtragen und ständig Ärger mit der Bank. Mein Vater hatte mit meiner Mutter zusammen das Haus noch in dem Jahr davor gekauft - auch da galt es viel zu erledigen. Ich ackerte also weiter und fuhr dann mit meiner Mutter und meiner Oma zusammen zweimal in den Urlaub auf Kreuzfahrten, die mein Vater eigentlich für das Jahr mit meiner Mutter geplant hatte.
Es passierte dann, dass mein neuer Freundeskreis sich entzweite - zwei meiner Freunde (die ihr erstes Kind bekommen hatten) zogen weiter weg - so dass man nicht mal eben bei ihnen mehr vorbeifahren konnte sondern eigentlich immer mindestens einen Tagesausflug dazu planen muss. Dadurch haben wir uns weniger gesehen.
Ich hatte im Jahr 2017 recht wenig zu tun. Ich traf mich mit wenigen Freunden, plante einen kurzfristigen Urlaub (und nahm meine Mutter mit) und schaute mich (wieder sehr frustriert) nach einem neuen Job um während ich mich zwischendurch um finanzielle Dinge u.ä. kümmerte.
Ich wechselte auch von Bahnfahrt zur Arbeit zum Auto - jedoch mit der Konsequenz, dass ich meist vor 7 Uhr morgens im Büro bin und dafür dann aber auch früh Feierabend machen konnte. Ich fuhr auch meine Überstunden zurück. Ich wollte mal wieder versuchen ein paar Hobbies zu finden - aber ausser gammeln passierte nichts. Ich konnte mich kaum zu etwas aufraffen und schlief viel. Der Job ging mir immer mehr auf die Nerven.
2018 hatte ich Anfang des Jahres eine Kriese nachdem ich hörte, dass meine jüngere Schwester schwanger sei. Ich lag mit einer Grippe krank im Bett. Ich habe kaum Freunde, ich habe keine Freundin oder Lebensgefährtin. Ich bin seit so vielen Jahren solo, so dass ich nicht weiter wusste.
Ich vertraute mich meinem Hausarzt an der mich erst einmal krank schrieb und mir Spaziergänge verordnete. Ich sollte mir Gedanken über eine Therapie oder ein Coaching machen. Ich habe zwar sowas nicht gemacht, aber mir ging es eine Woche später schon wieder besser. Ausserdem fiel mir die Decke auf den Kopf - ich wollte wieder Arbeiten.
Das Jahr 2018 war insgesamt scheisse wie ich heute feststelle. Ich war insgesamt fast 3 Monate mit verschiedenen Grippen und Infekten krank. Ich habe kaum Sport gemacht. Viel geschlafen. Mein bester Kumpel vor Ort fing eine Ausbildung an, die ihn unter der Woche fernab hält, so dass ich ihn höchstens am Wochenende sehn könnte - wenn er nicht etwas mit seiner Freundin machen würde. Die beiden waren auf Monate hinweg verplant.
Ich fuhr noch einmal spontan mit meiner Mutter in den Urlaub (Südkorea und Japan). Der Urlaub war alles von nett zu mau, langweilig und interessant. Wir haben meist früh geschlafen und sind spät los. Dazu hatte ich mir in Korea eine Muskelverspannung oder einen eingeklemmten Nerv geholt, der mir ständig im Urlaub beim langen Stehen heftige Schmerzen verursachte. Zuhause ging es besser - wahrscheinlich weil ich einen Bürojob habe?
Ich bin bis heute damit nicht zum Arzt.... Es ging ja immer irgendwie.
2018 war auch das Jahr der Jobsuche. Ich verstehe mein Berufsbild einfach nicht. Ich weiss nicht, wer oder was diese Stellen ausschreibt oder diese Firmenwebseiten produziert. Es ist einfach nur frustrierend. Ich hatte zwar auf meine Bewerbungen eine ordentliche Quote in Sachen Vorstellungsgespräche, aber ich habe keinen neun Job. Meinen Frust hatte ich auf einer guten Freundin teilweise abgeladen, so dass wir dann auch einmal kräftig aneinander geraten waren. Danach hatten wir lange Zeit wenig Kontakt.
