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Geschehen in ländlich geprägten Regionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl....

Gretchen Wieners

Aktives Mitglied
.... durchschnittlich mehr Verbrechen an Kindern, die auch noch öfter unentdeckt bleiben?

ich habe mich das gerade so gefragt, weil man am land ja tendenziell konservativer und traditionsbewusster lebt als im urbanen umfeld und die entwicklung ja sowieso langsamer voranschreitet als in städten, das land zieht ja meistens nach, zuerst wird etwas in der stadt eingeführt und mit gewisser zeitverzögerung kommt das dann auch in der provinz an.

und ich dachte mir so auch bestimmt erkenntnisse in puncto erziehung. ich könnte mir vorstellen, dass z.b. eltern ihre kinder auf dem land noch verhältnismäßig häufiger körperlich züchtigen als in der stadt. und es auf dem land vll sogar noch weniger auffällt, weil es dort nicht so viele (oder so aufmerksame?) kontrollinstanzen zu geben scheint wie in der stadt.

ich kannte z.b. mal eine familie (es waren unsere nachbarn in meiner kindheit mitte der 90er jahre), die hatten 3 söhne, die alle körperlich gezüchtigt worden sind, aber wirklich so dass es richtig weh getan haben muss, also nicht nur mal ne backpfeife oder 3 schläge auf den hintern. heute denke ich, dass das wahrscheinlich schon unter misshandlung fallen würde.
aber da wurde nie irgendwie eingegriffen von seiten der schulen oder des kindergartens etc. könnte mir aber vorstellen, dass man in größeren städten da vll schon eher hellhörig geworden wäre

was meint ihr, könnte an der annahme was dran sein? könnt ihr von eigenen erfahrungen berichten?
 
Ich weiß nicht, ob es dazu Studien gibt, das würde mich auch sehr interessieren.

Rein instinktiv würde ich der These zustimmen, dass es auf dem Land mehr unentdeckte Übergriffe gibt, als in städtischen Umgebungen.

Obwohl (oder weil) man auf dem Land enger zusammen lebt, man sich besser kennt und sich auch Geschichten über Generationen weiter tragen... Der Ruf, das Ansehen ist etwas lebensnotwendiges im Dorf, einmal gründlich verspielt, ist er nicht so ohne Weiteres wieder herstellbar. Dazu striktere und auch reaktionärere Moralvorstellungen. Beides sorgt dafür, dass man a) seine Verfehlungen (Missbrauch, Gewalt, Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen) noch mehr versteckt und b) das Weggucken stärker ausgeprägt ist.

Die Familie gilt als Hort der Sicherheit und als verschworene Gemeinschaft. Gefahr droht nur von außen, von Fremden. Meist gibt es auf dem Dorf weit verstreute Verwandtschaften, vor den Onkels und Tanten wird den Kindern Respekt eingetrichtert. In der Stadt würde man keinem Kind erlauben, zu einem vage bekannten Menschen allein in die Wohnung zu gehen, auf dem Dorf fände keiner was dabei.

(meine Oma zittert immer um meine Kinder in der Großstadt, meine Versuche, ihr zu erklären, dass ich auf dem Dorf viel mehr Angst um sie habe, lässt sie immer wieder mit dem Kopf schütteln)

Jede Intervention bringt die Dorfgemeinschaft in Gefahr und das Individuum läuft Gefahr, als Verleumder denunziert und isoliert zu werden. Die Hürde, den Mund aufzumachen, ist sehr groß.

Interessantes Thema, mit dem ich mich auch schon viel beschäftigt habe.
 

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