Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Frust, Zweifel, Motivationslosigkeit und Bachelorarbeit

  • Starter*in Starter*in Katta
  • Datum Start Datum Start
K

Katta

Gast
Hallo zusammen,

ich habe hier schon länger hin und wieder mitgelesen und mich jetzt entschieden selbst ein Thema zu erstellen, weil ich gerade die Krise kriege und einfach nicht mehr weiter weiß..

Ich studiere ein naturwissenschaftliches Fach am Schnittpunkt Physik/Chemie und bin derzeit im 6. Semester. Bis zum Ende des 5. Semesters lief mein Studium eigentlich ganz ok, ich habe alle Klausuren zwar nicht mit Bravour, aber immerhin auf Anhieb bestanden. Nebenbei habe ich Sprachkurse belegt, zuerst Spanisch (1.-3. Semester) und ab dem 5. Semester Japanisch.
Mein Studiengang zeichnet sich dadurch aus, dass es viele Praktika (uni-intern) zu absolvieren gibt. Bis zum vierten Semester habe ich damit auch keine größeren Probleme gehabt.. Allerdings war es so, dass kurz vor Beginn meines zweiten Praktikums mein Praktikumspartner (und erster guter Bekannter an der Uni) bei einem Autounfall gestorben ist. Zwei der darauffolgenden Praktika konnte ich zum Glück mit einer Freundin machen. Weil die aber um ein Semester versetzt studiert, wurde mir bei den anderen Praktika immer ein Partner zugewiesen (die anderen Kommilitonen kenne ich zwar, aber jeder hatte ziemlich früh seinen "festen" Praktikumspartner und diese Grüppchenbildung eben... jedenfalls stand ich meistens alleine da). Bei meinem letzten Praktikum habe ich leider einen ziemlich unzuverlässigen Partner zugewiesen bekommen.. Naja, jetzt ist der praktische Teil seit Januar rum und wir müssten immer noch zwei Protokolle abgeben... (in der Zwischenzeit hatte ich ein zeitlich anspruchsvolles Praktikum zu absolvieren, danach er ein anderes und dann kam schon meine Bachelorarbeit und bei ihm ein studienbegleitendes Praktikum.. Dadurch hat sich alles verschleppt.. Und ich kann ihn nur selten erreichen und irgendwann hab ich keine Lust ihm ständig hinterher zu telefonieren und unzählige Mails und SMSen zu schreiben, bevor er sich meldet und meint "Ja, irgendwann nächste Woche können wir uns treffen..")

Jedenfalls habe ich Mitte April den praktischen Teil meiner Bachelorarbeit angefangen und bin seit etwa einem Monat damit fertig. Jetzt muss ich nur noch den schriftlichen Teil erledigen und da beginnt das Problem: Ich kann mich überhaupt nicht dazu motivieren! =/ Ich hab nach einem Monat ca. 3 Seiten von 40, und das auch nur, weil ich diesen Teil unbedingt für eine Präsentation (die ich letzte Woche auf den letzten Drücker gemacht hab) gebraucht habe... Meine Betreuerin halte ich auch schon die ganze Zeit hin.. Jetzt hat sie mir heute geschrieben, dass ich ihr doch bitte diese Woche noch ein paar Seiten zum ersten Korrekturlesen vorbeibringen soll. Dabei hab ich doch noch nichts.. =/ Insgesamt hab ich auch nur noch ca. 3 Wochen Zeit, um einen ersten Gesamtentwurf zu schreiben, weil erst meine Betreuerin fast den ganzen August im Urlaub ist, dann der Prof, der die Bachelorarbeit auch 1-2 mal lesen will, bevor sie beim Prüfungsamt abgegeben wird und ab Mitte August fängt auch noch mein 2-monatiges Industriepraktikum (in Vollzeit) an. Eigentlich ist das Industriepraktikum für die Semesterferien nach dem 4. Semester angesetzt, aber ich hab keinen Platz bekommen und letzte Semesterferien war eben das zeitintensive Praktikum an der Uni, das nur einmal im Jahr angeboten wird und naja..