In diesem Jahr habe ich auch Onlinedating ausprobiert und bin kläglich gescheitert. Elitepartner, Parship, Finya, OKCupid, Friendscout24, Neu.de, Lemon Swan, Blickkontakter, usw. ... Ich habe viele Partnerbörsen ausprobiert und sage und schreibe nur zweimal ordentliche Nachrichten erhalten. Ich habe Zeit und Mühen reingesteckt und mein Selbstbewusstsein hat sich noch mehr verabschiedet. Man erhält quasi nie eine Nachricht. Es haben sich 0 Kontakte ergeben. Aber immerhin scheine ich ein Renner für liebesbedürftige Rentnerinnen, für ambitionierte Russinnen/Ukrainerinnen/Afrikanerinnern für eine Aufenthaltsgenehmigung, oder für alle tollen Fakeprofile zu sein die einen auf andere Seiten locken wollen. Ich will doch "nur" eine Partnerin mit der ich alt werden und noch Kinder kriegen kann.
Im letzten Quartal von 2018 hatte meine Oma einen Hirnschlag, von dem sie sich aber dann doch glücklicherweise wieder gut erholte. Sie war häufiger krank und dann auch noch deswegen meist im Krankenhaus, so dass ich mich auch dort blicken lassen wollte (ich hatte Angst, sonst sehe ich sie nicht wieder).
Vor Silvester habe ich ein paar Freunde zum ersten Mal seit langem wieder gesehen. Die Freundin meines guten Kumpels feierte ihren Geburtstag mit einem Brunch und viele ihrer Freunde (alles Päärchen verlobt oder verheiratet mit Kindern) waren da. Ich war der einzige Single dort - aber es war sehr angenehm.
Seitdem fing es bei mir an, dass mein Kopf durchdreht.
Ich habe keine Partnerin, ich habe keine Kinder. Ich wünsche mir aber eine Familie. Ich fühle mich als totaler Versager.
Ich sehe, wie sehr meine Schwester, mein Schwager und meine Mutter an meinem kleinen Neffen hängen und alles tun. Ich sehe wie schnell er sich entwickelt.
Ich seh wie schnell die Kinder sich bei Freunden entwickeln (meine Freunde die weggezogen sind haben jetzt ihr zweites Kind).
Ich gehe auf die 40 zu.
Ich bin immer noch viel zu dick und ich fühle mich hässlich, unfotogen und nicht liebenswert.
Mein Job ist OK, aber ich komme da auch nicht weiter.
Ich habe Angst davor einsam zu enden. Ich gehe aber irgendwie davon aus, dass es so kommt.
Ich habe Angst vor dem allein sein. Ich habe Angst davor, dass ich zerbreche. Ich habe Angst davor mich anderen Menschen zu öffnen. Ich habe Angst davor alleine zu wohnen und noch einsamer zu werden. Ich habe Angst vor Dating. Ich bin frustriert vom Onlinedating und möchte am liebsten jedes Mal in den Fernseher schlagen wenn ich einen Werbespot von Elitepartner oder Parship sehe.
Ich habe Angst davor mit meiner Karriere am Ende zu sein.
Ich habe Angst davor meine Mutter alleine zu lassen. Ich habe Angst davor dass meine Oma nicht mehr lange lebt. Ich habe Angst davor, dass ich bald sterbe (mein Vater starb so früh....).
Ich habe Angst vor Veränderungen obwohl ich sie anstrebe.
Ich habe Angst vor Freizeit und Urlaub (aktuell habe noch 16 Urlaubstage aus dem letzten Jahr....).
Ich schlafe seit Tagen nicht mehr richtig und ich habe keinen Hunger. Bei vielen Gedanken, die mir durch den Kopf gehen dreht sich mir der Magen um. Ich habe zwischendurch schon fast Panikanfälle.
Und ich habe Angst davor, dass meine Ängste derartig schlimm werden, dass ich mir selbst Schaden zufüge.
