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Fragilität und Vergänglichkeit

  • Starter*in Starter*in Joey_Silver
  • Datum Start Datum Start
J

Joey_Silver

Gast
Manchmal, so wie jetzt, emfinde ich diese Mischung aus Melancholie und Ehrfurcht. Eine bittersüße Gefühlsmischung. Ich fühle, dass unser Leben nicht ewig währt und bin zugleich ehrfürchtig im Angesicht dessen, dass ich schon über ein Vierteljahrhundert auf dieser Erde verbringen durfte. Es gibt so vieles, dass unser Leben in jeder Sekunde beenden kann. Trotzdem habe ich es geschafft, mit mehr Glück als Verstand. Ich bin glücklich, ehrfürchtig und melancholisch zugleich. Glücklich, weil ich noch lebe und noch alle Körperteile habe, weil es mir gut geht zur Zeit - trotz all des Stresses, all der Ärgernisse, trotz Krankheiten geht es mir gut. Ich bin dankbar, dass ich das auch so wahrnehmen kann, dass ich so unglaublich staunen kann über das Leben.
Und zugleich tut es weh, so viel unwiderbringlich hinter mir gelassen zu haben - Orte, Menschen, Gelegenheiten. Alles nur noch Erinnerungen. Manchmal will ich mich gar nicht erinnern, weil es wehtut, dass diese Zeit nur noch in mir, in meinem Kopf und meinem Herzen existiert. Und doch ist sie da, in mir ist sie noch Realität. Ich würde diesen Schmerz nie hergeben wollen, denn er zeigt mir, wie wertvoll das Leben ist. *SÜLZ* xD
 
All das kenne ich auch, diese Gefühlsmischungen... Ich weiss noch als ich ein Kind war, hatte ich Angst davor z.B. irgendwann mal mein Zimmer allein lassen zu müssen, weil doch alle Menschen erwachsen werden und ausziehen... Ich hatte richtig Stress bei diesem Gedanken... Und als ich dann endlich "gross" war, fingen bei mir die Ängste über den Tod an... So unglaublich es ist, ich war noch so jung und hatte schon Angst vor dem Tod. Eben davor, dass nix mehr, rein gar nix mehr ist - das nix eben verstand ich nicht... Ich habe noch immer Angst davor, aber nun auch vor dem Sterben, da ich meinen Vater beim Sterben begleitet habe. Und niiiiiieeee so sterben möchte..
Andererseits empfinde ich auch viel Glück mit meinem Leben, mit meiner Familie, meinen Tieren.. Alles könnte viel besser sein. doch ich komme "mit mir als Mensch" gut aus und bin ein positiv "Denker und Handler."..... Wenn ich dann andere Menschen beobachte, denke ich auch oft, was die wohl so in ihrem Leben schon erlebt haben?
Ich möchte eigentlich keine schlimmen Jahre mehr haben, da es schon viel zu viele waren. Ich möchte meine Mutter weiterhin beschützen, ihr Hilfe und Beistand geben, solange wie ... eben ewig... Ich möchte, dass all meine Freunde, Verwandten und meine Familie es nicht mehr so schwer im Leben haben, dass sie alle glücklich und gesund sind.
Ich spüre auch oft diese Enge im Hals, wenn ich an vergangene Zeiten denke. Dann kommen komische Magenprobleme hervor, fast wie Phantomschmerzen... Doch auch bei mir ist es so, ich will diese Erinnerungen haben, ob schlecht oder gut - sie gehören zu mir, wie alles Vergangene auch.
Es ist gut, dass ich lebe!!! Denn alles wird gut!!! Das wünsche ich Euch allen auch! 🙂
 
