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Ich bin 17,5 Jahre alt und ich sehe das Ende meiner Jugend, Nostalgie und Traurigkeit

EyeHateWorld

Mitglied
Hallo!

Was definiere ich unter Jugend? Welchen Zeitabschnitt? Ich selber würde sagen: Von Ende 12 bis Ende 16. Oder anders gesagt: Dort, wo man sieht, dass es ernst wird, endet die Jugend.

Ich gehe jetzt in eine 10. Klasse am Gymnasium (mit 17 Jahren, da ich nach der Realschule gewechselt habe) und sehe, dass ab nächstem Jahr alles ernst wird: Jeder Punkt zählt zum Abi, man kann sich keine Ausrutscher erlauben, ich selber muss auch etwas mehr für die Schule tun. Ich kritisiere hier nicht das Schulsystem, ich will nur sagen, dass es nicht mehr so locker sein wird und es langsam ernst wird.

Meine Jugend began eigentlich dort, wo wir in der siebten Klasse, in der Realschule, neu, je nach Zweig, zusammen gemischt wurden. Ich habe die besten Freunde kennengelernt, die ich mir vorstellen kann. Die besten Zeiten erlebt, die aber leider besser hätte sein dürfen: Das ist das, was mich bedrückt...

Ich sehe jetzt, wie viele meiner Freunde sich Muskeln aufgebaut haben, gefeiert haben (nicht exzessiv, jedoch lustig), sich mehr in der Schule angestrengt haben (ja, es sind immer noch die gleichen), ...

Ich habe in der letzten Zeit erkannt, dass man nicht darauf warten soll, was zu ändern, sondern es einfach tun soll. Also nicht erst was machen, "wenn man sich danach fühlt", sondern es machen, weil man weiß, dass man davon profitieren könnte. Während diesen 4,5 Jahren (oder so) könnte ich so vieles getan haben, sowohl etwas mehr für die Schule und meinen Körper, aber auch etwas mehr riskieren, also über meine Komfortzone gehen und auch Dinge machen, die mir nicht gelegen sind, wie Partys (kein Komasaufen, sondern einfach nur feiern).

Genau dies bereue ich. Ich bin nicht depressiv (absolut nicht 🙂), jedoch ist es etwas nostalgisch auch: Wenn ich in der U-Bahn zum Gymnasium fahre und dort (oder im Gymnasium selbst) die Jugendlichen im Alter von 13-15 (ungefähr) sehe, dann beneide ich sie, dass sie gerade in ihren "besten Jahren" sind. Ich denke mir so: "Mensch, wenn sie wüssten, was zu tun wäre und wie gut sie es haben...".

Warum jetzt dies nicht alles nachholen? Aus folgenden Gründen:

1. Alle meine besten Freunde haben zu tun, da sie entweder in einer Ausbildung stecken oder sie vieles schulisches zu erledigen haben.

2. Meine jetzigen Freunde sind zwar gute Freunde, jedoch kann man nach 4 Jahren sich nicht einfach so mit jemand anderem (gleich stark) befreunden und ich sehe selber, dass sie alles genauso ernst wie ich nehmen.

3. Ich werde jetzt in die Q11/12 gehen, somit zählt jeder Punkt fürs Abitur. Somit muss ich eine gewisse Routine haben. Und danach kommt das Studium und ich käme mir einfach komisch vor, mit 19/20 mein Leben neu zu leben à la Teenie.

Es ist ungefähr so, als ob ich ein Raumsonde wäre, die einen Planeten besucht, und während der 4,5 Jahre dort nur einige befriedigende Bilder macht, und dann aus ihrer Umlaufbahn wegfahren muss. Danach bereut man, dass man nicht bessere Bilder des Planeten gemacht hat.

