Im Prinzip ist es ganz einfach:
1. Es wird niemand an Eure Tür klopfen und sagen: „hier bin ich“, Dein Kumpel, Deine beste Freundin oder „hier sind wir“, Dein neuer Freundeskreis.
Von allein geht hier gar nichts. Und „Stubenhocker“ werden so immer Stubenhocker und damit allein bleiben – wenn der Stubenhocker sich nicht bewegt.
2. Daraus geht klar hervor, dass man also etwas tun muss, vor die Tür gehen muss, in Aktion treten muss. Aber wie und was? Ich bin doch so schüchtern, ich kann das doch nicht!
Naja, entweder, man traut sich oder man bleibt allein. Und zwar für den Rest des Lebens. Willst Du das? Bestimmt nicht, oder?
Ich kann Euch nur mal von mir erzählen, wie ich vorgegangen bin. Ich bin in gewissen Situationen auch schüchtern (gewesen). Und ich war in einer neuen Stadt und kannte niemanden – auch im Job war niemand, mit dem sich etwas ergeben hätte (zu alt oder zu jung bzw. nicht auf der gleichen Wellenlänge – mal abgesehen davon, dass ich nicht viele Kollegen hatte).
Zuerst habe ich beschlossen, mich nicht abhängig von anderen zu machen: ich bin einfach mal allein an den See zum Baden gefahren oder ins Kino gegangen – da fällt es nicht so auf, wenn man allein hingeht. Auch ein paar Theaterbesuche habe ich allein gemacht, weil ich Bock drauf hatte. Das gibt einem echt viel Selbstbewußtsein, wenn man sich für solche Aktionen unabhängig von anderen macht und vor allem sagen kann: ich habe gelernt auch allein mal Spaß zu haben – es hat schon ein bisschen gedauert bis ich mich wohl gefühlt habe, allein irgendwohin zu gehen. Meistens habe ich mir ein Buch, heute IPad mitgenommen, so dass ich jederzeit lesen konnte, wenn ich nicht dumm allein dasitzen wollte.
Dann habe ich – damals war das Internet noch nicht so verbreitet (war 1995/1996) – eine Anzeige für gemeinsame Unternehmung in einer Zeitung aufgegeben. Ich hatte da viele Zuschriften und mir wurde klar: ich bin nicht die einzige, die allein ist. HEUTE würde ich im Internet schauen, da gibt’s ja auch Plattformen für Zugereiste, Freundschaftssuchende etc.
Ich (weiblich) habe übrigens ganz dezidiert nach Freundinnen gesucht, da ich keine versteckten Annäherungsversuche oder ä. wollte. Ich wollte mir einen Freundeskreis aufbauen. Dann habe ich mich mit ein paar Mädels getroffen – leider waren nicht so viele dabei, wie ich mir erhofft hatte.
Ich musste bei den Treffen aber auch konsequent sein, wenn ich keine Zeit verschwenden wollte: wenn mir eine Person nicht lag oder ich das Gefühl hatte, das ganze Treffen ist extrem angespannt, ich außerdem hoffte, die Anstands-Stunde oder 2 Stunden mögen hoffentlich vorbei gehen – oder man hat absolut nicht die gleichen Interessen und kaum Chancen hier zusammenzukommen – dann habe ich mich nicht mehr gemeldet; in den meisten Fällen haben die anderen sich auch nicht mehr gemeldet – wenn doch, habe ich ganz ehrlich mitgeteilt, dass ich eher Leute suche, die ähnliche Interessen etc. haben. Ich sehe das ganz pragmatisch: vor allem Freizeit ist Lebenszeit und die möchte ich so gut es geht, schön verbringen und nicht als Anstrengung empfinden.
Mit einem Mädel habe ich dann öfter was gemacht, über die ich dann noch eine 2te kennengelernt habe. Damit war mal der erste Schritt getan, dass man was zu zweit oder dritt unternehmen konnte – weggehen, tanzen etc.
Später habe ich mir dann noch einen Nebenjob als Bedienung gesucht, in einem netten Café. Da hatte ich viele soziale Kontakte und eine gute Freundin ist mir aus der Zeit bis heute geblieben.
Dann wurde es leichter, da ich mich entschied zu studieren und an der Uni ging es irgendwann recht leicht.
Was mir an sich schwer fiel: am Ball zu bleiben. Ich hatte vorher nur Freunde, die ich schon teils seit der Grundschule oder 5. Klasse Gymnasium gekannt habe. D.h. man hat eine lange gemeinsame Vergangenheit, kennt den anderen echt gut und hat eine starke Vertrautheit. Diese Vertrautheit habe ich anfangs sehr vermisst. Aber die stellt sich natürlich erst im Laufe einer längeren Freundschaft ein. Musste ich auch mal kapieren.
Wenn ich heute vor dem gleichen Problem wieder stehe – diesmal aber mit einem Job, gutem Verdienst etc. – dann würde ich, wie gesagt auf Internet setzen, zusätzlich mögliche Interessen, Hobbies ausprobieren und schauen, dass ich Leute dadurch kennenlerne. Das kann Sport sein, das kann Kunst sein, VHS Kurse, Kochkurse etc.
Eine gute Möglichkeit ist auch Urlaub allein zu machen oder mit einer Reisegruppe zusammen. Ich habe bspw. mal einen Reiturlaub komplett allein gemacht (weil mein Mann keine Zeit hatte): habe da viele nette Leute kennengelernt – leider nicht aus meiner Stadt, war aber trotzdem sehr schön. Und mehrmals habe ich allein Yoga-Urlaub gemacht – dies war dann eine Gruppe mit der man dann die Zeit verbracht hat. Man lernt dabei super gut auf Leute zuzugehen, seine Schüchternheit mal abzulegen (mir hat immer geholfen: wenn irgendwas blöd läuft: ich muss niemanden mehr wiedersehen). Aber auch, dass eine solche Art von Urlaub einem unglaubliche Freiheit gibt: ich muss keine Rücksicht nehmen. Wenn ich Lust habe, dann bleibe ich mal länger sitzen, wenn nicht, dann gehe ich auf mein Zimmer und lese oder schaue fern oder gehe noch spazieren. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen. Ich kann einfach mal komplett egoistisch sein. Ich würde jederzeit immer wieder allein in den Urlaub fahren – hätte ich niemals gedacht, dass ich das mal tun würde.
Wichtig ist hier einfach, dass man sich nicht hinter seiner Schüchternheit versteckt (da hat mir das Bedienen geholfen, aber auch meine Aktionen, die ich allein gemacht habe), sondern offen auf den anderen zugeht. Sich interessiert zeigt, sich nicht alles aus der Nase ziehen lässt, sondern von sich aus auch erzählt.
Man muss sich halt auch mal fragen: was bin ich bereit dafür zu tun oder aufzugeben, um Freunde zu finden? Wenn Du nicht bereit bist, aus Deiner Comfort-Zone rauszugehen oder Dich zu verändern, dann wird Dein Leben weiter so vor sich hinplätschern. Aber mach Dir klar: das ist allein Deine Entscheidung. Du bist der Meister Deiner Welt. Und wenn Du Meister im Alleinsein, als Stubenhocker oder Schüchternheit erlangen willst, brauchst Du nichts verändern. Aber wenn DU LEBEN willst, dann musst Du was dafür tun.
Viel Glück dabei. Vielleicht wirst Du ja Meister im Freunde finden – dann hast Du irgendwann einen schönen Freundeskreis….