Ich durchdenke alle Aspekte viel zu sehr und überlege mir schon immer im Vorfeld, was schief gehen kann. Mich lähmt es immer mehr und ich weiss wirklich nicht mehr ein noch aus.
Ich habe jetzt die Notbremse letzte Woche gezogen. Ich bin Freitag, Samstag und Sonntag unterwegs gewesen und habe ein wenig unternommen. Teilweise mit Freunden/Bekannten, einmal mit einer Spontacts Gruppe Schlittschuhfahren gewesen (nette App für Leute die nicht alleine was unternehmen wollen).
An dem Wochenende habe ich mich entschlossen, einmal mit meiner Mutter zu sprechen und ihr mitzuteilen, dass ich irgendwie Hilfe brauche.
Ich habe am Montag einen Termin bei meiner Hausärztin für heute ausgemacht um mir ihren Rat und eine Empfehlung einzuholen.
Ich habe viel recherchiert und ich weiss einfach nicht, was ich machen soll. Es gibt so viele Therapieformen und Möglichkeiten - vom Heilprakiker mit Psychotherapie bis hin zum Psychologen zur Therapie.
Ich habe aber tierische Angst, dass ich so schwer betroffen bin, dass ich über die Krankenkasse abgerechnet werden muss - und damit negativ für Versicherungen und ähnliches eingestuft werde. Ich wollte also Selbstzahler sein.
Ich habe keine Ahnung, wie ich das angehn soll und wie ich Hilfe finden kann. Ich weiss nicht einmal, wie ich die Probleme korrekt Kategorisieren soll.
Ich habe Angst, dass ich damit noch mehr Zeit im Leben verschwende, noch später eine Beziehung eingehen kann. Aber wer würde schon so ein geistiges Wrack wie mich überhaupt wollen? Ich stecke regelrecht in einem Teufelskreis aus dem ich scheinbar nicht ohne Hilfe herauskomme.
Ich bedauere zutiefst die vergeudete Zeit und ich kann mich auch kaum noch ablenken. Ich hoffe, mein Hausarzt kann mir weiterhelfen.
Besten Dank fürs "zuhören" und für alle gut gemeinten Ratschläge die kommen. 🙂
Liebe Grüße
Metallaffe
ich bin neu hier und muss mir einmal ein paar Dinge von der Seele reden.
Ich bin 38 Jahre alt und sehr einsam. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben total leer ist und ich mein Leben verschwendet habe.
Ich habe seit meiner Kindheit keinen großen Freundeskreis gehabt - sondern nur wenige Menschen mit denen ich etwas unternahm. Ich bin recht introvertiert und hatte schon immer etwas nerdigere Hobbies.
Während meines Studiums war ich in einer fremden Stadt und hatte ein paar nette Kontakte. Ich war aber in einem sehr anstrengenden Studienfach mit einer verdammt hohen Männerquote (IT - von fast 400 Erstsemestern war genau 1% weiblich). Während des Studiums habe ich mich viel im Internet herumgetrieben und mich stark auf die Fertigstellung des Studiums konzentriert - ich wollte meinen Eltern nicht zur Last fallen da Studiengebühren eingeführt werden sollten.
Ich habe nach 13 Semestern (nur 1 mehr als die angegebene Regelstudienzeit) einen recht ordentlichen Abschluss gemacht und wollte eigentlich tolle Dinge erfinden und in der Forschung arbeiten. Ich suchte eine Stelle in der Forschung und bekam dann eine Doktorandenstelle an einer anderen Universität. Die war in der Nähe meiner Eltern und ich zog erst einmal bei ihnen wieder ein - da mein Vertrag nur kurze Zeit laufen sollte (natürlich zahle ich miete!). Da wurde auch noch mein Vater arbeitslos und bekam dann später nur eine Stelle am anderen Ende von Deutschland - so dass er immer zum Wochenende zwischen zuhause und dem Arbeitsort pendelte.
Er sagte mir einmal, er sei sehr beruhigt dass ich da wäre - so müsse er sich keine Sorgen um meine Mutter machen.