So, als ob ich die ganzen 4,5 Jahre geschlafen habe und ich jetzt auf einmal aufgewacht bin. So, als ob man einen tollen Film anschaut und dann im Abspann noch einige Bilder gezeigt werden, oder wenn ihr wisst, dass der Film zu ende ist, kennt ihr dieses Gefühl? So fühle ich mich.

Momentan fühle ich mich weder als Jugendlicher, noch als Erwachsener. Irgendetwas dazwischen.

Wie soll ich damit klarkommen?

PS.: Wegen meinen User-Namen: Ich habe ihn nicht gewählt, weil ich vor zwei Jahren depri war, sondern wegen einer bestimmten Death-Metal-Band (ich weiß nicht, ob es Werbung wäre, wenn ich sie erwähne, jedoch dürften die Metal-Fans unter euch wissen, welche ich meine).
 
EyeHateWorld,

ich gratuliere dir zu dieser Beschreibung. Ja, so ist das. Das Eine endet, und es beginnt etwas Neues.
So sehr wir uns über Neues freuen, so heftig können wir auch beklagen, was wir bis dahin versäumt haben.

Abschied und Neubeginn- vielleicht sind das Synonyme für den Kreislauf des Lebens. Und Du stehst noch ziemlich am Anfang. Ich beneide dich, bin ich doch fast 50 Jahre älter als Du.

Du kannst noch alle Fehler vermeiden, die so ein Oldie wie ich gemacht hat. Und, dabei schmunzle ich etwas, ich bin sicher, Du wirst deine Fehler machen. Das ist deine Chance , wie es dein Recht ist.

Etwas Gemeinsames sehe ich dann auch, weil sich diese Furcht auch über die Jahre hält: Wir fürchten oft, etwas zu versäumen, was dann irgendwann unwiederbringlich ist und unerreichbar.

Wir leben in aller Fülle, und wir verpassen dabei andere Chancen. Vielleicht kann ich die Haltung Reife nennen, die uns hilft, diese Erfahrung zu gewichten.
Und Du kennst sie ja bereits, hast gemerkt, was dir entgangen ist, zugleich aber auch, wofür Du es eingesetzt hast

Ich finde das gut! Klopf dir mal auf die Schulter und sag dir, dass Du es bisher gut gemacht hast.
Wenn Du das nicht kannst, mache ich das virtuell und für dich.

Brich auf! Blick nach vorne. Da wartet so viel auf dich.

Alles Gute!

Burbacher
 
Danke für den Schulterklopfer 🙂

Letztens lag ich im Bett und dachte: "Wenn ich 80 Jahre alt werden soll, so habe ich jetzt 63 Jahre noch zu leben. Viele Menschen sind 47 und werden wohl auch um die 80 Jahre alt. Sie haben noch 33 Jahre zu leben. Was haben sie jedoch in den 30 Jahren gemacht (abgesehen von Familie gründen, ...)? Wenig. Leider."

Wie, so glaub ich, Abraham Lincoln gesagt hat: "Es kommt nicht darauf an, wie lange man lebt, sondern darauf an, wie viel Leben drinsteckt". Dies kann man auch auf meine Jugend rüberziehen.
 
Schön, dass Du nochmal reagiert hast. Deine Antwort gefällt mir.
Vielleicht ist hier ein Stichwort angebracht, das da heißt "Achtsamkeit".
Ich kenne das, was dir ja auch zu schaffen macht, die Fixierung auf das vermeintlich Große und Wichtige.
Dabei verlieren wir den Blick auf unser Hier und Jetzt, auf das, was uns gerade fordert, aber zugleich auch bereichert.
Da ist das fröhliche Lachen eines Kindes, der gelassene Blick einer alten Frau. Oder jetzt in dieser Jahreszeit, in der die Natur erwacht. Ich freue mich beim Blick aus dem Fenster, was die Natur da zustande bringt.
Bin ich draußen, nehme ich im Park die Düfte auf, lausche den Vögeln..
Dann spüre ich Leben um mich und in mir.

