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Hilfe, ich will nicht Lehrerin werden

qrstzzv

Neues Mitglied
Hallo liebe Community

da es in meinem Umfeld niemanden gibt, der sich auch nur ansatzweise für meine Probleme interessiert, habe ich nach langer Überlegung nun doch die Zuflucht zum Internet genommen ...
Ich bin Anfang 30, habe drei Studien abgeschlossen und seit 10 Jahren den Berufswunsch, in der Wissenschaft tätig zu sein. Habe mich darum schon seit dem ersten Studium bemüht (Publikationen geschrieben, Bewerbungen noch und noch, Projekte eingereicht, Konferenzen besucht, ...), aber erfolglos. Keine Chance. Ich arbeite seit 12 Jahren in der Gastronomie und das kann ich nicht mehr ewig weitermachen, ich habe jetzt schon gesundheitliche Probleme. Letzter Ausweg: Lehrerin. Bewerbung abgeschickt und Stelle bekommen, die ich im September antreten soll. Ich hasse ungefähr alles, was mit Unterrichten zu tun hat, weiß aber nicht mehr, was ich sonst machen soll. Schon zu viel versucht und alles schief gegangen. Ich mag keine Kinder, keinen Lärm, Menschenansammlungen sind mir ein Graus und es interessiert mich absolut gar nicht, irgend etwas zu erklären. Außerdem teile ich selbst die Meinung, die die Allgemeinheit von Lehrern hat, kurz gesagt: ich halte nichts von dieser Berufsgruppe. Besonders schön, dann selbst dazuzugehören. Grässlich. Bin vollkommen verzweifelt, dass ich den Rest meines Lebens als Lehrerin dahin vegetieren soll. Und in dem Alter, nochmals ganz von vorn anzufangen und z.B. zum dritten (!) Mal was anderes zu studieren, bin ich auch nicht mehr.

Ich hoffe, mein Text ist nicht allzu lang geworden.
Wäre dankbar für einen gut gemeinten Kommentar.

Liebe Grüße
 
Hallo!,

ich kann dir einen Tipp geben, auch den Kindern zuliebe: Wenn du nicht mit Herzblut bei der Sache bist, also Kindern etwas wirklich beibringen möchtest, dann lass es lieber, denn der Schaden den unglückliche Lehrer bei Kindern anrichten ist um einiges höher als bei einem selbst.

Zu der Berufsfindung kann ich dir folgende Tipps geben: Schaue in deiner eigenen Kindheit nach, was hat dir damals besonders viel Spaß gemacht? Was ging leicht von der Hand? Wo hattest du das Gefühl, dass die Zeit wie im "Flug" vergeht? Das sind die ersten Brotkrummen, Hinweise, auf dem Weg zur Erkenntnis.

Das nächste wäre dann die Frage, wie du die bisher gesammelten Erfahrungen, Studium, Gastronomie, Freizeitaktivitäten, usw. in einem Beruf kombinieren kannst. Oft sind erfolgreiche Menschen erfolgreich geworden, weil sie ihre erworbenen Fähigkeiten kombiniert und alle in ihrem Beruf eingesetzt haben und sie nicht von einander getrennt beobachtet haben.

Ich hoffe ich konnte dir mit diesen Ansatz ein wenig helfen. Denk auch mal darüber nach warum du Kinder und Menschenansammlungen nicht magst, vielleicht gibt es da ein Trauma aus der Kindheit zu bearbeiten?

LG
Garen
 
Hallo!,

ich kann dir einen Tipp geben, auch den Kindern zuliebe: Wenn du nicht mit Herzblut bei der Sache bist, also Kindern etwas wirklich beibringen möchtest, dann lass es lieber, denn der Schaden den unglückliche Lehrer bei Kindern anrichten ist um einiges höher als bei einem selbst.

Zu der Berufsfindung kann ich dir folgende Tipps geben: Schaue in deiner eigenen Kindheit nach, was hat dir damals besonders viel Spaß gemacht? Was ging leicht von der Hand? Wo hattest du das Gefühl, dass die Zeit wie im "Flug" vergeht? Das sind die ersten Brotkrummen, Hinweise, auf dem Weg zur Erkenntnis.

Das nächste wäre dann die Frage, wie du die bisher gesammelten Erfahrungen, Studium, Gastronomie, Freizeitaktivitäten, usw. in einem Beruf kombinieren kannst. Oft sind erfolgreiche Menschen erfolgreich geworden, weil sie ihre erworbenen Fähigkeiten kombiniert und alle in ihrem Beruf eingesetzt haben und sie nicht von einander getrennt beobachtet haben.



