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Gibt es keine Toleranz mehr?

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J

Jacjy

Gast
Es erfüllt mich zunehmend mit Sorge, wie die Menschen miteinander umgehen.

Ganz kurz mal meine Geschichte. Ich habe ein Buch über meine Lebensgeschichte geschrieben, ein Kinderschicksal in der DDR, gewaltsam von den Eltern getrennt. Das Leben in der Mangelwirtschaft habe ich beschrieben, die Hoffnungen der Wende, alles aus meiner persönlichen Sicht. Zur Wende habe ich begonnen, mir eine Spielwarenproduktion aufzubauen, ein sehr steiniger Weg, habe es aber geschafft, dazu noch ein sehr schönes Ladengeschäft. Ich war stolz darauf, vor allem auch über die geschaffenen Arbeitsplätze. Aus dieser Freude heraus habe ich mein Buch geschrieben, um anderen Mut zu machen, durchzuhalten und zuzupacken.

Nach Erscheinen meines Buches änderte sich einiges. Ich wurde mehrfach auf der Straße und in Märkten angepöpelt, ich habe die DDR schlecht gemacht, derartiges habe es nie gegeben, dass Kinder von den Eltern getrennt wurden und vieles mehr. In einer Kleinstadt ist es eben anders als in einer Großstadt. Neidattacken, beschmierte Wände an meinem neu sanierten Haus mit Laden und dann das schlimmste. Zwei betrunkene junge Arbeitslose brachen ein und legten Feuer, totale Vernichtung des Ladens und der zwei Arbeitsplätze, 78 T€ Schaden, von der Versicherung bekamen wir nur 23 T€. Fünf Monate brauchten wir zum eigenhändigen Neuaufbau, mit Umsatzausfällen ein Gesamtschaden von 170.000,- €. Fast hätten wir in Insolvenz gehen müssen. Die Täter sitzen, haben über 7 Jahre bekommen, da das Haus bewohnt war. Leider sind sie mittellos.
Auf der Buchmesse Leipzig wurde ich ebenfalls mehrfach beleidigt. Ein alter Herr in Schlips und Kragen, offenbar ein Ex Funtionär, beschimpfte mich, da ich "seine DDR" schlecht gemacht habe und holte schon mit der Aktentasche aus. Ein Ehepaar laß sich am Stand den Klappentext durch und pöpelte mich dann an, weshalb ich sagen könne, das nicht alles in der DDR schlecht war. Man meinte, das es dogar so schlimm war, daß die Kinder in den Schulpausen im Kreis gehen mussten wie im Gefängnis. Ich fragte, ob es besser sei, wenn man sich prügelt, raucht, Drogen tauscht, über ärmere ohne Markenklamotten herfällt, die Lehrer bedroht und vieles mehr.

Empfinde ich das alles nur so oder geht wirklich die Qualität des Zusammenlebens zurück?

Freiheit ist auch - ein Buch zu schreiben!

Ich bin nicht sensibler als alle anderen, aber ich bin unglaublich froh, dass es auch sehr viele positiven Meinungen zu meinem Buch gibt, bis in Politik und Wirtschaft, sonst wäre ich schon in Verbitterung versunken.

Was ist aus diesem Deutschland geworden, dass sogar seine Kinder umbringt? Mir macht es keinen Spaß mehr, dazu der wachsende wirtschaftliche Druck durch wachsende Preise, über die Hälfte der Menschen lebt von der Hand in den Mund, bei 5.3 Billionen Vermögen in der Bevölkerung. Über 60 % davon gehören einer handvoll Reichen und ist dem konjunkturellen Kreislauf entzogen. Hätte Deutschland nicht den Exportmarkt, wäre es schon zusammengebrochen wie der Binnenmarkt.

Als ich 2003 meinen Betrieb vergrößern wollte, bekam ich eine Absage von der Bank, Spielzeug hat keine Bank ernst genommen, ich musste alles aus eigener Kraft aufbauen. Damals suchte ich blauäugig die Hilfe der Reichen durch etwas Beteiligungskapital, nicht viel, bot dafür Immobiliensicherheit im ersten Rang. Was ich da erlebte war unglaublich, ich schrieb ich mit nieder, natürlich ohne Namen.

Alleine durch diese Tatsache boykottieren die Medien das Buch und der Buchhandel hat es nicht in den Regalen, bestellt nur bei konkreter Kundenbestellung.

Ein gesellschaftskritisches Buch, das sich absolut an Fakten hält durch das Erzählen einer Lebensgeschichte, wird von politische und wirtschaftlichen Extremen verdammt.

Keine Angst, das ist keine Buchwerbung - ich musste das einfach mal raus lassen vor Heiligabend.
 
Keine Angst, das ist keine Buchwerbung
Die kann es ja auch nicht sein, weil wir weder den Titel noch deinen Klarnamen kennen.

Liebe(r) Jacjy - da siehst du, wie wütend Menschen werden können, denen man ihre Lebenslügen zerstört, sei es durch Fakten oder die Schilderung subjektiver Wahrnehmungen.