Burbacher
 
So lang dein Einganspost ist, so kurz wird meine Antwort ausfallen.

Ich bin selbst grade über 20 und hatte in deinem Alter genau die selben Gedanken.

Fakt ist, dass mein Leben ab 18 schlagartig immer besser wurde und den Höhepunkt noch nicht erlebt hast.

Du kannst dir nicht vorstellen wie geil es ist seine erste eigene Wohnung zu haben, sein erstes Auto vom eigenen Geld zu bezahlen, zu bemerken, dass man selbst immer intelligenter wird und die Welt langsam verstehen lernt.

Mit 17 dachte ich, dass ich die Welt verstanden hätte und ab jetzt alles bergab geht.

Inzwischen empfinde ich die ach so tolle "Jugend" als vielleicht 75% so geil, wie das Leben als ein junger Erwachsener.

Ich werde es dir nicht beweisen können, aber vertrau mir! Bald geht es in deinem Leben mit Sicherheit auch richtig ab und es wird von Monat zu Monat besser.
 
zu bemerken, dass man selbst immer intelligenter wird und die Welt langsam verstehen lernt.

Dies bemerke ich allerdings schon seit einem Jahr, bin selber auch in Politik/Wirtschaft interessiert, von daher verstehe ich zumindest mehr als meine Freunde...

Inzwischen empfinde ich die ach so tolle "Jugend" als vielleicht 75% so geil, wie das Leben als ein junger Erwachsener.

Ich denke nicht, dies kann man vergleichen: Jede Lebensperiode ist besonders, man kann nicht sagen, dass "man als Hippie bei Woodstock glücklicher war/die Zeit geiler war, als als Disco-Freak in den späten 70ern". Nein, es gibt ja den metaphorischen "Geist des Woodstocks" oder "Geist der Disco-Zeit". Genauso gibt es den "Geist der Jugend", ...
Streng genommen könnte man dies vergleichen: Einfach Bluttest mit 14 und mit 24 machen und die Dopamin-Werte vergleichen 😀 Jedoch glaube ich, man weiß hier, was gemeint ist: Dies kann man eigentlich nicht wirklich vergleichen, da jede Zeit so besonders ist, dass ein Vergleich eigentlich obsolete wird.

Du kannst dir nicht vorstellen wie geil es ist seine erste eigene Wohnung zu haben, sein erstes Auto vom eigenen Geld zu bezahlen,

Es ist bestimmt geil, jedoch nicht im Sinne von "jugendlich-geil", sondern von "unabhängig-geil". Das ist hier der Unterschied.

Es fühlt sich so an, als ob ich den Zug verpasst habe und nun auf den nächsten warten muss: Die Jugendlichen, die ich sehe, sind jünger als ich, sie können sich austoben, sie können mal was ausprobieren, aber sie können auch sehen, dass das Leben geil ist, wenn man was (dazu) erreicht (gute Noten, Training, ...) und je früher sie anfangen, desto besser. Ich bereue es, nicht riskiert zu haben (also ich war auf keinen Partys, habe keinem Mädel gesagt, dass ich sie "mag", habe nie wirklich Selbstbewusstsein aufgebaut). Wenn ich dazu noch bessere Noten hätte und Training gemacht hätte, wäre es wirklich geil. Und ich beneide einfach nur die Jugendlichen deshalb, weil sie sich noch austoben können. Ich meine: Sie haben keinen wirklichen (schulischen) Stress (im Sinne von "Jetzt zählt jeder Punkt fürs Abi"), ach, etwas schwer zu beschreiben ist es. Rückblickend auf die Jugendlichen, denen ich im Alltag begegne, fühle ich mich wie ein altes Pferd, der "zu alt für den Dreck ist", jedoch es auch tun (bzw. nachholen) will.
 
Ich fühle mich ganz genau so.
Hätte vllt auch so einen Thrad gemacht, aber konnte meine Gedanken nicht wirklich in Worte fassen.