Die Zeit an der Universität war interessant, hat mich aber in meiner Forschung nicht wirklich vorran gebracht. Trotzdem habe ich angefangen zu promovieren - ich wollte unbedingt ein Doktor werden damit ich im Berufsleben einen Vorteil habe.
Fertig wurde ich an der Universität nicht. Nach knapp 4 Jahren waren die Förderunganträge für Forschungsprojekte so schlecht gelaufen, dass ich keine weitere Verlängerung mehr bekam.
Ich fing an mit der Jobsuche und war sehr ernüchtert. So schnell sollte sich kein Job abzeichnen - teilweise waren die Angebote die ich bekam extrem dreist. So war ich ein gutes Jahr arbeitslos bis ich einen Job als Consultant ergatterte (Glücklicherweise ohne 5 Tage fern von zuhause). Noch bevor ich anfing starb mein Großvater. Ich fing meine Job an und erstmal war alles gut. Dann fing ich aber nach einem dreiviertel Jahr wieder an an meiner Promotion weiter zu werkeln - mitunter ratlos und manchmal nach einem 9 Stunden Arbeitstag noch einmal 6-7 Stunden an der Arbeit gearbeitet. Und dann hatte ich es nach ~2 Jahren endlich soweit - ich habe meine Prüfung abgeschlossen und musste "nur" noch meine Dokotorarbeit verlegen. Das war alles so viel Arbeit, dass ich fast auf dem Zahnfleisch ging - Job und Promotion parallel sind wirklich hart. In dieser Zeit habe ich kaum noch alte Bekannte gesehen und mich wenig mit anderen Menschen getroffen.
Als ich fertig war - war ich froh. Und traurig. Ich hatte ziemlich zugenommen (über 150kg!!!) und ich war sehr traurig dass ich so wenige Menschen dazu auffordern konnte zu meiner Promotionsfeier zu kommen. Das war nichts. Ich hätte am liebsten nur geheult.
Ich hatte einen kleinen quasi Freundeskreis im Rahmen eines Pen & Paper Rollenspiels wieder aufgebaut und ich war froh, dass ich wenigstens diese Freunde hatte.
Ich nahm mir vor, es muss sich etwas ändern. Ich habe innerhalb eines halben Jahres gut 20kg abgenommen und mich mehr in die Arbeit vertieft als gut für mich war. Ich kannte es ja kaum anders - ich musste ja Arbeiten um mich selbst zu bestätigen. Parallel suchte ich nach einem neuen Job und einer eigenen Wohnung. Und ich unternahm mehr mit ein paar alten Freunden.
Anfang 2016 bekam ich eine heftige Gallenblasenentzündung und musste operiert werden. Ich hatte schon immer eine Angst vor Krankenhäusern (meine beiden Großväter sind in Krankenhäusern verstorben). Glücklicherweise ging alles gut (sonst könnte ich ja jetzt auch nicht schreiben 😉). Mein Vater holte mich aus dem Krankenhaus ab. Wir haben noch viel gewitzelt und zuhause habe ich endlich wieder gut schlafen können. Am nächsten morgen sassen wir zusammen beim Frühstück (hatte ja Urlaub) und meine Tante (Schwester meines Vaters) war auch zu besuch. Am Frühstückstisch hatte ich plötzlich an einer Wunde einen starken Sekretausfluss, so dass mein Vater mich erst zum Arzt fuhr - und dann zum Krankenhaus. Man musste am Bauchnabel die Wunde öffnen und Ausspülen - die Haut war oben schneller zusammengewachsen als mein "Speckgürtel" darunter und es hatte sich eine Wundblase gebildet. Mein Vater holte mich auch wieder ab und er war erstaunlich still auf der Fahrt.
Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh von Geräuschen - ich fand meine Vater im Wohnzimmer vor umgeben von Sanitätern. Ihm ging es eigentlich gut und er machte Witze, jedoch erfuhr ich, dass er wohl einen Herzinfarkt hatte und deswegen vor Schmerzen o.ä. nachts am Computer spielen von meiner Mutter gefunden wurde. Man brachte meinen Vater in eine Spezialklinik und er wurde operiert - er bekam einen Stent eingesetzt. Dabei stellte man fest, dass er schon einmal einen Infarkt an der Hinterwand hatte - nachdem alles gut verheilt sei müsste er wohl noch einmal einen Stent bekommen.
Ich konnte und sollte mit meiner offenen Bauchwunde meinen Vater nicht besuchen. Ich konnte nur zwischendurch kurz mit ihm Telefonieren. Ich spielte gerade an meiner Konsole ein Spiel als ich das letzte Mal mit meinem Vater sprach - wir witzelten noch über seine potentiellen Rehamöglichkeiten die er am liebsten in einem Weingebiet verbringen wollte. Drei Tage nachdem er in die Spezialklinik kam, am ersten Tag als er von der Intensivstation auf die normale Station verlegt wurde, hatte er nachts wohl Herzrythmusstörungen und verstarb mit 64 Jahren - zwei Monate nach seinem extra früheren Eintritt in die Renter. Eine Reanimation war nicht erfolgreich. Uns ging es dreckig und ich hatte wirklich Angst um eine Mutter - so schlecht ging es ihr. Und das Jahr hatte gerade erst begonnen....
Im Sommer hatten wir den Keller bei starken Regenfällen überschwemmt - und die Versicherung kam nicht dafür auf. Da bin ich auch hinterher zusammengebrochen - ich konnte einfach nicht mehr. Sowohl seelisch wie auch körperlich. Ich hatte mich voll verausgabt und ich war seelisch ausgelaugt. Es gab in diesem Jahr so viel zu tun... Totenscheine verschicken, Versicherungen umtragen und ständig Ärger mit der Bank. Mein Vater hatte mit meiner Mutter zusammen das Haus noch in dem Jahr davor gekauft - auch da galt es viel zu erledigen. Ich ackerte also weiter und fuhr dann mit meiner Mutter und meiner Oma zusammen zweimal in den Urlaub auf Kreuzfahrten, die mein Vater eigentlich für das Jahr mit meiner Mutter geplant hatte.
Es passierte dann, dass mein neuer Freundeskreis sich entzweite - zwei meiner Freunde (die ihr erstes Kind bekommen hatten) zogen weiter weg - so dass man nicht mal eben bei ihnen mehr vorbeifahren konnte sondern eigentlich immer mindestens einen Tagesausflug dazu planen muss. Dadurch haben wir uns weniger gesehen.
Ich hatte im Jahr 2017 recht wenig zu tun. Ich traf mich mit wenigen Freunden, plante einen kurzfristigen Urlaub (und nahm meine Mutter mit) und schaute mich (wieder sehr frustriert) nach einem neuen Job um während ich mich zwischendurch um finanzielle Dinge u.ä. kümmerte.
Ich wechselte auch von Bahnfahrt zur Arbeit zum Auto - jedoch mit der Konsequenz, dass ich meist vor 7 Uhr morgens im Büro bin und dafür dann aber auch früh Feierabend machen konnte. Ich fuhr auch meine Überstunden zurück. Ich wollte mal wieder versuchen ein paar Hobbies zu finden - aber ausser gammeln passierte nichts. Ich konnte mich kaum zu etwas aufraffen und schlief viel. Der Job ging mir immer mehr auf die Nerven.
2018 hatte ich Anfang des Jahres eine Kriese nachdem ich hörte, dass meine jüngere Schwester schwanger sei. Ich lag mit einer Grippe krank im Bett. Ich habe kaum Freunde, ich habe keine Freundin oder Lebensgefährtin. Ich bin seit so vielen Jahren solo, so dass ich nicht weiter wusste.
Ich vertraute mich meinem Hausarzt an der mich erst einmal krank schrieb und mir Spaziergänge verordnete. Ich sollte mir Gedanken über eine Therapie oder ein Coaching machen. Ich habe zwar sowas nicht gemacht, aber mir ging es eine Woche später schon wieder besser. Ausserdem fiel mir die Decke auf den Kopf - ich wollte wieder Arbeiten.