Hinzu kommt, dass ich morgen noch eine Japanischklausur schreibe (für die ich zwar bisschen was, aber nicht wirklich viel gemacht hab) und übermorgen ein Auswahlgespräch für den konsekutiven Masterstudiengang (meine Noten reichen eigentlich nicht ganz für den offiziellen NC, aber nachdem ja noch einiges fehlt...). Jedenfalls macht mich die ganze Situation nervös und lässt mich an mir und meinen Fähigkeiten zweifeln.
Ich bin mir nicht mehr mal sicher, ob dieser Studiengang überhaupt der richtige für mich ist/war (mir wurde von vielen gesagt, dass ich bei den Sprachen sicher gut aufgehoben gewesen wäre. Mir machen Sprachen auch wahnsinnig Spaß, aber wegen der besseren Jobaussichten hab ich mich für die Naturwissenschaften entschieden..). Ich hab mir auch überlegt, ob ich nicht auf einen Physik-Master wechseln soll, weil man dort Philosophie als Nebenfach wählen könnte, aber nach einem (etwas einseitigem) Gespräch mit dem Studienberater hab ich mich dagegen entschieden, weil ich sehr schlechte Chancen hätte genommen zu werden (auch wenn Philosophie schon interessant gewesen wäre.. Anfangs zumindest. Ich kann mich sehr schnell für etwas begeistern und kurze Zeit später verliere ich das Interesse.. =/). Also wurde es doch der konsekutive.. Es wird ja irgendwie von allen erwartet, dass man den Master auf den Bachelor draufsetzt.. aber irgendwie interessiert mich der Inhalt des Masterstudiengangs nicht 100%.. Klar, es bleibt zwar interessant.. Aber halt auch nur im Großen und Ganzen und es gibt einiges an Pflichtvorlesungen und Seminaren, die mich kaum interessieren.. Auf die Arbeit in dem Gebiet hab ich momentan auch nicht wirklich Lust.. Das liegt aber wohl eher an meinen nicht vorhandenen Praxiskenntnissen. Auf das Industriepraktikum hab ich zwar auch keine Lust, aber ich habe es erst nach einer Empfehlung von einem Kommilitonen bekommen und wenn man in der Regelstudienzeit fertig werden will, dann nimmt man eben alles, was man bekommt...
Ich hab mir auch schon seit längerem überlegt, was ich sonst noch machen könnte, wenn es mit dem Studium doch nicht mehr klappt.. Jetzt abzubrechen wäre natürlich völliger Quatsch und kommt für mich (solange es sich vermeiden lässt) nicht in Frage. Aber eine Ausbildung mit einem Bachelor? Augenoptiker fände ich ganz interessant.. Und eine Ausbildung zum Tanzlehrer lässt mein Herz derzeit höher schlagen (es mach eher Saltos und Luftsprünge.. das wäre so genial! 😀), aber wie immer gibt es ein Hindernis: Ich weiß nicht genau, ob mein Körper sowas mitmacht (ich bin zwar sportlich, hab aber immer wieder Knieprobleme.. Hab deswegen derzeit auch viele Arztbesuche, aber bisher konnte niemand was genaues sagen.. frustrierend)..

Ähm, ich bin grad total vom eigentlichen Thema abgekommen..
Ich soll also diese Woche noch am besten 5-10 Seiten zum Durchlesen abgeben, von denen ich noch keine einzige geschrieben hab und die (nicht studienrelevante, für mich aber doch irgendwie wichtige) Klausur steht auch an.
Um es kurz zu fassen: Ich weiß ganz genau, dass ich mich spätestens jetzt hinsetzen und durchackern sollte, aber... es geht einfach nicht. Es ist wie wenn in meinem Kopf zwei Personen wären: Eine, die den Ernst der Lage versteht und gerne gute Ergebnisse bei der Arbeit (und insgesamt im Studium) erzielen würde und die andere.. das ist schwierig zu beschreiben. Die hat ein Art "Scheiß-drauf"/"Ist-mir-egal"/"....."-Einstellung...
Ich fühl mich so blockiert.. Ich weiß, dass ich was machen soll und muss und ich will es auch, aber ich kann einfach nicht anfangen.
Ich habe schon Tricks zur Selbstüberlistung (wie z.B. "Ich mach jetzt 15 Minuten was und dann kann ich aufhören") und die Belohnungstaktik probiert, aber es klappt einfach nicht..