Dass die "Angst" (das heißt bei mir eher das "Nachdenken" über) vor dem Tod ganz früh anfängt, kenne ich auch. Früher habe ich immer mit meiner eher melancholischen Art gehadert. Ich dachte immer, die Leute, die völlig hirnlos leben, müssten es so viel besser haben, weil sie gar nicht mitkriegen, was mich den ganzen Tag bekümmert. Heute weiß ich zwei Dinge:
1) Sie kriegen es mit. Darum arbeiten sie noch mehr, darum laufen sie noch schneller, darum schaufeln sie ihr Essen vor dem laut schreienden Fernseher in sich hinein, immer abgelenkt, bloß nicht fühlen, bloß nicht denken, bis es fast zu spät ist.
Und 2) Ein Leben ohne Bewusstsein über die Vergänglichkeit ist ein Leben ohne das Gefühl, dass das bloße Dasein einen ungeheuren Wert hat. Wie viele Menschen leben in den Tag hinein, allein und mit keinem fühlbaren, greifbaren Sinn oder Wert in ihrem Leben. Sie alle sehen nicht, dass allein ihr Überleben bis zum heutigen Tage ein unglaubliches Geschenk ist, ein Wert, etwas, wofür sie gekämpft haben. Dass sie am (vorläufigen) Ende einer Ahnenkette stehen, wo immer einer die Zähne zusammengebissen und gekämpft hat (mein Lieblingsbild zu diesem Thema 🙂). Das könnte doch etwas Wertstiftendes sein.
 
Dass die "Angst" (das heißt bei mir eher das "Nachdenken" über) vor dem Tod ganz früh anfängt, kenne ich auch. Früher habe ich immer mit meiner eher melancholischen Art gehadert. Ich dachte immer, die Leute, die völlig hirnlos leben, müssten es so viel besser haben, weil sie gar nicht mitkriegen, was mich den ganzen Tag bekümmert.
Das stimmt, kenne ich auch so... Aber ich weiss z.B., dass keiner mitkriegen konnte, was mich so bekümmert, weil es auch keiner wissen konnte. Ich lebte diese Ängste nie nach aussen hin aus - ich dachte, ich bin bescheuert oder geistig daneben, weil ich so gedacht habe.... Naja, Kind eben..

Heute weiß ich zwei Dinge:
1) Sie kriegen es mit. Darum arbeiten sie noch mehr, darum laufen sie noch schneller, darum schaufeln sie ihr Essen vor dem laut schreienden Fernseher in sich hinein, immer abgelenkt, bloß nicht fühlen, bloß nicht denken, bis es fast zu spät ist.

Schnelllebigkeit ist ein Zwang derer, die nicht mit den eigenen Gefühlen umgehen können, die die Gefühle anderer nicht sehen wollen, die Tag aus, Tag ein einfach nur arbeiten und leben, als müsse es so sein und es gibt nichts anderes... Ich kenne solche Menschen auch, die gern sagen :"Arbeit schändet nicht"... Was für ein Spruch!!!!
Das sind auch Diejenigen, die sich über Gott und die Menschheit aufregen, die am liebsten über Politik und ihre Arbeit reden und jammern.... Das sind auch Diejenigen, die nie arbeitslos waren, die ein Haus haben, gutes Geld verdienen, aber jammern!
Ich sagte mal zu so einer Person: "Wenn du dich so darüber aufregst, dass das alles so schlimm ist, warum versuchst du nicht mal was zu ändern. Gehe in die Politik und versuche zu ändern. Aber bei dir müssen es auch nur andere tun, denn sonst gäbe es nichts zu jammern."


Und 2) Ein Leben ohne Bewusstsein über die Vergänglichkeit ist ein Leben ohne das Gefühl, dass das bloße Dasein einen ungeheuren Wert hat. Wie viele Menschen leben in den Tag hinein, allein und mit keinem fühlbaren, greifbaren Sinn oder Wert in ihrem Leben. Sie alle sehen nicht, dass allein ihr Überleben bis zum heutigen Tage ein unglaubliches Geschenk ist, ein Wert, etwas, wofür sie gekämpft haben. Dass sie am (vorläufigen) Ende einer Ahnenkette stehen, wo immer einer die Zähne zusammengebissen und gekämpft hat (mein Lieblingsbild zu diesem Thema 🙂). Das könnte doch etwas Wertstiftendes sein.

Das ist nett gesagt, aber es stimmt!!! :daumen:
 
😀 Klar, das klingt erst mal nett und irgendwie überraschend einfach: Mal nicht "nach oben" vergleichen, mal nicht darüber nachdenken, wer in meinem Alter nicht schon drei mal auf dem Mount Everest war, drei Heilmittel gegen Krebs gefunden hat, wer mein Leben so viel besser führen würde als ich es tue, was ich alles damals, gestern, heute hätte tun können etc...