Das Jahr 2018 war insgesamt scheisse wie ich heute feststelle. Ich war insgesamt fast 3 Monate mit verschiedenen Grippen und Infekten krank. Ich habe kaum Sport gemacht. Viel geschlafen. Mein bester Kumpel vor Ort fing eine Ausbildung an, die ihn unter der Woche fernab hält, so dass ich ihn höchstens am Wochenende sehn könnte - wenn er nicht etwas mit seiner Freundin machen würde. Die beiden waren auf Monate hinweg verplant.
Ich fuhr noch einmal spontan mit meiner Mutter in den Urlaub (Südkorea und Japan). Der Urlaub war alles von nett zu mau, langweilig und interessant. Wir haben meist früh geschlafen und sind spät los. Dazu hatte ich mir in Korea eine Muskelverspannung oder einen eingeklemmten Nerv geholt, der mir ständig im Urlaub beim langen Stehen heftige Schmerzen verursachte. Zuhause ging es besser - wahrscheinlich weil ich einen Bürojob habe?
Ich bin bis heute damit nicht zum Arzt.... Es ging ja immer irgendwie.
2018 war auch das Jahr der Jobsuche. Ich verstehe mein Berufsbild einfach nicht. Ich weiss nicht, wer oder was diese Stellen ausschreibt oder diese Firmenwebseiten produziert. Es ist einfach nur frustrierend. Ich hatte zwar auf meine Bewerbungen eine ordentliche Quote in Sachen Vorstellungsgespräche, aber ich habe keinen neun Job. Meinen Frust hatte ich auf einer guten Freundin teilweise abgeladen, so dass wir dann auch einmal kräftig aneinander geraten waren. Danach hatten wir lange Zeit wenig Kontakt.
In diesem Jahr habe ich auch Onlinedating ausprobiert und bin kläglich gescheitert. Elitepartner, Parship, Finya, OKCupid, Friendscout24, Neu.de, Lemon Swan, Blickkontakter, usw. ... Ich habe viele Partnerbörsen ausprobiert und sage und schreibe nur zweimal ordentliche Nachrichten erhalten. Ich habe Zeit und Mühen reingesteckt und mein Selbstbewusstsein hat sich noch mehr verabschiedet. Man erhält quasi nie eine Nachricht. Es haben sich 0 Kontakte ergeben. Aber immerhin scheine ich ein Renner für liebesbedürftige Rentnerinnen, für ambitionierte Russinnen/Ukrainerinnen/Afrikanerinnern für eine Aufenthaltsgenehmigung, oder für alle tollen Fakeprofile zu sein die einen auf andere Seiten locken wollen. Ich will doch "nur" eine Partnerin mit der ich alt werden und noch Kinder kriegen kann.
Im letzten Quartal von 2018 hatte meine Oma einen Hirnschlag, von dem sie sich aber dann doch glücklicherweise wieder gut erholte. Sie war häufiger krank und dann auch noch deswegen meist im Krankenhaus, so dass ich mich auch dort blicken lassen wollte (ich hatte Angst, sonst sehe ich sie nicht wieder).
Vor Silvester habe ich ein paar Freunde zum ersten Mal seit langem wieder gesehen. Die Freundin meines guten Kumpels feierte ihren Geburtstag mit einem Brunch und viele ihrer Freunde (alles Päärchen verlobt oder verheiratet mit Kindern) waren da. Ich war der einzige Single dort - aber es war sehr angenehm.
Seitdem fing es bei mir an, dass mein Kopf durchdreht.
Ich habe keine Partnerin, ich habe keine Kinder. Ich wünsche mir aber eine Familie. Ich fühle mich als totaler Versager.
Ich sehe, wie sehr meine Schwester, mein Schwager und meine Mutter an meinem kleinen Neffen hängen und alles tun. Ich sehe wie schnell er sich entwickelt.