Vermutlich hast du mit deinem Buch in ein Wespennest gestochen, in dem alle drin sind: die Verleugner, die Ewig-Gestrigen, die Systemverklärer wie auch -kritiker, die, die immer in den Westen wollten, die, die NIE in den Westen wollten... und da du offenbar unter deinem echten Namen geschrieben hast, hast du den Zorn abbekommen.

Lebenslügen sind Gerüste zum Festhalten, wie Krücken - die lassen Menschen sich nicht gerne wegtreten.
Ich glaube, nicht Intoleranz, sondern Schmerz ist das Motiv für diese unglaubliche Wut.

Das tröstet dich nicht, ich weiß. Ich wollte es nur erklären...
ich habe den Eindruck, dass die ehemaligen Bürger/innen der DDR sich ihre Vergangenheit nicht gerne ansehen und sie auch nicht verarbeiten und bewältigen.

Toleranz und Intoleranz in unserer Gesellschaft sind sich für mein Empfinden gleich geblieben.

Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht,
CC
 
Hallo Jacjy,

Alleine durch diese Tatsache boykottieren die Medien das Buch und der Buchhandel hat es nicht in den Regalen, bestellt nur bei konkreter Kundenbestellung.

Ein gesellschaftskritisches Buch, das sich absolut an Fakten hält durch das Erzählen einer Lebensgeschichte, wird von politische und wirtschaftlichen Extremen verdammt.
CupCoffie hat Recht.
Und wenn dich die Reaktionen stören, kannst du auch in die Offensive gehen. Was hält du davon, Medien und Händler verstärkt auf dein Buch aufmerksam zu machen ?
 
Wundert es wirklich, dass die Ewiggestrigen der DDR so aggressiv und rotzfrech auftreten ?

Einer der großen Fehler der deutschen Vereinigung war, dass gegen die Unrechtskader des Regimes nicht "durchgegriffen" wurde. Nicht nur die Spitze (Honecker und Co) blieb verschont, auch der Mittelbau, diejenigen, die Bespitzelung und Unterdrückung aktiv durchgeführt haben, blieb bis auf ein paar Alibifälle ungeschoren. Und ihre politische Vertretung wird hofiert und darf schon mal die deutsche Hauptstadt mitregieren. Unglaublich.

Mit der Titelfrage des Threads haben die geschilderten Vorfälle aber wenig zu tun. Toleranz ist überall auf der Welt Sache einer Minderheit. Zynisch gesagt muss man sie sich leisten können. Davon ist die Bevölkerung der Ex-DDR aus den verschiedensten Gründen in aller Regel weit entfernt.

chio
 
Entdecke ich da eine gemeinsame "Liebe" zu Personen, die wir jetzt besser nicht nennen sollten ??
 
Hallo Jacjy,

CupCoffie hat Recht.
Und wenn dich die Reaktionen stören, kannst du auch in die Offensive gehen. Was hält du davon, Medien und Händler verstärkt auf dein Buch aufmerksam zu machen ?

Soweit war ich auch schon. An 180 Medien habe ich Bücher und Infos verschickt, vier Zeitungen brachten eine kurze Rezension. Noch schlimmer der Buchhandel, hier habe ich 4.380 Werbeflyer hingeschickt. Bekommen habe ich drei Buchbestellungen, eine davon mit ein paar lieben Zeilen von einer Buchhändlerin in Coburg. Das hat hat mich sogar seelisch für die enormen Portokosten entschädigt.

Was könnte man noch tun? Auf das Buch in Foren aufmerksam machen geht auch nicht, das ist dann wirklich Werbung.

Ich bin kein eitler Mensch, der sich durch ein Buch profilieren will. Das habe ich wirklich nicht nötig, für meine Modellspielwaren habe ich viele Preise auf der Spielwarenmesse Nürnberg bekommen, im Jahr 2002 sogar zwei zweite Plätze zum "Modell des Jahres" von 257 Herstellern weltweit. Darauf bin ich natürlich stolz, aber ich habe auch genügend Bodenhaftung.

Mein Buch sollte helfen, weiter nichts. Ich verdiene auch nichts dran, da ich alles selber finanziert habe.

Die unerwarteten negativen Reaktionen, die machen mir augenblicklich zu schaffen, vielleicht liegt es an Weihnachten.

Hier mal eine der guten Reaktionen in amazon.de:
Kein Buch für "zwischendurch". Es ist ein Buch das Satz für Satz gelesen werden muss! Deutsch-deutsche Zeitgeschichte pur, mit allen Licht- und Schattenseiten. Man ist beim lesen dieser Lebens- und Firmengeschichte regelrecht dabei und fühlt mit der Familie ...... Ein wichtiger Punkt noch: Es ist nicht politisch korrekt, verheimlicht und schönt aber nichts, und nennt die Dinge beim Namen! Es sollte in jeder Privat- und Geschäftsbibliothek stehen!