Einfach mal still sein in diesem Gefühl: Ich lebe. Ich habe mich durch alle Stürme des Lebens ins Heute gekämpft. Es gab einige Gelegenheiten, in denen ich gerne hingeschmissen hätte. Dass ich noch lebe, ist eine Leistung.
 
Es ist nicht nur eine Leistung, dass ich noch lebe. Es ist eine Leistung, dass ich immer wieder leben will und das Glück herausfordere. Ich bekomme immer wieder neue Chancen im Leben, mich "zu erleben"... Wenn ich zurück sehe, ist es oft wie ein Schatten, ein Schleier - erst in grau, dann doch schwarz... denke ich intensiv daran, wird alles lieber farbig... Ich kenne auch gewisse vergangene Dinge, die mir nur in einem unsagbaren nicht angenehmen schweren Grün in erinnerung sind...
Naja, nun ist alles farbig und lebendig!!! Und real!🙂
 
hallo,


schlage mich momentan auch verstärkt mit diesen Gedanken herum.
Es überfällt mich in schönen Momenten, die mir z.B. große Zufriedenheit oder das Gefühl von Geborgenheit geben, meistens mit Menschen die mir viel bedeuten verbunden.

Seitdem mein Opa Ende April verstorben ist beherrscht die Angst vom Tod bzw. vom Sterbeprozess und dem Verbleiben meines Bewusstseins nach dem Sterben einen Großteil meiner Zeit...
ich mein ich nehme Termine wahr und alles, aber im Moment ist da mehr Angst vorm eines Tages nicht mehr sein als alles andere...

aber @Joey_Silver, was Du schreibst ist eben auch in meinem Kopf 🙂
 
hallo,

Seitdem mein Opa Ende April verstorben ist beherrscht die Angst vom Tod bzw. vom Sterbeprozess und dem Verbleiben meines Bewusstseins nach dem Sterben einen Großteil meiner Zeit...
ich mein ich nehme Termine wahr und alles, aber im Moment ist da mehr Angst vorm eines Tages nicht mehr sein als alles andere...

Und genau das habe ich auch... Mein tag ist voll organisiert und ich habe kaum 1 Minute Zeit. doch meine Gedanken finden immer wieder den Weg zu den Ängsten von Sterben und Tod.
Woher kommen solchen Dinge? Bei mir wurde es auch erst so, als mein Vater verstorben ist... Plötzlich kam diese endlose Angst in mir auf und versucht mein Leben zu beherrschen. ..
Dabei lebe ich so gerne und mag gar nicht an diese Ängste denken wollen...
 
schlage mich momentan auch verstärkt mit diesen Gedanken herum.
Oh, wenn du "herumschlagen" schreibst, dann löst das in dir wohl nicht so Gutes aus? 🙂

Es überfällt mich in schönen Momenten, die mir z.B. große Zufriedenheit oder das Gefühl von Geborgenheit geben, meistens mit Menschen die mir viel bedeuten verbunden.
Ja, bei mir ist das auch so. Gerade, wenn ich Ruhe hab, alles "gut scheint", taucht dieses Gefühl auf. Manchmal in echt verrückten Situationen. Letztens bin ich einfach eine Straße runtergetrabt und seh zwei Typen, die sich unterhalten. Und mir wird klar, dass wir nur Besucher sind und eines Tages weiterziehen werden. Aber dieses Gefühl belastet mich nicht.

