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Gast
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Hallo zusammen,
ich bin auf der Suche nach Erfahrungen in meiner Situation auf dieses Forum gestossen. Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Worte schenken, die mir helfen könnten.
Es handelt sich hier um meinen besten Freund. Ich kenn ihn schon seit der Grundschule, richtig gut angefreundet haben wir uns in der Oberstufe. Wir sind beide vom selben Schlag, Stubenhocker und mit Sarkasmus als Lebenseinstellung. Nach dem Abi haben wir beide ein Jahr gegammelt aus Perspektivlosigkeit. Ich habe sehr gut die Kurve gekratzt, studiere erfolgreich und bin in einer glücklichen Beziehung. Ich bin zu einem sehr starken Menschen geworden und mir könnte es abseits vom Studienstress kaum besser gehen. Bei ihm hat das Ganze nicht so geklappt, sein halbherzig begonnenes Studium hat er irgendwann wieder abgebrochen, mit den Frauen hatte er kein Glück. Schon im letzten Jahr an der Schule hat er depressives und selbstzerstörerisches Verhalten entwickelt. Hat sich geritzt bis tief ins Fleisch, getrunken bis zur Besinnungslosigkeit und allerlei Drogen mal ausprobiert. Er hat zu dem Zeitpunkt auch irgendwann mal eingeschmissen, dass er sich gerne umbringen wolle, weil das alles einfach und problemlos beenden würde. Damit war der Stein ins Rollen gebracht. Nach diversen Klinikaufenthalten und gescheiterten Selbstmordversuchen war sein Krankheitsbild zwischenzeitlich von Depressionen über narzisstische Persönlichkeitsstörung zum Borderliner mit Ansätzen des manisch-depressivem gewandert. Immer war ich allein mit seinen Sorgen, weil weder Familie noch sonst wer sich damit auseinander setzen wollte. Habe im Laufe der Jahre auch an Kraft verloren, weiter gegen ihn anzureden und mich immer mehr auf oberflächliche Themen reduziert und zurückgezogen.
Schlussendlich war er nun am Wochenende auf Heimurlaub. Hat im ICQ gejammert und die üblichen Sachen von sich gegeben. Ich war ziemlich kaputt vom Vortag und hab versucht dem aus dem Weg zu gehen. Es war ja die selbe Leier. Irgendwann bin ich mit einer Ausrede offline gegangen ohne Antwort abzuwarten.
Am nächsten Morgen hat meine Mutter angerufen. Mein Freund ist rangegangen, weil ich noch geschlafen hab. Kurz nachdem ich aufgestanden bin hat er mir dann erzählt, dass mein Kumpel sich betrunken und unangeschnallt ins Auto gesetzt habe und auf die Schnellstraße gefahren ist. Da hat er dann irgendwo den Wagen von der Straße runtergerissen. Hirnblutung, irgendwas am Rücken, im Koma im Krankenhaus.
Hier wären wir nun. Meine Mutter informiert mich jeden Tag wies aussieht, da mein Freund 6 Bahnstunden von mir wegwohnt. Ich bin im Moment hier bei ihm, weil Semesterferien sind und ich ihn sonst nur am Wochenende sehe. Die Situation meines Kumpels verschlechtert sich von Tag zu Tag und heute meinte sie, dass sein Kreislauf absacke und er es wohl nicht schaffen würde. Ich sitze hier und weiß nicht was ich tun soll. Mein Gewissen sagt mir ich sollte hin und ihn nochmal besuchen. Mein Bauch schreit nein, weil sein Vater wohl schon fast zusammengebrochen ist bei dem Anblick und ich irgendwie auf kindische Weise sauer auf ihn bin. Mein Kopf sagt, dass er schon seit über zwei Jahren nichtmehr der ist, der mal mein bester Freund war, und ich schon lange damit gerechnet habe, dass der Tag mal kommt. Ich bin nicht endlos traurig, ich heule nicht den ganzen Tag. Ich sitze hier und führe mein Leben weiter. Ich bin zwar den ganzen Tag in Gedanken und leide unter Stimmungsschwankungen, aber es gibt viele Personen bei denen ich zusammenbrechen würde, wenn sie in der Situation wären. Bei ihm denke ich mehr "musste ja irgendwann so kommen". Ich würde ihm ehrlich gesagt auch nicht wünschen wieder aufzuwachen, seine Arme und Beine sind gelähmt und ich will garnicht wissen wie es in seinem Kopf aussieht. Im Grunde genommen habe ich damit schon abgeschlossen und er ist in meiner Welt eigentlich schon tot. Ich werde 100%ig zu seiner Beerdigung kommen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn jetzt nochmal besuchen soll. Zum einen müsste ich eine (bzw. zwei, ich würde am Tag drauf wieder zurückfahren) ziemlich lange Zugfahrt in Kauf nehmen (Kosten sind irrelevant, habe eine Zeitkarte; ich fahre aber jede Woche normalerweise die Strecke und habe Rückenprobleme, ich bin kein Freund mehr von Bahnfarten solange sie nicht wirklich notwendig sind) um dann 10 Minuten an einem stillen Bett zu sitzen an dem nur noch der Matsch von ihm übrig ist (entschuldigt die Ausdrucksweise), wenn ich überhaupt den Anblick aushalten kann. Auch müsste ich dann den Rededrang meiner Mutter ertragen. Ich weiß nicht ob ich mir nicht das Bild wahren soll, das ich im Moment noch von ihm habe. Aber wenn er dann wirklich stirbt und ich ihn nicht besucht habe, weiß ich nicht ob mein Kopf dann irgendwann sagt "wärst du nur nochmal hingegangen".