Hier nochmal ein Leser:
Rolf Hermann Kox, Remscheid:
Hier im Buchhandel bestellt, habe ich es am Montag abholen können. Ich habe dann zunächst in der zweiten Hälfte zu lesen begonnen, fast bis zum Schluss und dann nochmal ganz von vorne Einige Artikel auch mehrfach! Glauben Sie mir, es ist nicht nur wie aus dem Leben! Stellenweise ist es spannender als ein guter Krimi!

Davon gibt es weitere 40 solche Lesermeinungen, denn die wenigen, die es gelesen haben, schreiben mir oft spontan.

Könnte ich das Buch wenigstens angemessen verkaufen, würde es den wirtschaftlichen Schaden durch den Brand etwas mildern. Aber wer soll es kaufen, wenn es keiner kennt und es nicht in den Regalen des Handels steht?

So hat eben jeder seine Sorgen, ich wünsche jedem hier, dass sich die
täglichen Sorgen verringern.

Mein Nickname ist übrigens ein eiliger Tippfehler, er sollte eigentlich Jacky heißen.

Allen ein frohes Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben!
 
Lieber Jacky - langsam möchte ich aber wirklich wissen, wie das Buch heißt.
Bitte schreib es mir doch per PN, wenn du es nicht so öffentlich willst (darftst).

CC
 
Lieber Jacky - langsam möchte ich aber wirklich wissen, wie das Buch heißt.
Bitte schreib es mir doch per PN, wenn du es nicht so öffentlich willst (darftst).

CC


Hier habe ich ein Problem: Mit meinen fast 60 Jahren und wenig am Computer und noch weniger in Foren bin ich nicht so computerfest wie junge Leute. Mit "PN" kann ich nicht viel anfangen.

Man möge es mir nachsehen, wenn ich jetzt meine Buchhomepage doch noch bekanntgebe. Aber bitte, seht es nicht als Werbung!

Schau unter Nicht klagen, kämpfen!, da findest Du alles, auch die zahlreichen Lesermeinungen bis hin zu Prominenten. Übrigens auch zwei Verlagskommentare, eines davon ein Angebot und der "Eulenspiegelverlag", der sich dagegen verwahrt, dass die DDR ein Unrechtsstaat war.

Hier nochmal kurze Reaktionen:
Dr. Meinecke, Industrieberater, Baden-Baden:
Bitte schicken sie mir ein signiertes Buch, aber unbedingt aus der Erstauflage.

R. Böhme, Dipl. Math., Jena:
Den Mut zu solch einem offenen Buch hätte ich nicht gehabt. Jetzt verstehe ich vieles.

Besonders tief bewegt hat mich dieser Aufruf in amazon.de vom Rezensenten Egon Klauser:
Herr Kehr spricht vielen "jungen" Autoren aus dem Herzen. Auch ich muss immer wieder feststellen, das banaler Schwachsinn zu Bestseller wird, nur weil der Schriftsteller prominent ist und Zugang zu den Medien hat.
Ein Fall: das Buch eines Promis plätschert fast unverkäuflich dahin und verkaufte sich mehr schlecht als recht. Dann machte der Verlag Druck und brachte ihn in eine Fernsehsendung. Schlagartig lag das Buch im Bestsellerrang, obwohl der Inhalt dann von den Rezensenten mit Recht scharf kritisiert wurde. Doch hunderttausend Bücher waren erst mal verkauft. Diese Möglichkeit haben unbekannte Autoren nicht, deshalb fordere ich hier und heute von den Medien, nicht nach Prominenz zu schielen, sondern nach der Qualität des Inhaltes zu schauen!!
(Meine persönliche Vermutung vielleicht Hainer Lauterbach?)

Mit einhunderttausend verkauften Büchern könnte ich einige neue Arbeitsplätze schaffen, die Auftragslage gäbe es her, der Brandschaden wäre ebenfalls kompensiert.

Ich habe 3.000 Stück drucken lassen, davon habe ich noch 1.800 Stück, den Rest habe ich zumeist verschenkt oder als Rezensionsexemplare an die Medien verschickt, wo sie wohl meist im Papierkorb gelandet sind, nur etwa 400 wurden verkauft über die Buchhomepage. Der Verlag hat ganze 44 Stück an den Buchhandel ausgeliefert, der nur auf konkrete Buchbestellungen der Kunden im Verlag bestellt.

Prominent müsste man sein.
 
Eigentlich ist die Sache Dir doch selbst klar.

Die Frage lautet: Wen interessiert die (Lebens-) Geschichte des R.K. ? Antwort: Kein Schwein.
Dieter Bohlen und Eisbär Knut - ja, auch noch Boris Beckers verkrachtes Leben nach der Tenniskarriere, aber R.K. zwischen DDR und BRD ? Nein, danke.

Der gemeine Soldat wird verheizt, die Generalität wärmt sich die Füße. Im Osten wie im Westen.

Das war so, das ist so, und das wird auch künftig so sein. Der "kleine Mann" ist die Witzfigur der Großen und Mächtigen.

Ein Trost: Irgendwann müssen SIE wie wir alle abtreten. Und dabei sind wir dann alle gleich.

chio
 
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