Meine Rede, meine Rede... die aber irgendwie stets in den Weiten der ungehörten Hilferufe untergeht. Deshalb neige ich auch ganz gerne dazu, zu sagen, dass ich im nächsten Leben ein Mann werde.
Irgendwann hab ich mal aufgeschrieben, was es für eine Frau heißt, wenn sie mit ihrer Familie vier Tage zu den Schwiegereltern fährt:
2 Monate vor Abfahrt:
Er:
- alles wie immer
außerdem:
- freut sich auf Mutti
Das Kind:
- alles wie immer
außerdem:
- freut sich auf Oma
Sie:
- alles wie immer
außerdem:
- erbittet einen Tag Urlaub beim Chef, um alles vorzubereiten
Drei Tage vor Abfahrt:
Er:
- alles wie immer
Das Kind:
- alles wie immer
Sie:
- alles wie immer
außerdem:
- denkt dran den Einkaufszettel anders als sonst zu gestalten, darf ja nichts vergammeln in der Zeit, aber für den Montag nach dem WE müssen trotzdem Äpfel für das Pausenbrot des Kindes da sein
- einkaufen
- sieht nach ob die nötigen Bekleidungsstücke, insebsondere genügend Unterhosen für alle, gewaschen sind
- wäscht
Zwei Tage vor Abfahrt:
Er:
- alles wie immer
Das Kind:
- alles wie immer
Sie:
- alles wie immer
außerdem:
- redet schon mal aufs Kind ein, am Abfahrtstag nicht auf dem Weg von der Schule nach Hause zu trödeln, die Familie möchte schließlich vor der Rush-Hour los fahren
- erklärt ihrem Mann, der den Hinweis für überflüssig hielt, warum es nicht besonders entspannend ist, in der Rush-Hour zu fahren
- passt auf den rationierten Kühlschrankinhalt auf, da dieser ja genau bis aufs Wochende abgepasst ist
- erinnert den Mann daran morgen doch bitte das benötigte Geld abzuheben
- da er keine Ahnung hat, wieviel die Familie braucht, rechnet sie Spritkosten, Eiskosten, Reserven etc. zusammen und teilt ihm die Gesamtsumme mit
- erklärt ihm, wie sie auf diese Zahl kommt
- überlegt, was wann von welchem Konto abgebucht wird und bittet ihn dann das Geld von ihrem Konto zu holen
- da er sich ihre Geheimzahl nie merken kann und deshalb das Geld von seinem Konto holen will, erklärt sie ihm, welche Versicherung aber jetzt wie viel in den nächsten Tagen von seinem Konto abbucht, wie viel Geld noch auf seinem Konto ist und wie es zu Rückbuchungen kommt
- überschlägt die Menge des Gepäcks, wählt den passenden Koffer / die passende Tasche und sucht, falls das Ding nicht auffindbar ist.
Einen Tag vor Abfahrt:
Er:
- alles wie immer
Das Kind:
- alles wie immer
Sie:
- erklärt dem Kind, warum es sich am Abfahrtstag nicht verabreden kann
- findet den Koffer und packt ein, was man morgen früh nicht noch braucht
- sieht nach ob die Kühlschrankressourcen tatsächlich noch für das Essen heute reichen
- erfährt, dass er das Geld von seinem Konto geholt hat, weil sie ihm nicht die Karte mitsamt Nummer gut sichtbar aufs Sideboard gelegt hat
- diskutiert mit dem Kind über die Anzahl der mitzunehmenden Stofftiere
- checkt, ob noch Batterien im Haus sind, damit das Kind unterwegs walkman hören kann
- ruft die Schwiegereltern an, um die genaue Ankunftszeit bekannt zu geben und sich jetzt schon stinkend langweilige Geschichten anhören zu müssen
- fertigt Autobahn-Verpflegung an, sucht schon mal die Isolierkanne für Unterwegs-Kaffee
Der Tag der Abfahrt:
6:30 alle stehen auf
7:00 Muttern hat das Frühstück fertig, alles frühstückt, Muttern schmiert Lütten-Brote für die Schule
7:20 er fährt zur Arbeit, Muttern fragt das Kind, ob der Schulranzen auch alle Dinge des Tages beherbergt
7:30 Kind geht zur Schule, Muttern räumt auf
8:00 Sie erledigt die letzten Dinge für die Fahrt, die man erst heute tun konnte, also zahnbürsten einpacken, lebensmittel, die schlecht werden, entsorgen, kuscheltiere des Kindes zusammen sammeln etc.
