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Fühle mich schuldig, weil ich meinen Vater nicht liebe

MissCooper

Mitglied
Hallo liebe Forenmitglieder 🙂

Meine familiäre Situation ist leider etwas kompliziert...
In meiner Kindheit war eigentlich alles gut. Meine Eltern haben mich gut behandelt und mir fehlte an Liebe und Geborgenheit und auch materiellen Dingen eigentlich nichts. Fühlte mich geliebt und hielt meine Eltern für Helden 🙂

Als ich 10 war, musste ich aber mit ansehen, wie mein Vater meine Mutter brutal gegen unser Waschbecken im Badezimmer stieß und sie halb ohnmächtig wurde... Er tat sowas nie mit mir und es war auch nicht so, dass er meine Mutter oft so behandelte. Ich kann mich eigentlich nur an zwei solcher Situationen erinnern, was natürlich schon zu viel ist!!!
Plötzlich sah ich ihn jedenfalls nicht mehr als Helden. Ich war verwirrt und traurig und ängstlich... Und ich sagte sogar zu meiner Mutter, dass sie nicht mehr mit ihm zusammen bleiben muss wegen mir. Ich wusste, dass das der einzige Grund war, wieso sie ihn nicht verließ.
Ich vergaß dieses Erlebnis irgendwie und als ich 12 war, trennten sie sich dann. Ich weiß nicht wieso, aber ich war trotzdem sehr traurig darüber. Ich liebte meine Eltern und auch, wenn ich vorher noch damals dachte, meine Eltern sollten sich besser scheiden, wollte ich das nicht mehr.
Ich zog dann mit meiner Mutter in eine andere Stadt. Vorher lebte ich auf dem Land. Hatte Platz so viel ich wollte, konnte machen was ich wollte... Die Stadt engte mich ein und mit meiner Mutter kam ich auch nicht mehr so klar. Lag auch mit an der beginnenden Pubertät. Mit meinem Vater hatte ich dennoch viel Kontakt, besuchte ihn fast jedes Wochenende. Er war gut zu mir, wir verstanden uns super. So entschloss ich mich mit 14 zu ihm zu ziehen. Und alsbald fing der Horror an. Er war extrem aggressiv, schrie mich bei jeder Kleinigkeit an und sagte immer den Satz "Solange wie du in meinem Haus lebst...". Andererseits machte er viel für mich, fuhr mich z.B. zur Schule usw. Dennoch... ich fühlte mich nicht wohl. Hatte keine Lust mehr nach Hause zu gehen. Hatte ebenso ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber, da sie nun ganz alleine leben musste.
Das Leben mit meinem Vater wurde immer unerträglicher. Er schlug mich nie. Aber er übte psychischen Terror aus. Er schrie mich an. Wenn ich etwas falsch machte, wenn ich manchmal etwas frech wurde, schrie er mich so lange an, bis ich weinte. Das passierte so oft, dass ich versuchte seine Gegenwart zu meiden, sodass es gar nicht erst zu Auseinandersetzungen kommen würde. Aber er ließ sich nicht abhalten. Er kam manchmal einfach in mein Zimmer rein, natürlich ohne anzuklopfen, nur um mir wieder Vorträge zu halten. Und wenn ich ihm nicht recht gab, hämmerte er wieder solange auf mich ein, bis ich weinend nachgab.
Er respektierte meine Privatsphäre auch nicht im Geringsten. Es war sein Haus, da könne er jedes Zimmer betreten, wie und wann er will. Er präsentierte sich auch gern nur in Unterhosen vor mir und auch nackt. Ich wäre verklemmt, wenn ich das nicht ok finden würde. Allgemein... wenn ich versuchte ihm zu erklären, dass ich es gern hätte, wenn er anklopft, bevor er mein Zimmer betritt oder dass er sich wenigstens vorher was anzieht... Nein, wieso. Ist SEIN Haus... Ich will nicht sagen, dass mein Vater mich damit sexuell belästigen wollte. Denke ich nicht. Aber naja... für ihn war das normal, für MICH aber nicht.
Meine Mutter machte er auch immer sehr schlecht vor mir. Bezeichnete sie als Nutte und sonstwie, nur, damit ich ihn als Opfer der ganzen Sache sehe und meine Mutter meide. Ich hatte zum Teil Angst meine Mutter zu besuchen, denn seine Eifersucht ließ er immer an mir aus. Andererseits heulte er sich oft bei mir aus wegen ihr. Ich war 15, ich wollte das nicht hören. Ich wollte mich nicht auf seine Seite schlagen. Ich hatte selbst Probleme mit der Scheidung und war immer noch nicht wirklich klar gekommen damit.
Er erfand mit der Zeit eine andere Methode mich zu bestrafen: Er ignorierte mich einfach. Die ersten paar Tage fand ich das eigentlich nicht schlecht meistens. Hatte ich wenigstens meine Ruhe. Aber einmal zog er das für einen ganzen Monat durch. Wenn ich ihn etwas fragte, antwortete er nicht. Er behandelte mich wie nicht-existend... Das ließ er dann, nachdem meine Mutter mit ihm redete. Damit war dann der aggressive Vater wieder zurück. Schreien, meckern, unter Druck setzen...
Jetzt, mit 19 bin ich weit weg von zu Hause. Ich lebe in Sydney. Ich habe einiges vergessen gehabt, doch das alles kam hoch, als mein jetziger Freund mich nach meiner Familie fragte. Ich erinnerte mich wieder an die Geschehnisse, als er meine Mutter so brutal schuppste und auch als er meine Schwester einmal richtig derb zusammenschlug. Ich vermisse ihn auch überhaupt nicht, nicht im Geringsten. Ich bin, und das ist schlimm zu sagen, froh, ihn nicht mehr zu sehen.
Mein Freund fragte mich auch, ob ich nach Allem meinen Vater lieben würde... Ich glaube, das war der Augenblick an dem ich zum allerersten Mal drüber nachdachte und mir eingestehen musste, dass dem wohl nicht so ist. Klar, er ist mein Vater. Aber naja... Habe ein schlechtes Gewissen weil ich so fühle...