Seitdem mein Opa Ende April verstorben ist beherrscht die Angst vom Tod bzw. vom Sterbeprozess und dem Verbleiben meines Bewusstseins nach dem Sterben einen Großteil meiner Zeit...
ich mein ich nehme Termine wahr und alles, aber im Moment ist da mehr Angst vorm eines Tages nicht mehr sein als alles andere...
Hm, das ist ja kein Zustand für dich. Also dass die Trauer und insbesondere nach einem solchen Ereignis diese Fragen zum Leben dazugehören, steht ja außer Frage. Aber wenn die Angst hinderlich wird und nicht mehr nur zeigt, dass das Jetzt kostbar ist, sollte man sich was überlegen.
Dazu fallen mir spontan zwei Fragen an dich ein (ich hoffe, ich tret dir damit nicht zu nah 🙂):
Hast du vielleicht einen "Glauben" (wie auch immer der aussehen mag), der dir die Frage nach dem "Danach" beantwortet, der dir vielleicht hilft, damit umzugehen? Vielleicht der Gedanke, dass wir alle genauso aus dem "Nichts" gekommen sind? Denn was waren wir vor unserer Geburt?
Und: Glaubst du, es wäre anders, wenn du in deinem Leben schon etwas "Bleibendes" geschaffen hättest (ohne zu wissen, was du schon getan hast 😀) Also ich meine: Wenn du deinem Leben einen Sinn gegeben hättest, der dich überleben wird? Klingt jetzt ein bisschen abstrakt, ich denk noch mal nach, ob ich das konkreter machen kann, was ich meine... *grübel*

aber @Joey_Silver, was Du schreibst ist eben auch in meinem Kopf 🙂
Vielleicht steckt auch ein bisschen "es ist zu schön, um wahr zu sein" oder "darf ich so glücklich sein oder ist glücklich sein nicht nur die Ruhe vor dem Sturm" in deinen Gedanken drin?
 
Leute, ich hab heut meinen Sülzberger 😀 Ich mach mal weiter, vielleicht hilft euch ja irgendwas von dem, was in mir vorgeht bei euren Gefühlen und Ängsten:

Für mich ist die Vergänglichkeit das Korrektiv: Wenn diese Gedanken kommen, lasse ich mein derzeitiges Leben kurz vorbeilaufen – im Schnellcheck. Wenn ich morgen gehen müsste, was würde mir auf der Seele brennen? Wem müsste ich etwas sagen, was müsste er wissen, ehe ich gehe? Ist das Leben, das ich zur Zeit führe, für mich stimmig? Ich versuche so zu leben, dass ich quasi im Moment des Gehens sagen würde: JA, so und nicht anders und jederzeit wieder! Ich habe „zu wenig Zeit“ als dass ich sie mit nutzlosen und fruchtlosen Dingen verschwenden wollte. Ich meine das nicht im Sinne von „nur schnell alles durchpeitschen, was auf meiner Lebensliste steht“ sondern im Sinne von: „Reg ich mich jetzt darüber auf? Ist das und das es wert, dass ich mich damit jetzt herumschlage?“

Eine meiner schlimmsten Vorstellungen ist, im Streit mit jemandem zu gehen. Daran denke ich häufig, wenn ich Verbrechen in der Zeitung lese. Du weißt nie, wann es so weit sein wird. Solltest du dann nicht die, die dir etwas bedeuten, genau das wissen lassen? Ich meine nicht: Alles verzeihen und drüber hinwegsehn – nein! Faule Kompromisse gehören nicht dazu. Ich meine: Trotz aller Differenzen den, den man liebt, wissen zu lassen, dass man ihn schätzt.

Wenn ich mir so Sachen aus der Vergangenheit anschaue, denke ich teilweise auch: Mensch, das kannst du jetzt auch mal sein lassen. Mach nicht alle Türen zu, halte nicht die Wunden offen, nur aus Verbocktheit und Sturheit, auch wenn du verletzt worden bist.
Ich habe zB vor kurzem aus dieser „Korrektursicht“ heraus meinem Vater geschrieben, dass ich ihn liebe. Es ist so, ich kann es nicht verleugnen. Ich habe es ihm nur nie gesagt, weil das Leben mit ihm früher schwer war. Ich bin vor ihm davongelaufen, ich habe ihn ignoriert, ich habe mit ihm gestritten. Und trotzdem ist er ein Teil von mir, der mir unglaublich viel bedeutet. Und ich fragte mich (in der Nacht xD), worauf ich eigentlich warte. Ob ich das eines Tages an seinem Grab zu ihm sagen will. Aus verletztem Stolz, aus verletztem Gefühl heraus. Nein, ich hab es ihm geschrieben.

Das ist Vergänglichkeit für mich – ein notwendiges Korrektiv, das mir den Kopf zurechtrückt und mich überlegen lässt, was die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben sind.
 

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