Hallo liebe/r Garen!

Danke für deine freundliche Antwort! Es ist schön, mal nicht solche Sachen zu hören wie "Pech, hättest halt eine andere Ausbildung gemacht" oder "Da musst du halt durch" oder "Probleme hat jeder, reg dich ab, als Lehrerin verdienst du nicht so schlecht und hast viel Freizeit". Darum geht es nämlich gar nicht ... ich bin kein fauler Mensch, dass ich so viel Freizeit brauche, eigentlich kenne ich das Wort kaum ... habe bisher nicht anderes gekannt als Uni und Arbeit und Arbeit und Uni. Dass ich demzufolge auch mit einem geringen Budget auskommen kann, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen ...

Ich habe auch keine Familie und nicht die Absicht, eine zu gründen - wie gesagt, Kinder sind nicht mein Fall. Also nochmals Fehlanzeige mit Freizeit. Ich habe nicht mal einen Partner. Was ich haben möchte, ist ein Beruf, der mich erfüllt, DAS ist mein Lebensmodell und war es, so lang ich denken kann. Arbeitszeiten und Bezahlung relativ egal, solang man davon (meine winzige) Wohnung und Essen bezahlen kann. Aber das, was ich mache, möchte ich gern machen, weil außer der Arbeit gibt es eigentlich nichts in meinem Leben ... Hobbys: nochmals Fehlanzeige. Freunde: ich hatte drei gute Freundinnen, aber die sind aus beruflichen und familiären Gründen in andere (Bundes-)Länder gezogen. Also da ist nichts außer der Arbeit.

Ich habe mich auch nicht aus Sadismus oder Bosheit oder sowas dafür entschieden, den Lehrberuf zu versuchen, ich bin überzeugt davon, dass ich dafür so ungeeignet wie möglich bin. Aber das ist in Österreich (wo ich lebe) derzeit so ziemlich die einzige Branche, wo man mit meinen Studienrichtungen ohne weiteres einen Job bekommt, weil die so dringend Leute brauchen ... genau genommen ist es die einzige. Ich habe genau das studiert, was meine Leidenschaft war, Literatur und Geschichte, und war auch wirklich gut darin ... sorry, das ist nicht als Überheblichkeit gemeint, ich möchte damit nur ausdrücken, dass man eben bessere Chancen hat, in etwas gute Leistungen zu bringen, was man mag, als was man nicht mag.

Was ich machen MÖCHTE, weiß ich ja ganz genau: an der Uni arbeiten. Und ich bemühe mich ja schon seit Jahren darum, aber es klappt nicht, obwohl ich alle Abschlüsse mit Auszeichnung habe ...

Es ist so eine erdrückende Vorstellung, den (möglicherweise ja noch recht langen) Rest seines Lebens mit einem verhassten Beruf verbringen zu müssen, der einem das Überleben ermöglicht, obwohl man nicht weiß wofür ... weil man außer dem Beruf keinen Lebensinhalt hat :wein:
 
Da mach dir mal keine grossen Gedanken. Wenn du den "Lehrerjob" nicht willst und Kinder hasst, wirst du spätestens nach 6 Monaten eh entlassen oder kündigst selber.
Mach dir eins klar: Kinder können grausam mit unmotivierten Lehrerinnen umgehen!
 
Wie wäre es als Lehrer in der Erwachsenenbildung? Wäre das ein erträglicher Kompromiss? Du würdest zwar unterrichten, aber eben keine Kinder.
 
Hallo,

hast du denn eine Erklärung dafür, warum man dich im wissenschaftlichen Bereich nicht haben will? Ich meine, bei drei mit Auszeichnung abgeschlossenen Studien, stellt sich diese Frag einfach. Wie sähe es denn mit Arbeit im deutschsprachigen Ausland aus und/oder beispielsweise an einem Goetheinstitut aus?