Ich hab jetzt nach langem Ringen mit mir selbst (und nach viel gutem Zureden von einer Freundin mit ähnlichen Problemen) mir vorgenommen gleich morgen früh die psychologische Beratung von der Uni anzurufen und versuche so schnell wie möglich einen Termin zu kriegen. Ich hoffe, dass es da noch nicht zu spät ist... Aber lieber spät als nie (schließlich schleppe ich noch einiges mehr an psychischem Ballast mit mir rum, der hier nicht relevant war...).

Es hat jedenfalls gut getan mir mal das von der Seele zu schreiben... In diesem Moment geht es mir ein klein wenig besser als zu dem Zeitpunkt, als ich mit dem Schreiben angefangen hab...

Danke an alle, die das alles durchgelesen haben! Über Ratschläge o.ä. wäre ich trotzdem dankbar.. 😉
 
Ich habe schon Tricks zur Selbstüberlistung (wie z.B. "Ich mach jetzt 15 Minuten was und dann kann ich aufhören") und die Belohnungstaktik probiert, aber es klappt einfach nicht..

Hallo Katta,
welche "Tricks" haben denn dann bisher funktioniert?
Das würde ich mir an deiner Stelle überlegen und es
dann wiederholen. Wenn z.B. Belohnung nicht klappt -
klappt dann Bestrafung? Unter starkem zeitlichem
Druck scheinst du ja zu "funktionieren" ...

Zu deinen generellen Zweifeln würde ich sagen: Nimm
die inhaltlich ernst und mach' solche Sachen wie das
Tanzen parallel. Du musst nicht alles, was dich inter-
essiert, als Beruf machen. Und auch nicht sofort. Mit
einem Beruf im Hintergrund kann man immer noch
einen zweiten lernen.

Gruß, Werner
 
Hallo Werner,
das mit dem zeitlichem Druck hat funktioniert.. Früher zumindest. Jetzt bin ich allerdings an einem Punkt, wo ich genau weiß, dass meine Klausur in 5 Stunden losgeht und ich bin immer noch unvorbereitet... Ich weiß auch, dass meine Betreuerin diese Woche noch Ergebnisse von mir erwartet, aber ich hab nichts und kann mich einfach nicht aufraffen..
Bei den Bestrafungen fürchte ich, dass ich da nicht konsequent genug zu mir selbst sein kann. Die Maßnahme, die vermutlich am meisten Erfolg haben würde (ich darf nicht schlafen gehen, bevor ich nicht das und das gemacht hab) wird nämlich häufig durch meine Eltern unmöglich gemacht, die sich beschweren, wenn ich nach 12 oder 1 Uhr immer noch nicht im Bett bin...
Ich tanze auch jetzt schon viel parallel zum Studium und geh dreimal die Woche ins Training.

Mh.. Ich hab auch vorhin endlich bei der psychologischen Beratung angerufen, aber die haben vor Mitte August keine freien Termine... =/
 
Und, wie lief die Klausur trotz nicht perfekter Vorbereitung?

Könnte es sein, dass dein Inneres jeweils nur für die Dinge
Motivation bereitstellt, die wirklich wichtig und dringend sind?
Dass du unbewusst sehr "schlau" bist? Wenn zum Beispiel der Schritt,
die Beratung anzurufen, wichtiger ist als das Lernen auf eine einzelne
Klausur und auch als dass du die Erwartungen deiner Dozentin erfüllst -
dann ist es sehr schwer, mit dem bewussten Teil deines Ichs gegen den
viel stärkeren unbewussten vorzugehen.

Meine Erfahrung (ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel) ist über Jahre
hinweg: wenn ich mich zu etwas zwingen will, geht das vielleicht "irgend-
wie", aber es ist lange nicht dieselbe Qualität, wie wenn ich auf den zur
Aufgabe passenden Moment warte und so lange andere Dinge tue, die
auch getan werden müssen. Wenn ich dann blockiert bin, lasse ich das
zu, tue "nichts" (bügeln, abstauben, Pflanzen gießen), bis mir von selbst
der Impuls kommt, jetzt dieses oder jenes "Sinnvollere" zu tun.