Ich weiß, dass es hier Leute gibt, die sicher schlimmer behandelt wurden, die vielleicht misshandelt wurden. Ich möchte mich hier auch nicht als armes Mädchen darstellen. Im Grunde musste ich mir das nur alles von der Seele schreiben... Weil es für mich auch echt schwer ist damit umzugehen. Fühle mich jedesmal schuldig, wenn mein Vater sich mal bei mir meldet und dann sowas sagt wie "Vermiss dich meine Kleine, habe dich lieb". ...

Danke fürs "Zuhören"
 
Hi MissCooper,

warum solltest du einen Menschen lieben, der sich so unväterlich, dumm, brutal und unberechenbar verhält? Es gibt keine Verpflichtung zur "Elternliebe".

Alles Gute

Patch
 
Ich weiß auch nicht... Ich meine, im Grunde ist er kein schlechter Mensch. Er hat ja auch viel für mich getan, eigentlich vom finanziellen her alles was ihm möglich war. Und bevor dieser riesige Ehekrach zwischen meinen Eltern war, war er ein sehr lieber, fürsorglicher Vater. Ich weiß nicht, wieso er sich so verändert hat. Und seitdem ich hier bin, verhält er sich auch ganz anders. Er ist ruhiger geworden, erzählt mir, was er so macht und will alles über mich wissen... Vielleicht ist das seine Art Reue zu zeigen?
 
Schön, wenn er sich nachdenklich zeigt.
Eine Verpflichtung zu irgendwelchen Gefühlen ergibt sich daraus dennoch nicht.
Du musst dich nicht schuldig fühlen.
Du bist frei.
 

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