Ich seh wie schnell die Kinder sich bei Freunden entwickeln (meine Freunde die weggezogen sind haben jetzt ihr zweites Kind).
Ich gehe auf die 40 zu.
Ich bin immer noch viel zu dick und ich fühle mich hässlich, unfotogen und nicht liebenswert.
Mein Job ist OK, aber ich komme da auch nicht weiter.
Ich habe Angst davor einsam zu enden. Ich gehe aber irgendwie davon aus, dass es so kommt.
Ich habe Angst vor dem allein sein. Ich habe Angst davor, dass ich zerbreche. Ich habe Angst davor mich anderen Menschen zu öffnen. Ich habe Angst davor alleine zu wohnen und noch einsamer zu werden. Ich habe Angst vor Dating. Ich bin frustriert vom Onlinedating und möchte am liebsten jedes Mal in den Fernseher schlagen wenn ich einen Werbespot von Elitepartner oder Parship sehe.
Ich habe Angst davor mit meiner Karriere am Ende zu sein.
Ich habe Angst davor meine Mutter alleine zu lassen. Ich habe Angst davor dass meine Oma nicht mehr lange lebt. Ich habe Angst davor, dass ich bald sterbe (mein Vater starb so früh....).
Ich habe Angst vor Veränderungen obwohl ich sie anstrebe.
Ich habe Angst vor Freizeit und Urlaub (aktuell habe noch 16 Urlaubstage aus dem letzten Jahr....).
Ich schlafe seit Tagen nicht mehr richtig und ich habe keinen Hunger. Bei vielen Gedanken, die mir durch den Kopf gehen dreht sich mir der Magen um. Ich habe zwischendurch schon fast Panikanfälle.
Und ich habe Angst davor, dass meine Ängste derartig schlimm werden, dass ich mir selbst Schaden zufüge.
Ich durchdenke alle Aspekte viel zu sehr und überlege mir schon immer im Vorfeld, was schief gehen kann. Mich lähmt es immer mehr und ich weiss wirklich nicht mehr ein noch aus.
Ich habe jetzt die Notbremse letzte Woche gezogen. Ich bin Freitag, Samstag und Sonntag unterwegs gewesen und habe ein wenig unternommen. Teilweise mit Freunden/Bekannten, einmal mit einer Spontacts Gruppe Schlittschuhfahren gewesen (nette App für Leute die nicht alleine was unternehmen wollen).
An dem Wochenende habe ich mich entschlossen, einmal mit meiner Mutter zu sprechen und ihr mitzuteilen, dass ich irgendwie Hilfe brauche.
Ich habe am Montag einen Termin bei meiner Hausärztin für heute ausgemacht um mir ihren Rat und eine Empfehlung einzuholen.
Ich habe viel recherchiert und ich weiss einfach nicht, was ich machen soll. Es gibt so viele Therapieformen und Möglichkeiten - vom Heilprakiker mit Psychotherapie bis hin zum Psychologen zur Therapie.
Ich habe aber tierische Angst, dass ich so schwer betroffen bin, dass ich über die Krankenkasse abgerechnet werden muss - und damit negativ für Versicherungen und ähnliches eingestuft werde. Ich wollte also Selbstzahler sein.
Ich habe keine Ahnung, wie ich das angehn soll und wie ich Hilfe finden kann. Ich weiss nicht einmal, wie ich die Probleme korrekt Kategorisieren soll.
Ich habe Angst, dass ich damit noch mehr Zeit im Leben verschwende, noch später eine Beziehung eingehen kann. Aber wer würde schon so ein geistiges Wrack wie mich überhaupt wollen? Ich stecke regelrecht in einem Teufelskreis aus dem ich scheinbar nicht ohne Hilfe herauskomme.
Ich bedauere zutiefst die vergeudete Zeit und ich kann mich auch kaum noch ablenken. Ich hoffe, mein Hausarzt kann mir weiterhelfen.
Besten Dank fürs "zuhören" und für alle gut gemeinten Ratschläge die kommen. 🙂
Liebe Grüße
Metallaffe