Jetzt hast du das ja für mich getan ^^

Ich wusste das ich nicht der einzige sein kann dem es so geht 😀

LG
 
Ich bin fast 25 und mir geht es genauso.
Ich bin aber erst mit 19 "aufgewacht", wie du es schreibst.
Das hatte auch seine Gründe.

Jedenfalls ist es ganz schön ätzend und ich fühle mich auch wie eine Raumsonde,
total allein, wenn Leute irgendwas mit ihren Freunden unternehmen, die sie schon seit 10 Jahren kennen.

Ich versuche an all das zu denken, was ich erreicht habe, seit ich 19 bin, aber der Gedanke,
dass ich nie aufholen werden kann, nie Freunde haben werde, mit denen ich jung war und Blödsinn gemacht habe,
das zieht mich immer wieder runter.

Aber in meinen Augen bist du noch sehr jung, da kann also noch einiges kommen, wenn ich denke,
was ich erlebt habe, vorallem in den letzten zwei Jahren. Ich habe jetzt schon in drei verschiedenen Ländern gelebt,
das hätte ich mir mit 19 nicht vorstellen können.
Also Kopf hoch.
 
Etwa vor einen Monat, an einem Samstagabend, ging ich mit der Hündin meines Mitbewohners eine Runde entlang des Feldes, am Rande einer Neubausiedlung. Das restliche Licht der untergehenden Sonne am Horizont reichte gerade noch aus, um den Sandweg zu beleuchten, den ich entlangging.
Es war sehr windig, bis ich auf ein Mal Fetzen von Klängen wahrnahm. Stimmen? Musik? Gebrüll?.......Ich ging weiter, es wurde deutlicher. Jetzt wehte mir der Wind eindeutig Klänge einer Party entgegen.
In der Ferne sah ich ein kleines Feuer brennen und viele Menschen herum stehend.
Ich kam dem Ort näher.
Es stellte sich heraus, dass es eine Teenager-Party war. Es lief Musik und Alkohol. Das Licht des Feuers spiegelte sich in den auf der Bank stehenden Bier- und Schnapsgläsern.
Es war richtig was los dort.
Mir war in dem Moment so komisch. Ich bekam Sehnsüchte. Fragen stellten sich mir. Die erleben dort gerade unvergessliche Stunden, haben Spaß, flirten, genießen ihre jüngere und unbeschwerte Jugend.
Am Montag erzählen sich bestimmt alle von dieser tollen Outside-Party.
Ich ging weiter......die Klänge wurden wieder undeutlicher, die Stimmer verzerrten sich durch den Wind und schließlich verschmolz ich mit der Stille und der Dunkelheit. Die Zeit schreitet ohne Gnade voran.




Ob die mich auch wahrgenommen haben?


Ich will mit diesen Zeilen mitteilen, dass wenn ich solche Situationen erlebe, auch daran erinnert werde, wie toll doch diese Zeit war. Werde dann immer sehr nachdenklich, fühle mich alt und weigere mich innerlich ein Erwachsener zu sein.


Am Morgen darauf ging ich erneut dort entlang und sammelte Pfand im Wert von über 7 Euro ein, verstreut über den ganzen Platz.

 
Ihr habt vielleicht Probleme ^^

Was soll da einer mit 29-30, der vl. ähnliche Gedanken hat erst sagen?

Mit 17 läuft die Jugend nicht weg! Ich hab damals in dem Alter selbst den schweren Fehler gemacht lange Zeit über viel zu vieles, viel zu viel nachzudenken...

Diese Gedanken sind ein Trugschluss! Mit 17 hast du genau GARNICHTS verpasst! Selbst mit 20 oder 25 sind alle Türen noch weit geöffnet!

Also genieß die Zeit...

übrigens: meine ersten richtigen Partys hab ich erst in den 20 er'n gefeiert
 

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