Prüfungen sind etwas, das ja wirklich nicht sein muss und da würde
mich an deiner Stelle wahrscheinlich nur das Ziel der ganzen Unterneh-
mung aktivieren und ich würde auch nicht zu viel Energie dafür verwen-
den, weil die Prüfungen halt nicht das echte Leben sind und nur geprüft
wird, wie du dich unter Prüfungsstress verhältst. 🙂

Vielleicht tut es dir gut, deine Ansprüche deutlich herunter zu schrauben
und dir auch von außen (Dozenten, Eltern, Freunde) nicht neue Ansprüche
aufladen zu lassen. "Genug ist genug" würde ich dir als Leitsatz geben -
denn sonst gehen dir deine Spaß-und-Freude-Quellen verloren und dann
gibt es Kurzschlussreaktionen nach dem Motto: wenn durch diesen Beruf
alles Schöne im Leben verloren zu gehen droht, lieber ganz abblasen.

Also mehr Tanzen und weniger Pauken 😉 und das müsste wieder ins Lot
kommen, denke ich.

Gruß, Werner
 
Hallo Werner,

die Klausur lief erstaunlicherweise ganz gut. Ich denke, dass ich nur 1-2 Fehler hab. Aber wir haben zum Glück auch eine Wiederholungsstunde direkt davor eingelegt und ich hab mich auf mein Kurzzeitgedächtnis verlassen.. 🙂

Es war heute allgemein ein seltsamer Tag: Bis zum Mittag bin ich lustlos daheim rumgegammelt, dann hat mich eine Freundin (die musste auch die Klausur schreiben) angerufen. Mit der hab ich mich dann eher unmotiviert an der Uni zum Japanisch lernen getroffen (von den 2,5 Stunden haben wir 1,5 Stunden Pause gemacht 😀 ). Dann kam die Wiederholungsstunde, wo ich ziemlich nervös war.. Und während der Klausur war ich dann wieder die Ruhe selbst.. Und danach war ich im Tanztraining und es war super - bin total gut gelaunt rausgekommen und jetzt werde ich mich an meine Bachelorarbeit machen, weil ich motiviert bin. Ich hab zwar keine Ahnung, woher dieses Stimmungshoch plötzlich kommt, aber ich werde es definitiv nutzen, solange es da ist! 🙂

Schöne Grüße
Katta
 
Aber wir haben zum Glück auch eine Wiederholungsstunde direkt davor eingelegt und ich hab mich auf mein Kurzzeitgedächtnis verlassen.. 🙂

(...) Bis zum Mittag bin ich lustlos daheim rumgegammelt, dann hat mich eine Freundin (die musste auch die Klausur schreiben) angerufen. Mit der hab ich mich dann eher unmotiviert an der Uni zum Japanisch lernen getroffen (von den 2,5 Stunden haben wir 1,5 Stunden Pause gemacht 😀 ).
(...)
Und danach war ich im Tanztraining und es war super -
(...)
und jetzt werde ich mich an meine Bachelorarbeit machen, weil ich motiviert bin.

Guten Morgen, Katta,
ich denke, es ist wichtig, festzuhalten und zu registrieren,
was du alles richtig gemacht hast (siehe oben). Offenbar
tut es dir gut, nicht lange vorher zu lernen, sondern eher
kurz davor. Es tut dir gut, dich mit einer Freundin zu treffen
und über die Hälfte der Zeit Pause zu machen und auch
nicht zu motiviert ans Lernen heranzugehen (Haltung eher
locker-spielerisch, vermute ich).
Es tut dir gut, ins Tanztraining zu gehen und auch bis nach
Mitternacht wach zu bleiben und deinen Tag zu rekapitu-
lieren bzw. mit jemand auszutauschen (also hier im Forum)
und dich nicht von deinen Eltern davon abhalten zu lassen,
deinen eigenen Schlafzeitpunkt zu finden.
Und es tut dir gut, dich nicht zum Arbeiten an der Bachelor-
arbeit zu zwingen, sondern zu warten, bis die Motivation
"von selbst" kommt.

Zusammengenommen vermute ich, du hattest einen guten
Tag, weil du dir einen vielfältigen, ausgewogenen Tag er-
laubt hast. Mehr als vier Stunden lernen am Tag geht eh'
nicht, habe ich glaub' mal gelesen - und das Hirn lernt
dann im Schlaf und sortiert alles an die richtigen Stellen.

Also mach' weiter so und wenn es geht auch mehr in
dieser Richtung! Und wenn du magst, schreib' weiter hier,
was du erlebst und herausfindest.

Viele Grüße,
Werner
 

Anzeige (6)

Thema gelesen (Total: 0) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben