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Hätte ich mehr Verständnis aufbringen sollen?

Hallo zusammen,

seid einpaar Wochen läuft es zwischen mir und meiner langjährigen, besten Freundin – kennen uns seid fast 10 Jahren – überhaupt nicht mehr gut.
Vor zwei Wochen, gab es nun einen größeren Streit zwischen uns, wobei ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich nicht überreagiert habe und nun eine neutrale Meinung brauche.

Vielleicht fange ich am besten damit an, unsere Situation zu erläutern…
Wir sind beide Mitte Zwanzig, haben keinen Freund – auch noch nie einen gehabt, da wir strenge Eltern haben, weswegen wir uns immer bei der anderen „ausheulen“ konnten – und haben auch sonst einen sehr bescheidenen Freundeskreis, eben deshalb, weil wir früher immer weniger durften als andere Mädchen in unserem Alter.
Ich musste früher zudem jeden Abend meine Geschwister hüten, wenn meine Eltern beide arbeiten waren, da bei uns das Geld längere Zeit knapp war und sie kommt aus einer Familie, wo der Vater die Mutter betrogen hat und diese sich schließlich hat scheiden lassen. Ihre Mutter hat sie und ihre Brüder allein großgezogen, da der Vater danach den Kontakt nicht mehr wollte. Aufgrund dieser Hintergründe liegt uns deshalb sehr viel an unseren Familien.

Seid ich einen festen Beruf habe, darf ich allerdings auch endlich mehr. Meine Eltern fragen mittlerweile nicht, wohin ich abends gehe, ich habe auch angefangen nach einer eigenen Wohnung Ausschau zu halten und ich weiß auch, dass es bei meiner Freundin sehr lockerer geworden ist – ihre Brüder haben ihr sogar erlaubt einen Freund zu haben falls sie jemanden findet und das obwohl sie Türkin ist.
Wenn ich sie jedoch frage, ob wir abends weggehen wollen, möchte sie entweder nur auf einen Kaffee raus, hat keine Lust, will lieber etwas mit ihren Brüdern machen oder geht mit einer anderen Freundin weg (sogar Diskotheken) und fragt nicht einmal ob ich nicht auch Lust hätte mitzukommen. Wenn ich mich mit ihr verabrede, werde ich sehr oft versetzt. Selbst wenn ich Tage davor gefragt habe, ob sie nicht Lust hat auszugehen, lässt sie mich sofort sitzen, wenn ihre Brüder anrufen und fragen, ob sie nicht Lust hat zu ihnen zu Besuch zu kommen.
Bisher habe ich das immer verstanden – ich weiß ja wie viel Familie ihr bedeutet - nur so langsam fühle ich mich auch von ihr ausgenutzt, da sie immer nur anruft, wenn sie eine kurze Erledigung in der Stadt machen möchte – sie geht nicht gerne allein einkaufen – oder wenn ich ihr bei etwas helfen soll.
Sobald ich sie aber frage, ob wir abends weggehen, wimmelt sie mich ab und wenn ich auch mal etwas erledigen möchte, sagt sie kurz davor ab oder legt sich nicht fest, da ja jeden Moment ihre Brüder anrufen könnten. Sie hält sich manchmal das ganze Wochenende frei, nur weil ihre Brüder sie eventuell einladen „könnten“. Nicht selten sitzt sie deshalb das ganze Wochenende allein zuhause und wartet vergebens.

Als ich eine Woche vor Vatertag ein Geschenk kaufen wollte, war es das gleiche Spiel. Ich habe sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte am nächsten Wochenende mit mir ein Geschenk auszusuchen. Sie hat zuerst bejaht, da sie ja nichts Besseres zu tun hatte. Einen Tag vor diesem Termin, war sie gerade bei uns zu Besuch, als ihr Bruder anrief und sie fragte, ob sie nicht am Samstag kommen wolle. Sie hat sofort zugesagt und als ich sie nach dem Telefonat darauf angesprochen hatte, meinte sie, sie hätte unsere Verabredung vergessen.
Ich habe damals nichts gesagt, aber ich war ziemlich sauer, da sie das mehr als einmal gemacht hat. Außerdem kommt es manchmal gar nicht zu diesen Treffen mit ihren Brüdern, da diese ihr auch sehr oft kurz davor absagen. Dann sitzt sie wieder alleine zuhause herum und jammert mir bei unserem nächsten Treffen die Ohren voll:
„Die lassen mich immer sitzen.“
„Auf die ist kein Verlass.“
„Ich sitze abends immer nur daheim herum.“
„So lerne ich nie jemanden kennen…“
Das Übliche eben.

