Hallo,
Wollte mich nur kurz bedanken für Eure Antworten. Meine Tochter war gerade wieder aufgetaucht, als ich das hier schrieb und war eigentlich noch gar nicht fertig mit meinen (aus meiner persönlichen Sicht und sicherlich auch subjektiv) Äußerungen.
Also, angefangen hat das ganze Dilemma schon vor 2 Jahren (sie war noch 12) und sie zog sich ständig diesen Film "13" rein. Als wir in Portugal zu Besuch bei ihrem Papa waren, ihre zu der Zeit beste Freubdin mit dabei, kam es zu den ersten gravierenden Problemen. Die Mädels hatten sich ihren Bauchnabel piercen lassen (was erst später aufgeflogen war, da sie es gut versteckt hielten), sie klauten dem Papa eine Menge Geld und meine Tochter hatte sich zum ersten Mal geritzt. Zurück in Deutschland fand ich zudem heraus, dass sie ein paar Flaschen Alcopops mitgehen lassen hatten und das Wochenende auf Achse gehen wollten. Das ließ ich nicht zu und es kam zu den ersten aggressiven Auseinandersetzungen mir gegenüber. Ich hatte ein Gespräch mit der Mutter der Freundin, um mit ihr über die Problematik zu reden und auch das Piercing wieder entfernen zu lassen. Sie meinte aber, dass ihre Tochter sich das schon seit längerem gewünscht hätte und das könne ja nun drinbleiben. Nach diesem Gespräch verbot sie ihrer Tochter den Umgang mit meiner. Ich entschied mich, sofort Hilfe bei der Erziehungsberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Zunächst war meine Tochter dabei, aber es wurde entschieden, die Gespräche mit mir alleine weiter zu führen. Da es auch in der Schule ständig zu Konfliktsituationen kam, besprach ich auch dort die Problematik. Sie war in der sechsten Klasse und hätte unter Umständen auf die Hauptschule wechseln müssen, entschieden aber gemeinsam mit Rektor und Klassenlehrer, sie aus dem Umfeld nicht raus zu reißen und weiterhin in der Klasse zu bleiben. So wurde sie versetzt in die siebte Klasse. Ich hatte auch nach Empfehlung über ein Internat nachgedacht, aber das war ihr Papa nicht bereit zu zahlen. Die Kosten sind ja auch immens (mtl. 2.200 €)! Bei allen Entscheidungen, die getroffen wurden, war meine Tochter mit einbezogen und gelobte Besserung und nehme das als Chance wahr. Es wurde aber noch schlimmer. Wir suchten psychologische Hilfe auf und sie war auch kurzzeitig auf Anraten der Ärztin in stationärer Behandlung. Dann hatte sie ihren ersten Freund (16Jahre), mit dem sie schon nach 8 Tagen zum ersten Mal schlief. Ich führte mit beiden ein aufklärendes Gespräch, schickte sie beide zum Frauenarzt. Während der Zeit mit ihrem Freund besserte sich die Situation und war relativ entspannt. Sie wurde in die achte Klasse versetzt und wir verbrachten die letzten 3 Ferienwochen wieder in Portugal bei ihrem Papa. Dort hatte sie zunächst ungezügelten Zugang zum Internet und muss wohl auf diesem Wege einen anderen Jungen aus unserer näheren Umgebung kennen gelernt haben. Die beiden habe ich bei uns zu Hause erwischt, als ich von der Arbeit kam. Auch ihr Freund fand es heraus (weil Vivian übers Internet damit geprahlt hatte). Die Beziehung war somit beendet und der Zustand und Vivians Verhalten verschlechterten sich zunehmend. Sie ließ sich abermals piercen, ritzte sich, wurde aggressiv. Ich schaltete das Jugendamt ein, ging abermals mit ihr zur Psychologin. Außerdem fand ein Gespräch in der Schule mit allen Beteiligten statt (Jugendamt, Erziehungsberatung, Klassenlehrer und Rektor sowie Sozialarbeiter). Es wurde gemeinsam erörtert, dass dringend die Hilfe des Jugendamtes notwendig sei. Das war im Februar diesen Jahres. Mittlerweile ist meine Tochter von der Schule geflogen. In der neuen Schule pierste sie gleich mal 3 Mädels auf dem Klo, was erneut zu einer Klassenkonferenz geführt hatte. Auf Anraten der Psychologin (sie hatte sich auch noch mal mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt) fand jetzt am Mittwoch ein Hilfsmaßnahmegespräch mit dem Jugendamt statt. Dort haben wir uns zunächst geeinigt, dass meine Tochter noch mal eine Therapie macht (sie hatte es selbst vorgeschlagen!) und wir eine Familienhilfe erhalten. Wir beide haben es als Neubginn gesehen und auch zu Hause noch mal darüber geredet. Sie erklärte sich bereit, die Regeln einzuhalten, um ein besseres Miteinander zu gewährleisten. Das heißt, Absprachen einzuhalten, pünktlich zu sein, Vertrauen wieder aufzubauen und die Schule ernster zu nehmen (Ø 4,5). Und dann kam das Wochenende!
Morgen habe ich noch mal einen Termin beim Jugendamt und werde wohl eine Fremdunterbringung beantragen. Ich denke, dass ich alles, was für mich möglich war, getan habe. Bin auch am Ende meiner Kräfte. Hatte die letzte 2 Jahre kaum Zeit für mich und habe trotzdem versucht, für uns beide das leben wieder ein Stück lebenswerter zu gestalten, was mir leider nicht gelungen ist.