Abgesehen davon, aus meinem persönlichen Umfeld kann ich dir nur berichten, dass einen manchmal die Selbsteinschätzung bzgl. des Lehrerberufs ziemlich im Stich lassen kann. Der Bruder einer Bekannten, ein promovierter Physiker, ziemlich schräger Einzelgänger mit einer reichlich ausgeprägten Sozialphobie sah sich ebenfalls gezwungen, eine Anstellung als Lehrer anzunehmen und erstaunlicherweise kam er, obwohl weder kinder-, noch beziehungserfahren nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sehr gut mit den Kids klar. Ja, es fing ihm sogar an Spass zu machen, er wurde erheblich gesprächiger und schlagfertiger und hat mittlerweile in seiner Schule den Ruf zwar schräg, aber hochinteressant oder anders gesagt, nerdig aber cool zu sein. Wer sagt denn, dass es bei dir unbedingt in die Hose gehen muss? In diesem Fall würde ich sagen: Probieren geht über studieren😉
 
Hallo,

hast du denn eine Erklärung dafür, warum man dich im wissenschaftlichen Bereich nicht haben will? Ich meine, bei drei mit Auszeichnung abgeschlossenen Studien, stellt sich diese Frag einfach. Wie sähe es denn mit Arbeit im deutschsprachigen Ausland aus und/oder beispielsweise an einem Goetheinstitut aus?

Hallo!

Doch, eine Erklärung hab ich dafür schon, sogar eine ziemlich einfache: ich hab kein "Vitamin B". Ganz viele Leute aus meiner Generation sind sogar an der eigenen Uni (also auch meiner) angestellt worden, weil sie die richtigen Professoren gekannt haben, bei mir ist das leider nicht der Fall. Es ist nicht so, dass ich keine Leute kenne, sondern die falschen ... während ich mit dem Studieren fertig wurde, hat an meinem Institut ein weitgehender Generationenwechsel stattgefunden, das heißt, die Leute, die ich kannte (und immer noch kenne, sogar sehr gut und privat, tw. bin ich mit denen sehr sehr gut befreundet) sind in Pension und haben nichts mehr zu sagen. Der Anschluss an die neue Generation der Führungspersönlichkeiten hat nicht geklappt, weil die einerseits großteils ihre eigenen Leute aus dem Ausland mitgebracht haben, teils weil ich "als schon vergeben" gelte/gegolten habe ... vielleicht gilt das jetzt komisch, aber es ist hier so, dass einen niemand anderer mehr will, wenn man den Ruf hat, zu einem bestimmten Personenkreis zu gehören.

Mit Ausland hab ich es auch schon versucht, mit demselben Ergebnis: es klappt nicht, wenn man keinen Anschieber hat ... weil die Konkurrenz riesig ist und es zu wenig ist, gute Leistungen vorweisen zu können ... man muss eine entsprechende Rückendeckung durch einflussreiche Personen haben :-(((

Was du über den Physiker aus deinem Bekanntenkreis schreibst, könnte echt auch auf mich passen ... soziale Phobie ist mir bekannter als mir lieb ist :wein: mir graut es einfach davor, vor einer Klasse voller 14jähriger zu stehen, die sich für alles interessieren außer dem Lehrstoff, denen den Entertainer zu machen und dabei mitzukriegen, dass sie sich nur darüber amüsieren, was z.b. für eine blööööde Frisur die Lehrerin hat .... jaja, ich habe schon Unterrichtspraktika hinter mir und die waren nicht schön ...

Ich bin einfach so traurig, weil ich alles, einfach alles an emotionaler Energie und so weiter in meine Studienfächer gesteckt habe und dabei ist nichts weiter herausgekommen, als über einen enormen zeitlichen, finanziellen und psychischen Umweg dort zu landen, wo Leute stehen, die 10 Jahre jünger sind als ich und mit schlechten Noten 6 Semester absolviert haben - ja, derzeit werden in Ö auch Studierende als Hauptschullehrer angestellt, Notenschnitt egal, man braucht einfach nur wen, den man in die Klasse stellt, damit da mal 50 min Ruhe herrscht oder so ...
 
Tut mir leid, ich kann dir bei deinem Problem leider nicht wirklich weiterhelfen, aber darf ich dich trotzdem fragen, wie du ohne Referendariat angenommen werden konntest? Nur aus Interesse, ich würde gerne Lehrerin werden, komme aber mit dem Gedanken, noch sechs, sieben Jahre warten zu müssen, nicht klar, weil ich dann schon eine Familie gründen will...
 
Erwachsene merken auch sehr schnell wenn jemand "unterrichtet" der keine Lust dazu hat.
Mag sein, aber vielleicht wäre das für die TE trotzdem eine Alternative. Erwachsene sind dann doch etwas umgänglicher als Kinder und wissen sich i.d.R zu benehmen.

Ansonsten könnte es die TE ja noch als Lektorin, Bibliothekarin oder Archivarin versuchen. Mehr fällt mir dazu auch nicht ein.
 

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