Vor zwei Wochen war es nun das aller gleiche Spiel, nur das ich dieses Mal meinem Bruder ein Geschenk kaufen wollte. Ich hatte sie drei Tage vorher gefragt und gebeten es nicht zu vergessen, kurz vor dem Termin saßen wir aber zusammen im Auto, weil sie mich gebeten hat, sie nach der Arbeit ins Solarium mitzunehmen, da ruft ihr Bruder an und schon sagt sie ihm wieder zu. Als ich sie an unseren Termin erinnert habe, meinte sie erneut sie hätte es vergessen und das es ihr Leid tue. Dieses Mal bin ich richtig sauer gewesen, habe es aber wieder runtergeschluckt, weil ich erst wissen wollte, ob sie am Samstag wirklich zu ihm geht.
Am Sonntag habe ich erfahren, dass es wieder nicht zu diesem Treffen kam. Stattdessen saß sie wieder zuhause herum, während ich meine Sachen alleine erledigt habe. Das Tolle an der Sache war, dass sie mir am Sonntag eine SMS geschrieben hat, mit der Bitte ihr bei einer Bewerbung für einen Nebenjob zu helfen.
Zuerst wollte ich es wieder runterschlucken und verständnisvoll sein – wie gesagt, ich weiß wie viel ihr ihre Familie bedeutet – aber als sie mich gefragt hat, ob ich sauer auf sie bin, ist es dann doch aus mir herausgekommen. Ich habe ihr gesagt, dass ich genervt von ihr bin und dass ich es nicht in Ordnung finde, dass sie mich bei jedem Anruf ihrer Brüder versetzt, aber sobald sie etwas braucht, stehe sie wieder bei mir auf der Matte und sie überschlägt sich förmlich mit Komplimenten darüber, was für eine tolle Freundin ich doch bin.
Daraufhin war ihre einzige Antwort:
„Es tut mir Leid, ich verspreche dir in Zukunft einfach nichts mehr. Familie geht vor.“
Nach langem hin und her, habe ich ihr schließlich knallhart gesagt, dass ich mich auf sie nicht verlassen kann und ab jetzt alles was mich betrifft alleine erledige. Darüber war sie tief betroffen und sie meinte, sie fände es furchtbar dass ich ihr so wenig vertraue, doch ich habe in meiner Wut nur gesagt, dass sie sich das selbst zuzuschreiben hat, wenn ich ihr nur dann gut genug bin, wenn sie etwas von mir braucht.

Zum Schluss haben wir uns zwar um einen versöhnlichen Ton bemüht, allerdings herrscht seit dem Funkstille zwischen uns und ich fange an mich zu fragen, ob ich nicht doch ungerecht war. Hätte ich mehr Verständnis aufbringen sollen?

Tut mir Leid für den langen Beitrag. Ich hoffe es findet sich jemand, der sich diesen langen Text antuen möchte.

LG
 
du hast nicht überreagiert. eure freundschaft befand sich in einer schieflage. darüber hast du sie aufgeklärt. was sie daraus macht, muss sie entscheiden. allerdings hat sie dir ihre meinung darüber ja auch schon mitgeteilt, familie geht vor. immer. das wirst du wohl akzeptieren müssen. erwarte in zukunft weniger von dieser freundin und gib ihm gegenzug auch weniger. das ist zumindest momentan die einzige möglichkeit die freundschaft aufrechtzuerhalten, ohne dass du dich dabei ausgenutzt fühlst.

hast du ihr mal gesagt, dass du genau verstehen kannst, wie sie sich fühlt, wenn sie von ihren brüdern sitzengelassen wird - weil es für dich genau das gleiche gefühl ist, wenn sie dich sitzelässt?
 
Deine Reaktion war absolut richtig. Sie scheint sich nicht darüber bewußt zu sein, dass Freundschaft von zwei Seiten kommen muß.Wenn du möchtest kannst du ihr nochmal einen ausführlichen Brief schreiben, in dem du ihr all das malganz nüchtern sagst. So wie jetzt uns. Wenn es nur die Unwissenheit deiner Freundin war, dann wird das etwas bringen. Wenn nicht, dann such dir lieber neue Freunde.
 
Danke für die Antworten.
Es war doch beruhigend zu wissen dass ich nicht über das Ziel hinausgeschossen bin.

Mittlerweile simsen wir zwar wieder miteinander, allerdings merke ich dass wir sehr distanziert sind. Wenn wir uns schreiben, dann nur das Nötigste. Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, Gazelles Ratschlag zu befolgen und einen Brief zu schreiben, allerdings weiß ich, dass meine Freundin bei irgendwelchen Problemen, sofort zu ihren Brüdern rennt und sich bei denen ausheult, da war mir das doch zu heikel etwas schriftliches in ihre Hände zu legen.

Ich versuche mich im Moment einfach mit dem Gedanken anzufreunden, dass wir uns jetzt seltener sprechen und sehen. Finde ich zwar Schade, weil wir wirklich viel Spaß miteinadern hatten, aber mir fällt durch diese Sache auch auf, wie selten sie anruft, wenn sie mal keine Hilfe von mir will...
Wahrscheinlich beweist das nur umso mehr, wie wenig ihr an der Freundschaft liegt. 😕
Ist wirklich ernüchternd, wenn man für jemanden so viel getan hat und dann merkt, dass sie dasselbe nicht für dich tun würde. Werde mich wohl wirklich mal um einen größeren Freundeskreis bemühen müssen.
 

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