Ich bin sauer auf ihn weil er es so getan hat, dass jetzt alle noch tagelang in Ungewissheit leiden müssen. Ich bin sauer weil meine Ferien ruiniert sind und ich mir mit sowas jetzt den Kopf volllade, statt die Zeit mit meinem Freund zu geniessen. Und ich fühle mich komisch, weil ich das ganze so nüchtern aufnehme. Ich möchte auch mit niemandem so im Gegenüber drüber reden. Ich will nicht erklären müssen, warum ich nicht heule wie ein Schlosshund. Meine wenigen Freunde, die ich um Rat gefragt habe können mir im Moment nicht helfen. Ich kanns ihnen auch nicht verübeln, weil sie ja auch noch nie in soeiner Situation waren. Mein einer Kumpel sagt mir, er würde rein aus Gewissensgründen hinfahren. Meine Ma sagt es sei auch okay wenn ich nicht hingehe, weil sie auch nicht weiß wie gut ich den Anblick ertragen würde.
Habt ihr Erfahrungen und könntet mir einen Tip geben oder davon berichten? Ihr würdet mir unheimlich helfen, auch wenn der Text nun länger als geplant geworden ist. Vor allem weil ich wohl spätestens morgen hinfahren müsste, wenn ich wollte, weil es sonst zu spät ist. Bisher konnte ich mich darauf ausruhen, dass er im Moment noch nicht absackt, aber der Zug ist ja jetzt abgefahren.
ich bin auf der Suche nach Erfahrungen in meiner Situation auf dieses Forum gestossen. Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Worte schenken, die mir helfen könnten.
Es handelt sich hier um meinen besten Freund. Ich kenn ihn schon seit der Grundschule, richtig gut angefreundet haben wir uns in der Oberstufe. Wir sind beide vom selben Schlag, Stubenhocker und mit Sarkasmus als Lebenseinstellung. Nach dem Abi haben wir beide ein Jahr gegammelt aus Perspektivlosigkeit. Ich habe sehr gut die Kurve gekratzt, studiere erfolgreich und bin in einer glücklichen Beziehung. Ich bin zu einem sehr starken Menschen geworden und mir könnte es abseits vom Studienstress kaum besser gehen. Bei ihm hat das Ganze nicht so geklappt, sein halbherzig begonnenes Studium hat er irgendwann wieder abgebrochen, mit den Frauen hatte er kein Glück. Schon im letzten Jahr an der Schule hat er depressives und selbstzerstörerisches Verhalten entwickelt. Hat sich geritzt bis tief ins Fleisch, getrunken bis zur Besinnungslosigkeit und allerlei Drogen mal ausprobiert. Er hat zu dem Zeitpunkt auch irgendwann mal eingeschmissen, dass er sich gerne umbringen wolle, weil das alles einfach und problemlos beenden würde. Damit war der Stein ins Rollen gebracht. Nach diversen Klinikaufenthalten und gescheiterten Selbstmordversuchen war sein Krankheitsbild zwischenzeitlich von Depressionen über narzisstische Persönlichkeitsstörung zum Borderliner mit Ansätzen des manisch-depressivem gewandert. Immer war ich allein mit seinen Sorgen, weil weder Familie noch sonst wer sich damit auseinander setzen wollte. Habe im Laufe der Jahre auch an Kraft verloren, weiter gegen ihn anzureden und mich immer mehr auf oberflächliche Themen reduziert und zurückgezogen.
Schlussendlich war er nun am Wochenende auf Heimurlaub. Hat im ICQ gejammert und die üblichen Sachen von sich gegeben. Ich war ziemlich kaputt vom Vortag und hab versucht dem aus dem Weg zu gehen. Es war ja die selbe Leier. Irgendwann bin ich mit einer Ausrede offline gegangen ohne Antwort abzuwarten.
Am nächsten Morgen hat meine Mutter angerufen. Mein Freund ist rangegangen, weil ich noch geschlafen hab. Kurz nachdem ich aufgestanden bin hat er mir dann erzählt, dass mein Kumpel sich betrunken und unangeschnallt ins Auto gesetzt habe und auf die Schnellstraße gefahren ist. Da hat er dann irgendwo den Wagen von der Straße runtergerissen. Hirnblutung, irgendwas am Rücken, im Koma im Krankenhaus.
Hier wären wir nun. Meine Mutter informiert mich jeden Tag wies aussieht, da mein Freund 6 Bahnstunden von mir wegwohnt. Ich bin im Moment hier bei ihm, weil Semesterferien sind und ich ihn sonst nur am Wochenende sehe. Die Situation meines Kumpels verschlechtert sich von Tag zu Tag und heute meinte sie, dass sein Kreislauf absacke und er es wohl nicht schaffen würde. Ich sitze hier und weiß nicht was ich tun soll. Mein Gewissen sagt mir ich sollte hin und ihn nochmal besuchen. Mein Bauch schreit nein, weil sein Vater wohl schon fast zusammengebrochen ist bei dem Anblick und ich irgendwie auf kindische Weise sauer auf ihn bin. Mein Kopf sagt, dass er schon seit über zwei Jahren nichtmehr der ist, der mal mein bester Freund war, und ich schon lange damit gerechnet habe, dass der Tag mal kommt. Ich bin nicht endlos traurig, ich heule nicht den ganzen Tag. Ich sitze hier und führe mein Leben weiter. Ich bin zwar den ganzen Tag in Gedanken und leide unter Stimmungsschwankungen, aber es gibt viele Personen bei denen ich zusammenbrechen würde, wenn sie in der Situation wären. Bei ihm denke ich mehr "musste ja irgendwann so kommen". Ich würde ihm ehrlich gesagt auch nicht wünschen wieder aufzuwachen, seine Arme und Beine sind gelähmt und ich will garnicht wissen wie es in seinem Kopf aussieht. Im Grunde genommen habe ich damit schon abgeschlossen und er ist in meiner Welt eigentlich schon tot. Ich werde 100%ig zu seiner Beerdigung kommen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn jetzt nochmal besuchen soll. Zum einen müsste ich eine (bzw. zwei, ich würde am Tag drauf wieder zurückfahren) ziemlich lange Zugfahrt in Kauf nehmen (Kosten sind irrelevant, habe eine Zeitkarte; ich fahre aber jede Woche normalerweise die Strecke und habe Rückenprobleme, ich bin kein Freund mehr von Bahnfarten solange sie nicht wirklich notwendig sind) um dann 10 Minuten an einem stillen Bett zu sitzen an dem nur noch der Matsch von ihm übrig ist (entschuldigt die Ausdrucksweise), wenn ich überhaupt den Anblick aushalten kann. Auch müsste ich dann den Rededrang meiner Mutter ertragen. Ich weiß nicht ob ich mir nicht das Bild wahren soll, das ich im Moment noch von ihm habe. Aber wenn er dann wirklich stirbt und ich ihn nicht besucht habe, weiß ich nicht ob mein Kopf dann irgendwann sagt "wärst du nur nochmal hingegangen".
Ich bin sauer auf ihn weil er es so getan hat, dass jetzt alle noch tagelang in Ungewissheit leiden müssen. Ich bin sauer weil meine Ferien ruiniert sind und ich mir mit sowas jetzt den Kopf volllade, statt die Zeit mit meinem Freund zu geniessen. Und ich fühle mich komisch, weil ich das ganze so nüchtern aufnehme. Ich möchte auch mit niemandem so im Gegenüber drüber reden. Ich will nicht erklären müssen, warum ich nicht heule wie ein Schlosshund. Meine wenigen Freunde, die ich um Rat gefragt habe können mir im Moment nicht helfen. Ich kanns ihnen auch nicht verübeln, weil sie ja auch noch nie in soeiner Situation waren. Mein einer Kumpel sagt mir, er würde rein aus Gewissensgründen hinfahren. Meine Ma sagt es sei auch okay wenn ich nicht hingehe, weil sie auch nicht weiß wie gut ich den Anblick ertragen würde.
Habt ihr Erfahrungen und könntet mir einen Tip geben oder davon berichten? Ihr würdet mir unheimlich helfen, auch wenn der Text nun länger als geplant geworden ist. Vor allem weil ich wohl spätestens morgen hinfahren müsste, wenn ich wollte, weil es sonst zu spät ist. Bisher konnte ich mich darauf ausruhen, dass er im Moment noch nicht absackt, aber der Zug ist ja jetzt abgefahren.