10:00 sie geht diese obligatorischen Blumen kaufen ohne die ihr Mann ja niemals zu seiner Mutti fahren würde
10:30 stellt alles, was mitgenommen werden muss schon mal im Flur parat, damit nichts vergessen wird und überlegt, ob alles verstaut ist, packt die Führerscheine und den Fahrzeugschein ein
11:00 der Mann ruft an und sagt, dass er vergessen hat, dass er um 16 Uhr noch einen Termin hat
11:02 sie bittet ihn diesen zu verlegen
11:03 er findet sie rücksichtslos und sagt das natürlich auch
11:04 man diskutiert und er verlegt den Termin des lieben Friedens willen
11🤐5 sie kocht den Kaffee und holt die Autobahn-Verpflegung aus dem Kühlschrank, stellt alles in den Flur
11:30 Das Kind steht mitsamt Schulkamerad/in vor der Tür und bettelt, dass er/sie mitkommen kann
11:40 das fremde Kind ist abgewimmelt, das eigene wird in die Wanne gesteckt, Sachen zum Anziehen rausgelegt
11:41 das Kind brüllt, weil ihm das Badespielzeug fehlt
11:43 das Kind brüllt, weil Mama die tollen Blubber sehen soll, die es macht
11:45 Blubber gesehen, sie geht duschen
11:46 das Kind nebenan in der Wanne hält seinen Redeschwall, warum es bei Oma so viel toller ist als zu Hause
11:50 das Kind brüllt, weil es Shampoo im Auge hat, sie sagt, es soll die Augen mit klarem Wasser ausspülen
11:51 das Kind brüllt immernoch, weil das Shampoo brennt, sie hüpft aus der Dusche, tropft den Boden voll Duschzeug, entsorgt das Shampoo aus den Kinderaugen und erklärt dann, warum sie jetzt nicht noch ein paar Blubbern sehen möchte
11:52 sie ist zurück unter der Dusche, duscht sich ab
11:55 sie wischt den Boden im Bad vom Duschzeug sauber und bittet das Kind in spätestens 10 Minuten raus zu kommen
12:00 er kommt nach Hause, trinkt einen Kaffee
12🤐0 sie springt immer noch nackt durch die Wohnung, weil eben das Telefon klingelte, die Schwiegerletern wollten sich vergissern, ob es dabei bleibt
12🤐1 er findet ihre Nacktheit ziemlich anziehend und versteht nicht, warum sie nicht poppen will
12🤐5 das kind brüllt, weil ihm die dahingelegten Anziehsachen nicht in den Kram passen, sie befiehlt dem Kind sie trotzdem an zu ziehen
12🤐5 er geht duschen
12🤐6 das Kind knallt mit den Türen, weil es die rote Hose nicht mag
12🤐6 er blökt das Kind an und fragt sie, wo sein grüner Pulli ist
12🤐7 sie nennt ihm den Aufenthaltsort seines pullis - identisch mit dem Aufenthaltsort des Pullis der letzten zwei Jahre
12🤐8 er ruft ihr zu, dass er ihn nicht finden kann, ihr fällt ein, dass er in der Wäsche ist
12🤐9 er weist sie darauf hin, dass sie genau wusste, dass er diesen Pulli anziehen wollte und fragt warum er sich in der Wäsche befindet
12:22 das Kind sitzt schmollend in der Ecke und weigert sich mit zur Oma zu kommen - er ist angezogen, setzt sich vor den PC
12:24 sie geht sich anziehen
12:25 er meckert darüber, dass Frauen immer die letzten sind, die fertig werden
12:30 sie verschwindet im Bad, um sich zu schminken, entdeckt die Wasserpfützen von Mann und Kind und wischt den Boden erneut - das Kind heult derweil seine Sorgen bei Papa aus, Papa sagt "geh zur Mama"
12:35 sie hat das Kind aus dem Bad geschoben, bittet es Papa zu sagen, dass er das Auto packen soll, weil sie gleich los wollen, wenn sie nicht im Stau stehen möchten
12:40 Das Kind kommt zurück und richtet aus, dass Papa grad keine Zeit hat
12:45 sie ist fertig gemacht, kontrolliert ob alle fenster verschlossen sind, irgendwo noch Licht brennt, wasser läuft - entdeckt, dass sie vergessen hat, die Spülmaschine heute rechtzeitig laufen zu lassen - drin bleiben kann es nicht, sonst gammelts
12:46 sie bittet ihn das Auto zu packen - das Kind teilt seine Langeweile mit
12:47 sie entschließt sich noch schnell das Geschirr zu spülen
12:50 er trägt die Sachen ins Auto
13:00 er fragt sie, ob sie gerade nichts besseres vorhat, als zu spülen, ob sie das nicht hätte früher machen können, immer müsse alles auf den letzten Drücker sein
13:02 sie erklärt ihm, dass auch sie das Recht hat mal etwas zu vergessen
13:05 alle besteigen das Auto, es geht los
13:07 das Kind hat Durst - wo ist der Proviant? Er weiß nichts von Proviant
13:08 sie erklärt, wie die Tüte aussieht, in der der Proviant ist - er hat sie nie gesehen
13🤐0 sie halten an, sie sieht im Kofferraum nach, entdeckt den Proviant unter dem Koffer, zerrt ihn raus, der Kaffee ist ausgelaufen
13🤐1 sie ist genervt, er findet, sie hätte ihm sagen müssen, dass dort der Proviant drin ist
13🤐2 er stellt fest, dass die Tankfüllung nicht reicht, also wird ein Umweg zur nächsten Tanke gefahren
13:20 getankt, er fragt, wo die Straßenkarte ist
13:21 sie antwortet, dass sie keine Ahnung hat
13:22 unter Nörgelei fahren sie zurück, die Straßenkarte holen
13:45 zu Hause angekommen, fällt dem Kind ein, dass es Buch xy mitnehmen wollte
13:50 er kommt zurück, fragt wo das Kind ist
13:51 sie offenbart ihm, dass er es gerade eingeschlossen hat
13:52 er weist darauf hin, dass sie zu spät dran sind und ist der Meinung, dass sie es dem Kind hätte verbieten müssen nochmal ins Haus zu gehen
13:55 Kind aus dem Haus geholt, abfahrt
14:00 ab auf die Autobahn, eine Stunde zu spät - was natürlich an ihr lag, weil sie ja noch um 12:20 nackt durch die Wohnung lief
14:30 er fragt, ob sie überhaupt Blumen haben...
Gel06